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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich

Written By: Marina Sosseh - Aug• 22•17

Ich bin ja nicht nur Bloggerin, sondern auch  Regionsabgeordnete. In dieser Funktion  durfte ich  gestern den Moorhenniespfad, der im Frühjahr 2016 eröffnet wurde,  kennenlernen. Der ist von Hannover aus mit der S-Bahn bequem zu erreichen und beginnt, ganz bequem, direkt an der Haltestelle Poggenhagen, die gleich nach Wunstorf gelegen ist und sich nicht weit entfernt vom Steinhuder Meer aus befindet.

Das Bahnhofsgebäude von 1907 ist dann auch schon eine erste Station.  Insgesamt gibt es 31, die an zwei Wanderwegen, der sogenannten Nord- und Südroute, aufgestellt sind. Beide lassen sich miteinander kombinieren. Die Nordroute legt ihren Schwerpunkt auf Naturerfahrung, wohingegen die Südroute die Ortsgeschichte und die Kultur in den Mittelpunkt stellt.

Wir begingen einige Stationen der Südroute.  Die aufgestellten Tafeln schildern, wie es in der Vergangenheit an den verschiedenen Plätzen ausgesehen hat oder weisen auf Besonderheiten hin,  an denen man andernfalls achtlos vorbeigegangen wäre.  Die Tafeln nehmen den Besucher quasi bei der Hand und geben ihm das Gefühl, eine persönliche Führung durch das Dorf und seine Umgebung zu erhalten. Da der Pfad im Kontext des Naturparks Steinhuder Meer zur Hörregion Hannover zählt, befinden sich auf den Schrifttafeln QR-Codes, mit denen sich Hörinformationen per Smartphone abrufen lassen. Diese sind selbstverständlich auch im Internet hörbar, doch sollte man die Sequenzen lieber vor Ort abspielen, um so ein ganzheitliches  Erlebnis zu genießen.

Eigentlich ist das Konzept des Moorhenniespfad vollkommen entgegengesetzt zum modernen Zeitgeist, der ja auf lärmige Attraktionen, schnellen Konsum und Oberflächlichkeiten setzt, auch wenn die Life-Style-Magazine geflissentlich das Gegenteil behaupten. Hier wird der Besucher liebevoll dazu animiert, an scheinbar alltäglichen Orten Interessantes zu entdecken. Der Pfad lehrt uns: Das eigene Umfeld kann spannend sein, wenn man den Blick auf Naturschönheiten, Kultur und Geschichte lenkt. Da braucht es nicht immer neue Stimulationen, stattdessen blicken wir in die Tiefe und bekommen auf diese Art und Weise  Lust, weiter zu erforschen und zu phantasieren.

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass sich in diesem Wäldchen alte Grabanlagen aus dem Neolithikum befinden?

Beim Sportplatz hatten wir kaum Ruhe, den Hörbeitrag zu lauschen, der verschiedene Zeitzeugen in einer Geräusch-Collage zu Wort kommen lässt. Ständig chauffierten Mamis und Papis ihre Kinder zum Sport und wir mussten – von hinten und von vorne – den „Elterntaxis“ ausweichen, derweil uns gleichzeitig aggressive Mücken angriffen.

Da jedenfalls, wo nun der Sportplatz ist, befand sich nach dem Krieg ein Auffanglanger für Flüchtlinge aus der sowjetische Besatzungszone. Später wurden hier Vertriebene aus Schlesien untergebracht. Die Menschen mussten in Zelten leben,  was sicherlich im Kälte- und Hungerwinter 1946/47 kein Vergnügen war. Das Küchengebäude ist noch erhalten geblieben, jedoch leider vom Abriss bedroht.  Ein solcher wäre schade, ist dieses doch ein letzter Ankerpunkt, der eine Verbindung zur Nachkriegsgeschichte des Platzes herstellt.

Weiter geht es zum jetzigen Dorfgemeinschaftsplatz. Dort lagerte einst die Firma Dyckerhoff den Torf, der der damaligen Bevölkerung ein gutes Auskommen garantierte.

Die Lore auf dem Betonsockel soll daran erinnern.

Beim neuen Moorkrug werden jetzt Autos verkauft. Früher stand hier das Haus des Moorvogts, der den Moorstich beaufsichtigte.

In der ehemaligen Kläranlage befindet sich nun eine idyllisch anmutende Fischzuchtanlage.

Nicht nur Fische gibt es hier, sondern auch Flusskrebse. Diese gehören, aufgrund eines eingeschleppten Pilzes aus Nordamerika, zu den bedrohten Arten, halten aber Flüsse, Teiche und Seen sauber. Die Nachzucht wird zur Wiederansiedlung genutzt.

Hier erklärt uns H. Göckemeyer, unterstützt von einem Herrn des örtliche Angelvereins,  die aufwändige Zucht.

In Fließtrögen mit Siebkästen in frischem Brunnenwasser wird  auch Brunnenkresse angebaut.

Lecker geräucherten Fisch durften wir auch probieren.

Wer jetzt auch Lust auf eine Entdeckung von Poggenhagen bekommen hat, findet hier weitere Informationen:

Moorhenniespfad

Poggenhagener Forellenwirtschaft & Edelkrebszucht

Ich jedenfalls werde noch einmal wiederkommen, um den gesamten Pfad zu entdecken.

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2 Kommentare auf "Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich"

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Wolfgang Wittek
Gast

Geräucherte Forelle und Brunnenkresse !
hmmmm
Bevor ich etwas denken und sagen kann
läuft mir das Wasser im Mund zusammen:
Soll ich einen schönen Riesling besorgen?

Werner Magers
Gast

Leider war ich verhindert.

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