mamiwata

MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Reiseblogger auf Street Art-Expedition in Hannover

Written By: Marina Sosseh - Aug• 06•17

Gestern fand das 13. Reisebloggertreffen in  Hannover statt, organisiert von Anja von travelontoast und Janet von teilzeitreisender.

Die Veranstaltung kam durch eine Kooperation mit Hannover Marketing und Tourismus und dem Hotel Crowne Plaza Hannover zustande. Die Hotel-Kooperation hatte ich nicht in Anspruch genommen, da ja – einigen wird es schon bekannt sein – Hannover meine Heimatstadt ist.  Wer also weitere Informationen über das Hotel und/oder Erlebnisberichte von den anderen Teilnehmer/innen lesen möchte, folge,  jedoch erst nach der Lektüre meines Beitrages (sic!),   den  Hashtags #rbhannover  und #visithannover.

Im Vorfeld zum Bloggertreffen war ich nicht nur gespannt auf den Austausch mit den anderen Reisebloggern, sondern auch darauf, wie neue Besucher meine Stadt erleben würden. Als Einheimischer hat man zumeist  schon eine festgelegte und jahrelang hart erarbeitete Sicht auf die alltäglichen Dinge, wohingegen Fremde im Erstkontakt einen unmittelbaren Eindruck gewinnen, der manchmal überraschend den „Nagel auf den Kopf“ trifft, manchmal aber auch nur herrlich falsch ist und großes  Erstaunen  hervorruft. Auch fragte ich mich, ob auch ich heute noch etwas Neues kennenlernen würde?

Definitiv ja, denn schon auf dem Weg zum Schauspielhaus in der Prinzenstraße, fiel mir eine Gedenktafel für Conrad Wilhelm Hase, einen der Begründer der hannoverschen Architekturschule, auf.  Wie oft war ich schon im Künstlerhaus gewesen und hatte auch schon hier im Blog  über die hannoversche Backsteinarchitektur  ausführlich geschrieben! An dieser Außenfassade aber war ich bisher immer achtlos vorbeigelaufen!

 

Nach der Registrierung der Teilnehmer/innen im Schauspielhaus ging es in die Cumberlandsche Galerie, die ich bisher auch noch nicht besucht hatte und deren Architektur mich schlichtweg begeisterte. Ursprünglich als Gemäldegalerie geplant, gehörte sie zu einem Museumsverbund, der sich rückwärtig  an das von C. W. Hase gestaltete Backsteinhaus, was heute das Künstlerhaus mit der Gedenktafel für H. Hase ist,  anschließt.  Unter der Auftraggebung von Ernst-August zu Braunschweig-Lüneburg sollte hier eine Museumslandschaft entstehen, die der Museumsinsel in Berlin in nichts nachstehen sollte.

Leider wurde das vom Architekten Otto Goetze verwirklichte Gebäude im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs fast vollständig zerstört. Nur ein kleiner Gebäudeteil blieb stehen, von dem das Treppenhaus im Gußeisen-Industrie-Design heute unter Denkmalschutz steht.

Wenn ich darüber jetzt so nachdenke, finde ich es zutiefst bedauerlich, dass kein Wiederaufbau erfolgt ist. Dies wäre sicherlich zu der Zeit möglich gewesen, als das neue Schauspielhaus geplant worden ist.  Jetzt ist die Chance vertan.  Auch halte ich die aktuelle  Nutzung als Musikclub und für das Schauspiel für suboptimal, vielmehr würde ich mir eine museale Nutzung wünschen, der Interessierten, auch ohne eine Veranstaltung, Zugang gewährt.

Das Gebäude nämlich ist sehr spannend. Von Außen wirkt es wie ein Industriebau, was umso bemerkenswerter erscheint, als dass zu der  damaligen Zeit ja Industriebauten gerne wie Schlösser gebaut worden sind, hier aber ein aristokratisches Prestigeprojekt in funktionaler Fabrikarchitektur daherkommt.  Es verhält sich also genau umgekehrt wie üblich.  Im Innern trifft dann das metallisch-düstere Gußeisen, in Kombination mit nackten Eisenträgern,  auf gotisch-romanisch und barock-verspielte  Elemente, die einst die Gemälde aus welfischen Besitz in eine adäquate Szenerie versetzt haben.

 

 

Nachdem sich die meisten Blogger auf der Treppe platziert hatten, begrüßte das Organisatorenteam die Anwesenden.  Sandra Strehlau (Online Marketing Managerin von Hannover Tourismus und Marketing),  Ulrike Eberle (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Schauspielhauses) und eine Mitarbeiterin des kooperierenden Hotels Crowne Plaza hielten kurze Vorträge. Danach gab uns Anja von travelontoast noch Tipps zur erfolgreichen Nutzung von Instagram, wo ihr mich im Übrigen auch finden könnt.

 

Als wir die Cumberlandsche Galerie schließlich verließen, nicht ohne ausreichend Fotos geschossen zu haben, regnete es leicht. Wir teilten uns in drei Gruppen auf, wovon die eine dem Erlebniszoo Hannover entdecken und die anderen beiden „Street-Art und Food“ jeweils in den Stadtteilen Nordstadt und Linden kennenlernen sollten.  Ursprünglich war noch eine vierte Gruppe, mit dem Schwerpunkt „Kunst und Kultur“ geplant gewesen, zu der sich außer meiner Person nur noch eine weitere Bloggerin angemeldet haben soll und die deshalb nicht zustande gekommen war.  Nun ja ….als Hannoveranerin habe ich noch bis zum 03.09 die Gelegenheit die „Produktion. Made in Germany Drei“-Ausstellung, die im Verbund von drei hannoversche Kunstinstutionen, nämlich Sprengel Museum, Künstlerhaus und Kestnergesellschaft stattfindet, zu besuchen.

Für mich ging es jetzt erst einmal nach Linden, was der Stadtteil in Hannover ist, den ich wirklich am wenigsten mag. Hier herrscht die linke Diktatur, die keine Meinung  neben sich duldet und die nur so lange „Vielfalt“ schreit, wie es ihrer Ideologie entspricht.  So haben hier Wahlplakate von all denjenigen, die nicht Che Guevara oder irgendwelchen marxistischen Kampftruppen huldigen, keine Chance, eine Nacht am Laternenpfahl zu überleben. Hier wohnt die Wählerschaft der vollkommen spaßbefreiten Spaßpartei und in den Hinterhöfen tun sich merkwürdigste Parallelwelten auf, die auch nur denjenigen ansprechend erscheinen, die sich zuvor an der Limmerstraße das Hirn weggesoffen haben. In Linden nennt man das „limmern“.

Fabian führte die kleine Bloggergruppe dann auch gleich in das Zentrum des „antifaschistischen“ Widerstandes, nämlich das UJZ Glocksee, was mir noch gut bekannt ist, schließlich übte ich hier vor einigen Jahren die magischen Bewegungen von Carlos Castaneda ein.

Den  Street-Art-affinen Bloggern wurden dagegen die Graffiti-Wände präsentiert, die immer wieder neu besprüht werden und wo es erlaubt ist, legal zu üben, was später in die Illegalität angewendet werden soll.  Da es früher Nachmittag war, sah man jedoch keine Hobby-Gangster im Hip-Hop-Style bei der Arbeit.

Am Ihmeufer mit seinen terrassenförmigen Hochwasserschutz, der die Calenberger Neustadt vor zwei Wochen vor einer Überschwemmung bewahrt hatte, ging es zur Betonbrücke, die direkt ins Ihmezentrum führt. Das Ihmezentrum, einst im Stil des Brutalismus gebaut, ist als „Stadt in der Stadt“ angelegt, die seinen Bewohnern die Infrastruktur bieten wollte, die sie für das tägliche Leben benötigen. An sich war das keine schlechte Idee, hat sich aber in der Praxis leider überhaupt nicht bewährt. Nachdem immer mehr Einkaufszentren, Geschäfte und andere gewerbliche Nutzer ihre Mietverträge gekündigt hatten, verwaiste die Geschäftsebene, die eine Etage über der Straßenebene liegt,  immer mehr. Der jetztige gruselig-verwahrlost-bizarre Zustand in der untersten Ebene ist einem Investor zu verdanken, der eine Sanierung vornahm, diese dann aber, bei laufenden Arbeiten, aufgrund einer Insolvenz abbrach. Nach einer Zwangsverwaltung ist mittlerweile ein neuer Eigentümer für die Hauptanteile gewonnen; eine Revitalisierung ist bis jetzt allerdings, sehr zum Verdruss der Stadt Hannover und der vielen Eigentümer der durchaus ansprechenden Wohnungen des Ihmezentrums, nicht zustande gekommen.

Durch die Angstzone des Ihmezentrums geht es hin zum „lebendigen Linden“.

Fabian führte uns nun in Richtung Schwarzer Bär. Wir passierten in der Falkenstraße das Geburtshaus von Hanna Ahrendt.

Fast hätte ich erwartet, dass Fabian nun die vielen kleinen Modedesignerinnen-Läden vorstellen würde, die es im Umkreis gibt,  stattdessen ging es direkt zum Lindener Markt. Dort gibt es das  „Centrum Hannover-Linden“, wo für uns ein Mittagsbuffet hätte vorbereitet sein sollen, was aber  anscheinend „verpeilt“ worden war. „Typisch Linden“, dachte ich mir und suchte das Gleichgewicht auf den unbequemen Barhockern an der beengten Stehtheke.  Wir mussten nun „à la carte“ bestellen, was immerhin nicht ganz so lange dauerte, wie ich  erst befürchtete, und ansonsten auch „okay“ war.

Viel Zeit blieb danach dennoch nicht mehr. Um 17 Uhr wollten wir am Maschsee sein.

Fabian verlor ein paar schnelle  Worte zu den hübschen Bürgerhäusern in Linden Mitte und zum ehemaligen Theater vom hannoverschen Kabarettisten Dietrich Kittner. Das Theater am Küchengarten, der so heißt, weil hier die Welfen einen Obst- und Gemüsegarten angelegt hatten,  ist in einer ehemaligen Badeanstalt von 1927 untergebracht und zeigt die für Hannover so typische Backsteinarchitektur im Stil der „Neuen Sachlichkeit“.  Ein solches Badehaus war damals für Linden auch bitter notwendig gewesen, besaßen die beengten Arbeiter-Mietskasernen, die im Zuge der Industrialisierung entstanden waren,  keinerlei Waschgelegenheiten.  Erschreckenderweise war das Badehaus  noch bis zum Jahre 1983 als solches im Betrieb, was Schlussfolgerungen auf den Sanierungsstand der Lindener Arbeiterwohnungen in den 80er Jahren zulässt.

Zum prekären Teil von Linden ging es nun weiter.

Ein kurzer Blick auf den vom Verein Kargah gestalteten Kinderspielplatz mit seinen bunten Mosaikarbeiten und der Wandbemalung von Graffiti-Künstlern hinterließ bei meinen Bloggerkollegen den Eindruck eines liebens- und lebenswerten Stadtteils!  Ich sagte nichts.

Vorbei an den  „Kirschen“  eines Kunstprojektes, das bevorzugt in Linden und in der Nordstadt Kirschen an Hauswänden aufhängt und dabei – genau wie Banksy – ganz geheim bleiben möchte (oder eben doch nicht!), erreichten wir das Faust-Gelände und das Fährmannsfest. Da momentan Wahlkampf ist, standen im Umsonst-Teil des Festivalgeländes, neben allerlei Tand, auch die Stände der Parteien, die in Linden geduldet werden, sprich Links- und Piratenpartei und die ach so spaßige Spaßpartei! (Wo waren eigentlich die Grünen geblieben?)

Beim Maschseefest schließlich trafen wir im Musikpavillon wieder mit den anderen Bloggergruppen zusammen. Beim entspannten Cocktail und Fingerfood  tauschten wir uns über unsere Erlebnisse aus. Ganz im Stillen dachte ich mir, dass es ja hier die „andere“ Straßenkunst geben würde, behielt dies aber mehr oder weniger für mich.

Falls ihr neugierig geworden seid, wie diese ausschaut, könnt ihr das hier  nachlesen. Es sind auch nur drei, sperrig zu lesende Teile.

Die HAZ hat übrigens hier über das Treffen berichtet.

 

Related Post

You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare auf "Reiseblogger auf Street Art-Expedition in Hannover"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Holger
Gast

Sehr schön in Worte gefasst, deine Eindrücke vom Reisebloggertreffen im Allgemeinen und von der Tour nach Linden im Speziellen. Letzteres lies mich nicht nur schmunzeln, sondern ein klein wenig froh sein, die Zoo-Tour gemacht zu haben.

wpDiscuz
Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: