Erholung im Neofeudalismus, 2. Teil: Das Moor!


Ich muss gestehen, dass ich nicht gerade die Expertin in Sachen Moor bin. Um dies ein wenig zu ändern, habe ich an der Führung des Naturparks Steinhuder Meer teilgenommen.  

Gleich zu Anfang wurde ich dabei  an die gegenwärtige Wirtschaftskrise erinnert, schließlich kann das Moor stellvertretend für die momentane gesellschaftliche Lage in Deutschland stehen.  Und dazu braucht es nicht allzuviel Phantasie!

1. Erst einmal ist das Moor eine matschige und schlammige Angelegenheit. Methan-Gase werden vom Moorboden gespeichert und entweichen von Zeit zu Zeit, was Blasen an der Oberfläche ergibt. Das stinkt! Meine Kinder hatten  zumindest viel Spaß dabei.

Moor

2. Bedingt durch den ständigen Wasserüberschuss – hervorgerufen von Niederschlägen oder Mineralbodenwasser – können die Pflanzenreste  nicht abgebaut werden. Auf dieser “unsicheren” Schicht lässt sich dann das Sumpfmoos nieder, wodurch das Moor  letztendlich ca. 1 Millimeter im Jahr wächst.  Dann kommen noch andere Pflanzen hinzu, zum Beispiel der Faulbaum oder der fleischfressende Sonnentau.

Wenn ich das Sumpfmoos stellvertretend sehe für das Rettungspaket der Bundesrepublik  oder aber für all diejenigen, die erneut das Lob des Neoliberalismus singen, wird letztendlich auch deutlich, wo die Gefahr liegt. Die Moorfläche sieht zwar angenehm grün aus (und die Farbe Grün steht ja bekanntlich für die Hoffnung), darunter verbergen sich aber die sauerstoffarmen Moderschichten.

Hier hält H.  Köster vom Naturpark Steinhuder Meer  besagtes Moos in den Händen:

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3. Die unvollständigen Überreste der Pflanzen ergeben Torf, was wiederum  traditionell ein geeignetes Brennmaterial darstellt. Und wenn ich jetzt mal bei meinem kleinen Vergleich bleibe, dann sind eben die momentanen Rettungsaktionen für die neofeudale Klasse auch nichts anderes als ein kurzes, wärmendes Feuer, bei dem auch   die kurzarbeitenden Lohnabhängigen eine kurze Zeitlang (wohl bis zu den bevorstehenden  Wahlen!) partizipieren können. Dies noch gekoppelt mit der Abwrackprämie, mit der Deutschlands liebstes Spielzeug – das Auto – promotet wird,  wirkt das wie das Flüstern der Mutter zum schreienden Kleinkind: “Alles wird gut!”  Das ist so beruhigend.  Im Moor gibt es dafür übrigens die Rauschbeere.

4. Auf diese Art und Weise wird aber “nix” gut.  Beim Moor sollte nach dem Torfabbau die Renaturierung  folgen, und die kostet richtig Kraft und Zeit.  Oder soll unsere Gesellschaft in Zukunft so aussehen?

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Falls ihr Lust auf eine Moorführung bekommen habt  (ganz ohne politische Parabel, dafür aber mit vielen Infos zum schützenswerten Lebensraum Moor) , schaut hier: http://www.naturpark-steinhuder-meer.de/fuehrungen/fuehrungmoor.htm 

 

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Ich liebe Mbalax!

Im Senegal/Gambia ist das die populäre Alternative zum ebenfalls beliebten HipHop, den ich ja -wie ihr bereits erfahren habt – nicht besonders schätze. Mbalax tanze ich aber liebend gerne und kann auf diese Art und Weise viele lustige Stunden verbringen. Wenn ihr es lernen wollt, könnt ihr zu meinem Tanzkurs kommen. Wenn ihr es schon könnt, meldet euch trotzdem bei mir, schließlich können wir uns dann gemeinsam Choreografien ausdenken und sie auf Youtube veröffentlichen, in der Hoffnung, dass das jemand sehen möchte. Und vielleicht liest das ja auch ein Sabar-Trommler und wir kommen auf diese Art und Weise zu einer Life-Trommelbegleitung (träum!).

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Erholung im Neofeudalismus: Mittelaltermärkte!

Gestern habe ich eine Reise in die Vergangenheit unternommen.

In Bückeburg war Mittelaltermarkt und ich hatte – trotz eines heftigen Regenschauers – recht viel Spaß dort, zumal ich mich dafür passend gekleidet hatte.

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Ich weiß zwar nicht,  an  welche Epoche  der Schnitt meines Kleides angelehnt ist,  ich nehme aber an, dass es sich um die Gewandung einer Burgfrau handelt.   Solch eine Inszenierung, solch ein Verkleidungsspiel, bereitet nicht nur mir viel Freude, sondern anscheinend auch anderen Menschen, die eben wahlweise als Wikinger-Berserker, Markthändlerin, Bettler, Ritter, Barde und was dergleichen Rollen noch mehr sind, auftreten.  Auf solchen  sommerlichen “Spielwiesen” sind eben die gesellschaftlichen Rollen noch nicht fest zementiert und jeder”mann” und jede”frau”  kann das verkörpern, was er/sie gerne möchte. Selbst mit den Geschlechterrollen wird kreativ umgegangen, sodass ein Ritter eben auch durch eine  kampfeslustige Frau dargestellt werden kann. Solch eine gesellschaftliche Variabilität über Geschlechter- und Sozialgrenzen hinaus gibt es leider im gegenwärtigen Deutschland zunehmend weniger, obwohl die dominierenden Medien dies nach wie vor behaupten, vermutlicherweise,  um beim “gemeinen Volk” keine Unruhe anzustiften.  

Die  feudale Wahl meiner Gewandung soll deshalb  auch eine Anspielung auf eine Zeit sein, wo die adeligen Herren und ihre Familien noch auf zerklüfteten Bergen gehaust haben, während das gemeine Volk sich durch diese beschützt fühlen sollte und im Umkehrschluss  Abgaben entrichten  musste.  Im 21. Jahrhundert haben wir, jenseits der Mittelalter-Märkte,  in Deutschland  fast ähnliche Zustände erneut er”reicht”. 

– Genau wie damals wird “Reichtum” als gesellschaftlicher Erfolg gewertet, unabhängig davon,  ob er auf eigener Leistung beruht oder aber, ob die Erträge der Arbeit von vielen nur einigen wenigen Familien zufließen. Wir haben mittlerweile, wie der Soziologe Sighard Neckel es treffend formuliert, eine “Aristokratie des Geldes”.

– Die Verluste dieser neuen Aristokratie werden  aktuell “sozialisiert”, meist mit dem Hinweis auf den “Erhalt von Arbeitsplätzen” und indem einer Wachstumsphilosophie nachgehangen wird, die selbst Keynes negiert hätte. Der sah nämlich eine “Zukunft ohne Wachstum” als Erfolg für die Menschheit, die sich auf diese Art und Weise von  mühseliger Arbeit befreit.

– Gleichzeitig wird konkrete Arbeitsleistung  entwertet, indem damit weder Reichtum noch Erfolg zu erzielen ist.

– Leistung wird, hier berufe ich mich erneut auf ein Spiegel-Interview mit S. Neckel, 41/2008, in zunehmendem Ausmaße nur vom gesellschaftlichen Durchschnitt und von den Verlierern verlangt und logischerweise nicht in angemessener Form honoriert.

– Auch Bildung ist keine Garantie mehr für “gesellschaftlichen Aufstieg”. Die Eliten bleiben unter sich!

Bildung ist allerdings eine Garantie dafür, diese aufgezeigte Dynamik zu erkennen, weswegen mittlerweile ein Bildungsausschluss für die “finanzfernen” (Wortschöpfung in Anlehnung an “bildungsfern”) Schichten erfolgt.

– Prominenz, was gleichbedeutend mit Erfolg, meist jenseits von Leistung, ist, wird mittlerweile an die eigenen Kinder weitergereicht.

– Casting-Shows sollen die Massen beruhigen und die Illusion der Möglichkeit eines gesellschaftlichen Aufstiegs, jenseits der neuen feudalen Strukturen, suggerieren. Darüber hinaus ist die Hauptaufgabe der Reality-Formate, die neben den Casting-Shows die deutschen Fernsehkanäle “verstopfen”,  den antiquierten Leistungsgedanken in der Unter- und  der abnehmenden Mittelschicht zu zementieren, indem beispielsweise  den Fernsehzuschauer/inne/n “Abgrenzungen” nach  “noch weiter unten”  ermöglicht werden.  Die Erkenntnis beim Zuschauer/bei der Zuschauerin: “So schlecht wie denen geht es mir auch nicht”, kann gesamtgesellschaftlich beruhigend wirken und ist auch so von RTL und Co.  politisch gewollt.

Falls du dich vom Neofeudalismus erholen möchtest, gibt es auch am nächsten Wochenende dazu noch Gelegenheit. Schau hier: http://www.spectaculum.de/termine/bueckeburg/

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Virtuelle Nachbarschaft

Mein Nachbar unterhält auch einen Blog: http://ueberschaubarerelevanz.wordpress.com/. Ich kenne meinen Nachbarn zwar nicht persönlich, kann mich noch nicht einmal erinnern, ihm im Treppenhaus begegnet zu sein, will damit sagen, dass mir sein Gesicht nicht geläufig ist. Nichtsdestotrotz kann ich nun tagtäglich lesen, welche Gedanken er mit der Weltöffentlichkeit teilen möchte und kann es – bei Bedarf – auch kommentieren.  Umgekehrt – ich will das nicht verschweigen – gilt das natürlich  für ihn auch.  

Diese “Begegnung”,  die keine reale ist, erscheint mir symptomatisch zu sein für Deutschland 2009, wo mir auf den Straßen fast ausschließlich nur noch autistische Persönlichkeiten begegnen, die entweder einen Mini-Kopfhörer im Ohr tragen, sodass sie sich dann per Handy, I-Pod oder wie das Realität verhindernde Gerät auch heißen mag, dauerberieseln lassen können oder aber – das ist die andere Alternative – ständig mit ihren  flat-tauglichen Handys ihre überaus wichtigen Mails kontrollieren oder gar – mit Hilfe der Freisprecheinrichtung – “wichtige “Botschaften “vor- sich- hin -brabbeln” wie: “Ich stehe gerade an der Ampel, Ecke …. Die Ampel ist rot; sie ist immer noch rot. Bald bin ich aber zu Hause. Da kommt ein Auto.  … Die Ampel ist aber lange rot.” 

Liebe Leser/innen, ich erspare euch weitere Details dieses in der “realen Realität”  belauschten Gesprächs, kann aber feststellen, dass  ich spätestens danach die Einschätzung des Medientheoretikers McLuhan geteilt habe: “The medium is the message.” Es gibt keinen Inhalt, der über das verwendete Medium hinausgeht!

Ich zumindest möchte dies bei meinem Blog  auf eine in der gegenwärtigen Realität zunehmend befremdlicheren Art und Weise  “anders” gestalten. Deshalb werde ich nicht plappern, wo es nichts zu sagen gibt, und werde stattdessen mir den Luxus erlauben, mich (und damit auch euch)  von Zeit zu Zeit Ruhe/Stille/Nichts zu schenken. In Anlehnung an die “Slow Food”-Bewegung nenne ich dies  “Slow Speech”, stellt es schließlich eine Gegenbewegung zum aktuellen Trend dar. Ansonsten hoffe ich, auch meinem Blog-Nachbarn irgendwann einmal real  zu begegnen und werde mir jetzt erst einmal eine DVD,   die den vielversprechenden Titel “Zen-Meditation” trägt, anschauen.

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HipHop, Michael Jackson und die Lage der Welt

Es gibt wohl kaum eine Tanzart, mit der ich mich noch nicht beschäftigt habe.  Ich liebe die  Bewegung im Rhythmus der Musik, die es mir ermöglicht, in den Augenblick – in die Gegenwart – einzutauchen.  

Wie ihr vielleicht schon wisst,  tanze ich orientalisch und habe in den letzten Jahren  mein Repertoire durch afrikanische Bewegungen erweitert.  Ab Mitte September werde ich übrigens bei der VHS Hannover einen “Afrikanischen Tanzkurs” anbieten und ich freue mich, wenn ihr vorbeikommt.  Aber ich schweife ab,  möchte ich euch doch etwas ganz anderes erzählen.

Ich habe heute nämlich herausfinden dürfen, warum mir HipHop – der Tanz, die Musik, einfach alles – schon seit zwanzig Jahren  (damals hieß es noch Rap) so dermaßen “gegen den Strich” geht und dies erstaunlicherweise, obwohl die Ursprünge des HipHops – wie jeder weiß –  ja eben in  den afrikanischen Tanzbewegungen liegen, die ich so gerne selbst  tanze.

Den entscheidenden Hinweis habe ich  in einem heutigen TAZ-Artikel gefunden. Überschrift: “Beängstigende Männerwelt”.  Darin geht es – der wievielte Artikel ist es eigentlich, den ich schon zum Thema gelesen habe? – um Michael Jackson, der sich – laut Autor Klaus Walter – über natürliche und gesellschaftliche Grenzen hinwegsetzte.

Walter schreibt u.a.: 

Künstlerisch korrespondiert Jacksons Weigerung, ein Mann zu werden, mit seiner Unfähigkeit, das seit den frühen Neunzigern dominante Pop-Zeichensystem HipHop in seine Musik zu integrieren. Noch so ein Dilemma, das er mit seinem ewigen Antipoden Prince teilt. Beide waren Repräsentanten einer androgynen Pop-Ära, in der, so das Versprechen, auch die Hautfarbe kein Problem sein sollte. Als diese Versprechen nicht eingehalten werden, setzt eine massive Remaskulinisierung ein. HipHop wird der Soundtrack zum alltäglichen Überlebenskampf, der muskulös aufgerüstete Ego-Fighter zum Rollenmodell. Gegen den Körperpanzer von Rappern wie 50 Cent ist der entblößte Oberkörper von Prince eine Hühnerbrust.  Und Michael Jackson schrumpft sich zu Tode.  Dass jetzt HipHop-Granden wie Sean “P. Diddy” Combs und Def-Jam-Gründer Russell Simmons besonders laut “Er war einer von uns” rufen, ist eine weitere Ironie der Geschichte.

“Remaskulinisierung” ist das Stichwort, das für mich verdeutlicht, was mich am HipHop schon immer abgestoßen hat und was mir in einer Zeit, wo ein globales Wahnsinns-Wachstums die ökologischen Ressourcen  unseres Mutter-Planeten in unverantwortlicher Art und Weise verspielt,  seltsam antiquarisch vorkommt. Und wenn im HipHop-Musikclip goldkettchenbehangene Zuhältergestalten in Szene gesetzt  und weibliche Lebenswelten nur im sexualisierten Objektcharakter bedient werden, wenn die Ethik aus der Verherrlichung von Battle-Gewalt und Gangster-Gehabe besteht und wenn dann selbst die deutschen Schulen  unreflektiert “HipHop”-Projekte anbieten, dann frage ich mich, ob nicht endlich-endlich die Zeit gekommen ist, für die weicheren, weiblicheren Botschaften in der Musik, im Film und überhaupt.  Ich habe Angst vor einer Jugend, die mit diesen hyper-maskulinen Bildern aufgewachsen ist und die gleichzeitig mehr und mehr Verantwortung für eine Welt tragen wird,  die im ersten Schritt mehr feminine Anteile braucht, um im nächsten Schritt den Ausgleich zwischen maskulinen und femininen Welten  zu erschaffen. Dies wiederum wird nicht nur eine bessere Welt (was immer das sein mag), sondern auch  Identitäten jenseits einer vorgegebenen Geschlechtlichkeit ermöglichen.  Und da kann dann auch – um meinen Argumentationskreis  zu schließen – Michael Jackson eine Vorreiterrolle spielen. (Beachtet bitte hier das Präsens!)

httpv://www.youtube.com/watch?v=4FZcAzZOyOg

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Ovaa

meerjungfrauIn Tuva ist ein Ovaa ein heiliger Ort, ein Kraftort quasi, in dem die Menschen Kontakt mit den Spirits des jeweiligen Ortes herstellen. Steine werden dazu aufgehäuft und Äste mit bunten Bänden verziert, die jeweils für einen Wunsch stehen.
Ich selbst habe mich inspirieren lassen, mir einen mobilen Haus-Ovaa zu erschaffen. Dazu habe ich Mami Wata auf eine große Plastik-Abdeckplane gemalt, sodass auf diese Art und Weise auch der Vergänglichkeit Tribut gezollt wird. Schließlich kann hier leicht die Farbe abblättern.
Jetzt fehlen noch die Bänder, Chalama genannt, worin die Wünsche eingeflochten werden!  Vielleicht magst du mir ja deines schicken, sodass auf diese Art und Weise ein interaktives-schamanisches Kunstwerk entstehen kann!

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