Das Ende der Demokratie!

13. Dezember 2011

Die Überschrift setzt zwar voraus, dass wir schon einmal “Demokratie” gehabt hätten, was ich – positiv betrachtet – gerne hoffen möchte.   Tatsache scheint es jedoch  zu sein, dass wir momentan NICHT  in einer Demokratie leben.   In einem Land, wo Abstimmungen solange wiederholt werden, bis sie “passend” sind und zur Erzwingung der “richtigen” Entscheidung “Beobachterinnen” ausgesendet werden  und mit der Kündigung von Pachtverträgen gedroht  wird, da kann es mit der Demokratie nicht weit her sein.  Zum Beweis hier eine dpa-Meldung von heute (entnommen der TAZ), die mich  in  großes Erstaunen versetzt hat:

 

 

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Kyffhäuser

12. September 2011

Sehr imposant ist das Kyffhäuserdenkmal, das – um hier einmal ein menschliches Bezugssystem als Vergleich zu wählen – wie ein gewaltiger Arm ist, der sich kräftig in den Himmel reckt, um die Erdenergie des Kyffhäusergebirges in den Himmel abzugeben.

Empfehlenswert ist es, sich von Kelbra aus, über die alte Alleestraße und durch pittoreske Obstplantagen hindurch, langsam dem Kyffhäuserdenkmal zu nähern.

Fritz Fenzl hat in seinem Buch „Magische Orte in Deutschland“ (Rosenheim 2011, S.179) das Kyffhäusergebirge als einen „wichtigen Ort des abwartenden Schlafens und des gewaltigen Wiederkommens“ bezeichnet. Leider erklärt er dabei nicht, was er damit genau meint. Ich nehme allerdings an, dass dahinter der Gedanke steht, dass der Kraftort darauf wartet, als ein solcher wahrgenommen zu werden und dass die Tore zur Anderswelt noch verschlossen sind, sich aber erneut öffnen möchten.

Und auch mir kam die Energie, während meines sommerlichen Aufenthaltes in Kelbra, nicht wirklich fassbar vor. Ich bin dort auf die Suche nach einer energetischen Wahrnehmung gegangen, die sich aber nur schwerlich offenbarte – jedenfalls nicht auf der schroffen Seite des Kyffhäusergebirges, die dem Südharz zugeneigt ist und auf der sich oberhalb der Königspfalz Tilleda, die Ruinen der Unterburg und schließlich die eigentliche Kyffhäuser-Burg mit ihrem imposanten Denkmal erheben.

Dieses – auf einer intuitiven Ebene – nicht Greifbare, was ich dort erlebte, würde ja durchaus Fritz Fenzls Beobachtung stützen. Ich wollte es jedoch genauer wissen. Insofern war ich zweimal beim Denkmal gewesen: das erste Mal ziemlich am Anfang meines Aufenthaltes, das andere Mal am Ende. Und beim zweiten Mal kamen mir die schlummernden Energien dann „lebendiger“ vor und ich konnte mich dem imposanten Denkmal, bestehend aus einem Turmbau, der an eine imposante Walhalla-Burg erinnert und der sich aus einer künstlichen Grotte erhebt, neu annähern.

Was war in der Zwischenzeit geschehen? Ich war in Bad Frankenhausen gewesen, allerdings zu kurz, um die Salzstadt wirklich zu würdigen, war danach aber – eher notgedrungen, da das öffentliche Busnetz in diesem Landesteil desolat zu sein scheint – über das ganze Gebirge zurück zum Denkmal gewandert. So hatte ich – wenn auch nicht willentlich – die Energien der Südseite des Gebirges zum Norden getragen. Dies ist – eine mutige Hypothese – vielleicht die Voraussetzung dafür, dass sich der Kraftort mir ein wenig „entschleierte“, zumal die gespürten Energien auf beiden Seiten des Kyffhäusergebirges für mich als diametral entgegengesetzt fühlbar waren.

Das südliche Gebirge ist von weiblichen Energien getragen, die nördlichen, steil abfallenden Höhenzüge sind jedoch von männlichem Herrschaftsdenken dominiert.

Diese Wahrnehmung wird auch von den historischen Fakten unterstützt, die mir – zumindest in Bezug auf den südlichen Teil – zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt waren.

In der Nähe von Bad Frankenhausen finden sich nämlich sogenannte „Kannibalen“höhlen, in denen veneto-illyrische Feldbauerinnen, noch bevor die Germanen das Frankenhäuser Tal besiedelten, einer chtonischen Fruchtbarkeitsgöttin geopfert hatten. In einem der Höhlenheiligtümer fand sich gar ein hölzerner Spinnwirtel, „das Symbol der spinnenden Unterweltgottheiten, der Fruchtbarkeitsgöttin aus dem Kreise der Nerthus-Gottheiten, in deren unterirdische Behausung der heilige See und das heilige Moor führten.“ (nachzulesen bei: Behm-Blancke, Günter: Höhlen. Heiligtümer. Kannibalen. Leipzig 2005, S. 238)

Und so sind sie immer noch präsent – die weiblichen Wesen, die hier einst verehrt wurden, vielleicht später auch noch von den germanischen Eroberern, die sich einen direkten Zugang zum begehrten Salz schaffen wollten und deshalb die Gegend der Goldenen und Diamantenen Aue besiedelten,

Die Germanen gelüstete es nach dem mitteldeutschen Salz, das sie bisher nur als kostbares Tauschmittel erhalten hatten. Zum Schutz gegen die feindlichen Absichten ihrer Nachbarn errichteten die mitteldeutschen Volksstämme nunmehr im Grenzgebiet, längs des Kyffhäusers und des Harzes, eine Reihe von Burgen. Wir wissen nicht, ob sie Schauplatz heißer Kämpfe wurden, aber wir wissen, dass die Veneto-Illyrer unterlagen. Sie gingen in den Kelten und Germanen auf.“ (ebd., S. 21).

(….) die alte venoto-illyrische Muttergottheit war der germanischen wesensähnlich“ (ebd., S. 236),

und so ist anzunehmen, dass die Göttin – nun wohl unter einem anderen Namen – auch später noch verehrt wurde. Geschichten, als abgesunkene Mythen sozusagen, erzählen immer noch davon, dass gute Menschen, die sich auf den Zauberberg verirren, Glück und Segen empfangen, böse jedoch mit einer Strafe rechnen müssen (nach: Ebd., S. 24).

Auf der nördlichen Seite ist von weiblichen Gottheiten wenig spürbar. Diese Seite ist geprägt von einer großen Burganlage, auf der sich das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal erhebt. Es wurde in der Regierungszeit von Wilhelm II. zu Ehren von Wilhelm I. errichtet. Vom Architekten Bruno Schmitz, der auch das Leipziger Völkerschlachtdenkmal entworfen hatte, wurde dabei das Reiterbild Wilhelms I. über eine Darstellung von Kaiser Barbarossa gestellt und damit in Zusammenhang mit der bekannten Kyffhäusersage gebracht, in der Barbarossa im Berg wohnt und darauf wartet, ihn verlassen zu können. Dass es sich in Wirklichkeit in der mittelalterlichen Sage um Barbarossas Enkel Friedrich II. handeln muss, der sich wünschte, das Römische Reich Deutscher Nation von der Macht der Kirche befreien zu können, ist ein Fehler, der sich durch eine Verwechslung des Stadtarztes Adelphus zu Landshut schon seit dem 16. Jh. festgeschrieben hatte.

Wie dem auch sei: Die künstlerische Darstellung Barbarossas erinnert an Wotan, was eben nicht nur eine Reminiszenz an wilhelminische Germanenverehrung sein kann, sondern es scheint auch möglich zu sein, dass die mittelalterliche Sage auf eine frühere Wotanverehrung am Berg hinweist; die vielen „Kegel“sagen, die am Kyffhäuserberg lokalisiert sind, verweisen jedoch auf den Donnergott Thor.

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Die männliche Energie der nördlichen Seite des Berges scheint also schon bis in frühgeschichtliche Zeiten zurückzuweisen. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Sinn und Zweck des im 19. Jahrhundert errichteten Denkmals war, ein Bollwerk gegen äußere und innere Feinde zu zementieren. Kriegervereine, in deren Auftrag das 81 m hohe Monument errichtet worden ist, wollten mit Hilfe von solch großen Denkmälern, und das Kyffhäuser-Denkmal ist ja nur eines von vielen, die Reichseinheit betonen und sich gleichzeitig von der Sozialdemokratie abgrenzen.

Der neobarocke Baustil des Denkmals betont die imperialistische Intention des damaligen pompös-repräsentativen Zeitgeistes. Die heutigen Motorradfahrer, die den Kyffhäuser als Rennstrecke missbrauchen, setzen die Tradition des männlichen Testosterons ungebrochen fort.

Die weiblichen und männlichen Energien des Gebirges verlangen nach einem Ausgleich. Vielleicht stellt  die Quelle des „Heiligen Borns“, der  auf der nördlichen Seite  des Gebirges gelegen  ist, den gesuchten Ort dar, wo beide zu einer Transformation zusammengeführt werden können. Dies ist allerdings nur eine Vermutung. Hier müsste geomantisch weiter geforscht werden, um so dem Ort sein Potential zurückzugeben.

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Mjöllnir

29. August 2011

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Dieses Foto sendete mir Berit zu. Unglaublich! Da, wo andernorts nur profane Kunstobjekte (wenn überhaupt!) die Kreuzungen zieren, erhebt sich hier ein Dreieck himmelsweisend in die Atmosphäre, an dem ein riesiger Thorshammer hängt.

Einst wurde der Mjöllnir, der Kriegshammer des Gottes Thor, von den Zwergen Sindri und Brokk aus Uru-Erz geschmiedet, jetzt ist er in einem Verkehrskreisel in der Nähe von Schleswig zu bewundern.

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Zitate

29. Juli 2011

Manche Menschen sammeln Schmuck, andere Kleidungsstücke. Manche beschäftigen sich damit, Yu-Gi-Oh-Karten in Klarsichtfolien zu pressen und wieder andere stellen sich an Eisenbahnschienen auf, um irgendwelche Dampflokomotiven zu fotografieren, die einmal pro Tag – wenn überhaupt – vorbeifahren, um dann ihr frisch geschossenes Bildmedium der häuslichen Sammlung einzuverleiben.

Was sammelst du?

Ich sammele Zitate und ein schönes habe ich heute Morgen, gleich nach dem Aufwachen, was so gegen 11 Uhr stattfand, gefunden.

„Wir warten auf den Flughäfen zwischen den Volksmassen, wir verirren uns beim Versuch, unsere Ferienvilla zu finden, wir geben Vermögen für Leihwagen aus, wir verlieren den Pass, die Koffer werden uns gestohlen und wir erfahren erst an unserem letzten Tag, dass man im Kloster am Ort fantastischen billigen Wein kaufen kann. Zwei Wochen reichen einfach nicht, da beginnen wir uns erst mit der Fremdheit eines anderen Landes anzufreunden. Und dann gibt es diesen absurden Nachkommen von Butlin’s (bezieht sich auf die Arbeitererholung von Bill Butlin, A.d.A.): den Aktivurlaub, in dem man zu diversen Lustbarkeiten wie Fallschirmspringen, Bungee-Jumping und Banana-Boating ermutigt wird, die dazu da sind, dass man nicht weiter drüber nachdenkt, wie sehnlich man sich wünscht, seinem Chef das Hirn aus dem Schädel zu pusten.“ (Fiona Russell Powell, zitiert nach: Hodgkinson, Tom: Anleitung zum Müßiggang. Berlin 2004, S. 334 , wobei leider nicht kenntlich gemacht wurde, wo Fiona Russells Formulierung aufhört und Tom Hodgkinsons Text anfängt!)

Und so fühle ich mich darin bestätigt, bisher zu Hause geblieben zu sein, was dann – laut o.g. Zitat – auch der Gesundheit meines “Chefs” förderlich sein sollte (oder habe ich da etwas missverstanden?).

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“Mittelalter” in Bückeburg

24. Juli 2011

Mal wieder: Mittelaltermarkt in Bückeburg und das – wider meine Erwartung – ohne Regen und Sturm. Der große Platz vor dem Mausoleum im Schlosspark Bückeburg, übrigens dem Größten seiner Art in Europa, wird von einer Mischung aus vereinzelten Sonnenstrahlen, die sich aus dichten Wolkenbänden hervorkämpfen und dunklen Regenwolken, die über dem Harrl-Höhenzug liegen, in ein fast mythisch anmutendes Licht getaucht.

Das Treiben auf dem Platz ist bunt und lässt mich immer wieder staunen. Letztendlich entwickelt sich der Markt, ich habe ja den Vergleich mit „vor zwei Jahren“ immer mehr zu einem Phantasie-Spectaculum und entfernt sich vom reinen Mittelalter-Ambiente. Das ist meiner Meinung nach durchaus legitim, schließlich ist es ohnehin unmöglich, ein annähernd „echtes“ Bild vom Mittelalter zu zeichnen. Jedenfalls wäre dies mit einer Reihe von Bemühungen und Selbstbeschränkungen verbunden, so müsste man sich beispielsweise verlässlich auf eine Zeitspanne einigen und historische Forschung betreiben, die sicherlich nicht von jedermann und jederfrau geleistet werden kann. Egal, denn dieses löbliche Unterfangen wäre letztendlich sowieso zum Scheitern verurteilt, weil unser Geschichtsbild immer gespiegelt ist von den Erfahrungen der Gegenwart. Eine Authentizität kann es nicht geben.

Letztendlich muss bei solchen Veranstaltungen, die ein „lebendiges“ Geschichtsbild vermitteln wollen, entschieden werden, ob eine historische Gültigkeit zumindest angestrebt werden soll, was zumeist dann auch mit didaktischen Intentionen verbunden wäre, oder ob der Spaß (oder/und der Kommerz) im Vordergrund stehen soll, wobei es, um die Angelegenheit noch komplizierter zu gestalten, sicherlich auch spaßige Geschichtsdarstellungen, beispielsweise im Museumskontext, geben kann.

Der Markt in Bückeburg hat sich jedenfalls für „Party“ und eine Huldigung an den schnöden Mammon entschieden und insofern ist dort auch Platz für DarstellerInnen und BesucherInnen (die Grenze ist fließend), die nicht nur das Burgfräulein und den Ritter, sondern auch den Ork, die Nymphe oder den Steampunk-Piraten darstellen. Dazwischen laufen die Gothic-Anhänger herum, die in ihrer Kleidung zum Teil sogar ihre SM-Fetische zur Schau tragen.

Erlaubt ist, was gefällt und nicht alles, was offensichtlich demonstriert wird, muss vom Träger/von der Trägerin auch intellektuell erfasst worden sein. Und das beruhigt mich, die ich durch das Treiben sogar zu einer melancholischen Revue in die eigene Vergangenheit inspiriert worden bin. Schließlich leben die 20- bis 30-jährigen Besucher/innen, die eindeutig in der Überzahl sind, in ihrem Verkleidungsspiel mittlerweile selbstverständlich das aus, wofür meine Generation noch mühsam den Weg ebnen musste.

Musik ertönt von verschiedenen Bühnen. Natürlich darf die unvermeidliche Tribal-Darstellung vor schottischer Musikgruppe mit Sackpfeifen- und Bodhrán-Einsatz nicht fehlen. Es gibt aber auch mongolische Musik oder eine Fakirshow mit Feuereffekten. Beliebigkeit ist Programm und das Speckstein-Schnitzen zieht den Eltern noch die letzten Taler aus der Tasche. Händler und Marketenderinnen halten wohlfeil, was das Partyvölkchen beglückt: Goa-Style-Taschen, Kettenhemden, selbstgezogene Kerzen, Räucherwerk, Sternzeichen- und „Engel“schmuck.

Das farbenprächtige Verkleidungsspektakel unter Regenwolken ist Flucht aus einer Gegenwart, die zunehmend im Geschwindigkeitsrausch einen Überlebenskampf postuliert, der sich seine Sublimation in phantasievolle Gegenwelten suchen muss, die also – das ist der immanente Widerspruch – sich erneut dem Duktus der ökonomischen Verwertbarkeit unterwerfen. Dem Publikum mag es nicht bewusst sein und so werden die bunten Kleidungsstücke am Montag wieder gegen Verkleidungen getauscht, die sich unauffällig „auf der Arbeit“ tragen lassen – bis zur nächsten Larp.

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Die tanzende Göttin

22. Juli 2011

Den Artikel, in dem ich ein für mich wesentliches Buch, das u. a. den Zusammenhang zwischen Tanz und Spiritualität erarbeitet, vorstelle, schrieb ich im Jahre 2001 für die Mitgliederpost des Bundesverbandes für Orientalischen Tanz. Da er immer noch aktuell ist, möchte ich ihn euch – in einer leicht modifizierten Form – erneut präsentieren:

Heute möchte ich euch ein für mich wesentliches Buch vorstellen, das u.a. den Zusammenhang zwischen Tanz und Spiritualität erarbeitet. Es erschien bereits 1982 im Verlag Frauenoffensive unter dem Titel ‘Die tanzende Göttin’ und wurde immer wieder neu aufgelegt. Die Autorin Heide Göttner-Abendroth entwickelt darin auf der Grundlage einer matriarchalen Mythologie, deren Ursprünge bis ins Neolithikum zurückgreifen, einen Kunstbegriff, der mehr sein will als die ‘zum schönen Schein’ verblasste Kunst im patriarchalen Zeitalter.

Kunst meint – nach ihrer (und meiner) Definition – nicht nur Tanz, sondern auch Musik, Gesang, Dichtung, Bewegung, Ornamentik, Verbildlichung, Komödie und Tragödie. Allerdings hat der Tanz in der Kunst eine zentrale Bedeutung. Heide Göttner-Abendroth schreibt: ‘Ein Hauptmerkmal aller matriarchalen Kulte war der Tanz. Die Menschen glaubten einerseits, dass es die Mondgöttin sei, die sie tanzen mache, weil sie so großes Vergnügen daran habe. Andererseits glaubten sie, dass ihr Tanz für die Gesundheit der Mondgöttin unbedingt notwendig sei. Denn der Tanz war mehr als augenblicklicher Gefühlsüberschwang, er war auch mehr als ein sehr ausdrucksvolles Gebet: Er war die wichtigste magische Praktik überhaupt. Der Tanz ist die älteste und elementarste Form der religiösen Äußerung, er ist Magie als getanztes Ritual. Aus ihm entwickelte sich jede andere Ausdrucksform, die wir uns heute ,Kunst‘ zu nennen angewöhnt haben.’ (S.45)

Einst wurden zu den wichtigen, astronomischen Daten Feste gefeiert. Diese matriarchalen Mysterienfeste sind die Urform der großen Volksfeste.

Heide Göttner-Abendroth hat diese Feste unter dem Namen ‘matriarchale Mysterienfeste’ wiederbelebt. Sie heißen:Lichtmess (2. Februar), Ostara (20.-23. März), Walpurgis (30. April), Litha/Sommersonnenwende (20.-23. Juni), Lugnasad/Loki (1. August), Mabon/Freyr (20.-23.September), Halloween (31. Oktober) und Jule (20.-22. Dezember). Sie dienen ‘dem Zweck, die Göttin anzurufen, zu beschwören und zu preisen’ (S.65) und sind mittlerweile (2011) nicht nur in neuheidnischen Kreisen bekannt, sondern erfreuen sich – auch bedingt durch populäre Filme und Literatur – zunehmender Beliebtheit.

Im rituellen Tanzfest wird die strikte Trennung zwischen den Kunstgattungen aufgehoben. Auch gibt es keine strikte Trennung zwischen Zuschauerinnen und Künstlerinnen. Vielmehr ist Kunst Magie, denn es wird versucht ‘auf magische Weise die psychische und soziale menschliche Realität zu verändern.’ (S.63)

Heide Göttner Abendroth hat eine Reihe von Büchern zum Thema geschrieben, zum Beispiel:

- Die Göttin und ihr Heros, Verlag Frauenoffensive, München 1997

- Für die Musen. Neun kulturkritische Essays I. Zweitausendeins, Frankfurt 1996

- Für Brigida, Göttin der Inspiration. Neun kulturkritische Essays II. Zweitausendeins, Frankfurt 1998

und natürlich:

- Die tanzende Göttin, Verlag Frauenoffensive, München 1991

Sie hat die Akademie HAGIA e.V. gegründet, die nicht nur Seminare und Reisen, sondern auch „matriarchale Mysterienspiele“ anbietet. Letzteres hat sie rechtlich schützen lassen. Inwieweit sich ihre Mysterienspiele von den Jahreskreisfesten, wie sie beispielsweise in der ‘Hexen’literatur beschrieben werden, unterscheiden, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich ihre Akademie noch nicht besucht habe.

Mich hat jedenfalls das Wiederaufleben alter matriarchaler Feste stark angesprochen. Und da ich selbst den Bauchtanz als den matriarchalen Tanz überhaupt empfinde, fasziniert mich die Idee, ihn ‘rückzuversetzen’ in den Zusammenhang eines rituellen Tanzfestes, um so, quasi in einem magischen Prozess, eine utopische Zukunft zu gestalten.

Damals, 2001, als ich den Artikel geschrieben habe, schloss ich ihn mit den Worten:

Ich ahne, dass vielleicht der Tribal Style, wenn er nicht alleine zum Zweck der Aufführung getanzt wird, gerade durch seine Gemeinschaftlichkeit eine solche spirituelle Dimension eröffnen könnte.

Wie sich mittlerweile für mich zeigt, hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Der Tanz erstickt im „schönen Schein“ von sexistisch aufgeladenen Zurschaustellungen, die die gleichen Wettbewerbskriterien erfüllen wollen, wie sie auch in der Mainstream-Kultur postuliert werden.

Die Szene versucht sich zu „professionalisieren“ und erkennt dabei nicht, dass sie dabei hierarchisch-patriarchale Konstrukte unreflektiert übernimmt und sich mit der Aufstellung von Nomenklaturen, Ausbildungsrichtlinien etc. die eigene tänzerische Lebendigkeit zementiert.

So suche ich selbst mittlerweile die spirituelle Dimension des Tanzes nicht mehr bei „orientalischen“ Tanzveranstaltungen, sondern ziehe es vor, Tanz in naturreligiöse Rituale einzubinden, also quasi, um mit einer Redewendung zu sprechen, „das Pferd von der anderen Seite her aufzuzäumen“, und bin recht zufrieden damit.

 

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Von den Externsteinen zum Hermannsdenkmal

25. Juni 2011

Impressionen von den Externsteinen

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Zusammenhänge für die, die sie zu verstehen bereit sind

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Bevor wir das Ziel erreichten, …

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…gab es Erheiterndes zu entdecken!wegweiser

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Wotan

24. Juni 2011

Ein neues Bild aus meinem Bildzyklus, der den germanischen Göttern und Göttinnen geweiht ist.

Odin,  ein anderer Name von Wotan, erhängte sich, nachdem er sich selbst mit einem Speer verwundete,  neun Nächte am Weltenbaum.

Barbara G. Walker schreibt: “Das Ziel von Odins neunnächtiger Prüfung war es, das Geheimnis des ‘weisen Blutes’ in dem uterinen Kessel der Erdmutter kennenzulernen und die magischen Kräfte der Runen zu beherrschen, die seine weibliche Urform Idun (Freya) erfunden hatte.” (Das geheime Wissen der Frauen. Frankfurt a. Main 1993)

Wotan erwacht!

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Flucht aufs Land?

10. Juni 2011

schule2Letztes Jahr musste ich leider erleben, wie – wiederholt – ein albanischer Nachbarsjunge meine Kinder (sicherlich auch keine Unschuldsengel!) geschlagen und bedroht hat. Nun ist es so, dass meine Kinder darüber lachen, ich aber dennoch befürchte, dass eben dieser “Junge von Gegenüber”, der nur auf Konfrontation aus ist und der sich auf Ansprache vollkommen uneinsichtig zeigt, letztendlich “gefährlich” werden könnte. Denn auch hier muss ich keine Hellseherin sein, um bei ihm Straftaten im Bereich der Körperverletzung vorherzusehen.

Was also ist zu tun? Ich rufe die Polizei an, versuche eine Vermittlung zu erreichen. Doch was sollen sprachliche Präventionsmaßnahmen greifen, wenn diese Klientel – aus welchen Gründen auch immer – sprachlos ist und nur mit körperlicher Gewalt brachial agieren kann. Wir sind Nachbarn, aber wir haben keine gemeinsame Kommunikationsmöglichkeit!

Ich bin müde von solchen Konflikten und auch müde von einer Politik, die das Migrationsproblem in den Städten nicht wahrnehmen möchte. (Und nein, ich bin nicht “rechts” eingestellt!)

Die Lebenswelten passen nicht zusammen und werden auch nicht zusammenwachsen, denn dazu hätten sie auch in den vergangenen dreißig Jahren genug Zeit gehabt. Das ohnehin schon vorhandene Szenario, dass die Städte in den Außenstädten zunehmend islamisiert-bildungsferne Parallelwelten bilden, während in den südlich gelegenen Stadtbezirken eine junge Schicht aus Kreativen schicke Loft-Appartements bewohnt, die spätestens dann, wenn das erste Kind schulpflichtig geworden ist, die Stadt fluchtartig Richtung “Speckgürtel” verlässt, wird sich verstärken.

Ich arbeite an einer Schule mit gefühlten 98 Prozent Migrationskinderanteil. Was soll ich da noch integrieren? Das türkische mit dem libanesischen Kind? Jede/r, bis auf die entscheidungsbefugten Politiker, kann sicherlich nachvollziehen, dass Kinder, die zu Hause kein Deutsch sprechen, das Lernniveau absenken und mit Unterrichtsstörungen von den eigenen Defiziten ablenken.

Doch das Scheitern wird privatisiert. Die Kinder wollen ja lernen, sagen Vertreter der Landesschulbehörde, und die betreffenden LehrerInnen sind schuld daran, wenn das Lernziel nicht erreicht und die Quadratur des Kreises nicht möglich gemacht wird.

Doch meine KollegInnen und ich sind schon jetzt ”am Boden” angekommen, dachten wir zumindest, aber – wie mir LehrerInnen berichteten, die zur Hauptschule abgeordnet worden sind (freiwillig geht da ja auch niemand mehr hin!) – es geht noch tiefer!

Deutschland verdummt und, anstatt in Bildung zu investieren, wird “Ganztagsbetreuung mit Suppenküche” angeboten, das ganze Gebilde “integrierte” Gesamtschule genannt und gehofft, dass nicht auffällt, um was für ein gesamtgesellschaftliches Lügengebilde es sich dabei handelt. Und während dort idealistische KollegInnen verschlissen werden, fordert die Wirtschaft (und damit ja auch die Politik) hochqualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland an, anstatt hierzulande in eine humanistische Bildung zu investieren, was auch voraussetzt, dass die Folgen der fehlerhaften Migrationspolitik des letzten Jahrhunderts repariert werden. Das geht nur mit viel Geld, welches für Sprachförderung und Sozialarbeit ausgegeben werden muss und mit der Einsicht, dass manche Einwandererkinder nicht integriert werden wollen. Wenn ein Schüler seinen Aufsatz mit der Aussage beginnt: “Ich bin ein stolzer Türke”, dann sollte es ihm ermöglicht werden, dort – und nur dort – sich zu verwirklichen.

Statt mich hier aber ungehört aufzuregen, sollte ich es dagegen vielleicht wie Paul Virilio machen, der – nachdem er die Stadt als Schauplatz der Zerstörung wahrgenommen hat – in die Provinz umgezogen ist. ”Die offene Stadt, Kosmopolis, weicht der Klaustropolis”, steht bei Amazon als Kurzbeschreibung zu Virilios Essay “Panische Stadt”, das bei mir ganz oben auf der Liste der noch zu lesenden Bücher steht.

Doch leider wurde mein Versetzungsantrag nach Ostfriesland erst einmal abgelehnt. Man braucht mich hier noch!

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Mami Wata – international!

6. Juni 2011

mami-wataDiese Woche  erhielt ich von einer Leserin meines Buches einen Link auf ein anscheinend ebenfalls interessantes Buch, das aber – die astronomischen Preise auf “amazon.de” lassen darauf schließen – vergriffen zu sein scheint: Cronenburg, Petra van: Schwarze Madonnen. Das Mysterium einer Kultfigur. Basel 1999, S. 210)

Hier ist Izabelas Zitat aus dem o.g. Buch:

Omnifunke erzählt, 1994 hätte der Rat der Ifa durch sein Divinationssystem die Botschaft erhalten, mit den drei Göttinnen Yemoja, Oshun und Oya, den ‘dunklen Müttern’, werde ein Prozess weiblicher Ermächtigung beginnen:
die ganze Menschheit wird ihr gegenüberstehen, sie ehren, empfangen und erinnern. Was 1993/94 in den Industrieländern mit einer neuen Hinwendung zur Schwarzen Madonna und der Wiederentdeckung der dunklen Göttinnen begann, sieht die Yoruba-Priesterin in einem weltweiten Zusammenhang: ‘Wir sind gezwungen, den Menschen zu bestätigen, dass die dunklen Mütter hier sind, dass sie Integration symbolisieren, Gleichgewicht und Frieden als die notwendigen Bestandteile, um das Gleichgewicht der Erde wiederherzustellen.’ Der weltweite Prozess in der weiblichen Spiritualität, der durch die Wiederentdeckung des Geschichtenerzählens und die Beschäftigung mit den Schattenseiten der Psyche in Gang gesetzt wurde, bedeutet für die Priesterin den Beginn einer Befreiung, die weibliche und männliche Kräfte in ein spirituelles Gleichgewicht bringt und dadurch Menschen befähigen könnte, zu ‘Mitschöpfern’ statt Zerstörern zu werden. Frauen begannen, ihre Gewohnheiten, ihre Ethik und ihre Politik miteinander zu teilen, (denn) unsere Leidenschaften zu verleugnen und uns in Angst zu verstecken würde unsere Visionskraft beschränken und die Fähigkeit, aktiv am kreativen Prozess teilzunehmen.

Diese kulturübergreifende “Integration”, die ich immer in  der Göttin Mami Wata, was ja nur ein anderer Name für Yemaja/Yemoya (wie im o.g. Zitat verwendet), mit ihren afrikanischen, afro-amerikanischen, asiatischen und europäischen Wurzeln,  erblickt habe, finde ich im Zitat nicht nur bestätigt, sondern es entspricht auch meiner eigenen Vision, die die verschiedenen spirituellen Kulturen miteinander verbunden wissen möchte, ohne aber ihre jeweiligen Besonderheiten zu negieren.

Meine Zeichnung zeigt deshalb folgerichtig auch eine Mami Wata mit Rune und entsprechender Affirmation von Karl Spiesberger (Runenmagie. Handbuch der Runenkunde. Ulm 1954, S. 51)

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