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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Ein Zwischentag, Teil 2

Written By: Marina Sosseh - Jul• 17•17

Dies ist der zweite Teil meines chronologisch angelegten Reiseberichts zur Prieros/Cottbus-Reise. Den ersten Teil findet ihr hier.

Von Prieros sollte es nun nach Cottbus gehen, doch irgendwie wollte uns der Ort nicht gehen lassen. Der „Schrebergarten“ fühlte sich, wohl auch aufgrund des gestrigen Dauerregens, klamm an. Eine Aussicht auf Wasserstraßen war auch nicht gegeben, sodass Mo vorschlug doch alles zusammenzupacken und zu schauen, ob man beim Bäcker einen Kaffee zum Mitnehmen bekommen würde. Wir schauten uns den Fahrplan an der Bushaltestelle an. Unsere Handys hatten in Prieros selbstverständlich keinen Empfang.

Dann bewegten wir uns – mit Gepäck – zum Yachthafen, setzten uns auf die Bank und sahen den müden Schiffsverkehr, belagert von einer Bettel-Ente, zu.

Yachthafen, ich merke es gerade beim Schreiben, ist ein ziemlich hochtrabender Begriff für die kleine verlassene Anlegestelle in Prieros. Meditativ verharrten wir dort und gingen nach ca. zwei endlosen Stunden zur Bushaltestelle, wo der Bus aber nicht kam, zurück.

Wir hatten nämlich den Fahrplan der gegenüberliegenden Richtung zu Rate gezogen und uns so anscheinend von der Lethargie des Ortes einfangen lassen. Eine Fahrplanauskunft über das Internet war in Prieros nicht zu bekommen gewesen und im Analogen versagten wir kläglich. Aus Schaden wird man klug und so setzten wir uns weitere zwei Stunden auf eine Bank, die neben der nun richtigen Haltestelle aufgestellt war und WARTETEN.

Wer braucht noch Zen-Meditationen-Retreats, wenn man doch in die Einöde von Prieros mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen kann?

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann der Bus und fuhr uns über die Tristesse des brandenburgisches Landes. In …. stieg ich aus, um nach Cottbus weiterzureisen, währenddessen Mo mit dem Bus weiterfuhr, um irgendwann den Zug nach Berlin-Ost zu bekommen.

Fast erstaunlich mutet es mir im Nachhinein an, dass sowohl sie als auch ich den Rest der Reise ohne Probleme erleben durften.

Das Hotel Radisson Blue, in dem ich für drei Nächte ein Zimmer (mit Presseermäßigung) gebucht hatte, liegt direkt neben dem Hauptbahnhof, der sich in einem desolaten Zustand befindet, was aber den Umstand geschuldet ist, dass sich der gesamte Bahnhof im Umbau befindet.

Mein Hotelzimmer kam etwas altmodisch daher, besaß aber alle funktionalen Annehmlichkeiten, die ich in der Ferienwohnung in Prieros vermisst hatte. Obwohl das Zimmer in Richtung Hauptbahnhof platziert war, ließ sich dort ruhig und entspannt schlafen, doch soweit war es noch nicht.

Der Blick aus dem Hotelfenster: Trotz der verkehrsgünstigen Lage schläft man hier ruhig.

Erst einmal nahm ich ein Vollbad, dass mich die luftige und kalte Duschgelegenheit im Anbau der Ferienwohnung, die ich in den vergangenen zwei Tagen ertragen musste, in Ansätzen vergessen ließ. Ein Bad kann so entspannend sein.

Danach ging ich zur Bushaltestelle und fragte den Busfahrer, wo ich aussteigen müsste, um ins „Zentrum zu kommen.

„Wo wollen Sie denn hin?, fragte er mich und ich erwiderte, dass ich das nicht wüsste. Daraufhin murmelte er: „Das ist auch eine Einstellung“, und empfahl mir den Ausstieg bei der Stadthalle. Von dort streifte ich, weiterhin ziellos,  durch die Stadt und verschaffte mir so  einen ersten Eindruck.

Dieses müßige Schlendern durch eine fremde Stadt ist meiner Meinung nach sowieso die beste Methode, um sich einen Ort anzunähern. Niemand braucht  Listen, die einen verraten, was man unbedingt in einer Stadt sehen oder machen soll und die dann irgendwie „abgearbeitet“ werden müssen.

Wie viel spannender ist es,  erst einmal die neuen Eindrücke auf sich zukommen zu lassen, während man entspannt durch die fremden Straßen flaniert! Ich sehe dies  als ein  müßiges Spiel an. Was wird als erstes meine Aufmerksamkeit in ihren Bann ziehen?  Was hat das mit mir zu tun? Was will mir das sagen? So wird die Stadtentdeckung zum Orakel.

Auf diese Art und Weise eingestimmt schlenderte  ich über den Altmarkt mit seinen Bürgerhäusern im sächsischen Barock und mit klassizistischen Traufenhäusern des 18. und 19. Jahrhunderts. Wenig später stand ich vor dem eindrucksvollen Elektrizitätswerk im neugotischen Stil und den Loh- und Weißgerberhäusern.

Das Dieselkraftwerk beeindruckte mich. Es liegt gleich neben dem Goetheteich, der mich, ganz passend, mit einem Goethe-Zitat empfing. Leider habe ich mir den genauen Wortlaut nicht notiert, bin also dankbar, wenn es mir jemand in die Kommentare schreibt!

Die Fontäne im Amtsteich sprudelte und lud mich dazu ein, den sommerlichen Abend zu genießen.

Ich aber ging  nun zu Fuß zurück zum Hotel und war dabei von der Eintönigkeit der Fahrt von Prieros bis Cottbus noch so beeinflusst, dass ich überall marode Häuser und Ruinen sah. Diese nehmen in der Tat in Richtung Hauptbahnhof zu und ich musste feststellen, dass der Aufbau Ost noch nicht als gänzlich abgeschlossen betrachtet werden kann.

Glücklicherweise verschob sich, nach der ersten erholsamen Nacht im Hotel, meine Wahrnehmung von Cottbus und seiner Umgebung hin zum Positiven. Zum Schluss kam mir der Aufenthalt viel zu kurz vor. Ohne Mühe hätte ich noch viele weitere Tage mit Ausflügen und Besichtigungen in Cottbus füllen können, ohne dass mir dabei langweilig geworden wäre. So bedauere ich es beispielsweise, dass ich den Spreewald nicht besucht habe. Immerhin kaufte ich mir zum Abschluss der Reise am Bahnhof ein kitschiges Souvenir, das mich daran erinnern soll, dass ich noch einmal wiederkommen muss.

Doch bevor es zur Rückreise kam, nutzte ich noch die Gelegenheit, zwei großartige Landschaftsgärten zu entdecken. Hier geht es weiter: http://www.no-mads.de/myblog/branitzer-park-teil-3/

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2 Kommentare auf "Ein Zwischentag, Teil 2"

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