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Finis Germania

Written By: Marina Sosseh - Jun• 16•17

Das kleine Bändchen „Finis Germania“ vom Historiker Rolf Peter Sieferle, das post mortem erschienen ist, enthält eine Reihe von bemerkenswerten Gedankengängen, von denen jeder einzelne es verdienen würde, hier weiter reflektiert zu werden.

Er analysiert unser gesellschaftliches System als ein atomistisch-individualistisch-liberal-demokratisches gesellschaftliches und politisches.

Das preußische und auch das nationalsozialistische Programm nach 1914 hat dagegen darin bestanden eine Kombination von Gemeinwohlorientierung und technischer Progressivität anzusteuern.

Er ist als Ausdruck eines fatalen deutschen Sonderwünsche fundamental gescheitert und wegen der mit ihm (vielleicht nur kontingenterweise) verbundenen Ungeheuerlichkeiten vollständig stigmatisiert. (S. 45)

Nach dieser Feststellung blickt er nach Asien, wo er in Japan eine analoge Sonderregelung sieht, die „eine Kombination von technisch-industrieller Hypermoderne mit nationaler Gemeinwohlorientierung und anti-emanzipatorischen Kollektivismus“ verfolgt.

Unsere deutsche Gesellschaft dagegen ist seziert in Teilpersönlichkeiten, die allesamt ihr individualistisches Glück suchen, ohne dabei das Gemeinwohl im Auge zu behalten. Es gibt zunehmend keine gemeinsame Sprache und keine gemeinsame Referenzkultur mehr.

„Kommt das japanische Modell auch noch für Deutschland in Frage?“, frage ich.  Ungeachtet dessen, dass es hierzulande stigmatisiert wird, ist der „atomisch – individualistische“ Universalismus soweit gediehen, dass er mir, auch bedingt durch die Masseneinwanderung und die damit einhergehende Balkanisierung und der dadurch zu prognostizierenden zukünftigen Sprengung  unserer Sozialsysteme,  nur noch durch die zu erwartende Islamisierung umkehrbar erscheint.  Dies jedoch würde einen Kollektivismus entsprechen, den ich zutiefst ablehne. Islam ist schließlich „Unterwerfung“.

Die Geisteswissenschaften, und auch hier stimme ich H. Sieferle zu,  haben im gesellschaftlichen Diskurs schon längst keine Vorreiterrolle mehr inne, stattdessen scheint ihre Aufgabe darin zu bestehen

Ordnung und Übersicht in die Zonen zu bringen, welche die Avantgarde erobert und bereits hinter sich gelassen hat. (…) Durch methodische Kritik wird die intellektuelle Innovation auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, werden die Sprengsätze entschärft und wird alles auf das rechte Maß gestutzt.

Wo befindet sich nun aber die gesellschaftliche Zone, in der das Gegebene noch in Frage gestellt und nicht einfach als unumstößliches Gesellschaftsmodell angesehen wird, was, um mal mit unserer Kanzlerin zu sprechen, „alternativlos“ zu sein scheint? Gibt es die Freiheit des Denkens noch oder ist sie schon längst in der Unkultur des politisch korrekten Massengeschmacks untergegangen, den uns unsere Medien beständig einzuhämmern versuchen?

Bleibt dann nur noch der Waldgang? H. Sieferle hat den Freitod gewählt. Die genauen Gründe sind mir nicht bekannt. Nachahmenswert ist dies wohl kaum.

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