Ovaa. Zweiter Teil.

In Tuva heißen diese Steinhaufen Ovaa. (siehe auch: http://www.no-mads.de/?p=128). Jeder Stein steht für einen Wunsch, den die Menschen, an den Gott/die Göttin des Ortes  gerichtet haben.

Insofern handelt es sich  bei den Ovaas eigentlich um eine schamanische Wurzel der Land-Art, wie sie Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre in den USA entstanden war.

Ovaas sind ein Zeichen für eine gelebte Landschaftsmythologie, die aber in Ländern mit “gebrochener” diesbezüglicher  Tradition  auch wieder neu implantiert werden kann. Dabei ist jedoch zu beachten, dass eine Neuerschaffung, die nicht auf eine lebendige Tradition zurückgeht, immer auch in einem künstlerisch-subjektiven Schamanismus wurzelt, der mit “irgendwelchen” authentischen  Ursprüngen rein gar nichts mehr zu tun haben kann.

Dieses moderne Konzept nenne ich “dunklen” Schamanismus: Darin bin ich nicht als Heilerin für eine Gemeinschaft tätig, stattdessen manifestiere ich mit Hilfe von schamanisch-künstlerischen Techniken mein Sein in die objektive Realität. Ich will niemanden gesund beten – keine Mitmenschen, keine Tiere und auch nicht Mutter Natur. Letztere weiß sich sicherlich  selbst zu helfen und ist  – da bin ich mir gewiss – nicht auf mein Zutun angewiesen. Und auch meine Mitgeschöpfe können erfolgreich für sich selbst tätig werden, vorausgesetzt allerdings, sie würden sich selbst dazu ermächtigen und nicht – was bequemer ist – ihre Eigenverantwortung an irgendwelche externe Autoritäten abgeben, unabhängig davon, welche gut gemeinten  Ziele diese im Einzelnen verfolgen.

So genieße  ich also die Freude am opulenten “Selbstschöpfen”. Wenn ich zusätzlich  andere dabei  inspirieren kann, sich selbst auf  ihrem eigenen Weg zu machen, freut mich das. So entsteht ein lebendiger Austausch.

Schon seit Jahren erschaffe ich innerhalb meines künstlerischen Prozesses “individuelle Mythologien”, die für mich tragfähig sind.  Ergänzend habe ich damit begonnen, meine  Mythologien in die Landschaft, in der ich lebe und die mich umgibt,  zu tragen. Dieser Prozess ging für mich fast unmerklich und erst einmal unbewusst vonstatten.  Wanderungen wurden unternommen (und werden es noch immer, siehe auch: https://www.facebook.com/groups/Wildfrauenhaus/), Besichtigungen von “magischen” Orten folgen auf Studien zu den geschichtlichen Wurzeln. Irgendwann  – und ich kann diese “Schwelle” nicht deutlich benennen – habe ich  aufgehört, die Orte einfach  nur zu rezipieren;  stattdessen begann ich sie aktiv mit meinen eigenen  Mythologien zu “überschreiben”.

So wurde ich zur Dark-Shamanic-Art-Landschaftsmythologin.

Landschaftsmythologie: Was meint das aber?  Dabei wird die objektiv vorhandene Landschaft mit der vieldimensionalen Landschaftswahrnehmung des Individuums verknüpft, das sich – im besten Fall – dabei auch metaphysischen Bereichen öffnen kann, die individuell bestimmt werden sollen. Geschichtliches Wissen ist bei diesem Prozess hilfreich, genauso auch wie die Kenntnis von Mythologien, Märchen und Sagen, die wiederum die ganzheitliche  Erfassung eines Ortes beeinflussen können (aber nicht müssen!). Orte beinhalten immer auch einen Geist, einen „Genius loci“, was eine Erinnerung an das, was ihm – den Ort also –  in der Vergangenheit widerfahren ist, beinhaltet. Insofern können Orte Kraft im positiven wie auch im negativen Sinne speichern und dies kann nicht nur geomantisch erspürt, sondern immer  auch – zu unserer Freude –   bewusst verändert werden.  Wichtig ist  mir jedoch der Hinweis darauf, dass die Orte   nicht auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Eigene Mythologien, die mit einer bestimmten Landschaft verknüpft werden, können, dies ist meine Annahme, die Schwingung des Ortes in der objektiven Welt verändern, mit Sicherheit aber unsere subjektive Wahrnehmung des Ortes. Unsere Wahrnehmung ist wiederum  mit unserem Wohlbefinden verknüpft. Wir können also Kraft unseres Willen beschließen, inwiefern uns die Ausstrahlung eines Ortes unterstützt oder eben nicht.

An dieser Stelle greift dann auch die Idee der Land-Art, einer Kunstrichtung, die ursprünglich den rein kommerziellen Umgang mit Kunst als Spekulationsobjekt, paraphrasiert. Kein Konsumgut sollte dabei geschaffen werden, vielmehr waren die Werke der Witterung und der Erosion ausgesetzt. So wurden dann Spiralen und Linien in abgelegene Landstriche gelegt, um einerseits die Natur einen menschlichen Konzept zu unterwerfen und andererseits die „künstliche“ Kunst durch die Natur wieder „natürlich“ verwandeln zu lassen. Ein metaphorischer Prozess mit unbekannten Ausgang ist es – bestechend schön und unberechenbar. Die  Wochenzeitung „Zeit“ resümiert über den aktuellen Stand dieser Kunstrichtung. „Nun, da Land-Art aufgelöst ist in mehr oder weniger subversive Google-Earth-Eingriffe und in die Gartengestaltung stadtflüchtiger, besserverdienender Landlust-Leser und da wir ihre großen Beispiele im Museum bewundern können, wird es Zeit, zu überlegen, welches Erbe da anzutreten ist.“ (http://www.zeit.de/2012/42/Ausstellung-Land-Art-Muenchen, besucht am 20.03.2013)

Vielleicht, das ist meine Hoffnung,  habe ich an dieser Stelle einen ersten performativen  Grundstein dafür gelegt, eine Renaissance der Land-Art zu implantieren.

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Begrenzungen – Entgrenzungen

Es ist  zwar schon eine Weile her – im Dezember letzten Jahres war es -, dass ich den Magdeburger Dom besuchte.   Anlass  stellte  für mich  der letzte Ausstellungstag von “Otto der Große und das römische Reich”  im Kulturhistorischen Museum dar.

Magdeburg lag im Schneegestöber, sodass selbst der Dom von weitem nicht mehr zu erkennen war.

Der Magedeburger Dom  ist das  älteste  gotische Bauwerk auf deutschem Boden, 1209 erbaut, nachdem die Vorgänger-Basilika aus dem Jahre 955 einem Stadtbrand zum Opfer fiel.

Der Sachsenherrscher  Otto I . (912 – 973), der  das Reich nach Italien ausdehnte und sich vom Papst – ganz in der Tradition des fränkischen Herrschers Karl des Großen,  krönen ließ, liegt in ihr begraben.

Nachdem mir ein überaus freundlicher Mann, der mit Enkelkind das Schneetreiben genoss, den Weg gewiesen hatte, entstand im Magdeburger Dom das nachfolgende Foto des hoch aufstrebenden gotischen Deckengewölbes, was ich – moderne Bildbearbeitung macht es möglich – zur Spirale verfremdete und dabei gleichzeitig den streng geometrischen Bezug der gotischen Bauweise wieder aufnahm, um quasi einen Sog zu konzipieren, der den/die Betrachter/in herausziehen mag – in den Himmel, in unsere Galaxie oder noch weit darüber hinaus.  Grenzen werden aufgelöst und die blauen  “Knöpfe”, die normalerweise Stoffe zusammenhalten sollen, paraphrasieren diese Bildaussage noch.

Den mittelalterlichen Menschen muss es ähnlich ergangen sein wie mir. Auch sie waren sicherlich – viel mehr noch als ich – von der Höhe und Transparenz des Raumes erstaunt und empfanden den Dombesuch  als eine “Entgrenzung” ihres irdischen Lebens.  Und wer weiß ?  – Wenn genügend flackernder Kerzenschein das Innere erhellte und Weihrauch die Sinne betörte – öffneten sich vielleicht auch damals schon psychedelische Feuerwerke, die nicht nur  Spiralen tanzen, sondern Engel und Dämonen sich manifestieren ließen.

Fotomontage, Deckengewölbe Magdeburger Dom

 

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