Forget about Nick

Da hatte ich mich gefreut, zwei Kino-Gutscheine gewonnen zu haben, um dann feststellen zu mĂŒssen, dass der Betreiber des einzigen Programmkinos, das den Film in Hannover zeigt, sich aus fadenscheinigen GrĂŒnden weigert, diese einzulösen. Ärgerlich.  Ich hatte eine Freundin eingeladen, weswegen ich, trotz des Ungemaches,  die Tickets kĂ€uflich erwarb. Positiv gestimmt war ich dabei nicht, wollte nun aber wissen, ob der Film, den ich unter normalen UmstĂ€nden nicht besucht hĂ€tte, irgendwelche Überraschungen fĂŒr mich bereithalten wĂŒrde.

Wenn in einem deutschen Film, der in New York spielen soll, in Wirklichkeit aber fast die gesamte Zeit in einem schicken Loft-Appartement platziert ist, auf der TĂŒr des New Yorker Buchladens ein “Refugees Welcome” – Abziehbildchen klebt, dann handelt es sich um geförderte Staatspropaganda. Nicht immer muss sie im direkten Auftrag erfolgen.  Mittlerweile  reicht es bei den meisten Kulturschaffenden aus, an den staatlichen Fördertöpfen zu hĂ€ngen, um im vorauseilendem Gehorsam “politisch korrekt” zu agieren.

Inhaltlich handelt Margarethe von Trottas Film von zwei abservierten Frauen, die vom gemeinsamen Ex die Wohnung ĂŒberschrieben bekommen haben und diese sich nun, mehr oder wenig freiwillig, teilen mĂŒssen. Die Ältere von den beiden verkörpert den mĂŒtterlichen Typ. Diese hat die eigene Karriere  zugunsten der Familie zurĂŒckgestellt, um dann in den letzten fĂŒnf Jahren noch einen Doktor in Neuerer Deutscher Literatur nachgeschoben zu haben, der sich jedoch beruflich nicht mehr verwerten lĂ€sst. Sie ist eben zu alt und so bringt sie dann in New York im kleinen Kreis jungen Menschen die Gedichte von Ingeborg Bachmann nahe. “Magst du das dann mal vorlesen?”, sagt sie, derweil die andere, die einst ihren Mann ĂŒbernommen hat, die nun gemeinsame Wohnung, mit Hilfe eines smarten Maklers, Kaufinteressenten prĂ€sentiert. Lustig ist das jedoch nicht.

Ihre Mitbewohnerin ist 40 Jahre alt, was anscheinend das Alter ist, wo Nick, so heißt der Ex, sich  jĂŒngere Gespielinnen sucht. Immerhin hat er den einstigen Mannequin eine Modefirma finanziert, wo sie sich nun, auf der Suche nach altersgerechter Kleidung, im Life-Style-Business versucht. VollstĂ€ndig darauf kann sie sich jedoch nicht konzentrieren, ist sie schließlich vom Liebeskummer zerfressen.

Und der Mann, um den sich alles dreht? Der hat sich ein junges Modell geangelt, ist aber von deren Lebensstil ĂŒberfordert, sodass er reumĂŒtig zur Karrierefrau, die einst auch mal eine Modepuppe war, zurĂŒckkehrt. Die verzeiht,  macht aber zur Bedingung, dass er nun beide Exfrauen nehmen mĂŒsste und ich frage mich, ob das Spaß oder die Aufforderung zur Polygamie ist. In den ge”gender”ten Zeiten, in denen wir heutzutage  leben, ist doch alles Verhandlungsbasis, nur anscheinend die Rolle der Frau nicht, die nach wie vor auf den Mann fixiert zu sein scheinen muss.  Insgesamt fand ich den Film daher enttĂ€uschend.

Ein Gedanke zu „Forget about Nick“

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