mamiwata

MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

In Draculas Reich. Teil 9

Written By: Marina Sosseh - Dez• 31•17

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7  Teil 8

Am vorletzten Tag meiner Rumänien-Rundreise besuchte ich dann Draculas Schloss (Törzburg)  in Bran.

Die Burg kontrollierte, auf einem 60 m hohen Felsen der Südkarpaten trutzig stehend, einst das enge Tal mit  einem wichtigen Handelsweg, der Siebenbürgen und die Walachei verband.

Die Burg wurde von Dietrich, einen Ritter des Deutschherrenordens erbaut, und bestand im Ursprung nur aus einem Pfahlbau. Seine Besitzer hat die Burg dann des Öfteren gewechselt. Beispielsweise ging das Besitztum auch an dem walisischen Fürsten Mircea cel Batran, der den Vater des historischen Draculas, der mit wirklichen Namen Vlad Tepes hieß,   als Dank für die Unterstützung gegen die Osmanen in den Fürstenstand (Woiwoden) der Walachei erhob.

Insofern mag es sein, dass Dracula hier wirklich einst  weilte und dass es sich beim  “Nest von Dracula” nicht nur um einen Gag der Touristenindustrie handelt.

Um so mehr man sich in Bran der Burg nähert, um so mehr nehmen die Buden mit den Dracula-Devotionalien zu, was eigentlich schon wieder ganz lustig ist.

Bevor man den Zufahrtsweg zur Burg, die immer noch im Besitz der Habsburger ist,  begehen darf, muss man Eintritt bezahlen. Um Einlass zur eigentlichen Burg zu erhalten, ist dann erneutes “Schlange stehen” angesagt.

Die Einrichtung der Burg zeigt eine Mischung aus deutschen, italienischen und einheimischen Barock. Das heutige Schloss   geht auf den Hofarchitekten Karel Lima zurück, der das Gebäude zur Sommerresidenz der Königin Maria, der rumänischen Königin, ausbaute. Diese hatte es von der Stadt Kronsberg als Geschenk erhalten.

Zum Thema Dracula ist nicht viel zu sehen, nur ein kleines Zimmerchen geht auf dessen Geschichte ein.

Der irische Schriftsteller Bram Stroker schrieb “Dracula” übrigens  ohne jemals selbst in Siebenbürgen gewesen zu sein. Er recherchierte sein Buch aufgrund eines Baedeker-Reiseführers.

In seinem Roman verknüpfte er die historische Überlieferung vom Prinzen Vlad Dracula, was Sohn des Drachen bedeutet, mit der von Elizabeth Bathory, einer ungarischen Sadistin.

Das “Dracula” – Buch lässt sich auch unter geopolitischen Gesichtspunkten lesen. Bram Stroker war Protestant. Im späten 19.Jahrhundert gab es eine Immigration von Osteuropäern nach Britannien, genauso wie nach Amerika. Bram Stromer sah dies nicht im Sinne der heute herrschende Ideologie  als eine “Bereicherung” im Zeichen von kultureller Vielfalt, stattdessen  als eine Form von osteuropäischer  “Blutübertragung” an, die, so seine  Dystopie,  zu einer “Infektion” des Westens führen müsse.  In seinem Roman wird  Dracula  dann durch das Bowie Messers eines Texaners unschädlich gemacht . Dieses Roman-Ende lässt sich  als erfolgreiche Beendigung der  östliche Invasion lesen.

Im selben Augenblick aber sauste Jonathans großes Messer wie ein Blitz hernieder. Ich schrie laut auf, als es dem Grafen die Kehle zerriss, während sich gleichzeitig Mr. Morris’ Bowiemesser durch das Herz Draculas bohrte.

Was dann kam, schien uns wie ein Wunder: Vor unser aller Augen zerfiel der ganze Körper innerhalb nur eines Atemzuges zu Staub und wehte davon. Ich aber werde mein ganzes Leben lang froh darüber sein, dass kurz vor dem Augenblick der endgültigen Auflösung auch über das Gesicht des Grafen ein Ausdruck des Friedens kam, wie ich ihn nie auf diesem Antlitz für möglich gehalten hätte. (Stroker, Bram: Dracula)

Ein Gemälde zeigt den historischen Dracula.

Und weiter ging meine Besichtigungstour: Um ehrlich zu sein, hatte ich Mühe, überhaupt etwas im Schloss, außer Menschenmassen, zu sehen.  Zeitgenossen mit klausthrophobischen Tendenzen rate ich dringend von einer Besichtigung der Burg ab. Ich selbst würde mir diese Erfahrung auch kein zweites Mal antun wollen.

Im Pulk von Menschen ging  es den vorgeschriebenen Weg durch das Schloss mit seiner liebevoll dekorierten Einrichtung entlang. Es gab kein Entkommen. Gegen den Strom von Menschen wird die Flucht in die Gegenrichtung  schier unmöglich.

Man beachte auf diesem Foto die Menschen  auf der oberen Balustrade, die sich dicht an dicht drängeln.

Ab und zu sind mir Fotos (fast) ohne Menschen gelungen.

Eine Besichtigung wird, mit einer solchen Flut von Besuchern,   schnell zum blanken  Horror.  Nun ja, man muss die Kamera nur weit genug nach oben halten, um eine Idylle vorzutäuschen, die in der Realität nicht gegeben ist.

Nach der Besichtigung des Schlosses, aßen wir in Bran noch schnell etwas in einem italienischen Imbiss von mäßiger Qualität. Danach  ging es weiter nach Peles, was leider genauso ein Touristenmagnet zu sein scheint,  wie  eben Schloss Bran.

Hier wird man Führungen zugeteilt, die einen durch das Erdgeschoss und – mit Aufpreis – durch das zweite Geschoss schleusen. Sehenswert ist der Prunk allemal. Das orientalische Raucherzimmer hat mir gut gefallen: “In Betrieb” hätte ich es indes nicht erleben mögen.

Schloss Peles wurde für König Carol I. von Rumänien erbaut. Architektonisch erinnert es an die k.u.k. Monarchie und die Hohenzollern, dessen Geschlecht der Herrscher entstammt.  Auch zu  seiner Bauzeit (ca. 1880) war es schon super-modern gewesen. Es besaß schon damals zwei Aufzüge, fließend Wasser, zentrale Staubsaugeranlagen, elektrische Beleuchtung und Zentralheizung. So lässt sich doch leben!

Nach der Stippvisite in Peles fuhr meine kleine Rundreise-Gesellschaft zur Übernachtung  in das Bukarester Hotel Ramada Parc zurück.  Dort hatten  wir schon die erste Nacht der Reise verbracht.  Diesmal sorgte es mit verstopften Sanitäranlagen für Ungemach.

Ein Abend mit rumänischer Folklore, außerhalb des Hotels,  beendete den Tag.

Read Offline:
PDF24    Sende Artikel als PDF   

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

1
Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar Themen
0 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
0 Kommentatoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei

[…] Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8 […]

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers:

Translate »