mamiwata

MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Finis Germania

Written By: Marina Sosseh - Jun• 16•17

Das kleine Bändchen „Finis Germania“ vom Historiker Rolf Peter Sieferle, das post mortem erschienen ist, enthält eine Reihe von bemerkenswerten Gedankengängen, von denen jeder einzelne es verdienen würde, hier weiter reflektiert zu werden.

Er analysiert unser gesellschaftliches System als ein atomistisch-individualistisch-liberal-demokratisches gesellschaftliches und politisches.

Das preußische und auch das nationalsozialistische Programm nach 1914 hat dagegen darin bestanden eine Kombination von Gemeinwohlorientierung und technischer Progressivität anzusteuern.

Er ist als Ausdruck eines fatalen deutschen Sonderwünsche fundamental gescheitert und wegen der mit ihm (vielleicht nur kontingenterweise) verbundenen Ungeheuerlichkeiten vollständig stigmatisiert. (S. 45)

Nach dieser Feststellung blickt er nach Asien, wo er in Japan eine analoge Sonderregelung sieht, die „eine Kombination von technisch-industrieller Hypermoderne mit nationaler Gemeinwohlorientierung und anti-emanzipatorischen Kollektivismus“ verfolgt. (mehr …)

Ein Matjestag in Glückstadt

Written By: Marina Sosseh - Jun• 11•17

 

Nun war ich ja letztes Jahr beim Matjesfest in Emden. Leider habe ich dieses 2017 verpasst, sodass ich mir,  quasi als Ersatz,  Glückstadt in Schleswig Holstein als adäquaten Ersatz wählte.

Los ging es also, zusammen mit der Wildfrauen-Wanderung, in Herzborn. Das ist ein kleines Dorf, was bequem mit der Bahn zu erreichen ist und was deshalb von mir als Ausgangspunkt ausgesucht worden war.

(mehr …)

Der Herkules feiert Geburtstag!

Written By: Marina Sosseh - Jun• 06•17

Der Herkules ist hier von hinten zu sehen. Er ist ein Symbol für die Stärke. Er stützt sich auf eine Keule, um die eine Löwenhaut gewickelt ist. Versteckt hält er in seiner anderen Hand drei Äpfel, die er aus dem Garten der Hesperiden entwendet hat.

Der Herkules in Kassel feiert dieses Jahr Geburtstag, ein Grund mehr für mich, den Bergpark Wilhelmshöhe  zu besuchen. Nun hätte mich die Bezeichnung „Bergpark“ stutzig machen sollen, hatte ich letzten Sonntag nämlich eher einen gemütlichen Spaziergang durch Blumenbeete im Sinn, als eine Bergbesteigerung, zu der es dann aber gekommen ist.   Informationen im Vorfeld hätten mir sicherlich den Schock ersparen können, der sich mir beim Austritt aus dem Bahnhofsgebäude erwartete.  Die Wilhelmshöher Allee führte nämlich beständig bergauf und meine um etliche Jahre jüngere (und sportlichere ) Reisebegleiterin ließ mich nicht den Mut fassen, mir die Blöße zu geben,  auf  eventuell andere Möglichkeiten der weiteren Anreise zu bestehen. Die hätte es in der Tat gegeben (Straßenbahn, Busverkehr).  So aber begann nun sofort der Aufstieg. Beim Besucherzentrum Wilhelmshöhe betraten wir endlich den Park und waren erfreut über die Vielfalt von landschaftlichen Szenarien, die sich uns auftaten. Die Blumen dufteten, als ob es kein morgen mehr geben würde, allein, ich will es nicht verschweigen, ging es  auch weiterhin BERGAUF!!!

Das Schloss ließen wir links liegen, obwohl es dort nicht nur eine sehenswerte Gemäldesammlung, sondern auch eine Ausstellung zum Herkules (bis zum 8. Oktober 2017) gegeben hätte.

Wir jedoch wollten erst einmal „hinauf“, nicht beachtend, dass später zumindest meine Erschöpfung so groß gewesen sein würde, dass wir uns diesen Park-Höhepunkt entgehen lassen mussten.

Vorbei am Grabmal des Vergils mäanderten wir weiterhin aufwärts, um irgendwann vor der großen barocken Kaskade zu stehen, neben der sich beidseitig eine mir  mörderisch anmutende Treppe nach oben schlängelte. (mehr …)

Wilde Tiere, nackte Frauen und die Seele Afrikas. Essen, Teil 2

Written By: Marina Sosseh - Jun• 03•17

Eine Reise nach Essen lohnt sich, darin war ich mir auch am zweiten Tag meines kleinen Aufenthaltes im Ruhrgebiet sicher.  Über die Erlebnisse des ersten Tages könnt ihr hier mehr erfahren.

Der Sonntag begann für mich mit einen opulenten Frühstücksbüffet im Hotel Atlantic . Danach ging es  in den benachbarten Grugapark.

Diese städtische Grünanlage ging aus der ersten Gartenausstellung Deutschlands hervor und wurde 1929 als Volkspark gegründet. 1938 fand hier die Reichsgartenausstellung statt. Nachdem der Park während des Bombenkrieges zerstört wurde, fand hier 1952 eine zweite Gartenausstellung und 1965 eine weitere Bundesgartenschau statt. (mehr …)

Komm zur Ruhr! Essen, Teil 1

Written By: Marina Sosseh - Jun• 03•17

Letzten Samstag ging es ins Ruhrgebiet zum Bloggertreffen #RBRUHR, organisiert von Travel on Toast und Teilzeitreisender.  Normalerweise bin ich es gewohnt, mir vor einer Reise ein Programm zusammenzustellen, diesmal aber ließ ich mich von dem überraschen, was die Organisatorinnen in Zusammenarbeit mit den Sponsoren (s. Offenlegung) zusammengestellt hatten.

Erst einmal  ging es für mich ganz  unspektakulär von der  Essener U-Bahnhaltestelle Hauptbahnhof, die in ein auf mich surreal wirkendes blaues Lichtspektakel getaucht war, mit der Linie 11 zur Haltestelle Messe Ost/Grugapark. Dort checkte ich  in das Atlantic Congress Hotel ein und inspizierte mein Zimmer für die kommende Nacht.

Das sah schon einmal luxuriös aus. Insbesondere freute ich mich über die Klimaanlage, denn das Thermometer zeigte bereits eine Außentemperatur von 29 Grad. Nach einer kleinen Abkühlung in der Dusche begab ich mich in den Konferenzraum, wo ich die anderen Blogger und Bloggerinnen kennenlernen durfte und wo wir eine kleine Einführung darüber erhielten, was wir am Wochenende zu erwarten hatten.

Nach dem Mittagessen auf der fantastischen Dachterrasse des Hotels, startete ein Teil der Gruppe zu einer Entdeckungsreise zum Thema „Grüne Hauptstadt Europas“.

Grüne Hauptstadt Europas? Allgemeinhin verbindet man als Auswärtige/r  den Ruhrpott  wohl eher mit rauchenden Schloten und Kohlestaub. Allerdings gehört dies schon längst Vergangenheit an. In den vergangenen Jahren hat die Stadt, auch gerade im Vorfeld der Bewerbung um die Auszeichnung, große Anstrengungen unternommen, alte Industriestandorte zu renaturieren und eine „grüne Infrastruktur“ zu implantieren, was der Erkenntnis vorausgeht, dass für den Erfolg eines Stadtraums nicht nur technische und soziale Komponenten eine Rolle spielen, sondern auch eine Umwelt mit vielen Grünflächen eine zentrale Bedeutung einnimmt.  Das Grün in der Stadt stärkt  nicht nur die  „Resilienz“  (was für ein furchtbares Modewort!)) ihrer Bewohner/innen, sondern führt auch zu einer Identifizierung  mit ihrer Heimat, die im Neusprech der Politiker/innen allerdings eher als „Identifizierung“ bezeichnet wird.

Da Essen hohe Umweltstandards erreicht hat und auch weiterhin ehrgeizige Ziele in Hinblick auf eine grüne Stadtumgebung, Verbesserung des Umweltschutzes und der nachhaltigen Entwicklung verfolgt, führt Essen den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“, was umso erfreulicher ist, als dass hier erstmalig eine ehemalige Stadt der Montanindustrie, die sich selbst zur „grünen“ Stadt transformiert hat, ausgezeichnet wurde.

Dieser Verwandlungsprozess ließ sich dann auch eindrucksvoll bei der Industriekultur-Tour erleben. Mit dem Reisebus fuhren wir zuerst zum Landschaftspark Duisburg-Nord. Viele weitere Zwischenstopps folgten. (mehr …)

Der Schulbiologiegarten in Hannover und die Frankfurter Soße

Written By: Marina Sosseh - Mai• 21•17

In Hannover kann man am Sonntagvormittag den Schulgarten Burg besuchen. Innerhalb der Schulzeit gibt es immer um 10.30 Uhr ein breites Angebot an naturkundlichen Sonntagsführungen zu genießen , die allesamt kostenlos sind. Das Angebot richtet sich vorrangig an Familien, kann aber auch von Erwachsenen besucht werden. Ein geführter Rundgang durch den Garten richtet sich regelmäßig explizit an Erwachsen.

Der Garten geht auf die pädagogische Idee zurück, dass Schüler, wenn sie denn manuell im Garten arbeiten, nicht nur die einheimische Pflanzenwelt kennenlernen, sondern auch nachhaltig ihre Persönlichkeit, im Umgang mit der Natur, positiv entwickeln, indem sie friedfertiger und ausgeglichener gestimmt werden. Dies scheint mir momentan, nötiger denn je zu sein.

Geschichtliches!

Im Ursprung sollten Schulgärten das naturkundliche Wissen der Schüler stärken, was in einem preußischen Erlass zum Ausdruck kam und in der Umsetzung dazu führte, dass die Lehrer Pflanzen als Anschauungsmaterial für ihren Unterricht benötigten. 1883 wurde deshalb  ein erster Botanischer Garten in Kleefeld  gegründet, der Pflanzen für Schulen als Anschauungsmaterial liefern sollte. Dieser erwies sich schnell als zu klein, sodass in der Nachbarschaft zur  Alice-Salomon-Schule, ebenfalls in Kleefeld, ein neuer Garten entstand.  Da Linden damals noch nicht zu Hannover gehörte, entstand auch dort ein Liefergarten, der noch heute als Untergarten des Schulbiologiezentrums Hannover existiert. (mehr …)

Sturm überm Acker

Written By: Marina Sosseh - Mai• 15•17

Nachdem ich im letzten Beitrag den Kampf der Stedinger Bauern gegen die Kirchenfürsten Bremens erwähnt hatte, sendete mir ein Facebook Freund folgendes Gedicht eines seiner Ahnen, nämlich von Bruno Hanns Wittek, zu:

Meiner Heimat Berge tragen
nicht den Glanz von ewigen Firnen,
aber um die grünen Stirnen
rauscht der Wald seit Vätertagen,
wandern Wolken sanft und still.

Drunten, wo die Hütten stehen,
weint das Korn im Sommerwinde,
kommt der liebe Gott auf Zehen
wie zu einem kleinen Kinde,
das er lächelnd trösten will.

Heimat, der ich oft begegnet
in des Alltags Weltenmühle,
tausendmal bin ich gesegnet;
wenn ich deinen Atem fühle,
fühl ich tausendfachen Lohn.

Die um dieses Glück nicht wissen,
laß sie wandern in die Weite:
Herz und Schuh und Rock zerrissen,
geh ich zärtlich dir zur Seite
als dein vielgeliebter Sohn.

Nun passt ein Loblied auf die Heimat ja gut zu meinem Blog. Den Anknüpfungspunkt mir diesen Link zu senden, stellte  aber Witteks Roman „Sturm überm Acker“ dar. Inhaltlich  geht es dort auch um einen „Bauernkrieg“. Dieser wurde  aber nicht in einer Schlacht, sondern 1848 im Österreichischen Reichstag ausgetragen: Hans Kudlich stellte hier den Antrag, dass die Bauern von der Zehntabgabe, Robot (Frondiensten) und allen „Untertänigkeitsverhältnissen“ befreit werden sollten und hatte damit in weitgehenden Teilen Erfolg,

Antiquarisch habe ich mir die literarische Umsetzung nun, in der Ausgabe von 1927 und in Frakturschrift, für 1.99 € bestellt und sehe jetzt freudig einer interessanten Lektüre entgegen. So führt denn eins zum anderen …

 

 

Von der Freilichtbühne Stedingsehre in den Hasbruch-Urwald

Written By: Marina Sosseh - Mai• 14•17

Heute stelle ich  euch eine Wandertour vor, die sowohl den geschichtlich Interessierten einen Höhepunkt bietet wie auch den Naturliebhabern vielfältige Schönheiten des Waldes erleben lässt.

Nachdem ich vor einiger Zeit das Reichsmusterdorf Dötlingen besucht hatte und im Nachgang darüber recherchiert hatte, war mir auch die in der Nähe liegende Freilichtbühne Stedingsehre als eine nationalsozialistische Kultplätze ein Begriff geworden. Meine Neugier war erwacht und so fuhr das Wildfrauenhaus am letzten Samstag mit der S-Bahn von Bremen aus  nach Bookholzberg/Ganderkesee. Dort folgten wir den Schild „Freilichtbühne“ und erreichten nach wenigen Minuten das Berufsförderungswerk Weser-Ems, auf dessen Gelände sich die ehemalige Freilichtbühne Stedingsehre befindet.

Im Zuge der Thingplatzbewegung entstanden zwischen 1936 und 1938  Freilichtbühnen in  ganz Deutschland, die, ähnlich wie im griechischen Theater, darstellendes Spiel mit Religion verbinden sollten. Den Platz der tradierten Religion übernahm hier eine säkularisierte Religion mit  ideologischen Zielen  wie  „Volk“ und „Heimat“. Alte Mythen oder historische Ereignisse wurden genutzt, um neue Mythologien zu erschaffen.

In Stedingsehre beruft man sich auf den im Jahre 1233/34 stattgefundenen Bauernkrieg, in dem sich die Bewohner des Stedinger Landes gegen den Bischof der Stadt Bremen mit seinen 4000 Rittern  aufgelehnt hatten.  Die  Schlacht am 27. Mai 1234  fand nur 10 km von Bookholzberg entfernt statt, nämlich in Altenesch.

Das Stück von August Hinrichs nimmt unter dem Leitmotiv „Nicht in die Knie“  pathetisch Stellung für die unterdrückten Bauern.

Drei Akte vom Kampf und Untergang der Stedinger Freibauern gegen die Kirchenfürsten aus Bremen. Verbrannte Erde, verbranntes Leben am Ende, und doch der Ruf  ‚Stedingen lebt‘. Kämpfen, Opfer, Weiterleben: das waren die neuen dramatischen Akte. (aus Rühle, Günther: Theater in Deutschland 1887-1945: Seine Ereignisse – seine Menschen. Februar 2007)

Die halbrund Freilichtbühne war extra für die Aufführung des niederdeutschen Spiels „De Stedinge“ vom Architekten Walter Reimann geschaffen worden. Ein eigens errichtetes Kulissendorf, bestehend aus abgetragenen und neu errichteten niedersächsischen Bauernhäusern, auf einer angelegten Insel, sorgte  für das entsprechende Ambiente.

Bis auf die Kirche, die während eines Fliegerkrieges zerstört wurden, stehen die Gebäude noch.

Leider gibt es vor Ort keinerlei Informationstafeln, die über die historische Bedeutung des Ortes aufklären. Ein geplantes Dokumentationszentrum kam leider nicht zustande. Auf der Freilichtbühne selbst weiden Schafe, sodass sie nicht betreten werden kann. Selbst wenn man dies aber können würde, wäre der Eindruck verfälscht, da von dort aus Büsche und Bäumchen eine freie Sicht auf das Dorfensemble verhindern. Schade. Ein unbequemes Denkmal eben!

 


Von Stedingsehre machten wir uns in Richtung Hasbruch auf, der nach einer kurzen Strecke am Rande der Straße über einen  gemütlichen Feld-Wiesen-Weg erreichbar ist.

Dort starteten wir eine Rundwanderung, die auf der Tafel am Parkplatz zwar noch ausgeschildert ist, im Wald selbst aber nicht angezeigt wird.

Der Hasbruch ist ein ehemaliger Hutewald, also ein Wald, der als Weide für das Vieh genutzt wurde. Jungbäume konnten sich so nicht entwickeln. Die älteren Bäume dagegen fanden ideale Bedingungen vor, weshalb sich der Hasbruch  einen eindrucksvollen Bestand von Baum-Titanen aufweist.  Die Friderikeneiche ist mit ihren 1200 Jahren der älteste Baum Niedersachsens.

In voller Größe ließ sie sich von mir nicht fotografieren, zumal die Umgebung des Baumes aus Schutzgründen abgesperrt ist.

 

40 Hektar  des Hasbruchs sind als Naturwald ausgezeichnet. Hier lässt sich erahnen, wie vielfältig der Wald, jenseits forstwirtschaftlicher Bewirtschaftung sein kann.

 

Unsere Tour auf komoot zum Nachwandern:

Alle Fotos unserer Wanderung könnt ihr hier sehen.

Elfen-Kuckucksheim

Written By: Marina Sosseh - Mai• 09•17

Paul Scheerbart beeinflusste  mit seinen Gedanken über Glasarchitekten den Architekten Bernd Taut.


 

Auch das Haus Atlantis in Bremen ist eindeutig von der Glasarchitektur beeinflusst, wobei ich allerdings nicht zu sagen vermag, ob dies willentlich geschah oder eher  in Hinblick auf eine Öffnung zum Kunsthandwerk. Jedenfalls ist es im Innern fantastisch, im Äußeren leider durch eine vorgehängte Fassade zerstört.

Ursprünglich zeigte die Außenfassade Odin, der an einem Kreuz hängt, das sich wiederum innerhalb eines Rades, das mit den 24 Runen des älteren Futhark beschriftet ist, befindet.

Die Bilder von Berit, die sie mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, zeigen Details aus dem von Bernd Hoetger entworfenen Himmelssaal, der heute zu einem Hotel (Radisson Blu) gehört. Mit etwas Glück (oder mit Voranmeldung) kann es aber besichtigt werden.

Das Revolutionäre an der Glasarchitektur war der Versuch, die Abgrenzung zur Außenwelt architektonisch zu überwinden.

Lichtdurchfluteten Kuckucksheime sollten so entstehen.

Kennt ihr die Volksmärchen von Johann Karl August Musäus? Er verfolgte den Anspruch in gesteigerten Maße märchenhaft zu sein und dies mit einem romantisch-ironischen Unterton. In den Büchern der Chronika der drei Schwestern lässt er eine Königstochter  einen Delphin heiraten, mit dem sie fortan im schönen Schloss, den Rest der Zeit aber tief unten im See in einer kristallenen Wohnung hausen muss. Der Bruder besucht sie und möchte sich dort verstecken, damit ihr verzauberter Gemahl sie nicht finden kann. Bertha antwortet darauf: „Ach, …, wie könnt ich dich verbergen? Siehst du nicht, dass diese Wohnung von Kristall ist, und dass alle Wände so durchsichtig sind, wie der Eishimmel. „

Oh, diese Bilder verzaubert mich, inspiriert mich, läsat meine Phantasie nach oben, in dem Himmelssaal, fern ab all der Banalitäten und Gemeinheiten des irdischen Lebens, steigen.

Die heutigen Glasburgen der Banken, Versicherungen, aber auch der Politik, wirken längst nicht so filigran-fragil, wie es der Baustoff Glas vermuten lässt.  Musäus „Eishimmel“ scheint mir eine treffliche Begrifflichkeit zu sein, denn schließlich spielt die moderne Glasarchitektur den Betrachter nur Offenheit und demokratische Mitbestimmung vor. In Wirklichkeit handelt es sich bei ihnen  jedoch um eine gläserne Abschottung, die diejenigen, die sie umschließt, mit einer Aura der Exklusivität und des Arkanwissens versorgt. Von der  Realität sind ihre Insassen genauso abgeschnitten, wie Bertha in ihrem gläsernen Haus. Doch sie wird erlöst.

Der goldene Vogel

Written By: Marina Sosseh - Mai• 08•17

 

 

Ein ganzes Wochenende habe ich mich,im Zuge eines Seminars, mit einem Märchen der Brüder Grimm beschäftigt: „Der goldene Vogel“. Ich kannte es nicht und las es mir erstmals während der Bahnfahrt von Hannover nach Mühlheim an der Ruhr durch.

Das Seminar wurde von der Europäschen Märchengesellschaft ausgerichtet.

Die Fahrt war angenehm, teilte ich mir das Zugabteil (auch das gibt es noch!) mit einem netten Ehepaar und einer Frau, die durch ganz Deutschland fahren, um U-Bahnhöfe zu fotografieren. Im Gegensatz zu den furchtbaren Großraumwagen bieten die Abteile, die privat wirken, die Möglichkeit zu Gesprächen. (mehr …)

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: