In Draculas Reich. Teil 5

Nachdem mich jetzt, kurz vor Weihnachten, noch eine Virusinfektion gepackt hat, bleibt unerwartete Zeit, um den Blog-Bericht meiner herbstlichen Rumänien-Rundreise fortzusetzen.

Mittlerweile sind ja schon vier Teile online: Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Am vierten Tag der Rundreise verließen wir Siebenbürgen und fuhren über den Tihuta Pass in die Bukowina.

Zuvor machten wir jedoch einen Halt  in Targu Mures. Die Stadt im siebenbürgischen Hochland ist Hauptstadt der Szekler, eine ungarisch sprechende Minderheit, die seit Jahrhunderten in Südost-Siebenbürgen lebt.

Die römische Wölfin vor der Präfektur mit  ungarischem Majolikadach soll die dako-römische Herkunft der Bewohner  betonen. Eine solche Rückbesinnung auf einen Mythos  wurde von Ceausescu angeordnet, um die eigene nationale Identität zu stärken.

Das ist die orthodoxe Kathedrale.

In Targu Mutes besuchten wir nicht nur die orthodoxe Kathedrale, sondern auch den Kulturpalast, der an siebenbürgischen Baustil angelehnten Jugendstil zeigte.

Im Innern faszinierten mich die aufwändigen Wandmalereien.  Hier ist wohl ein schamanisches Ritual zu sehen.

Ein Orchester probte und so wurden wir stimmungsvoll mit klassischer Musik empfangen. In der Pause begann einer der Musiker ein neugieriges Gespräch mit mir,  derweil meine Reisebegleiter einen Kaffee tranken.

Danach ging es schon weiter nach Bistritz, das auch noch in Siebenbürgen liegt. Hier machten wir erneut einen kurzen Stopp und ich ass (mal wieder) eine Kuttelsuppe, die in Rumänien sehr beliebt ist und die ich  so gerne  mag.

Auch  Bistritz  ist eine Gründung der Siebenbürger Sachsen aus dem 12. Jahrhundert.

Die Fahnen in der evangelischen Stadtpfarrkirche aus der 1. Hilfe des 15. Jahrhunderts gehören den Zünften.

Die Kirche ist mit orientalischen Teppichen aus dem 16. und 17. Jahrhundert dekoriert.  Hier kann man also islamische Gebetsteppiche in einer christlichen Kirche bestaunen, was den jahrhundertelangen orientalisch-osmanischen Einfluss auf diese Region anzeigt und vielleicht auch erklärt, warum die Siebenbürger Sachsen ihre Kirchen gleichfalls mit Stoffen dekorieren.

Eine Informationstafel informiert darüber, dass Teile des Kirchendaches und der 75 Meter hohe Kirchturm, das höchste kirchliche Bauwerk des Landes,  am 11. Juni 2008 einer Brandstiftung durch zwei Roma-Kinder zum Opfer fielen. Mittlerweile ist alles wieder restauriert.

Als ich dort war, standen vor der Kirche Drahtskulpturen des rumänischen Künstlers Darius Hulea und ich fragte mich, mit welchen Werkzeugen er die Drahtflechtereien bewerkstelligen konnte. Ob es sich dabei um eine temporäre Ausstellung oder um eine dauerhafte Präsentation handelt, weiß ich nicht. Jedenfalls  beeindruckten mich die Skulpturen.

In Bram Strokers Dracula-Roman heißt es:

Die Dämmerung war hereingebrochen, als wir in Bistritz, einer alten, interessanten Stadt ankamen. Sie liegt hart an der Grenze – von hier aus führt der Borgopass in die Bukowina- und hatte demgemäß eine sehr stürmische Vergangenheit … Graf Dracula hatte mir geraten, im Hotel goldene Krone zu übernachten.

Der Borgopass heißt auch Tihuta Pass und durchquert die Ostkarpaten auf einer Höhe von 1200 Metern.

 

Kurz vor Ende der Öffnungszeit erreichten wir das Kloster Modovita.

Das Kloster sieht von außen wie eine Festung aus.

Die Außenfassade der Kirche ist fast vollständig in einer Mischung aus byzantinischem und Renaissance Stil mit lokalen moldauischen Motiven (beispielsweise Trachten und Landschaften) bemalt.

Die Äbtistin Tatiana gab uns noch eine Führung, die allerdings etwas mechanisch-abgespult wirkte, was daran liegen mochte, dass wir viel später als abgesprochen das Kloster erreicht hatten.

Während uns die prachtvollen Malereien erklärt wurden,  umrundete eine Nonne das Kirchengebäude und erzeugte  dabei auf einem Holzinstrument beständig klappernde Töne, die fast tranceauslösend wirkten.

Die Führung endete schließlich mit einem gemeinsam gesprochenen Vaterunser, dem ich mich aber entzog, was wiederum Schwester Tatiana dazu veranlasste, sich nach meinen Gründen zu erkundigen.  Ich wich aus.

Die Übernachtung im Hotel Sandra in Campulung fand ich schrecklich.  Das Hotel war ein in die Jahre gekommener Plattenbau aus den 70er Jahren, der mir  wie ein “Lost Place” vorkam, der  einfach, wohl eher zufällig, in Betrieb geblieben ist. Die Lage befindet sich am Ende eines Feldweges, irgendwo im rumänischen Nirgendwo. Immerhin war das Essen erträglich. Das Zimmer kam mir jedoch so unheimlich vor, dass ich die ganze Nacht, wie ein kleines Kind, bei Licht geschlafen hatte. Hier also begegnete mir der imaginäre Horror, den ich, trotz Dracula-Tourismus, in Siebenbürgen bisher nicht gefunden hatte.

 

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