mamiwata

MAGISCH REISEN, KUNST und KULTUR: In die Tiefe geschaut!

Wilde Tiere, nackte Frauen und die Seele Afrikas. Essen, Teil 2

Written By: Marina Sosseh - Jun• 03•17

Eine Reise nach Essen lohnt sich, darin war ich mir auch am zweiten Tag meines kleinen Aufenthaltes im Ruhrgebiet sicher.  Über die Erlebnisse des ersten Tages könnt ihr hier mehr erfahren.

Der Sonntag begann für mich mit einen opulenten Frühstücksbüffet im Hotel Atlantic . Danach ging es  in den benachbarten Grugapark.

Diese städtische Grünanlage ging aus der ersten Gartenausstellung Deutschlands hervor und wurde 1929 als Volkspark gegründet. 1938 fand hier die Reichsgartenausstellung statt. Nachdem der Park während des Bombenkrieges zerstört wurde, fand hier 1952 eine zweite Gartenausstellung und 1965 eine weitere Bundesgartenschau statt.

Nachdem ich den Eingang passiert hatte, fielen mir sofort eine Vielzahl von Skulpturen ins Auge. Ich war überrascht davon, hatte ich hier doch keine Skulpturensammlung , die mit der Landschaft immer wieder neu in Kommunikation zu treten scheint, vermutet.

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„Der Tiger“ von Philipp Harth erregte als erstes meine Aufmerksamkeit, erinnerte er mich nämlich an die Löwen Arno Brekers in meiner Heimatstadt Hannover. Schaut auch hier.

Wilde Entschlossenheit, Kampfgeist und Kraft strahlt der Tiger  aus, wird jedoch kontrahiert von einem lustigen Wasserspiel.

 

Weiter, im Innern des Gartens, tat sich mir ein wahrer „locus amoenus“, also ein lieblicher Ort, wie wir ihn von der Idyllendichtung kennen, auf. Am Wasserrand tänzelt  hier jedoch  keine fragile Nymphe, sondern eine kraftvolle, nackte Frau, die ich schon von weitem  einen meiner Lieblingsbildhauer, nämlich Georg Kolb,  zuordnete.

Im Herbst hatte ich ja erst das Wohnhaus von Georg Kolbe in Berlin besucht (schaut hier!). Es ist heute ein empfehlenswertes Museum, das immer wieder wechselnde Ausstellungen zeigt.

In Essen entpuppt sich die nackte Frau als  die „Große Badende“, die ich auf der Bank sitzend, betrachtete, während ein kleines Sommergewitter die Szenerie  magisch verwandelte.

Sicherlich habe ich nicht alle Skulpturen im Grugapark entdeckt, die sich dort tummeln und die aus ganz unterschiedlichen Zeiten und Kunstrichtungen stammen.   Der „Tiger“ und die „Große Badende“ haben mich aber am meisten beeindruckt.

Im besonderen Maße angesprochen haben mich noch die „Speerwerferin“ von Ernst Seger und „Friede“ von Joseph Enseling.

Wenn du wissen möchtest, welche Skulpturen dich in besonderer Weise berühren, dann sei dir ein Besuch dieses wunderbaren Parks empfohlen. Sicherlich wirst du dabei deine eigenen Entdeckungen machen können.

Bonsaisammlung

Hundertwasserhaus

Das kleine „Reh“ von Fritz Paul Zimmer  ist diejenige Skulptur des Gruga-Parks, die als erste, nämlich schon 1927,  aufgestellt wurde. Das schlanke Fluchttier steht im Widerspruch zum muskulösen Tiger, der mir zu Beginn meines Rundgangs begegnet war.

Nach einer 30minütigen Fahrt mit der kleinen Bimmelbahn durch den Park, machte ich es mir beim Gradierwerk gemütlich und inhalierte die salzreiche Luft.

Hotel Atlantic, gleich daneben (links im Bild) die Grugahalle!

Danach holte ich mir noch ein leckeres Lunchpaket vom Hotel Atlantic ab und machte mich auf dem Weg  zum „Soul of Africa“-Museum.

Dieses befindet sich in einer kleinen Wohnung und quillt fast über von magischen Artefakten aus Westafrika und der Karibik.  Die meisten davon waren mir schon auf diversen Ausstellungen begegnet, da Herr Christoph  seine jahrzehntelang zusammengetragen Sammlung immer wieder zu verschiedenen Ausstellungen ausleiht. So waren einige gerade in Hamburg zur Ausstellung „Kubas. Afrikanische Geister“ unterwegs.  Meinen Bericht findet ihr hier.

2018 habe ich mir sagen lassen, werden einige Exponate in Hildesheim zu sehen sein. Darauf freue ich mich schon.

Auch den Mami Wata Altar hatte ich schon in der legendären Ausstellung „altäre. Kunst zum Niederknien“ 2001 in Düsseldorf gesehen. Doch gerade in der bedrängten Wohnumgebung schien er mir seine Kraft zu bündeln und strahlte eine überaus starke Energie aus, die sicherlich auch daraus resultiert, dass dieses Museum eben kein Museum im eigentlichen Sinne ist, vermutlich deshalb, weil der Altar noch rituell genutzt wird. Leider durfte ich keine Fotos machen.

Die Göttin Mami Wata, die meinen Blog ihren Namen gegeben hat, soll u.a ihre Gläubigen nicht nur mit Reichtum versorgen, sondern sie auch in den Kontakt mit ihren Wurzeln bringen, falls sie diese denn verloren hätten. Dies las ich in der frisch erschienen Sonderausgabe des empfehlenswerten Buches „Mami Wata. Die afrikanische Loreley“ von Philipp Schiemann.

Und so macht der Name „mamiwata“, den ich ursprünglich aus ganz anderen Motiven für meinen Blog gewählt hatte, hier auch einen  Sinn, denn schließlich stellt ein thematischer Schwerpunkt dieser Seite die deutsche Heimat dar, was eben genau der Intention der afrikanischen Mami Wata zu entsprechen scheint. Heimatliebe aber wird zunehmend in Deutschland verpönt, umso nötiger erscheint mir die Wiederherstellung eines positiven Bezugsrahmens.

 

Mit vielen neuen Eindrücken und Inspirationen versehen, trat ich  die Rückfahrt nach Hannover an. Der Zug hatte Verspätung, aber eine kurzweilige Reisebegleitung machte dieses Unbill wieder wett. Ich werde wieder kommen, denn das Ruhrgebiet ist eine Reise wert.

Offenlegung:

Mein Besuch in Essen kam aus Anlass eines Reisebloggertreffens #RBRUHR zustande. Dieses wurde von ruhr-tourismus #mein ruhrgebiet, Grüne Hauptstadt Essen #ghe2017 und dem Atlantic Congress Hotel #atlanticcongresshotel unterstützt.

Literaturempfehlungen:

Ruether, Julia: Kunstwege. Die Sammlung Grugapark. Essen 2012

Martin, Jean-Hubert/museum kunst palast: altäre – Kunst zum Niederknien, Ostfildern-Ruit 2001

Müller, Klaus E.: Soul of Africa. Magie eines Kontinents. Köln 1999

Schiemann, Philipp: Mami Wata. Die afrikanische Loreley. Eine Annäherung an die traditionelle Religion Westafrikas. Exkl. Sonderedition für das SOA, 2017

 

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2 Kommentare auf "Wilde Tiere, nackte Frauen und die Seele Afrikas. Essen, Teil 2"

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