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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

In Draculas Reich. Teil 10

Written By: Marina Sosseh - Jan• 02•18

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Am letzten Tag meiner Rumänien-Rundreise zeigte sich das Wetter nicht von seiner besten Seite.

Ceausescus einstiger “Palast des Volkes” und heutiger Sitz des Parlaments  zeigte sich mir also im Dauerregen. Architektonisch hat sich der einstige Diktatur von den visuellen Erlebnissen einer Nordkorea-Reise beeinflussen lassen. Er selbst hat die Fertigstellung eines flächenmäßig größten Gebäudes der Welt  nicht mehr erlebt.

So ähnlich muss auch der Plan der Nationalsozialisten für die Welthauptstadt “Germania” ausgesehen haben.  Die Achse führt genau auf den “Palast des Volkes” zu. Um hier Freiraum zu schaffen wurden die Häuser von rund 40.000 Bukarestern zerstört und durch Neubauten ersetzt.  Vom einstigen “Klein-Paris” des 19. Jahrhunderts ist kaum noch etwas zu sehen.

Hier wird eine neue orthodoxe Kirche in Monumental-Architektur gebaut.

Auf dem Metropoliten-Hügel steht die Patriarchenkirche aus dem 17. Jahrhundert.

Hier ein kleiner Handykamera-Rundumschwenk. Man beachte das Behältnis für das “Heilige Wasser”.

 

Danach besuchten wir das Dorfmuseum Muzeul Naţional al Satului “Dimitrie Gusti”.  Es gibt einen Überblick über rumänische Architektur verschiedener Jahrhunderte und Landstriche. Im Kontrast zur kommunistischen Bukarester  Monumentalarchitektur mit seinen Straßen-Achsen kam es mir hier fast idyllisch vor.  Das Museum wurde 1936 gegründet,entstand also  in einer Zeit, als europaweit  diese Art von Museen beliebt waren. Im Zuge der Heimatschutzbewegung und der damit bewussten Abkehr von den Folgen der Industrialisierung entstanden, ausgehend von Skandinavien, europaweit solche Museen.  Mit der späteren sozialistischen Ideologie und ihrer Verehrung des Bauernstandes ließ es sich inhaltlich ebenfalls verknüpfen.

Angrenzend zum Freilichtmuseum befindet sich das prachtvolle Wohngebäude der rumänischen Königsfamilie, die nach dem Sturz von Ceausescu  aus dem Schweizer Exil zurückkehrte. Das Anwesen darf von ihnen kostenlos genutzt werden. Darüber hinaus erhält der König eine monatliche Zahlung von mehr als 1000 Euro, die nach seinem Tod an seine Tochter Margareta weiterbezahlt werden.

Momentan ist in der Diskussion, inwieweit sich das rumänische Königshaus für Lobbyarbeit für den rumänischen Staat  benutzen lässt.

Zum Abschluss machten wir noch einen kleinen Spaziergang durch die Bukarester Altstadt. Jenseits der sozialistischen Bebauung gibt es auch noch das ein oder andere alte Haus zu betrachten.

Das Hotel Hangul lui Manu ist eine alte Raststätte, die auch heute noch als Hotel genutzt wird.  Das aus dem frühen 19. Jahrhundert stammende denkmalgeschützte  Gebäude gleicht von Außen einer Festung, von Innen lässt sich ein freundlicher Hof genießen.

Nicht dort, dafür aber schon in Flughafennähe nahm ich dann noch ein wirklich ausgezeichnetes rumänisches Essen ein. Es war der für Rumänien typische Maisgrieß mit reichlich Schafskäse, Spiegelei und Würstchen in Paprika-Tomaten-Soße. So war ich dann kulinarisch gut vorbereitet auf den Ryanair-Flug, der am Abend erst mit Verspätung in Richtung-Deutschland startete und bekanntlich keine Mahlzeit inkludiert.

Ich selbst hätte Ryanair als Fluggesellschaft niemals gewählt, hatte aber, da es sich  eben um eine Pauschalreise handelte, hier keine Wahlmöglichkeit. Lieber bezahle ich ein paar Euros mehr, um so ein Mindestmaß an Bequemlichkeit vor und während des Fluges zu genießen. Ich empfehle diese Fluggesellschaft definitiv nicht.

In Berlin angekommen  fuhr ich vom Flughafen Schönefeld, gegen Mitternacht,  mit dem Shuttlebus zum Hotel Holiday Inn Berlin Airport. Dieses Hotel kam mir, nach all den rumänischen Hotels, wie ein kleines Paradies vor. Schon allein der Anblick des gemütlichen Boxspringbettes versetzte mich in Hochstimmung. Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen war ebenfalls ein Gedicht, sodass ich  am nächsten Morgen die letzte Etappe meiner Rückreise recht entspannt antreten konnte.

Fazit: Insgesamt hat mir die Rundreise ausgezeichnet gefallen und ich würde sie jederzeit wieder machen wollen. Rumänien ist definitiv mehrere Reisen wert, gerade dann, wenn man sich, wie ich,  für historische  und kunstgeschichtliche Hintergründe interessiert. Auch die Natur scheint mir atemberaubend zu sein, sodass ich mir nun durchaus auch eine entspannte Kur- und Wanderreise in Rumänien vorstellen kann.

Vor meiner Reise hatte ich einige Bedenken bezüglich des Reiselandes: Zu sehr hatten sich die medialen Bilder von schrecklichen Waisenheimen und ausgesetzten Straßenhunden in mein Bewusstsein festgesetzt.   Die permanente Erfahrung der südosteuropäische Bettel-Mafia, die mit dazu beiträgt, dass die Innenstadt meiner Heimatstadt zeitweise zur nahezu “unbegehbaren Zone” geworden ist,  trug im Vorfeld der Reise  auch nicht dazu dabei, dass ich einem Land, mit einem relativ hohen prozentualen Bevölkerungsanteil an Roma, verstärktes Vertrauen entgegenbringen konnte.  Eine Pauschalreise erschien mir daher angeraten: eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe.  Als Individualreisende ohne Auto hätte ich innerhalb von acht Tagen sicherlich nicht diese Vielzahl von Reiseeindrücken haben können. Auch hat es seine Vorzüge, einen engagierten Reiseleiter an seiner Seite zu wissen, sodass ich diese Reise in guter Erinnerung behalten werde.

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