Objektive Ethik: “Not to return to morality, but to discover it.” Teil 2

Nachdem ich  in einem vorangegangenen Artikel schon eine Annäherung an den Begriff der Ethik vollzogen habe,  beschäftige ich mich heute mit der Definition von Objektivität, um dann beides in Überlegungen zur objektiven Ethik münden lassen.

Um also mit Wilhelm Busch zu sprechen: Dies ist der zweite Streich. Doch der dritte folgt sogleich.

Den ersten Teil könnt ihr hier nachlesen: Teil 1 

Was ist nun aber “Objektivität”?

Der Terminus “Objektivität” beschreibt das Erkennen durch das Erfassen realer Gegenstände und objektiver Ideen.  In einer streng verstandenen objektiven Sichtweise wird jegliche Subjektivität ausgeschlossen, was – da wir ja von menschlicher Natur sind – letztendlich ein unmögliches Vorgehen darstellt. Insofern kann ich den Satz zustimmen: Keine Objektivität ohne Subjektivität.

Unter  http://www.wissenbloggt.de/?p=14056  finde ich folgende Erklärung der “Objektivität”:

Die objektivistische Epistemologie (Erkenntnistheorie) geht davon aus, dass Konzepte aus Beobachtungen abgeleitet werden und dass alle Behauptungen, die nicht nachweisbar auf Beobachtungen beruhen, willkürlich sind und keiner weiteren Beachtung würdig (darunter der Yeti, Big Foot und Gott – jedenfalls bis zu dem Grad, als dass blind an sie geglaubt wird. Insofern Belege angeboten werden, sieht die Sache anders aus).

Das naturwissenschaftliche Denken scheint – wie keine andere Wissenschaftsdisziplin – dafür geeignet zu sein, die nötigen Beweise, Fakten und Überprüfungen zu liefern, um die uns umgebende Welt objektiv  (was im allgemeinen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit rational und vernünftig verwendet wird),  zu verorten.

… So jedenfalls wird es in der heutigen Zeit gerne geglaubt (sic!).

Jedoch sollten wir uns selbst verdeutlichen, dass selbst die Objektivität der Naturwissenschaften nicht voraussetzungslos ist. Insofern sollten wir  den Glaubenssatz (denn um nichts anderes handelt es sich hier), dass nämlich naturwissenschaftliche Methoden Objektivität gewährleisten  nicht ohne Skepsis hinnehmen, z. B.   indem wir uns selbst Fragen stellen:

  • Wird dieser Objektivitätsanspruch willkürlich – und das heißt nichts anderes als von bestimmten Interessen geleitet – vollzogen?
  • Werden die naturwissenschaftlich-technischen Methoden auf Bereiche angewandt für die sie gar nicht entwickelt worden sind?
  • Erfasst die moderne Naturwissenschaft mit ihren Gesetzen die gesamte Natur?
  • Haben die Methoden der modernen Naturwissenschaft tatsächlich eine Situation herbeigeführt, die zwangsläufig industrielle Produktionsmethoden und moderne Lebensweise zur Folge haben mussten?
  • usw.

Eine blinde Gläubigkeit an die Naturwissenschaften, wie sie den momentanen Zeitgeist entspricht, scheint  nicht haltbar zu sein.

Objektivität meint – laut Philosophie-Lexikon –  immer  “das Freisein von subjektiven Zutaten”. Letztendlich ist das ein Diktum, das kein menschliches Wesen erfüllen kann, schließlich spielt unser subjektives Sein immer in den Erkenntnisprozess mit hinein und ist von diesem nicht zu trennen. Andererseits erweitern wir ständig unseren Wissenshorizont und gerade die moderne Hirnforschung lässt uns die biologischen Ursachen unseres Denkens immer mehr verstehen, sodass sich für mich die Frage stellt, ob wir uns nicht selbst  in unserer Entfaltung  – gerade durch die Annahme, dass es eben nicht möglich ist –  determinieren und dass es für uns zukünftig doch machbar sein  wird, eine objektive Sicht, die sich gegenwärtig noch im  Unmanifestierten befindet, auf die Welt zu erlangen.

Meiner Meinung nach ist Objektivität nichts anderes als das Absolute,  was die Sehnsucht des Menschen erfüllen soll,  dem Unsinn des Todes zu erklären. Wir wollen ja sortieren, einordnen und katalogisieren, um unseren scheinbaren Frieden mit dieser letzten und schrecklichen Determinanten zu machen, die all unser Streben in ein finsteres Grab münden lässt.

Wenn ich von der Annahme einer objektiven Welt ausgehe, die im Gegensatz zum Subjektiven steht, kann das Absolute mit “Gott” identifiziert werden.

Ich  denke mir jedoch immer ein Wesen  dazu, das nicht-menschlich ist und das diese Objektivität  quasi verwaltet, bewahrt, versteht, weiterentwickelt (das tun wir allerdings auch selbst ständig)  und nicht unbedingt nur verkörpert.  Es ist also nicht identifiziert mit der objektiven Welt, hat jedoch Anteil an ihr und ist ihr gleichzeitig überlegen.

Doch wissen tue ich all dies nicht. Einen Beweis muss ich schuldig bleiben. Ein Gedankenversuch ist es, um das Unbegreifliche begreifbar zu machen. Ich  füge also eine metaphysische Numen-Instanz  in mein Weltbild ein (das Eine), der ich jetzt allerdings nicht das Gesicht einer Verwaltungsfachangestellten geben möchte und die  sich daher besser als nicht näher fassbare “Bewusstheit” umschreiben lässt.

Liebe Leserinnen, füllt den Begriff “Bewusstheit” nach eurem Gusto, denn natürlich sollst du dir ein Bildnis machen!

Wem   dir aber mein Verweis auf das Metaphysische nicht behagt,  dann tut sich eine weitere praktizierbare Möglichkeit auf, schließlich können wir auch davon ausgehen, dass wir selbst (und nur wir selbst!) die Wirklichkeit konstruieren. Alles ist möglich. Alles ist denkbar. Willkommen in der Vielheit!

Dabei ist es letztendlich unerheblich, ob es nun neben meiner und deiner Sichtweise auf das Lebewesen “Schaf” noch eine objektive Realität von “Schaf” existiert. Der Konstruktivismus würde dies und damit auch die Existenz von “Objektivität” im Ganzen abstreiten; ich dagegen gehe davon aus, dass es nicht nur ein objektives Sein des Schafes “für sich” gibt, sondern auch eine Objektivität  des Schafes “an sich”.

Jedoch ist dies für mich und für dich  im praktischen Leben letztendlich vollkommen unrelevant und für das Schaf im Übrigen auch.

Schaf

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Seltsame Orte: Die RosebuschVerlassenschaften

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Im Zuge der “Nacht der Museen” bin ich letzten Samstag – gänzlich ohne Vorbereitung – auf die Rosebuschverlassenschaften getroffen. Dort wurde mir – auf eine verstörende Art und Weise – die Macht der Dinge eindrucksvoll vor Augen geführt.

Es scheint ein großer Unterschied zu sein, ob man ein Objekt eines Künstlers im Museum oder in der Galerie bestaunt oder ob man auch körperlich direkt in ein groß angelegtes Environement, eben das Lebenswerk eines Künstlers, eintritt.

Letzteres ist hier der Fall.

Alles ist in rostbraun getaucht und weckt Assoziationen von einer Industriekultur, die längst dem Untergang verfallen ist.

Ich, die ich mit Holocaust-Fersehsendungen aufgewachsen und deshalb absolut überdrüssig jeglicher Mahnmale und didaktischer Filmchen  bin, stelle erstaunt fest, dass dieses Environment eine Tür öffnet in eine zentnerschwere Blockade, die ich diesem Thema mittlerweile entgegenbringe. Hier wird der Bogen gespannt zwischen  der Ästhetik der alten Fabriken, ihrer Ausschusswaren und der industriellen Vernichtung von “Anderen”  und vom “Anderen” zur Zeit des Nationalsozialismus.  Dies alles geschieht auf einer sehr emotionalen Ebene. Und so verliere ich mich zwischen den Dingen, widersprüchliche Gefühle  werden ausgelöst, packen mich und beschäftigen mich auch noch im Nachhinein.

Die Rosebuschverlassenschaften sind das blanke Gegenteil zur modernen “Simplify your life”-Philosophie. Anstatt sich von den Dingen zu befreien, um etwas Neues in das Leben zu holen, wird hier  vielmehr das Alte in neue Zusammenhänge gestellt und dabei auf eine sehr emotionale Weise neu interpretiert.

Es ist eine Assemblage, in der der Besucher zum Täter wird. Zwischen all den Verlassenschaften finden sich  immer wieder Textzitate oder ebenfalls rostbraune Bilder, die Menschen auf der Flucht zeigen und die mir wie die Manifestation der Geister der Verstorbenen vorkommen.

Sie raunen mir zu:
Was hat das alles mit uns heute zu tun?

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Mythologisch Wandern. Wie geht das? 1. Teil


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Für eine “mythologische” Wanderung gibt es zwei Ausgangspunkte, die ich einmal als intro- und extroperspektivisch beschreiben möchte.

Da Letzteres sicherlich einfacher nachvollziehbar ist (und auch häufiger) praktiziert wird, möchte ich euch im Folgenden dieses Modell, also das extroperspektivische, am Beispiel der letzten Wildfrauenhaus-Wanderung vorstellen. Später dann können wir uns mit der anderen Variante beschäftigen und werden – um mal die Konklusion vorwegzunehmen – feststellen, dass es sich bei Wanderungen  “von dieser Art” zumeist um Mischformen  beider Varianten handelt.

Ich beginne mit einer Selbstverständlichkeit: Vor wirklich jeder Wanderung gibt es erst einmal ein paar Regularien zu klären. Wer kommt mit?  Wie lang darf die Anreise sein? Wie sieht überhaupt die Erwartungshaltung  der einzelnen Wanderinnen aus?   Der spirituelle Hintergrund  der einzelnen  Teilnehmerinnen sollte  zumindest bekannt sein, bzw. es sollte eine gegenseitige Toleranz selbstverständlich sein.

Ich selbst liebe es zwar verschiedene  “Paradigmen” auszuprobieren, dies ist aber sicherlich nicht jederfraus Sache und ich weiß nicht, ob sich die katholische Pilgerin in einer Wandergruppe von Teufelsanbeterinnen wohlfühlen würde?

Spaß beiseite und zurück zum Praktischen:

Selbstverständlich sollte die Länge und der Schwierigkeitsgrad der Wanderung an die gesundheitliche Verfassung und dem sportlichen Ehrgeiz – so er denn vorhanden ist –  der Mitwanderinnen angepasst sein. Es ist von Vorteil notfalls Aussteigepunkte und Abkürzungen zu kennen, die verhindern, dass die Wanderung für einige  zur persönlichen Prüfung wird.

Im “Wildfrauenhaus” hat sich mittlerweile eine kleine Gruppe herauskristallisiert, die regelmäßig teilnimmt. Wir wissen uns gegenseitig gut einzuschätzen und insofern stellt das oben genannte kein Problem dar. Erwähnen wollte ich es trotzdem.

Bevor ich in die nähere Planung der letzten Wanderung gegangen bin, besprachen wir uns alle insofern, als dass wir keine Anreise über zwei Stunden in Kauf nehmen wollten.

Mehrere Etappenziel oder zumindest eines sollte in irgendeiner Form mit Spiritualtiät oder Mythologie in Zusammenhang stehen.

Denkbar sind also überlieferte Kultorte (beispielsweise ein altes Kloster), genauso wie archäologische Fundorte oder “Naturwunder” (was für ein schönes Wort!), die mit Sagen und anderen Überlieferungen verknüpft sind, dessen ursprünglicher Wahrheitsgehalt aber im Dunkel der Vergangenheit liegt und nun Anlass für vielfältige Spekulationen geben kann.

Ich wählte den Wurmberg als buchstäblichen Höhepunkt der Wanderung aus, schließlich verweist ja schon der Name auf einem Lindwurm, einen Drachen also.

Einst kämpfte Thor mit der Midgardsschlange, eines weltumschlingenden Wesens und nahm damit all die späteren Drachenkämpfe der alten Epen, Märchen und Sagen vorweg. Wohingegen diese aber zumeist erfolgreich verliefen, erlag der mächtige Gott dem Gift der Schlange, was nicht verwunderlich ist:  Schließlich ist die Midgardschlange ein Geschöpf  Lokis, des Trickster-Gottes.

All dies  sind meine Assoziationen, quasi meine introperspektivische Sicht,  die ich mit der Bezeichung “Wurmberg” verbinde.  Ihr mögt andere haben und solche Wanderungen laden dazu ein, ihnen nachzuspüren und sich darüber gegenseitig  auszutauschen.

Wir starteten am frühen Morgen im Torfhaus, wanderten durch das Hochmoor, was einen naturschönen Anblick bot. Schließlich stand das Wollglas in voller Blüte.  An den Hopfensäcke,  imposanten Granitfelsen,  ging es vorbei zum Dreieckigen Pfahl, einer alten Grenzbefestigung, die das Königreich Hannover, Herzogtum  Braunschweig und die Grafschaft Stolberg-Wernigerode trennte. Heute verläuft hier die Ländergrenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Danach nahmen wir den Ulmer Weg, gingen am Brockenstein vorbei, um letztendlich einen steilen und anstrengenden Aufstieg zum Wurmberg zu meistern. Dort mussten wir leider feststellen, dass dort keiner Göttin, stattdessen  aber dem Highspeed-Testesteron, gehuldigt wird.

Der vermeintliche Kultplatz, den es dort gegeben haben sollte,  stellte sich  nach einer umfangreichen archäologischen Ausgrabung als banale Försterhütte heraus.  Eine interessante Geschichte ist das, die leider auf dem  Wurmberg selbst nicht dokumentiert wird. Nachlesen lässt sie  sich bei Wikipedia und hier: “Der Fall Wurmberg“.

Die Hexen- oder Heidentreppe fanden wir nicht, stattdessen beobachteten wir Biker in sportlicher Nobelausstattung auf ihrer Kamikaze-Tour bergab. Die Bäume waren gepolstert, um Stürze zu vermeiden. Im Hintergrund spielte Salsamusik und irgendwie wirkte die ganze Bergkuppel wie ein einziges Ballermann-Gelände, dessen Mallorca-Feeling nur durch die österreichischen Bauarbeiter gestört wurde, die damit beschäftigt waren, den Berg zur Eventplattform umzubauen. Steiermarker Jungs eben.

Der momentane Zustand des Wurmberges führte unsere  Erwartungshaltungen bezüglich des “Kultortes” Wurmberg ad absurdum, was nicht heißen soll, dass dies kein spiritueller Ort ist; seine Energien aber sind im Baggerlärm versunken.

Letztendlich fiel es uns nicht schwer, diesen “mystischen” Ort zu verlassen und wir waren froh den ruhigen Abstieg nach Braunlage, entlang der warmen Bode gewählt zu haben.

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Objektive Ethik: “Not to return to morality, but to discover it.” Teil 1

Der Hahn wird geopfert!

 

… meint: “not to return to morality, but to discover it”. (Ayn Rand)

Im Folgenden versuche ich eine Annäherung an die objektive Ethik, die sich in der praktischen Annäherung doch als recht widerspenstig erweist. Die Frage, die mich umtreibt lautet: Kann Ethik objektiv  sein oder nimmt sie immer einen subjektiven Standpunkt ein?

Und da es sich in der Küche  so gut philosophieren lässt, beginne ich  Kartoffeln zu  schälen und beantworte derweil  – ganz nebenbei –  die Frage, was zum Teufel denn Ethik überhaupt ist?

Anstatt von Ethik können wir auch von Moral oder einem Code von Werten sprechen,  die dem Zweck dienen sollen, den Menschen zu  regieren, was wiederum die weiterführende Fragestellung  aufwirft,  “was”   und “wer” hier überhaupt  “führt”?

Dies ist eine  wichtige Problemstellung, denn schließlich ist es immer der  Moralcodex, dem wir gehorchen,  der unsere Entscheidungen und somit auch den Verlauf unseres Lebens bestimmt, vorausgesetzt natürlich, dass wir überhaupt in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen, womit ich sagen will:  Ethik setzt immer voraus, dass der Mensch überhaupt die Freiheit der Wahl hat.

Dies angenommen, gewinnt der Umkehrschluss an Gültigkeit: Wenn wir unser ethisches Paradigma ändern, dann verändern wir auch unser Leben.

Auf mein Hantieren in der Küche bezogen heißt dies, dass ich erst einmal die Möglichkeit haben muss, um an bestimmte Zutaten zu kommen und diese auswählen zu können. (Glücklicherweise ist der Supermarkt nicht weit!) Wenn diese Annahme  erfüllt ist,  bestimmt meine  individuelle Wahl beim Kochvorgang,  ob mir hinterher die Klopse schmecken oder nicht.  Ob sie mir bekommen, wird sich  jedoch erst später zeigen!

Der menschliche Wille ist immer auf einen Wert ausgerichtet, so brate ich jetzt ganz konkret meine Hackfleischbällchen in Öl an,  einfach deshalb, weil ich satt werden und dabei auch noch ein angenehmes Geschmackserlebnis haben möchte.

Bei diesem profanen Beispiel macht die weiterführende Frage nicht viel Sinn: Sind es unsere Werte , die unser Handeln lenken oder wurden sie uns durch Erziehung oder Einschüchterung vermittelt?

Schließlich bezieht sich das  schlichte  Sattwerden  erst einmal nur auf ein Grundbedürfnis, das in einer  gedachten Pyramide einem Basiswert entspricht, nämlich dem blossen Überlebenswillen. Bei den Werten, die zwischen dem höchsten denkbaren Wert, wie immer der auch für den Einzelnen aussehen mag (vielleicht das Gute, das Schöne, das Angenehme, das Nützliche, das Brauchbare) und den untersten Wert liegt, wird jedoch die Benennung eventuell schwieriger.  Immerhin kann ich den Wert “guter Geschmack” knapp über dem Überlebenswillen verordne.

Der  Wunsch, den ich euch bisher verschwiegen und der bei mir auch dominant ist,  meine Familie  nämlich mit dem Essen glücklich zu machen, würde ich dagegen höherwertiger als die zuvor genannten Beispiele veranschlagen, womit dann auch die Überlegung, warum das so ist, durchaus  Sinn macht.

Über letztere Fragestellung muss ich in der Tat noch eine Weile nachdenken, derweil ich euch aber nicht länger auf die Folter spannen möchte. Deshalb verrate ich euch: Ich wurde satt, mir hat es geschmeckt und meinen Söhnen gleichfalls, auch weil es  Fleisch war und kein vegetarisches Imitat.

Hätte ich nämlich vegetarische Klopse fabriziert, hätte ich den Unwillen meiner Familie hervorgerufen, was wiederum auf meinen persönlichen Erfahrungswerten beruht.

Eine Anmerkung sei mir noch erlaubt:

Gerade die vegetarische Ernährungsform  wird bei viele Menschen als “gut” angesehen.  Diese hätten mir also beim Fleischverzicht Beifall geklatscht, derweil meine Söhne ein langes Gesicht gemacht und ich schließlich  – klammheimlich – die Klopse in den Mülleimer geworfen hätte. … jedoch STOPP: Essen schmeißt man nicht weg!

Fortsetzung folgt! Teil 2

 

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Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder.

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Ein künstlerischer Reibungsversuch. 2. Teil

Kunst die Klischees bedient ist kitschig. Hundertwassers Kunst ist kitschig, was nach meiner Definition nichts anderes meint, als dass es sich um eingängige Bilder handelt, die letztendlich nur bekannte Sehgewohnheiten bedienen, anstatt aufzurütteln.

Letzteres ist mein eigener Anspruch an Kunst, wobei ich jedoch von der gegenwärtigen Konzeptkunst, die eben dies verwirklichen will,  genervt bin, wird hier nämlich – zumindest in vielen Fällen- das eigene künstlerische Schaffen einer vorher ausschließlich verstandesmäßig erzeugten Idee untergeordnet.

Was dabei herauskommt wirkt auf irgendeine Art und Weise auf mich “seelenlos” und Hundertwasser hätte mir in meiner Einschätzung sicherlich beigepflichtet, schließlich wandte er sich zeit seines Lebens wiederholt gegen eine “verintellektualisierte” Kunst.

So lese ich mich also durch seine vielen (!!!) Texte und stelle überrascht fest, dass er durchaus einem ernstzunehmenden politisch-ökologischen Anspruch vertrat.

Insofern kann seine Kunst also doch kein Kitsch sein, resümiere ich.

Woher kam dann aber mein erster Eindruck?

Meine Vermutung ist diese: Vielleicht liegt dieses “Kitsch”-Gefühl in Bezug auf Hundertwasser, das ja nicht nur mich, sondern auch andere befällt, an einer gewissen Überreizung mit Hundertwasser-Motiven. Jeder Kindergarten führt schließlich unbarmherzig sein Hundertwasser-Mosaik-Projekt durch, wobei ich die gutgemeinte-pädagogische Legitimation dafür niemanden absprechen möchte; jedoch solltet Ihr wissen: Irgendwann reicht es!

Mit dem Überangebot an Hundertwasser-Spiralen ist diese Kunst “profan” und zum Tassen- und Kalender-Aufdruck vorkommen. Wenn ich mich von diesem Vermarktungs-Müll befreien kann, der von Hundertwasser als Marketing-Profi in seiner Spätphase legitimiert worden ist (der Kapitalismus siegt anscheinend immer!), kann ich seine bunte Kunst  durchaus genießen. Manchmal braucht der Mensch eben auch Kitsch, womit ich hiermit den Gartenzwerg erneut hochleben lasse, um sich heimisch in einer Welt zu fühlen, die manchmal eben nur “schöngefärbt” erträglich ist.

Doch ich verhake mich in Ambivalenzen. Immer wenn ich mich mit der Kunst von Hundertwasser konfrontiere, gewinnt ein Gefühl an Dominanz, was ich mit  dem Adjektiv “überzuckert” beschreiben möchte und was einen unangenehmen Zustand meint, der bei Kindern auftritt, die zu viele Bonbons gegessen und danach über Magenschmerzen klagen müssen.

Was zuviel ist, ist zuviel: Bitte baut keine Hundertwasser-Epigonen-Häuser mehr. Nutzt doch eure eigene Kreativität, die durchaus kitschig sein darf. Lockert die Bauvorschriften und ihr werdet überrascht sein, wie bunt und vielfältig dieses Land sein kann. Kreiert eure eigenen Symbole und besprüht sie mit Glitzerpulver. Malt Gartenzwerge an die Wände!

Hundertwasser hat  selbst gesagt:  “So lange die Lebenswelt des Menschen und die Harmonie mit der Natur in erster Linie funktional unvollständig und ihrem Charakter nach prekär sind, dienen auch Romantik, Schönheit und Kitsch als stetige oder als vorläufige Ersatzmittel.” (Hundertwasser: Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben. Schriften 1943 – 1999. München 2004. S. xx)

So stimme ich Hundertwasser hiermit zu.

Mein “künstlerischer Reibungsversuch”  könnte für heute versöhnlich schließen, wenn nicht “Die Zeit” über Kitsch in der gegenwärtigen Kunst folgendes geschrieben hätte:

  • Selbst ein angesehener Philosoph wie Konrad Paul Liessmann lässt keinen Zweifel mehr daran, dass die einstige Abscheu in allgemeines Wohlwollen umgeschlagen ist. »Nicht länger gilt mehr, dass Kitsch keine avancierte Kunst sein kann. Im Gegenteil: Spätestens seit Jeff Koons wissen wir: der Kitsch selbst ist nun die Avantgarde.” // Gemeint ist damit, dass Künstler wie Jeff Koons oder auch der popbunte Comicmaler Takashi Murakami keinen naiven Gartenzwerg-Kitsch machen, auch wenn ihre Werke gelegentlich so aussehen. Nein, sie unterhalten ein hoch reflektiertes Verhältnis zu ihren massenkompatiblen Gegenständen. Und tun, was die Avantgarde immer schon tat: Sie erweitern den allgemeinen Kunstbegriff, sie hinterfragen die üblichen Geschmacksvorstellungen und im Zweifel auch das Bewusstsein. Anders gesagt: Ihr Kitsch ist eine Form von Kritik. So jedenfalls wird es von zahlreichen Galeristen, Museumskuratoren und auch Theoretikern gesehen. (http://www.zeit.de/2012/43/Koons-Richter-Hundertwasser-Kunst-Kitsch, besucht am 31.05.2013)

Das wiederum geht mir in der Tat zu weit, vermute ich hier einmal, dass die angeblich veranschlagte “Erweiterung des Kunstbegriffes” eventuell nichts anderes sein kann, als das Hirngespinst eines hektischen Kunstmarktes und dessen eilfertigen Lakaien.

So bin ich hier an das bekannte Märchen “Des Kaisers neue Kleider” erinnert , in dem niemand genug Verstand aufweist, den nackten Kaiser als “nackt” zu bezeichnen, was er in der Tat ist. Nur ein Kind traut sich auszurufen: “Aber er hat ja gar nichts an.”

Insofern plädiere ich dafür, den Kitsch ehrlich als solchen zu benennen und sich dabei in keinerlei  intellektuellen Ausflüchte zu ergehen. Habt einfach Spaß damit. Fertig.

Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder!

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