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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

„Metropolitan“ im GOP-Varieté Hannover

Written By: Marina Sosseh - Sep• 02•17

Die Üstra wird 125 Jahre alt und feiert sich, genauso wie das GOP, das es in der aktuellen Version seit 25 Jahren gibt. Auch das „Feuerwerk der Turnkunst“ hat Grund zum Feiern, wird es nämlich 30 Jahre alt. Alle drei Jubiläen sind zusammengeführt in eine Show, in der die Üstra das Thema und das Bühnenbild liefert, das GOP den exklusiv-plüschigen Veranstaltungsort und den ein oder anderen Künstler beisteuert  und die „Turnkunst“ eben durch die Turner beteiligt ist.

„Metropolitan“ wird bis zum 29. Oktober  im GOP Hannover gezeigt. Darin fährt eine längs halbierter Straßenbahnwaggon der Baureihe TW 2000 („Silberpfeil“) durch Hannover und bildet die Kulisse für Akrobatik und andere sportliche Darbietungen.

Das ist nur insofern eine neue Idee, als dass hier ein  „echter“ Stadtbahnwagen auf der Bühne steht und vor den Fenstern der Bühnenbahn die Fahrkulisse von realen Silberpfeil-Fahrten abläuft, ansonsten handelt es sich hier um eine Anlehnung an „Linie 1“. Der “barrierefreie“  Rahmen wird nun als Hintergrund genutzt, um verschiedenartigste Darbietungen wie Breakdance, Poledance, Luftakrobatik und Clownerie zu zeigen.

Mehrheitlich hübsche junge Menschen vollführen dabei akrobatische Übungen, gerne auch mal mit nacktem Oberkörper, was manche der anwesenden Damen zu Schreiattacken animiert. So muss es auch zugehen, wenn die Chippendales auftreten. Etwas verlegen nippe ich am Bier, was mir ein freundlicher Kellner, der jedoch kaum deutsch spricht, gebracht hat. Egal. Es ist sowieso  laut hier und der imaginäre Zug rollt weiter durch hannoversche Landschaften. Im Bühnen-Waggon wird wohlgefällig getanzt und geturnt, zwischenzeitlich taucht ein skurriler älterer Herr auf der Bühne auf, der „Hilfe“ schreit und wohl für die Komik zuständig ist. Inhaltlich ist es das schon und ich ahne, dass ich für die Varieté Kunst nicht gemacht bin. Ich hätte mir doch mehr Anleihen an die Realität des öffentlichen Nahverkehrs gewünscht, als es die Songs, die kurzzeitig von Stress und vollen Bahnen trällern, mir ermöglichen. Selbst die muskelbepackten  Mitarbeiter des privaten Wachdienstes, die tagtäglich in der Stadtbahn zu erleben sind,  haben sich hier in fragile  Turner verwandelt, die zu sexy Musik ihre Schlagstöcke und ihre Hüften hüpfen lassen. Nichts ist zu sehen von kotzenden Teenagern auf der Fahrt in den „Funpark“, eingepissten oder wahlweise testesterongeladenen Männer in gespreizter Beinstellung, die einen kaum Platz lassen und schwer schaukelnden Zügen, die einen in Körperkontakt mit Menschen bringen,  mit denen man diesen niemals haben wollte. Nichts ist zu hören, von einer babylonischen Sprachvielfalt, die einem bei der Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr daran zweifeln lässt, noch in Deutschland zu sein und deren Lautstärke das nordeuropäisch konstituierte Gehör mit größten Herausforderungen konfrontiert.

Man hätte all diese Realitäten  ja durchaus ironisch-überspitzt und in homöopathischer Dosierung angehen können. Die Wohlfühlatmosphäre wäre so nicht gestört und die Gehirnzellen des Publikums wären dennoch ein wenig in Arbeit gekommen. Doch ich muss einsehen, dass es darum hier nicht geht, vielmehr steht die leichte Unterhaltung und der Körper und was Menschen fähig sind, damit anzustellen, im Fokus. Und das ist durchaus beeindruckend.

 

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