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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Der Klusfelsen in Goslar

Written By: Marina Sosseh - Jul• 20•14

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Der Klusfelsen in Goslar scheint mir ein Miniaturabbild der Externsteine bei Detmold zu sein.

Mein Fotoalbum ist hier zu sehen.

Allerdings liegt er reichlich versteckt und selbst das Hinweisschild, das in seine Richtung verweist, lässt einem im Umklaren darüber, wo man denn abbiegen muss, um zwischen Einfamilienhäusern und Altersheim endlich den Klusfelsen zu erreichen.

Insofern folgt hier eine kurze Wegbeschreibung, für all diejenigen, die diese vorchristliche Kultstätte besuchen möchten:

Wenn man per Fuß unterwegs ist, erreicht man über die Mauerstraße die Okerstraße, in die man links abbiegt. Kurz vor der Bahnstrecke biegt ein unscheinbarer Fußweg zwischen Graffiti verschmierten Gewerbehallen nach rechts ab.  An einer Weggabelung muss man erneut rechts abbiegen und erreicht dann die Kluskapelle.

Unterhalb des Klusfelsens kommt man heraus, wenn man die  Okerstraße schon an der Ampelanlage verlässt und den Reiseckenweg folgt. Die erste Abzweigung nach links – der Martin-Luther-Weg – bringt einem dann zum Felsen, der auf der Wiese hinter einem Altersheim steht.

Wir haben nun die erste Hürde genommen: Wir sind angekommen und können jetzt den Felsen entdecken.

Ähnlich wie die Externsteine gibt es eine Treppe, die zum Felsen hinaufführt und die vielleicht rituell begangen worden ist. Der Weg von unten nach oben führt an einem Opfer-Altar vorbei. Direkt vor dem Eingang des Klusfelsen, der durch eine Kapelle christlich überschrieben worden ist, befindet sich – mitten auf dem Weg – ein Grab, was zugemauert ist. Vielleicht musste sich der Initiant dort hineinlegen, um einen symbolischen Tod zu erfahren, bevor er in das Innere des Felsen geführt wurde, dessen Räumlichkeiten, bis auf die Kapelle, heute vermauert sind?

Der Felsen selbst wurde vielleicht – genauso wie die Externsteine – als Sonnenobservatorium genutzt. Eine Rufrinne weist ihn – über die bereits aufgezählten Merkmale hinaus – als bedeutende vorchristliche Kultstätte aus.

Doch all dies bleibt höchst spekulativ, schließlich gibt es aus dieser Zeit keine schriftlichen Zeugnisse. Auch wurde der Sandsteinfelsen während seiner wechselvollen Geschichte mehrfach umgebaut und umgestaltet, was bei einer intuitiven Annäherung an den Felsen berücksichtigt werden muss.

Bei meinen vielen Exkursionen zu „Kraftorten“ habe ich  wiederholt die Nähe zwischen „weiblich“ konnotierten Orten zu „männlichen“ festgestellt. Diese Beobachtung lässt sich auch am Klusfelsen stützen:

Die Kapelle nämlich, die in den Klusfelsen gehauen wurde, ist Maria gewidmet, was eventuell auch auf einem in der Vorzeit weiblichen Gottheiten – wie beispielsweise Freya/Frigg – gewidmeten Ort hinweisen könnte. Überhaupt ähnelt eine Felsenaushöhlung immer auch einer natürlichen Höhle, also einen mütterlichen Schoß, der empfängt, um neu zu gebären. Und  – auch ohne jetzt C. G. Jung bemühen zu müssen – ist es sicherlich den LeserInnen einsichtig, dass es sich bei dieser Symbolik durchaus, um einen Initiationsweg handeln könnte, der vom mütterlichen Geborenwerden zum siegreichen Triumph der Sonne gegen die Finsternis des Winters führen könnte. Auch „umgekehrt“ kann das Wegrituell beschritten werden. Wenn der Initiant vom Innern des Tempel-Felsens den Vorhof betritt, kann er damit auf einer magischen Ebene den Zeitaspekt nach der Sommersonnenwende nachvollziehen. Nachdem die Sonne im Jahreslauf ihren höchsten Stand erreicht hat, lässt die lichtvolle Zeit nach, genauso wie sich auch der Mensch mehr und mehr in die Geborgenheit seines Heimes zurückzieht. Er tut es der Natur gleich, die sich im Herbst und Winter in die Erde zurückzieht, um dann im Frühjahr ihre in der Dunkelheit gewonnene Kraft freudvoll explodieren zu lassen.

Den „männlichen“ Gegenpart zum weiblich interpretierten Felsen finden wir oberhalb des Klusfelsen, wo sich die Ruine der Klosterkirche St. Peter befindet. Der Name Peter verweist eventuell auf den höchsten Gott der Germanen: Wotan.

Hier soll eine Kreuzigung stattgefunden haben.

Dies schreibt schon der Kultplatzforscher Siegfried Hermerding, der im Klusfelsen Überreste des legendären Atlantis nachwies und die im Sandstein zu sehenden Figuren und Zeichen aufwändig fotografiert und im Sinne seiner gewagten Theorie gedeutet hat.

Er wiederum ist sicherlich nicht nur von theosophischen Gedankengut beeinflusst, sondern bezieht sich zum Teil auch auf Karl Maria von Wiligut.

Wiligut verlegt zumindest Anklänge der christliche Heilsgeschichte in den Harz. Nach Wiligut gab es im 10. Jahrhundert v. Chr. kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Wotanisten und Irministen, die den lichtbringenden Gott Irmin verehrt haben sollen. Der Anführer der Irministen, genannt Baldur-Krestus, der wie Jesus in einer unbefleckten Empfängnis geboren sein soll, wurde – laut Williguts Theorie – auf dem Petersberg von den Wotanisten gekreuzigt, überlebte aber diese Tortur und floh in die Wüste Gobi, wo er eine Glaubensschule gründete.

Wer weiß, vielleicht haben all die Spekulationen zumindest einen wahren Kern. Balder ist uns  heute noch bekannt als germanischer Lichtgott, der von Wotan geopfert wurde, um dann in die Unterwelt abzusteigen. Irmin soll ein Beinahme des Gottes Tyr/Tiwaz/Tius/Saxnot gewesen sein und vom Irminglauben zeugt die Irminsul als größtes Heiligtum der Sachsen.

Bildet euch am besten selbst eine Meinung darüber und besucht den Klusfelsen.

Hier noch eine Nachbildung der Irminsul im fast gleich lautenden Ort Irmenseul im Landkreis Hildesheim.

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