Die Freude am Bösen

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Die Till Eulenspiegel-Figur steht in Oslo und wurde mir freundlicherweise von Berit zur Verfügung gestellt.

Grund genug  hier einen weiteren Ausschnitt aus meinem Till Eulenspiegel-Buch abzudrucken, diesmal zum Thema „Neid“:

Viel zu lange hat man uns betrogen, um das Lebensglück, was uns zusteht. Wir wurden in Ketten gelegt und zur Arbeit verdammt. Wir mussten den Tag verkaufen, um in der Nacht ruhig zu schlafen. Wir mussten die Doppel- und Dreifachbelastungen ertragen, als attraktive Frau, als fürsorgliche Mutter, als dumme Arbeitsbiene. Und was war unser Lohn dafür? Nichts als Verachtung. Du bist und bleibst eine ewige Verliererin, arbeitest vielleicht nur noch, um Schulden abzubezahlen, hast eine Existenz als Sklavin inne und schlimmstenfalls ist dein Bewusstsein dabei so vernebelt, dass du das noch nicht einmal bemerkst oder mit Phrasen des „positiven Denkens“ überspielst. Und selbst dann, wenn du, lieber Leser, ein Mann bist (was sicherlich viele Vorteile in unserer Welt hat!), ergeht es dir nur unbedeutend besser, musstest du nicht „schaffen“ und „schaffen“ , aber wofür? Um die Bedürfnisse von wem zu erfüllen? Und während du – immer potent, allzeit bereit – dich noch im Hamsterrad drehst, werden dir in den Medien ständig visuelle Bilderschnipsel von irgendwelchen „Modellen“ oder greisen, feisten Yachtbesitzern vor- gehalten, die höhnisch zu sagen scheinen: „Uns wirst du niemals bekommen“ und „Das wirst du niemals erreichen“. Neid wird so provoziert, von diesen selbst ernannten Eliten, die mittlerweile wohl kaum noch von der Weltmacht träumen, wie es uns dümmliche Hollywood-Schinken weismachen wollen. Mr. Evil hat doch schon längst erreicht, was er wollte und hält uns – per werbewirksamer „MindControl“ – fest in seinen Klauen. Neidisch dürfen wir aber auf diese „Parasiten“ nicht sein, denn Neid ist „schlecht“, so wird uns suggeriert; Neid könnte gar dazu führen, dieses Spiel, was wir uns nicht ausgesucht haben, zu boykottieren. Nein, neidisch darf man nicht sein. Mit dieser Prämisse lassen wir uns domestizieren, genauso wie die dämlichen Nutztiere, deren triste Existenz unabweisbar zur Schlachtbank führt.

Der Glaubenssatz „Nicht-neidisch-sein-zu-dürfen“ wurde uns schon seit Jahrhunderten eingetrichtert und ist so längst zu einem abgesunkenen Kulturgut geworden, das anscheinend niemand mehr in Frage zu stellen wagt.

Neid, lateinisch invidia, gehört dann auch zu den sieben Lastern, die in der klassischen Theologie keine Sünden an sich, sondern vielmehr Voraussetzung für Sünden darstellen. Der Vollständigkeit halber seien auch die anderen hier aufgezählt: Es sind: Hochmut (Eitelkeit, Stolz, Übermut), Geiz (Habgier), Wollust (Ausschweifung, Genusssucht), Zorn (Rachsucht, Vergeltung, Wut), Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht) und Faulheit  (Feigheit, Ignoranz).

Wir beschließen, uns nicht mehr zu begrenzen. Jetzt ist Schluss damit. Von nun an steht das Ich im Mittelpunkt und der eigene Geburtstag ist der größte Feiertag für uns. Wir fordern ein, was uns zusteht. Wir lassen uns nicht mehr manipulieren und nutzen stattdessen die Skills der Manipulatoren, um zurückzugeben, was ihnen zusteht. Und so „drehe“ ich nun die Prämissen, die ich aus der Lektüre des Eulenspiegels entnommen habe um und …

… erhalte interessante Antonyme, die im Buch „Lasst uns böse sein“ nachzulesen sind.

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