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Die aktuelle Inszenierung der Zauberflöte in Hannover

Written By: Marina Sosseh - Jan• 20•18

Zwei Wochen im Dauerstress liegen hinter mir. Die Zeugnisse stehen kurz bevor und als Lehrerin ist man so, neben seinen regulären Unterrichtsverpflichtungen, ständig dabei, irgendwelche Listen auszufüllen und auszuwerten.

Der einzige Lichtblick innerhalb dieses stressigen Einerleis war dann für mich der Besuch der Zauberflöte vergangenen Dienstag. Das Opernhaus Hannover hat dieses Stück neu inszeniert. Premiere war am 13.01.2018. Herausgekommen ist mal wieder das von mir ungeliebte Regietheater, allerdings nicht gar so unerträglich, wie ich es 2015 bei der unsäglichen Hannoverschen „Freischütz„-Inszenierung erleben durfte.

Die der Inszenierung zugrunde liegende Interpretation von Mozarts Oper als Pubertätsgeschichte, die die Zurichtung des jungen Menschen in eine konformistische Gesellschaft thematisiert, in der der bunte Papageno zum Allerweltsjugendlichen demontiert wird und Pamina zur grauen Maus mutiert. Allein die Kraft der Musik bleibt noch, um den solchermaßen zombifizierten Menschen mit der ungezügelten Wildheit der eigenen Kindheit zu konfrontieren.

Das Bühnenbild hat mich positiv angesprochen. Immer wieder wird dem Zuschauer der Blick in das sich beständig sich wandelnde Interieur eines goldenen Turmes ermöglicht, aus dem die einzelnen Szenen sozusagen herausfallen.

Die singende Königin der Nacht, die auf dem Boden liegt und deren Antlitz in einem riesigen Spiegel gezeigt wird, ist für mich der visuelle Höhepunkt der Inszenierung, erinnert sie mich doch an das bekannte Gemälde von Schinkel, was – so vermute ich – als Inspiration gedient haben mag.

By Karl Friedrich Schinkel – Web Gallery of Art: Image Info about artwork, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15885601

Warum aber wird die Königin der Nacht in der aktuellen Inszenierung als gebrochene Frau dargestellt, die sich selbst verletzt, wovon die aufgemalten Wunden auf ihren Armen und Beinen zeugen? Soll so das seiner Macht beraubte Matriarchat dargestellt werden? Was qualifiziert sie, die sich selbst nicht helfen kann, dazu, ihre Tochter zu erziehen?

Die drei Damen, die ihr dienen, strahlen ebenfalls keine Macht aus. Sie wirken wie billige Pin-up-girls aus einem B-movie.

Spätestens dann, wenn dann die Königin ihre Rache-Arie im zweiten Teil singt, wird den Zuschauern deutlich, dass sie nicht in der Lage sein wird, positive Führung für die kommende Generation zu übernehmen.

Wie sieht es nun mit Sarasto und seiner freimaurerischen Bruderschaft aus?

Auch diese strahlt in der Inszenierung von Frank Hilbrich nur die Macht der grauen Männer, wie wir sie aus dem „Momo“-Buch kennen, aus. Es handelt sich hier um keine Eigenmacht, sondern ist eher die Herrschaft von Seilschaften, die nur denjenigen, der am besten die auferlegten Regeln einhalten, in der männerbündlerischen Hierarchie aufsteigen lassen. Sarasto scheut dabei nicht davor zurück, Gewalt anzuwenden, um das Liebespaar Pamina und Tamino sowie den Naturburschen Papageno immer schrecklichere Prüfungen aufzuerlegen, die sie, im weiteren Verlauf der Handlung dann sogar freiwillig nachkommen werden, was als ein Zeichen für eine erfolgreiche Domestizierung des kindlichen Charakters zum zombifizierten Untertan gedeutet werden kann. Wenn dann Tamino und Pamina, in einem grauen Internatsanzug gekleidet, die Herrschaft von Sarasto übernehmen sollen, macht dies wenig Hoffnung auf eine zukünftig freudvollere Herrschaft, die die systemische Zombifizierung, die alles beherrscht, überwinden kann.

Zu einer solchen Form der Herrschaft fallen mir aktuell in Hannover in Stadt und Region einige Parallelen auf, scheint die Kommunalpolitik, da wo sie von der SPD dominiert wird, durch Verstrickungen und Vorteilsnahmen, die mir zumindest schon als korrupt erscheinen, geprägt zu sein. Das Wohl der Bürger und Bürgerinnen ist zweitrangig. Im Vordergrund steht das Eigeninteresse und Moral sucht man hier vergeblich. So verwundert es dann auch nicht, wenn Personaldezernent Harald Härke, versuchte, seinen politischen Einfluss zu nutzen, um für seine Freundin einen gut bezahlten Job zu generieren, während SPD-Regionsfraktionsvorsitzende Frau Silke Gardlo schon längst ihren Ehemann einen Beratervertrag für die hannoverschen Verkehrsbetriebe, in deren Aufsichtsrat sie sitzt, vermittelt hat. Diese beiden Beispiele, die sich allein in Bezug auf die Kommunalpolitik in Hannover noch erweitern lassen können (siehe auch hier), zeigen, was dabei herauskommt, wenn Menschen auf Posten gesetzt werden, die sich dafür, entweder durch ererbte Seilschaften, Geld und Einfluss oder/und einer internen Parteien-Schule, die nur nach oben lässt, was schon ein braver Partei-Soldat ist, herauskommt.

Angewidert wende ich mich wieder der Oper zu und muss, innerhalb der Rezeption der aktuellen Inszenierung, zum Schluss kommen, dass Tamino und Pamino keine Chance auf eine Übernahme der Sarastorischen Herrschaft gehabt hätten, wenn sie ihre Eigenwilligkeit erhalten hätten. … Genauso wenig wie so mancher Politiker auf einem erfolgreichen Listenplatz!

Der unseligen politischen Korrektheit ist es wohl gezollt, dass Monsostatos nicht als Mohr, sondern als eine Art von finsterer Horror-Gestalt mit Maske dargestellt wird. Momentan ist es ja in Mode, vergangene Epochen mit dem fragwürdigen Maßstab unserer gegenwärtigen Chef-Ideologen zu beurteilen.

Hier hat der Regisseur anscheinend ein ideologisches Dogma im vorauseilenden Gehorsam in Szene gesetzt und erinnert mich in dieser Handlungsweise fatalerweise an Tamino, Pamino und Papageno, die Sarrastos Erziehungsprogramm ja auch nicht in Frage stellen und so zu Lakaien des Systems werden.

Auch dieser Opernbesuch hat mich wieder in dem Wunsch bestärkt, mir endlich mal wieder Inszenierungen zu wünschen, die vorrangig am Original orientiert sind und weniger der Autorentätigkeit des Regisseurs entsprechen.

Wenn denn die aktuelle Aufführung nicht

„Die Zauberflöte“

heißen würde, sondern, sehr viel ehrlicher,

„Neuer Titel“, mit Musik aus der „Zauberflöte und inspiriert von Motiven aus der Oper“

hätte sie mir gleich sehr viel besser gefallen.

Zum Nachdenken hat mich der Abend immerhin gebracht und der Musikgenuss war angenehm.

Fazit: Man kann hingehen, muss aber nicht!

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1 Kommentar auf "Die aktuelle Inszenierung der Zauberflöte in Hannover"

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Königin der Nacht,

Deine streitbare Rezension hat mich (immerhin?) zum Nachdenken gebracht

• über brillante Kritiken,

• über erfolgreiche Listenplätze und Karrieren,
• über aus den Verstrickungen in der Kommunalpolitik sich ergebende Sachzwänge,
und
• über möglichen Musikgenuss.

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