Die bildende Kunst und der HipHop

Heute gab es mal wieder einen interessanten  Artikel in der TAZ, der – ich bin erstaunt! –   eine Verbindung zwischen meinem Hass-Thema “HipHop” (siehe meinen entsprechenden Artikel im Blog) und “Kunst” aufzeigt. 

Der vollständige Artikel ist hier zu lesen://www.taz.de/1/leben/musik/artikel/1/rapper-entdecken-malerei/

Ich zitiere daraus:

Hiphop und die Größenwahnsinnigsten im Musikgeschäft haben es derzeit auf die Kunstszene abgesehen. Zumindest aber die Hitmaschinen Pharrell Williams, Jay-Z oder Kanye West, die seit Monaten öfter bei Ausstellungseröffnungen an Champagnergläsern nippen, als dass sie auf der Bühne stehen und ins Mikrofon prahlen. Mit dem dauergestressten globalen Kunst-Jetset schieben sie sich über die Art Basel, Biennalen und White Cubes dieser Welt, immer in Begleitung geschwätziger Kunstberater oder Galeristinnen, um mit einem der begehrten und berühmten Künstler ins Geschäft zu kommen.

Pharrell geht inzwischen sogar noch einen Schritt weiter: Er kauft nicht nur zeitgenössische Kunst, sondern ist gleich selbst in die Produktion gegangen. Im Beuys-Kostüm stellte er im Juni zur Art Basel sein Kollaborationsprojekt mit Takashi Murakami vor. (…)

Das hat Beuys nicht verdient, dessen künstlerisches Werk eben nicht nur aus “Verkleidung” bestand, sondern der eben auch politisch-pädagogisch-schamanisch auf die Gesellschaft einwirken wollte.  Seine Kunst war nicht inhaltslos, stellte keinen Betrug am Betrachter/an der Betrachterin dar, wie es – meiner Meinung nach – bei den “commercial artist” der Fall ist, die einem dann  “Michael Jackson and Bubbles” als Porzellanskulptur oder andere Banalitäten  präsentieren. Das ist Kitsch und dazu hat sich der Kunstkritiker Clement Greenberg wie folgt geäußert:

Kitsch ist mechanisch und arbeitet mit festen Formeln. … Kitsch gibt vor, von seinen Käufern nichts außer ihrem Geld zu verlangen – nicht einmal ihre Zeit. (zitiert nach: Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung.  Frankfurt a. Main 2008, S. 88)

Kitsch verkauft sich anscheinend nach wie vor gut, obwohl doch das Auktionshaus Sotherby’s   im Winter gemeldet hatte, dass, ausgelöst durch die Finanzkrise,  stark fallende Preise auf dem Kunstmarkt  dazu führen würden, dass nicht die Künstlerperson, sondern das Werk in den Vordergrund rückte. 

Das scheint nicht zu stimmen und so kann sich die männlich-sexistisch geprägte HipHop-Kultur – meiner Prognose  nach –  problemlos in einen degenerierten Kunstmarkt integrieren, der von einer neofeudalen Celebrity-Kultur dominiert wird und  schon lange nicht mehr auf Qualität und Inhalt schaut, sondern nur auf den vordergründigen Effekt, der zu nichts führt – in “kein Thema, keine Geschichte, keine Analyse” (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?! Eine Qualitätsprüfung.  Frankfurt a. Main 2008) 

Ich würde mir dagegen  marktreflexive Kunst wünschen, die auch “wahrgenommen” wird, indem sie eine Plattform erhält, die “mehr” ist als die von Künstlern/Künstlerinnen besetzten Häuser und Geschäfte in England, von denen der Spiegel in seiner Ausgabe 31/2009 berichtet. Aber auch dies ist ein erster Schritt, denn – mal ganz übertragen gesprochen – das  Kind im  Märchen  “Des Kaisers neue Kleider”  von Andersen  ruft schon:

Aber er hat ja gar nichts an!

Jetzt müssen noch die “anderen” mit einstimmen:

“Aber er hat ja gar nichts an!” rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.’ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

(zitiert nach: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=46&kapitel=73&cHash=26cf0f077ekaisersn#gb_found)

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