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MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

O Isis und Osiris!

Written By: Marina Sosseh - Nov• 04•17

Bis zum 25. Februar wird im Hannoverschen Kestnermuseum die Ausstellung „O Isis und Osiris“ gezeigt.  Der Titel der Ausstellung  ist  einer Arie des Freimaurers Mozart entnommen. In der Zauberflöte singt  nämlich der Priester Sarasto: „O Isis und Osiris, schenket der Weisheit Geist dem neuen Paar“.

Inhaltlich behandelt die Ausstellungen den Einfluss eines imaginären Ägyptens auf die Mysterienkulte, die die Freimaurer-Logen seit dem 18. Jahrhundert zelebrier(t)en.

Beispielsweise wird vom Gott Set(h) berichtet. Dieser ist vor allem durch den Osiris-Mythos bekannt.  Er tötete seinen Bruder Osiris und zerstückelte ihn.  Nach dessen Tod beansprucht Set(h) den Thron über ganz Ägypten. In ihrer Eigenschaft als liebende Gemahlin und Schwester fügte Isis, mit Hilfe von Magie,  die zerstreuten Glieder Osiris wieder zusammen und erweckte Osiris so wieder zu neuem Leben. In der Gestalt eines Milans empfing sie so Horus, der später zum Himmelsgott aufstieg und sich an Set für den Mord an seinen Vater rächte.

Set ist hier also ein böser Gott. Um so erstaunlicher ist es, dass in einer der Vitrinen der Ausstellung von zwei nach Set(h) benannten Pharaonen berichtet wird. Dazu muss man wissen, dass in den Zeiten, bevor sich der Osiris-Mythos durchsetzte, Horus und Set als zwei gleichberechtigte Götter angesehen wurden, die jeweils den nördlichen und den südlichen Teil Ägyptens verkörperten.

Die Funktion von Horus ist hier also vollkommen different, weswegen von Horus d. Jüngeren und Horus d. Älteren gesprochen wird.

Bis zur vierten Dynastie jedenfalls wurde Set(h), als ein kriegerischer Gott angesehen, der sich gegen die Stasis, in Gestalt der Apophis Schlange, richtete, spätestens ab der 22. Dynastie verlor Set(h) an Beliebtheit, um dann, durch den Einfluss der Griechen, zwischen dem 4. Jahrhundert v. u. Z. und dem 5. Jahrhundert n. u. Z. mehr und mehr mit dem Titanen Typhon verbunden zu werden.

Der kämpferische-kriegerische Aspekt  Set(h)s jedenfalls erklärt, warum sich Sehtos I (1290-1279 v. u. Z.) und Sethos II (1202 – 1198 v. u. Z.) nach ihm benannten.

Das aber ein Sethos der Held  eines bei Freimaurern beliebten Romans wurde, liegt wohl daran, dass Ägypten in den esoterisch-magischen Traditionen als die ursprüngliche Quelle alles Geheimwissens gilt, was im Übrigen schon die alten Griechen behaupteten.

Nun will ich hier nicht weiter in das Detail gehen. Auf den einzelnen Vitrinen der Ausstellung informieren jedenfalls kurze Texte  über freimaurische Bezüge. Im Falle von „Sehtos“ sieht das so aus:

Man beachte auch den Bezug zur Zauberflöte. Leider sind die Informationen schwer lesbar, sodass ich sogar die Taschenlampe meines Handys zur Hilfe nehmen musste, um sie lesen zu können.

Ansonsten ist die Ausstellung  recht übersichtlich und nicht so kompliziert aufgemacht, wie es mein kleiner Text über Set(h) vielleicht vermuten lässt.

Die Ausstellung kommt, trotz der Schwere des Themas, eher niedrigschwellig daher, was auch daran liegen mag, dass sie visuell  interessant gestaltet  ist. Gaze-Vorhänge „verschleiern“ nämlich thematische Räume, sodass der Besucher  immer wieder durch sie hindurch treten muss, um weitere „Geheimnisse“ zu erfahren. Isis wird also – auch haptisch -entschleiert.

In den Ausstellungsschränken werden ägyptische Artefakte mit freimaurerischen Utensilien oder Büchern kombiniert, was nicht nur einen intellektuellen, sondern auch einen assoziativen Zugang ermöglicht. Zu manchen der ausgestellten Stücke hätte ich gerne weitere Informationen gehabt. Ich werde deshalb noch einmal wiederkommen werde, um an einer  Führung teilzunehmen.  Vielleicht werde ich dann auch noch den dicken Ausstellungskatalog kaufen, der beispielsweise auch Artikel zum Hinüberschen Garten oder den Pyramiden in der Region enthält.

Hannover nämlich ist eine Hochburg der Freimaurerei, was an seiner Geschichte als Residenzstadt und der direkten Anbindung an das englische Königreich liegen mag. Anlass für die vorliegende Ausstellung hat evt. auch das 300jährige Jubiläum der Gründung der modernen Freimauerei gegeben. Ich weiß es nicht, bin schließlich kein Mitglied in irgendeiner Loge.

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