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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Architektur und Macht

Written By: Marina Sosseh - Dez• 15•13

Ausführlich habe ich mich in der letzten Zeit mit den Kunstobjekten am Maschsee beschäftigt und in diesen – was wahrscheinlich mehr als gewagt ist – in Zusammenhang mit Friedrich Nietzsches „Übermenschen“ gestellt. Ich habe sie quasi als „Illustration“ dazu gesehen und war selbst überrascht, dass die logische Folge, die ich generierte, auf irgendeine Art und Weise  schlussfolgernd „funktionierte“.

Ob dieser von mir gesehene Zusammenhang bewusst von denjenigen, die die Figuren auswählten und aufstellten, intendiert war, vermag ich nicht zu sagen. Nachzuweisen ist jedoch, dass der Maschsee im Mittelpunkt eines Gauforums liegen sollte.

Was aber  ist ein Gauforum?

Wikipedia hilft auch hier weiter. Dort heißt es:

„Gauforen sollten in den Städten die Zentren der Macht im Dritten Reich symbolisieren. Gigantisch konzipiert verdeutlichten sie die Zentralisierung des Führerstaates. Das Forum kombinierte Verwaltungsgebäude und Aufmarschplatz im Karree. Hier residierten die Gauleitung, die Gliederungen derNSDAP und sonstige Verwaltungseinrichtungen. Gauforen entstanden ab1937 in einem groß angelegten Bauprogramm in allen Gauhauptstädten, um die Bedeutung der Partei und der „Bewegung“ durch ein Partei- und Verwaltungszentrum zu manifestieren. Dabei war beabsichtigt, den geschlossenen Komplex, bestehend aus Halle des Volkes, Gauhaus, Glockenturm und Platz, als neues Zentrum den historischen Stadtkern  gegenüberzustellen.“

Letzte Woche hielt Dr. Sid Auffarth   im Zuge der Ausstellung  „Stadtwelten“ im Historischen Museum Hannover einen Vortrag über „Kolossale Stadtarchitekturen und nahm dabei besonderen Bezug auf Hannover. Alles recht interessant, zumal führende Architekten der Weimarer Zeit  im Hannover  der Nachkriegszeit weiterhin aktiv waren und somit bewusst auf das Erscheinungsbild des heutigen Hannovers einwirkten.

Mittlerweile  gibt es eine neue Generation von Architekten, die die Wahrnehmung der Städte dominieren. Die Intentionen der Auftraggeber, für die sie arbeiten,  würde ich indes, wenn ich sie mit denjenigen der nationalsozialistischen, wilhelminischen oder gar mittelalterlichen Epoche vergleiche, als „so anders“ nicht veranlagen.

Immer noch  scheinen mir große Häuser und Gebäude Fetische von machtvollen Interessen sein, die das Geltungsbewusstsein ihrer Besitzer widerspiegeln.  Hier soll dem gemeinen Fussvolk   eine unumstößliche Ehrfurcht eingeflösst werden,  die niemals in Frage stellt, was in Beton und Glas schon längst  zementiert ist.

Dies gilt auch dann,  wenn – vielleicht nur zur Ablenkung des Betrachters – verspielte Elemente in  die Gebäudefassade eingearbeitet werden oder das Haus, ähnlich wie ein Kartenhaus wirkt, was jederzeit  in sich zusammenfallen könnte.  Tut es aber nicht, denn schließlich werden die machtvollen MACHenschaften   der Eigentümer nicht in Frage gestellt, von denjenigen, die das Gebäude beständig  zwingt,  bewundernd aufwärts zu blicken und die so alltäglich lernen müssen, das zu sein, was ihnen von den Machthabern  zugestanden wird:  nämlich nichts als ein  Untertan.

Zwar erwecken asymmetrische Elemente, wie hier beim Gebäude der Nord-LB in Hannover,   den Eindruck des  drohenden Disasters, sollen aber wohl nur davon ablenken, die wahren  knallharten Intentionen hinter den spiegelverglasten Fassaden zu erkennen, die nichts – absolut überhaupt nichts mit Spiel und Spaß zu tun haben. Im Gegenteil.

In die Karten lassen sich diese Herrschaften ohnehin nicht blicken. Und damit ist  das moderne Banken-Haus  eine Art von  moderner mittelalterlicher Burg oder ein Gauforum der Finanzwirtschaft: Verspiegelt jedoch!

NordLB-Zentrale am Aegi IMG 4405

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