2 x Erinnerungskultur

Die  Nationalsozialisten haben – immer in Hinblick auf ihre eigene Ideologie – Geschichte erforscht und  „passend“ gemacht.

Aus diesem Grund haben sie Erinnerungsorte geschaffen. Der Sachsenhain,  der an die Zwangschristianisierung der Sachsen durch Karl den Großen erinnern soll, ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür.

Unter umgekehrten Vorzeichen wird Geschichte auch heute  noch „passend“ gemacht, indem durch Gedenkmonumente, die Täterrolle am Leben erhalten wird.  Mein Mitgefühl für das nationalsozialistische Unrecht, was vor allem jüdischen Menschen in Deutschland widerfahren ist, möchte ich nicht in Abrede stellen. Doch ich frage mich, ob der unbestreitbare Schrecken des Holocaust es rechtfertigt,  Deutschland schon seit nunmehr fast 70 Jahren wie ein kleines Kind in eine dunkle Ecke  zu stellen und zu befehlen: „Schäm dich, ansonsten kommst du hier nie mehr raus!“

Soll Deutschland für immer ein depressiven Patienten bleiben, der ständig seine miese Vergangenheit mit dem Psychiater bespricht, ohne jemals freudvoll in die Zukunft  blicken zu können? Wer zieht einen Nutzen aus diesem Status Quo? Was würde passieren, wenn diese kollektive Fessel abgenommen werden würde und wer möchte dies verhindern? Warum?

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Und so wird der Berliner Boden mit Betonklötzen versiegelt, derweil die „Täter“generation verstorben oder ein biblisches Alter erreicht hat. Wer jetzt alt ist, hat die Schrecken des Krieges allenfalls als Kind mitbekommen. Meine Altersklasse kennt diese Zeiten nur aus Familienerinnerungen, dem Geschichtsbuch und von unzähligen erzieherisch-motivierten Filmen, die immer wieder den gleichen grausamen Plot erzählten. Die ganz junge Generation liebt es, „Hitler“ im Unterricht durchzunehmen,  eben „weil er so böse ist“, verwechselt dabei aber die Daten des 1. und 2. Weltkriegs oder verlagert die Geschehnisse in ganz andere Jahrhunderte.

Derweil bricht der Beton des Holocaust-Denkmals in Berlin:  nach nur neun Jahren: Materialermüdung.

Der nächste Schritt wäre es – so meine Meinung –  zuzulassen, dass die  Natur die Berliner Betonwüste aus Tod, Schuld und Stagnation zurückerobert. Wird es nicht Zeit, dass Geschichte geheilt wird, indem man sich auf eine positive Zukunft konzentriert? Und so sollte man den baulichen  Verfall seinem Lauf nehmen lassen und – in einigen Jahren –  das Holocaust-Denkmal, durchaus unter Einbeziehung bestehender architektonischer Elemente und pädagogisch-musealen Erklärungen,   zum Park  und Spielplatz verwandeln und erweitern.  Das wäre ein quasi magisch-symbolischer Akt der Heilung. Doch dazu gehört ein Mut, den unsere Politiker viel zu wenig besitzen.

Und wie sieht es aktuell im Sachsenhain aus?

Diese Gedenkstätte  wird nicht nur „versteckt“, sondern wurde  schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts  „christlich“ überschrieben. Sie ist nun Teil einer evangelische Bildungsstätte.

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