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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

In Rübezahls Reich, 1. Teil

Written By: Marina Sosseh - Jul• 29•17

Die Anreise nach Schlesien gestaltete sich zwar lang, aber ging relativ entspannt vonstatten. In Görlitz war ich vom schönen Jugendstil-Bahnhof überrascht, hatte aber leider keine Zeit, um mir die  Stadt in Ruhe anzuschauen.

Ich kaufte mir dort ein Oder-Neiße-Ticket für 13€ mit dem ich den polnischen Zug nach Hirschberg benutzen durfte. Wahrscheinlich wäre es billiger geworden, in der Mini-Eisenbahn ein Ticket zu kaufen, jedoch war ich mir nicht sicher, ob mein polnisches Kleingeld gereicht hätte. Euros werden nämlich nicht angenommen.

Das letzte Teilstück der Reise, insgesamt 1:34 Stunden, war dann etwas unbequem, waren die Sitze nämlich hart und der Zug rumpelte so dermaßen über die Schiene, dass mein ganzer Körper vibrierte.

In Hirschberg angekommen regnete es dermaßen heftig, sodass ich erst einmal im Bahnhofsgebäude Platz nehmen musste. Einen Geldautomaten gab es dort nicht ( zumindest fand ich ihn nicht), sodass ich mir kein polnisches Geld ziehen konnte. Die Dame im Kiosk verstand weder Deutsch noch Englisch, sodass ich mir auch keine polnische Internet-Karte für mein Handy besorgen konnte. Auf diese Art und Weise war dann auch mir klar geworden, dass ich erst einmal nur Abwarten musste.

Irgendwann ließ der Regen ein klein wenig nach, sodass ich mich auf dem Weg zum Hotel machte. In einem Internetladen konnte ich mir eine Prepaid-Karte, die dort auch gleich registriert wurde, kaufen. Danach ging alles ganz einfach. Google Maps leitete mich zielführende zum Hotel, das sehr verkehrsgünstig direkt in der malerischen Altstadt von Hirschberg lag.

Nachdem ich mich ein wenig frisch gemacht hatte, schlenderte ich noch durch das Städtchen. Leider sind viele historische Gebäude in einem desolaten Zustand, was mich sehr traurig stimmte.

Überhaupt fühlte es sich in Schlesien für mich irgendwie “falsch“ an. Es ist so, als ob ich die Wunde noch spüren könnte, die durch die Vertreibung der Deutschen, die dort seit dem 13. Jahrhundert siedelten und durch die Neuansiedlung von Polen aus den polnischen Ostgebieten/Galizien (heutige Ukraine) entstanden ist. Die Sowjetunion annektierte ostpolitische Gebiete und vertrieb die Menschen, die sich dann wieder in Schlesien ansiedelten. Sie übernahmen die Häuser und Städte der deutschen Familien, die zur Flucht gezwungen wurde. Die Folge ist ein “Schneewittchen-Syndrom, wie ich irgendwo im Internet las. Die Zwerge sind außer Haus, Schneewittchen kommt und die ganze Hauseinrichtung ruft Befremdlichkeit hervor!

Die Stadt, die Landschaft, …. : All das erscheint mir tief in der deutschen Geschichte verwurzelt und ist überschrieben von einer polnischen Kultur, die aber (noch) keine Wurzeln geschlagen hat. Merkwürdig kommt mir das vor, vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass mein Vater aus Schlesien stammte und ich ja seine Heimatverbundenheit vermittelt bekommen habe und sei es auch nur, vollkommen unbewusst, durch die Rübezahl-Geschichten.

Traumatisches Erleben der Eltern soll sich ja über Generationen vererben, jedenfalls versetzte mich der Aufenthalt in Schlesien in einem schwer deutbaren Gemütszustand. Sehnsuchtstourismus hat das abwertend einmal die Zeitung „Die Welt“ tituliert. Diese Art von Touristen soll nicht so selten in Schlesien, Böhmen, Mähren, Masuren usw. sein.

Vor einigen Wochen war ich ja beim Schlesiertreffen in Hannover gewesen. Auch dort war dieses wehmütig-traurige Gefühl, während Fahnen gezeigt und polnische Volkstanzgruppen schlesische Tänze zeigten, spürbar.

Doch genug der schwermütigen Gedanken:

Bei der Touristikinformation, die glücklicherweise bis 20 Uhr geöffnet hatte, holte ich mir noch einige Tipps für meinen Aufenthalt im Riesengebirge. Leider waren die Materialien, die ich von der freundlichen Mitarbeiterin erhielt, vorwiegend in polnischer Sprache gehalten. Das ist natürlich für eine Region, die touristisch aufgestellt sein will, nicht besonders klug.

Am nächsten Morgen zog es mich, nach einem großartigen Hotelfrühstück nach Krummhübel. Dieses ließ sich bequem mit dem Linienbus erreichen. Leider verstand der Busfahrer, was nun keine Überraschung mehr war, weder deutsch noch englisch. Ich stieg in „Karpasc“, wie der Ort auf Polnisch umbenannt worden war, an einem Kreisel aus, der mir irgendwie „richtig“ erschien. Das wunderschöne Gasthaus, gegenüber der Haltestelle liegend, trug noch einen deutschen Schriftzug.

Nachdem ich in der Touristeninformation nachgefragt hatte, fand ich auch den Weg zu der ersten Seilbahn.  Leider, das ist mir immer wieder aufgefallen, fehlen Wegweiser in deutscher oder englischer Sprache. Nur die Schilder, die im Naturpark stehen und Flechten und andere Naturphänomene erklären, sind mehrsprachig gehalten, wahrscheinlich, weil sie mit Mitteln der Europäischen Union finanziert worden sind.

Mit zwei Seilbahnen ging es dann hinauf zu einem Berg namens “Die Kleine Koppe“/Koppa (pol.) Im Sessellift musste ich ein wenig mit Höhenangst kämpfen und war dann oben wieder froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Von dort ging es dann zum “Schlesischen Haus“, eine der ersten Bauden, die im Riesengebirge gebaut worden sind und deren Ursprung bis ins 17. Jahrhundert zurückgehen sollen.

Der Weg vom “Schlesischen Haus“ bis zur Spitze der Schneekoppe war eine Herausforderung, die ich aber, trotz Dauerregen, meisterte.

Die Spitze des Berges erinnerte mich an den Brocken im Harz. Doch wo der Harz von Hexen bevölkert ist, wohnt hier der mächtige Berggeist Rübezahl.

Dieser soll ursprünglich übrigens ein lokaler Bergwerksgeist gewesen sein, der von Siedlern aus dem Harz nach Schlesien importiert worden ist.

Oben, auf der Spitze der Schneekoppe, gibt es ein Observatorium und ein Bistro, was von außen wie ein Holzcontainer ausschaut.

Die Grenze zwischen Polen und Tschechien verläuft über den Berggipfel.

Zurück ging es auf dem gleichen Weg. Allerdings nahm ich nun nicht mehr die Seilbahn, sondern folgte der schwarzen Beschilderung zurück zur Talstation des Sessellifts. Der Weg war furchtbar, musste man sich schließlich den Abstieg über Geröllwege, die durch den Regen nass und glatt waren, erkämpfen. Auch fehlten Rastplätze.

Durch diesen Abstieg vollkommen erschöpft, entschied ich mich, nachdem ich die obere Seilbahn ja ausgelassen hatten, nun für die bequeme Rückfahrt mit der unteren Seilbahn.

Die Besichtigung der norwegischen Stabkirche Wang hob ich mir für meinen nächsten Besuch auf.

Ein Minibus brachte mich zurück nach Hirschberg, wo ich erst einmal in einem Imbiss polnische Spezialitäten probierte, deren Preise sich nach dem Gewicht bemaßen. Gemundet hat es!

Hier geht es zum zweiten Teil meines Reiseberichts.

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4 Kommentare auf "In Rübezahls Reich, 1. Teil"

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