Porta Westfalica

Ich möchte von einer Wanderung berichten, die ich vor einigen Wochen unternommen habe.

Zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Wiehengebirge sollte es gehen. Allerdings startete ich in Porta Westfalica nicht bei der Freilichtbühne, sondern am Parkplatz. Dort fand sich keine vernünftige Beschriftung, sodass ich dann den erstbesten Weg nahm, der mich “nach oben” führte. Letztendlich war das eine gute Entscheidung, da sich im Nachhinein herausstellte, dass die Alternative ein Steilaufstieg gewesen wäre. So ging es gemächlich ansteigend bis zur Wittekindsquelle, die leider 1936 versiegt ist.

Dies scheint, so meine Vermutung, ein bedeutendes vorchristliches Quellheiligtum gewesen zu sein, denn schließlich befand es sich nicht nur im Zentrum einer Burganlage aus der Latènezeit, sondern auch in unmittelbarer Nachbarschaft von christlich “bespielten” Plätzen.

Diese wären: Die Kreuzkirche Wittekindsberg, die erst im Jahre 1996 wiederentdeckt wurde, und die Margarethenkapelle.

Eine christliche Bebauung geht mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurück.

Am 15. August 993 bestätigte König Otto III. dem Mindener Bischof Milo, dass dieser ein Kloster für fromme Nonnen im Namen der Jungfrau Maria in seiner Wedegenburg genannten Burg erbauen könne. Dort nämlich … habe eine gewisse Thetwif als fromme Inkluse zuerst ein Einsiedlerleben geführt und dann die Regel des heiligen Benedikt mit anderen frommen Nonnen befolgt. Diesen Nonnen habe sie selbst von deren Kindheit an das Leben der heiligen Religion vorgelebt und sie habe diese gelehrt. Zu diesem Kloster habe der erwähnte Bischof Milo zur Ausstattung der gegenwärtig und künftig dort lebenden Nonnen drei Orte gegeben, nämlich Homelbeke, Jöllenbeke und Brunnenhusen mit vierzig Familien.” (Dietrich W. Poeck, Aufsatz über St. Marien in Minden, zitiert nach: http://www.gefao.de/bilder/publikation/AiO04-PDF/AiO4-04.pdf, 28.06.2014)

Für mich ist es kein Zufall, dass sich neben einem alten Quellheiligtum christliche Bauten befinden. Auch die Sage um die Wittekindsquelle legt die Vermutung nahe, dass es sich um ein bedeutendes “heidnisches” Quellheiligtum gehandelt hat, was dann aber im Zuge der Christianisierung als Beweis für die Überlegenheit der christlichen Lehre über den alten Glauben umgeschrieben wurde.

Wie dem auch sei: Vorbei an der wilhelminischen Ausflugsgaststätte Wittekindsburg und den Moltketurm erreichte ich schließlich das imposante Denkmal, von dem sich ein hervorragender Ausblick auf die Norddeutsche Tiefebene bot.

Der Abstieg führte mich zur Freilichtbühne. Von dort war es nicht mehr weit bis zur Weser und da ich immer noch unternehmungslustig war, entschied ich mich spontan, den ausgebauten Radweg zu folgen und erst in Minden, die Rückreise per Zug anzutreten.

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Sommersonnenwende

Die heutige Sommersonnenwende  illustriere ich mit dem Drachenkampf-Relief von Bernhard Hoetger , das seit 1936 den Eingang zur Böttcherstraße in Bremen ziert.

Die vergoldete Bronzetafel  war damals angebracht worden, um die Nationalsozialisten zu beschwichtigen, die das Gesamtkunstwerk  Böttcherstraße als “bewusste Verrücktheit” kritisierten und gar mit Abriss drohten. Dies konnte durch den “Lichtbringer” verhindert werden: Die Böttcherstraße wurde unter Denkmalschutz gestellt, um  die “Verfallskunst der Weimarer Zeit” auch für nachfolgende Generationen zu dokumentieren. 1944 wurden große Teile zerstört; in den Folgejahren jedoch  – mit einigen bedauerlichen Veränderungen (Haus Atlantis) – wiederhergestellt.

Der schwerttragende Mann, der gegen den Drachen kämpft,  lässt sich vielfältig interpretieren:

– als Metapher der christlichen Lehre: Der Erzengel Michael kämpft gegen den Drachen, der für das Böse steht.

– als atlantische Metapher. Hier  kann der Drache als “Materialismus” gedeutet werden. Der Lichtbringer ist der kommende Gott, der “im Werden aufersteht” und sich über die Naturgesetze erhebt. Ludwig Roselius, der Bauherr der Böttcherstraße,  sagt:

“Ich spreche von den Menschen, die, vom heiligen Feuer innerer Überzeugung getrieben, Taten tun müssen, die an Größe sie selbst weit übertreffen. Solche Menschen sind Mittler zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt.”  (Roselius, Ludwig: Reden und Schriften zur Böttcherstraße in Bremen. Bremen 1932, S. 100 f.)

– als nationalsozialistische  Metapher:

“Eine neue Weltanschauung kommt zu den Menschen, tötet die Geister der Vergangenheit und führt die Menschen in ein glückliches tausendjähriges Reich.” (Senator für Kultur und Ausländerintegration, Bremen (Hrsg.): Bernhard Hoetger. Sein Werk in der Böttcherstraße Bremen, S. 214)

Ich  füge diesen Interpretationen eine weitere hinzu: Der  Drache symbolisiert die Kräfte der Dunkelheit, die  nach der Sommersonnenwende immer mächtiger werden, bis sie dann in sechs Monaten – am Höhepunkt ihrer  Herrschaft – vom Lichtbringer zurückgedrängt werden. Der Drache liegt am Boden, doch die Freude der Menschen an den lichtvollen Tagen der Fülle  ist von kurzer Dauer. Ein neuer Zyklus des Kampfes zwischen Licht und Dunkelheit beginnt.

Auf einer introspektiven Ebene können wir uns, nachdem wir den längsten Tag des Jahres genossen haben,  die Frage stellen,  welche  “Schatten”-Aspekte unserer Persönlichkeit, also welche Eigenschaften, die wir an uns nicht mögen, wir transformieren wollen? Gibt es  Kräfte (in uns oder außerhalb von uns), die uns in unserer Entwicklung hemmen?  Wie können wir mit ihnen umgehen?

Wenn wir in unseren Gedankenspielereien noch verwegener sind, können wir gar darüber nachdenken,  ob nicht  die Kräfte der Dunkelheit, dessen Sinnbild der Drache mit den drei Köpfen ist,  unser Wachstum bestärken, indem sie uns Erkenntnisse zur Verfügung stellen, die uns einen ungetrübten Blick auf die Realität ermöglichen und uns so ermächtigen, für uns selbst (bzw. für unser Selbst!) zu handeln?

 

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Der Hübichenstein und ein paar Gedanken zu den Zwergen!

Hübichenstein

Unsere Pfingstwanderung führte uns in den Harz. Wir startete am Parkplatz Grunder Fall (an der B242, gleich nach der Iberger Tropfsteinhöhle) und wanderten  über den “Schweinebraten” zum Hübichstein und von dort wieder über den Albertturm zurück zum “Schweinebraten”. Dort nahmen wir die Route über den “Brandflecker Weg” und erreichten so den “Taternplatz”, der gleich an dem Parkplatz grenzt, von dem wir vor Stunden unsere Tour begonnen hatten.

Im Nachhinein empfehle ich die Wanderung jedoch  in umgekehrter Reihenfolge vorzunehmen, denn so gestaltet sich am Anfang der Aufstieg nicht ganz so beschwerlich, wie wir ihn erleben durften.

Ziemlich erschöpft erreichten wir nämlich den Hübichenstein, dessen Spitze ein Adler ziert, der wiederum von einem  mittlerweile zerstörten Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelm I. übrig geblieben ist..

Der Name der  eindrucksvollen Felsnadel bezieht sich auf dem Zwergenkönig Hübich.

Wie bekannt sein dürfte, bewohnen Zwerge üblicherweise  ja Svartalfheimr/Schwarzalfenheim.   Ob es sich indes bei den Zwergen und Alben um unterschiedliche Wesen handelt, vermag ich nicht zu sagen. Hier, bei Bad Grund, erhebt sich aber – quasi als Dépendance – ein Ausläufer des unterirdischen Zwergenreiches in die Menschenwelt hinein.

Nach Edr. Thorsson (Stephan Flowers)  sind Zwerge ja “Gestalter von Gestalten, die in Midhgardhr entstehen, besonders jener Gestalten, die den Willen eines großen Kriegers oder Magiers ausführen können.” (Runenkunde, Neuhausen 1992, S. 179)

An dieser Stelle macht dann eine Unterscheidung von Alben und Zwergen Sinn, die ich – ungeachtet dessen, dass es historisch eher “kompliziert” ist, hier einmal  mit Bezug auf Hávamál 143 und 160 vornehme. Und so sehe ich Alben eher als diejenigen  Wesen an, die den  heldenhaften Menschen, die  ihren Willen in die Welt tragen wollen und dadurch selbst  gottgleichen Status erringen möchten,   mit magischen Werkzeugen unterstützen können. Bei den    Zwergen  dagegen geht es nicht so heroisch zu. So soll der  Zwergenkönig Hübich vielmehr den Armen und Bedürftigen mit  vergoldeten Tannenzapfen geholfen haben und erinnert mich so an den launischen Berggeist Rübezahl, der ja auch durch diverse Geschenke an Wanderer von sich Reden gemacht hat. Von Hübich wird jedoch auch erzählt, dass er es den Menschen – unter Strafe –  verbot, sein Reich zu betreten.

Nachdem im Dreißigjährigen Krieg die Spitze des Hübichensteins, der als eine Art von Truppenübungsplatz diente, zerschossen wurde, zog sich Zwerg Hübich nach Svartalfheimr zurück und machte Platz für das Wilhelm I. Denkmal, das Enkelsohn Wilhelm II. errichten ließ, um so wohlmöglich von den magischen Kräften der Alben zu profitieren. Doch deren Gunst errang er offensichtlich nicht. Der 1. Weltkrieg ging verloren und auch das Denkmal wurde mutwillig zerstört.

Ich sehe da zumindest  Zusammenhänge!

 

Zwerg

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