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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Eine hochexplosive Wanderung

Written By: Marina Sosseh - Jan• 14•18

Das Wetter war trüb und nasskalt, als sich die Wildfrauenhaus-Wandergruppe zur monatlichen Wanderung aufmachte. Diesmal sollte es nach Walsrode gehen. Das Heidestädtchen ist von Hannover aus in ca. 45 Minuten erreichbar, was uns für eine Winterwanderung gelegen kam, die ja immer zeitlich durch die frühe Dunkelheit begrenzt ist.

Bei der Planung hatte ich, recht unkreativ, auf die Informationen der Touristinformation in Walsrode zurückgegriffen. Auf der dortigen Online-Seite findet sich eine Rundwanderung, deren gpx-Daten ich herunterlud, um sie dann auf die Komoot-App aufzuspielen.

Der Start in Walsrode gestaltete sich schwierig und als wir dann endlich auf der Strecke der Rundwanderung angekommen waren, begeisterte uns der Weg, der viel zu lange an Häusern und Verkehrsstraßen entlang führte, wenig. Immerhin stellten wir fest, dass die Eigentümer der Walsroder Einfamilienhäuser einen Hang für liebevoll-kitschige Dekorationen ihrer Häuser haben, was auf ein ruhig-entspanntes Leben hindeuten mag.

Dieser Eindruck wurde durch die freilaufenden Hühner, die uns wiederholt begegneten, noch verstärkt.

Die Bundesstraße, an der wir aber viel zu lange entlang liefen, war es nicht. Als sich dann ein Wäldchen vor uns auftat, sogar mit Wanderparkplatz und Beschriftung, verließen wir die geplante Route. Der Wald versprach schließlich mehr Ruhe, als die an uns vorbei sausenden Autos. Und als das Hinweisschild uns sogar noch auf Hügelgräber aus der Bronzezeit hinwies, war die Entscheidung schon gefallen und die Handy-Navigation wurde abgeschaltet.

Alsbald tat sich ein kleiner Urwald vor uns auf.

Das, was als „Reste industrieller Pulverproduktion“ auf dem Hinweisschild am Parkplatz bezeichnet wird, zeigte sich uns in Form von Gebäuderuinen und einen tiefen Loch im Boden. Ein Hinweisschild verlor sich in geschichtliche Details, die aber wenig adressatenbezogen waren, weswegen sich uns das, was wir an Überresten vor uns sahen,   nicht erschloss.

Leider war die Zeit nun schon soweit fortgeschritten, dass wir den Rückweg nach Walsrode antreten mussten.Da uns nun erneut eine Stunde an der Bundesstraße entlang drohte, mussten wir die weitere Erkundung des Wäldchens auf ein nächstes Mal verschieben und den Rückweg antreten. So ging es dann  über ein Feld mit Hügelgräbern hinweg zurück zum Flüsschen, was uns wieder zur Autostraße  führte.

Dabei entdeckten wir dann noch dieses ältere Schild, was uns unter Lebensgefahr davor warnte, die Wanderwege zu verlassen. Auch erfuhren wir hier, dass es bei dem jetzigen Landschaftsschutzgebiet  um eine Pulver- und Sprengstoffproduktionsstelle des Nationalsozialismus handelt. Spannend!

Der Versuch der Bundesstraße zu entgehen, endete an einer Mergelgrube, sodass  uns dann leider nichts anderes übrig blieb, als den Anweisungen von Google Maps zu folgen.

Am Bahnhof angekommen, war der Zug gerade weggefahren. Glücklicherweise weist der Walsroder Bahnhof eine nette Gastronomie auf, sodass wir uns die Wartezeit mit einer Tasse Kaffee und einer bunten Tüte versüßen konnten.

Fazit: Ein Ausflug zum Naherholungsgebiet Eibia/Lohheide , was wir nur  zufällig entdeckten, lohnt sich allemal. Schließlich lässt sich hier nicht nur auf den Spuren der Trichterbecherkultur wandeln, sondern auch der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie nachspüren.

In der Zeit von 1938 bis 1945 standen hier 300 Gebäude und 7 unterirdische Anlagen, die  allesamt perfekt getarnt waren. Ein Teil der Anlage wurde  im Zuge von Reparationszahlungen abgebaut und dann bis zum Jahre 1950 gesprengt. Dadurch, dass das Gelände bis 2006 eingezäunt und nicht betreten werden durfte, ist hier ein Reservoir für Pflanzen und Tiere entstanden. Genauere Details zur Geschichte lassen sich beispielsweise hier nachlesen.  Einige Gebäude sind noch zu sehen, weshalb wir unbedingt noch einmal wiederkommen müssen!!!

Die EIBIA G.m.b.H. für chemische Produkte war ein deutsches Chemie- und Rüstungsunternehmen, das in Bomlitz in der südwestlichen Lüneburger Heide ansässig war. Es entwickelte sich von 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mit fünf Produktionsanlagen an drei Standorten zum größten Produzenten des Deutschen Reiches für Schießpulver. (Wikipedia, besucht am 14.01.2018)

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