Zarathustra am Maschsee. Teil 3

“Nicht nur fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf”, heißt es im Zarathustra.

Teil 1, Teil 2

Das Menschenpaar bildet eine Linie mit dem Fackelträger, der über den Maschsee schwebt.

Das Paar schaut  direkt zum Fackelträger. Tun wir es ihm nach:
Fackelträger

Fackelträger2

Der Fackelträger, übrigens genauso wie  der Fischreiter und der Putto von Hermann Scheuernstuhl gestaltet, tänzelt auf einer Weltkugel, streckt seine rechte Hand in die Höhe, während seine linke eine Fackel hält.

Er blickt von Norden nach Süden, steht dabei auf einer Säule, die aus weißen Steinquadern errichtet ist und die auf diese Art und Weise  –  vielleicht nicht nur zufällig  –  an die Prestigebauten des alten Roms erinnert, für die weißer Carrera-Marmor benutzt wurde.

Die Fackel verweist  sicherlich auf die 1936 in Berlin stattgefundenen Olympischen Spiele. Der Fackelträger selbst wurde 1937 aufgestellt.

Im Fackelträger erfährt das Kind seine Steigerung.

Wirklich? Aufgepasst:  An dieser Stelle verlasse ich die auf Friedrich Nietzsche bezogene  Rezeption des “Zarathustras” .   Von nun an  müssen wir die Weltsicht des Nationalsozialismus in unsere Überlegungen  miteinbeziehen, um zu verstehen, was hier gemeint sein könnte.

Dabei  kann ich allerdings nicht oft genug betonen, dass es sich wohlgemerkt um meine persönliche  Interpretation des Skulpturen-Ensembles am Maschsee handelt. Sie ist  bisher durch keinerlei Quellen belegt (,bzw. habe ich mich  (noch) nicht auf eine entsprechende Suche begeben).

Meine Interprettion kann “an den Haaren herbeigezogen” sein. Sicher bin ich mir jedoch, dass der  Blick auf die Skulpturen mit der Gedankenschablone, die ich hier entwickle, interessante Fragestellungen aufleuchten lässt, die es verdienen näher betrachtet zu werden.

Und so wiederhole ich es ein zweites Mal: Im Fackelträger erfährt das Kind seine Steigerung.

Diese Aussage ergibt durchaus einen Sinn, besonders, wenn wir jetzt einen kleinen Abstecher zu Aleister Crowley, dem großen britischen Okkultisten, unternehmen, der sich selbst als das Große Tier 666 bezeichnet hat.

In seiner Thelema-Bewegung  beschreibt ein Æon ein spirituelles Zeitalter. Laut ihm befinden wir uns im Zeitalter des Horus oder des Kindes, vorausgegangen sind die Zeitalter des Osiris und  der Isis.

Die Vorstellung von einer Abfolge von Æonen war schon beim Hermetic Order of the Golden Dawn gebräuchlich, der sich wiederum auf gnostisch-ägyptische Quellen berief, in der das göttliche Pleroma-Licht Mutter und Vater ins Sein brachte, deren Kinder wiederum die  Æonen oder auch die Götter sind.

Kannten die Nationalsozialisten dieses Gedankengut? Wollten sie das Zeitalter des Horus, was von Crowley auch als  Zeitalter des Kindes beschrieben ist, implantieren? Oder wollten sie ein ganz neues, eigenes Æon erschaffen, das Nietzsches postulierte “ewige Wiederkehr” durchbricht? Wollten sie den Übermenschen erwecken und das, was Nietzsche als individuelle Entwicklungsstufe gemeint hat,  zum arischen Volks-Gott umdeuten?

Säule

All dies  muss an dieser Stelle  unbeantwortet  bleiben. Leider verschwanden Unterlagen (oder wurden zum Verschwinden gebracht), die Auskunft hätten geben können, beispielsweise  aus der Zeit, in der sich Crowley im Berlin aufhielt (1930 – 32) genauso wie “Dokumente, die den Einfluss esoterischen Denkens auf die Naziführung belegten”.  (Siehe auch: Goodrick-Clarke, Nicholas: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus,  S. 206 und Baigent, Michael/Leigh, Richard: Geheimes Deutschland, S. 321 f.)

Nietzsches Zarathustra  jedenfalls wurde  im Nationalsozialismus häufig und gerne rezipiert  (siehe auch: Wikipedia), womit ich jetzt  – wie versprochen –  zum Menschenpaar zurückkomme. Georg Kolbe, ihr  Bildhauer,  hat sich erwiesenermaßen nicht nur gedanklich, sondern auch  künstlerisch  mit  Zarathustra auseinandergesetzt, u. a. um den Tod seiner Frau zu verarbeiten.   Auch  Hermann Scheuernstuhl ist eine solche Lektüre  zuzutrauen, immerhin hat er einen reformierten Zarathustrismus als Religion gepflegt, genannt:  Mazdaznan.

Menschenpaar1

Wie die Künstler der Skulpturen im Einzelnen  zum Nationalsozialismus standen, ist ein anderes Thema, was ich hier abschließend nur kurz anreißen möchte.

Siegfried Schildmacher  jedenfalls betont im  HAZ-Artikel,  dass die Fackel  des Läufers als Symbol der Aufklärung gesehen werden kann, die dadurch, dass sie nach unten gehalten wird, zur heimlichen Kritik Hermann Scheuernstuhls am dunklen Zeitgeist wird.

Bei den Modellen für das Menschenpaar von Georg Kolbe, die  melancholisch auf den Fackelträger blicken,  handelt es sich um jüdische Geschwister, sodass hier – vom Künstler gewollt oder ungewollt – im Figurenensemble am Maschsee  eine Art von  “Stolperstein” implantiert ist,  der  auf die vielen Opfer der  nationalsozialistische Ideologie verweist.

Über eine Maschsee-Figur, die nicht am Maschsee steht, könnt ihr hier nachlesen: Fischreiher

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Zarathustra am Maschsee. Teil 2

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Wir setzen also unseren kleinen Spaziergang fort.

Ein Wort zur Warnung: Mit  Teil 1  dieser Artikelserie solltest du dich zuvor vertraut gemacht haben, denn andernfalls wird dir das Folgende seltsam vorkommen. Nachdem wir die Bronzelöwen hinter uns gelassen haben, begegnen wir knapp vor der Höhe der Geibelstraße einen Menschenpaar.
Auf diese Doppelfigur von Georg Kolbe möchte ich zum Schluss unseres Spazierganges  noch einmal zurückkommen.

An dieser Stelle  meiner Argumentation ist es erst einmal nur bedeutsam, dass das Menschenpaar im Kontext der von mir verfolgten Interpretation der Skulpturen-Landschaft als Illustration zum Zarathustra – zumindest oberflächig betrachtet  –  “nicht passt”.

Der Löwe nämlich verwandelt  sich bei Nietzsche  in ein Kind.

Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen. Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: seinen Willen will nun der Geist, seine Welt gewinnt sich der Weltverlorene.

Das Kind begegnet uns gleich zweimal am Maschsee, nämlich im Fischreiter, der nächsten Skulptur, und später  im Putto auf dem Musikpavillon. Beide Skulpturen befinden sich am Südufer und gehen auf dem Bildhauer Hermann Scheuernstuhl zurück.

Die tierischen Vorstufen  sind nun überwunden. Das Kind ist das autonome Individuum und der ÜBERMENSCH.

Fischreiter1

Fischreiter2

Was macht aber einen ÜBERMENSCHEN aus?

Das ist  u.a. der Künstler. Er ist der Prototyp des Übermenschen, der neue Werte aus sich selbst erschafft und fröhlich hinaus in die Welt trägt.

Der Künstler, in Nietzsches ambivalenter Sicht zugleich leidenschaftlicher Welterzeuger und Vampir ohne große Leidenschaften, verwirklicht die ästhetische Vernunft (und “vernünftelt” (Kant) nicht darüber). Als der – wie Nietzsche herausfordernd formuliert – “im verwegensten Sinne …Unnütze” (Ü 37, 1870/71) will er nicht zur allgemeinen Kultur und Bildung beitragen, sondern verkörpert in seiner Person die höhere Form einer künstlerischen Kultur. Deren Signatur ist die Verwandlung des abgelehnten Lebens in ein bejahtes Dasein, der vorgefundenen Welt in einen gewollten Entwurf. Die ästhetische Vernunft ist keineswegs der zweifelhafte Versuch, die aus Praxis und Geschichte  vertriebene Wahrheit im Schongebiet der Kunst überwintern zu lassen (das sind spätmoderne Hirngespinste), sondern schon im Ansatz leiborientierte Weltbewältigung. Wahrheit gibt es für die ästhetische Vernunft nur, solange es Lust gibt, und als Verführung zum guten Leben und Gelingensethik wird ästhetische Vernunft aktiv. (Schirmacher, Wolfgang: Kunst und Künstlichkeit der Wahrnehmung: Kulturphilosophie nach den Nihilismus, zitiert nach: http://www.egs.edu)

Rückblickend  verstehen wir nun auch die Funktion der Menschenpaar-Skulptur, die uns zwischen “Löwe” und “Kind” begegnet ist.

Das Paar stellt die radikale Zensur dar, die die Verwandlung des Löwen zum Kind erfordert.

Man muss nämlich den Gedanken an die ewige Wiederkunft, dass sich nämlich  alles unendlich wiederholt, ertragen, um den Nihilismus des Löwen zu überwinden und sich stattdessen mit einem “Akt der gänzlichen Einverleibung”  idendtifizieren, um als Übermensch geboren zu werden.

Wie könnte dies besser bildlich umgesetzt werden, als durch einen Mann und eine Frau,  die immer die Möglichkeit in sich tragen, dass sie durch Vereinigung und Empfängnis ein neues Leben erschaffen können?

Das Menschenpaar verweist so auf die Geburt von etwas Neuem, dass seine Vorstufen vergessen hat: Wenn wir  als Kind in das Leben treten, wissen wir nicht darum, was vorher war.  Wir können uns nicht an jene Existenzstufen erinnern, die wir durchlebten, bevor wir Mench geworden sind.

Insofern erstaunt es auch nicht, dass das Fischreiter-Kind, das den Fisch lenkt, gerade beabsichtigt, diesen in das erfrischende Nass des Sees hüpfen zu lassen, denn schließlich verweist die allgemeine Symbolik des Wassers auf das Urmeer und das mütterliche  Fruchtwasser, aus dem jegliches Leben entspringt.

Ein neues Leben beginnt im Kind, was vollkommene Unschuld und freudiges Spiel ist.

Jedoch birgt der Zustand des Kindes  eine  nicht zu unterschätzende Gefahr in sich. Wenn das Kind  nämlich die Stimme des Common Sense vernimmt oder die des einsamen Denkens, anstatt ihnen mit den Mitteln der ästhetischen  Vernunft zu begegnen, kann es zurückfallen in das unkritische  und einlullende Wir oder in jenes des einsamen Ichs, was sich feindlich gegen die Welt aufstellt.

Das Putto-Kind auf dem Musikpavillion  streckt dann auch optimistisch sein Ärmchen  in den Himmel und will uns damit vermutlich sagen:

“Ich bin kein statischer Endzustand, sondern muss immer wieder neu errungen werden.”

Hier geht es weiter: Zarathustra am Maschsee. Teil 3

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Zarathustra am Maschsee. Teil 1

Wahrscheinlich ausgelöst durch meine momentane Beschäftigung mit Friedrich Nietzsche habe ich beim letzten Maschsee-Spaziergang Zarathustras “Rede von der Verwandlung”  durch diverse  Skulpturen illustriert gefunden.

Für die Hannover-Unkundigen sei erklärt: Der Maschsee ist ein künstlich angelegter See, der den Hannoveranern als Naherholung dient.  Erste Pläne für das Anlegen eines Sees gehen bis in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Umgesetzt wurden sie allerdings erst von der nationalsozialistischen Regierung, die beabsichtigte den Maschsee an ein Gauforum anzubinden, das u.a. aus Stadion, Aufmarschplatz, Feierhalle, Glockenturm und diversen Parteibauten bestehen sollte.

Wenn wir am Südufer unseren  Spaziergang beginnen und  den Weg am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer entlanggehen, erreichen wir die Löwenbastion mit zwei großen Bronzelöwen von Arno Breker, die eine Treppe flankieren.

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Das  Maschseeufer kann insgesamt als militärischer Festungswall angesehen werden, aus dem  ausgearbeiteten Vorsprünge, von denen die Löwenbastion der größte ist,  jeweils hervorbrechen.

Diese Bollwerke erinnern in ihrer  Funktion an die Wachtürme einer mittelalterlichen Burganlage und wecken  Assoziationen von Verteidigungssituationen. Zu dieser Beobachtung passt auch, dass die Blicke der Löwen dem Maschsee abgewendet sind.

Der Löwe wird allgemeinhin als “König der Tiere” angesehen. Er wird  als Symbol der Stärke, des Mutes und der Macht  gedeutet und findet sich häufig in Wappen wieder.

Genauso wie in der Heraldik stehen auch die Maschsee-Löwen auf ihren Hinterfüßen, wodurch ihre Körperhaltungen “aufsteigend”  und damit “siegreich” wirken.

Dieses heroische Tier begegnet uns schon bei Nietzsche:

In der einsamsten Wüste geschieht die zweite Verwandlung: zum Löwen wird hier der Geist, Freiheit will er sich erbeuten und Herr sein in seiner eignen Wüste.
Seinen letzten Herrn sucht er sich hier: feind will er ihm werden und seinem letzten Gotte, um Sieg will er mit dem großen Drachen ringen.[293]
Welches ist der große Drache, den der Geist nicht mehr Herr und Gott heißen mag? »Du-sollst« heißt der große Drache. Aber der Geist des Löwen sagt »ich will«.
»Du-sollst« liegt ihm am Wege, goldfunkelnd, ein Schuppentier, und auf jeder Schuppe glänzt golden »Du sollst!«
Tausendjährige Werte glänzen an diesen Schuppen, und also spricht der mächtigste aller Drachen: »Aller Wert der Dinge – der glänzt an mir.«
»Aller Wert ward schon geschaffen, und aller geschaffene Wert – das bin ich. Wahrlich, es soll kein ›Ich will‹ mehr geben!« Also spricht der Drache.
Meine Brüder, wozu bedarf es des Löwen im Geiste? Was genügt nicht das lastbare Tier, das entsagt und ehrfürchtig ist?
Neue Werte schaffen – das vermag auch der Löwe noch nicht: aber Freiheit sich schaffen zu neuem Schaffen – das vermag die Macht des Löwen.
Freiheit sich schaffen und ein heiliges Nein auch vor der Pflicht: dazu, meine Brüder, bedarf es des Löwen.
Recht sich nehmen zu neuen Werten – das ist das furchtbarste Nehmen für einen tragsamen und ehrfürchtigen Geist. Wahrlich, ein Rauben ist es ihm und eines raubenden Tieres Sache.
Als sein Heiligstes liebte er einst das »Du-sollst«: nun muß er Wahn und Willkür auch noch im Heiligsten finden, daß er sich Freiheit raube von seiner Liebe: des Löwen bedarf es zu diesem Raube.

Der Löwe steht  bei Nietsche für den Menschen, der sich in die Einsamkeit begibt, um der Fremdbestimmung zu entkommen.

Zuvor nämlich hat sich der Geist zum “Kamel” verwandelt, was bei Nietzsche für eine Sklaven-Existenz steht, die dem sogenannten “Common Sense” niemals hinterfragt. Im Gegenteil: Das Kamel ist  darauf angewiesen, sich fremden Vorstellungen  zu unterwerfen  und seine dumpfe Erfüllung in der Zugehörigkeit zu einem “Rudel” zu sehen.

Erst wenn es seine Lasten zerfetzt und in die  sinn- und wertbereinigte  und “einsamste” Wüste stürmt, wird das Kamel zum Löwen. Nun ist es der Rebell, der die überkommende Werte in Frage stellt und sie kompromisslos zurückweist.   Als Nihilist entdeckt er seinen Willen zur Autonomie, ersetzt aber die alten Werte, gegen die er  einst aufbegehrte, nicht durch neue. Als radikaler Skeptiker entwickelt er keinen Sinnentwurf, der den Gesetzen des “Rudels” etwas entgegensetzen könnte. Der Löwe verharrt in der bloßen Verneinung: Er  entdeckt zwar seinen eigenen Willen, wird aber selbst nicht zum handelnden Subjekt.

So sagt er zwar: “Ich will”, kann aber die Frage  nicht beantworten:

“Was willst du überhaupt?”

Hier geht es weiter: Zarathustra am Maschsee. Teil 2

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Wie die “Empathie” missbraucht wird!

Ich beginne mit einem erdachten Beispiel: Wenn mein Chef mich lächelnd und duzend zur Selbstausbeutung animieren möchte, sieht das für schlichte Geister vielleicht emphatisch aus, ist es aber nicht. Schließlich verfolgt er eine Absicht, die jenseits meines persönlichen Willens liegt. Diesen hätte er (immer vorausgesetzt er wäre dazu emotional und intuitiv in der Lage) emphatisch erspüren  und sich dann demgemäß verhalten können. Genau dies tut er aber nicht. Stattdessen legt er ein nur scheinbar emphatisches Verhalten an den Tag, um seine Zwecke zu erreichen, die ihm wiederum von seiner Chefetage vorgegeben worden sind. Er benutzt mich also, genauso wie auch er selbst als dumpfe Marionette mechanisch gespielt wird, wobei ihm – dies ist zu befürchten  –  der ablaufende Prozess noch nicht einmal bewusst sein muss.

Der Rahmen, in dem das Beispiel platziert, heißt Unternehmens- oder Verwaltungskultur.

Eine solche “Kultur” kann nur durch die Unbewusstheit der Beteiligten, die sich auf bestimmte Grundannahmen geeinigt haben, die weder hinterfragt noch diskutiert werden dürfen, funktionieren. (Siehe auch: Schein)

Wenn Kritik  dann doch geäußert werden sollte, wird dies umgehend sanktioniert, schließlich wird andernfalls befürchtet, dass das fragile Kartenhaus einfällt.

Wie sagte schon Alice im Wunderland:

Ihr seid nichts weiter als ein Spiel Karten!

Jetzt möchte ich an dieser Stelle auf die herrschende “Friss-oder Stirb”-Mentalität der Unternehmen sowie der öffentlichen Hand nicht weiter eingehen (zu düster das Thema), vielmehr halte ich die im Beispiel verdeutlichte Vorspiegelung von Empathie für bemerkenswert .

“Einfühlung”  wird hier nur vorgegeben, ist also nicht vorhanden und/oder  auch überhaupt nicht beabsichtigt. Ich, als ungewollte Empfängerin dieses Schein-Gefühls, bin nur “Mittel” , genauer gesagt “Mittel zum Zweck” eines anderen.

Immanuel Kant hätte ein solches Verhalten, wie  das vom angenommenen Chef praktizierte,  als nicht ethisch gedeutet. Schließlich widerspricht es dem katagorischen Imperativ, der im zweiten Teil besagt:

Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person als auch in der Person jedes anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.(GMS 429)

Der WDR hat dem Thema letztens eine ganze Sendung gewidmet. “Du” kannst sie nachhören! Hier:  Empathie versus Vernunft.

 

 

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»Schlagt ihr den Kopf ab!« brüllte die Königin so laut sie konnte. Niemand rührte sich.

»Wer fragt nach euch?« sagte Alice (unterdessen hatte sie ihre volle Größe erreicht). »Ihr seid nichts weiter als ein Spiel Karten!«

Bei diesen Worten erhob sich das ganze Spiel in die Luft und flog auf sie herab; sie schrie auf, halb vor Furcht, halb vor Ärger, versuchte sie sich abzuwehren und merkte, daß sie am Ufer lag, den Kopf auf dem Schoße ihrer Schwester, welche leise einige welke Blätter fortnahm, die ihr von den Bäumen herunter auf’s Gesicht gefallen waren. (Alice im Wunderland)

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Die Freude am Bösen

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Die Till Eulenspiegel-Figur steht in Oslo und wurde mir freundlicherweise von Berit zur Verfügung gestellt.

Grund genug  hier einen weiteren Ausschnitt aus meinem Till Eulenspiegel-Buch abzudrucken, diesmal zum Thema “Neid”:

Viel zu lange hat man uns betrogen, um das Lebensglück, was uns zusteht. Wir wurden in Ketten gelegt und zur Arbeit verdammt. Wir mussten den Tag verkaufen, um in der Nacht ruhig zu schlafen. Wir mussten die Doppel- und Dreifachbelastungen ertragen, als attraktive Frau, als fürsorgliche Mutter, als dumme Arbeitsbiene. Und was war unser Lohn dafür? Nichts als Verachtung. Du bist und bleibst eine ewige Verliererin, arbeitest vielleicht nur noch, um Schulden abzubezahlen, hast eine Existenz als Sklavin inne und schlimmstenfalls ist dein Bewusstsein dabei so vernebelt, dass du das noch nicht einmal bemerkst oder mit Phrasen des „positiven Denkens“ überspielst. Und selbst dann, wenn du, lieber Leser, ein Mann bist (was sicherlich viele Vorteile in unserer Welt hat!), ergeht es dir nur unbedeutend besser, musstest du nicht „schaffen“ und „schaffen“ , aber wofür? Um die Bedürfnisse von wem zu erfüllen? Und während du – immer potent, allzeit bereit – dich noch im Hamsterrad drehst, werden dir in den Medien ständig visuelle Bilderschnipsel von irgendwelchen „Modellen“ oder greisen, feisten Yachtbesitzern vor- gehalten, die höhnisch zu sagen scheinen: „Uns wirst du niemals bekommen“ und „Das wirst du niemals erreichen“. Neid wird so provoziert, von diesen selbst ernannten Eliten, die mittlerweile wohl kaum noch von der Weltmacht träumen, wie es uns dümmliche Hollywood-Schinken weismachen wollen. Mr. Evil hat doch schon längst erreicht, was er wollte und hält uns – per werbewirksamer „MindControl“ – fest in seinen Klauen. Neidisch dürfen wir aber auf diese „Parasiten“ nicht sein, denn Neid ist „schlecht“, so wird uns suggeriert; Neid könnte gar dazu führen, dieses Spiel, was wir uns nicht ausgesucht haben, zu boykottieren. Nein, neidisch darf man nicht sein. Mit dieser Prämisse lassen wir uns domestizieren, genauso wie die dämlichen Nutztiere, deren triste Existenz unabweisbar zur Schlachtbank führt.

Der Glaubenssatz „Nicht-neidisch-sein-zu-dürfen“ wurde uns schon seit Jahrhunderten eingetrichtert und ist so längst zu einem abgesunkenen Kulturgut geworden, das anscheinend niemand mehr in Frage zu stellen wagt.

Neid, lateinisch invidia, gehört dann auch zu den sieben Lastern, die in der klassischen Theologie keine Sünden an sich, sondern vielmehr Voraussetzung für Sünden darstellen. Der Vollständigkeit halber seien auch die anderen hier aufgezählt: Es sind: Hochmut (Eitelkeit, Stolz, Übermut), Geiz (Habgier), Wollust (Ausschweifung, Genusssucht), Zorn (Rachsucht, Vergeltung, Wut), Völlerei (Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht) und Faulheit  (Feigheit, Ignoranz).

Wir beschließen, uns nicht mehr zu begrenzen. Jetzt ist Schluss damit. Von nun an steht das Ich im Mittelpunkt und der eigene Geburtstag ist der größte Feiertag für uns. Wir fordern ein, was uns zusteht. Wir lassen uns nicht mehr manipulieren und nutzen stattdessen die Skills der Manipulatoren, um zurückzugeben, was ihnen zusteht. Und so „drehe“ ich nun die Prämissen, die ich aus der Lektüre des Eulenspiegels entnommen habe um und …

… erhalte interessante Antonyme, die im Buch “Lasst uns böse sein” nachzulesen sind.

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kunstWege

Pappschachtel heißt meine Galerie für MobileKunst. 

gasmaske

Oder soll ich sie lieber “Kaleidoskop” nennen  wie jene Pappschachtel aus Kindheitstagen, die man sich vor das eine Auge hält, während das andere zugekniffen wird und dass uns alsbald den Blick frei gibt, auf immer neue, bunte Muster?  Kaleidoskop – Es verzaubert unsere Welt.

In die Pappschachtel jedenfalls passt nur das kleine Format. Meine Wohnung bietet nämlich keinerlei

Platz für das Große und das Erhabene.

Bald ende ich wie Kurt Schitters im Merzbau, der dort eingekesselt von seiner eigenen Kreativität lebte und schließlich ins Exil nach Norwegen ging.

Im Sprengel Museum Hannover gibt es ja einen Nachbau, der erahnen läßt, wie wenig Platz ihm zum Leben blieb:  zwischen all seinen Ausbuchtungen und künstlichen Konstruktionen.

Die Wände scheinen  dort auf einen zuzukommen. Als es dann  Phosphor- und Brandbomben vom Himmel hagelte, war die Arbeit von Jahren endgültig vernichtet.

So soll es mir nicht gehen. Also beschränke ich mich, bleibe im “Rahmen”, um noch Luft zum Atmen zu haben.

Aber eigentlich will ich “groß, größer, am größten”.

Wände bemalen, alles bunt machen oder wahlweise unter einem Ascheregen begraben, mich nicht beschränken, größenwahnsinnig werden.

Was ist also zu tun?

Neue Wege gehen! kunstWege

 

Work in Process:

Opfertanz

Bildersammlung, Inspirationen: alles ungeordnet und chaotisch

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Gedanken zur neuen Homepage!

Momentan ist meine Homepage www.no-mads.de (mal wieder)  im Aufbau.Warum das alles? Die Vorgänger-Homepage hatte ich schätzungsweise  im Jahre 2005/2006  erdacht. Sie löste eine noch ältere ab, die ich bereits  im Jahre 1998 online geschickt hatte. Heute habe ich sie offline gestellt.Zeit also umzudenken, zumal sich – ganz praktisch betrachtet – das liebgewonnene und gewohnte Programm, mit dem ich mein Internet-Zuhause gehostet hatte, nur noch unter Windows Vista  aktivieren ließ, ich aber keinen Windows-Rechner  mehr besitze, der unter “Vista” läuft.

Auf einer ganz anderen Ebene, jenseits der schnöden Bits & Bytes,  steckt mehr  soziologische Überlegung dahinter:

Am Anfang stand die Beobachtung, dass mittlerweile die meisten Seiten wie “aus einem Ei gepellt” aussehen. Dies bedeutet erst einmal, ganz wertfrei betrachtet,  dass sich sowohl Produzenten als auch Konsumenten  den neuen technischen Möglichkeiten angepasst haben. Auf der anderen Seite – und dieses finde ich mehr als  bedenklicher – bedienen die meisten Internetseiten eine  allzu glatte Verkaufsästhetik, die nur denjenigen auffallen kann, der die “flackernden Kerzen und sonstigen Spielereien, die  zu Beginn der Internet-Ära üblich waren, kennengelernt hat.

Die Spielereien sind nämlich fast unmerklich  verschwunden  und dies sicherlich nicht   deshalb, weil sich der “Geschmack” der Menschen verbessert hat, sondern einfach deshalb, weil wir anscheinend einer ästhetischen Gehirnwäsche unterliegen, die nur als “professionell” (was mittlerweile die größte Ehrung zu sein scheint) empfindet, was die Werbung und ihre Lakaien  schon in unsere Köpfe implantiert hat.

Daraus folgt für mich: Wenn ich mit einer “antiquierten” Homepage online gehe, die den favorisierten Sehgewohnheiten widerspricht,  werde ich – beim ohnehin flüchtigen Internet-Publikum – mit Nichtbeachtung abgestraft.

Ich, die ich dieses Dilemma wahrgenommen habe, bin einen Kompromiss eingegangen. Es gibt eine neue Homepage mit zum größten Teil neuen Inhalten (wartet es nur ab!), jedoch werde ich nicht davor zurückschrecken, lange Texte online zu stellen, die letztendlich nicht “wohlgefällig” und damit auch nicht massenkompatibel sind.

Ich schreibe  also, ich bekenne es, für ein wirklich kleines Publikum: vorrangig nämlich für mich selbst!

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