2 x Erinnerungskultur

Die  Nationalsozialisten haben – immer in Hinblick auf ihre eigene Ideologie – Geschichte erforscht und  “passend” gemacht.

Aus diesem Grund haben sie Erinnerungsorte geschaffen. Der Sachsenhain,  der an die Zwangschristianisierung der Sachsen durch Karl den Großen erinnern soll, ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür.

Unter umgekehrten Vorzeichen wird Geschichte auch heute  noch “passend” gemacht, indem durch Gedenkmonumente, die Täterrolle am Leben erhalten wird.  Mein Mitgefühl für das nationalsozialistische Unrecht, was vor allem jüdischen Menschen in Deutschland widerfahren ist, möchte ich nicht in Abrede stellen. Doch ich frage mich, ob der unbestreitbare Schrecken des Holocaust es rechtfertigt,  Deutschland schon seit nunmehr fast 70 Jahren wie ein kleines Kind in eine dunkle Ecke  zu stellen und zu befehlen: “Schäm dich, ansonsten kommst du hier nie mehr raus!” “2 x Erinnerungskultur” weiterlesen

Der Klusfelsen in Goslar

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Der Klusfelsen in Goslar scheint mir ein Miniaturabbild der Externsteine bei Detmold zu sein.

Mein Fotoalbum ist hier zu sehen.

Allerdings liegt er reichlich versteckt und selbst das Hinweisschild, das in seine Richtung verweist, lässt einem im Umklaren darüber, wo man denn abbiegen muss, um zwischen Einfamilienhäusern und Altersheim endlich den Klusfelsen zu erreichen.

Insofern folgt hier eine kurze Wegbeschreibung, für all diejenigen, die diese vorchristliche Kultstätte besuchen möchten:

Wenn man per Fuß unterwegs ist, erreicht man über die Mauerstraße die Okerstraße, in die man links abbiegt. Kurz vor der Bahnstrecke biegt ein unscheinbarer Fußweg zwischen Graffiti verschmierten Gewerbehallen nach rechts ab.  An einer Weggabelung muss man erneut rechts abbiegen und erreicht dann die Kluskapelle.

Unterhalb des Klusfelsens kommt man heraus, wenn man die  Okerstraße schon an der Ampelanlage verlässt und den Reiseckenweg folgt. Die erste Abzweigung nach links – der Martin-Luther-Weg – bringt einem dann zum Felsen, der auf der Wiese hinter einem Altersheim steht.

Wir haben nun die erste Hürde genommen: Wir sind angekommen und können jetzt den Felsen entdecken.

Ähnlich wie die Externsteine gibt es eine Treppe, die zum Felsen hinaufführt und die vielleicht rituell begangen worden ist. Der Weg von unten nach oben führt an einem Opfer-Altar vorbei. Direkt vor dem Eingang des Klusfelsen, der durch eine Kapelle christlich überschrieben worden ist, befindet sich – mitten auf dem Weg – ein Grab, was zugemauert ist. Vielleicht musste sich der Initiant dort hineinlegen, um einen symbolischen Tod zu erfahren, bevor er in das Innere des Felsen geführt wurde, dessen Räumlichkeiten, bis auf die Kapelle, heute vermauert sind?

Der Felsen selbst wurde vielleicht – genauso wie die Externsteine – als Sonnenobservatorium genutzt. Eine Rufrinne weist ihn – über die bereits aufgezählten Merkmale hinaus – als bedeutende vorchristliche Kultstätte aus.

Doch all dies bleibt höchst spekulativ, schließlich gibt es aus dieser Zeit keine schriftlichen Zeugnisse. Auch wurde der Sandsteinfelsen während seiner wechselvollen Geschichte mehrfach umgebaut und umgestaltet, was bei einer intuitiven Annäherung an den Felsen berücksichtigt werden muss.

Bei meinen vielen Exkursionen zu “Kraftorten” habe ich  wiederholt die Nähe zwischen “weiblich” konnotierten Orten zu “männlichen” festgestellt. Diese Beobachtung lässt sich auch am Klusfelsen stützen:

Die Kapelle nämlich, die in den Klusfelsen gehauen wurde, ist Maria gewidmet, was eventuell auch auf einem in der Vorzeit weiblichen Gottheiten – wie beispielsweise Freya/Frigg – gewidmeten Ort hinweisen könnte. Überhaupt ähnelt eine Felsenaushöhlung immer auch einer natürlichen Höhle, also einen mütterlichen Schoß, der empfängt, um neu zu gebären. Und  – auch ohne jetzt C. G. Jung bemühen zu müssen – ist es sicherlich den LeserInnen einsichtig, dass es sich bei dieser Symbolik durchaus, um einen Initiationsweg handeln könnte, der vom mütterlichen Geborenwerden zum siegreichen Triumph der Sonne gegen die Finsternis des Winters führen könnte. Auch “umgekehrt” kann das Wegrituell beschritten werden. Wenn der Initiant vom Innern des Tempel-Felsens den Vorhof betritt, kann er damit auf einer magischen Ebene den Zeitaspekt nach der Sommersonnenwende nachvollziehen. Nachdem die Sonne im Jahreslauf ihren höchsten Stand erreicht hat, lässt die lichtvolle Zeit nach, genauso wie sich auch der Mensch mehr und mehr in die Geborgenheit seines Heimes zurückzieht. Er tut es der Natur gleich, die sich im Herbst und Winter in die Erde zurückzieht, um dann im Frühjahr ihre in der Dunkelheit gewonnene Kraft freudvoll explodieren zu lassen.

Den “männlichen” Gegenpart zum weiblich interpretierten Felsen finden wir oberhalb des Klusfelsen, wo sich die Ruine der Klosterkirche St. Peter befindet. Der Name Peter verweist eventuell auf den höchsten Gott der Germanen: Wotan.

Hier soll eine Kreuzigung stattgefunden haben.

Dies schreibt schon der Kultplatzforscher Siegfried Hermerding, der im Klusfelsen Überreste des legendären Atlantis nachwies und die im Sandstein zu sehenden Figuren und Zeichen aufwändig fotografiert und im Sinne seiner gewagten Theorie gedeutet hat.

Er wiederum ist sicherlich nicht nur von theosophischen Gedankengut beeinflusst, sondern bezieht sich zum Teil auch auf Karl Maria von Wiligut.

Wiligut verlegt zumindest Anklänge der christliche Heilsgeschichte in den Harz. Nach Wiligut gab es im 10. Jahrhundert v. Chr. kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Wotanisten und Irministen, die den lichtbringenden Gott Irmin verehrt haben sollen. Der Anführer der Irministen, genannt Baldur-Krestus, der wie Jesus in einer unbefleckten Empfängnis geboren sein soll, wurde – laut Williguts Theorie – auf dem Petersberg von den Wotanisten gekreuzigt, überlebte aber diese Tortur und floh in die Wüste Gobi, wo er eine Glaubensschule gründete.

Wer weiß, vielleicht haben all die Spekulationen zumindest einen wahren Kern. Balder ist uns  heute noch bekannt als germanischer Lichtgott, der von Wotan geopfert wurde, um dann in die Unterwelt abzusteigen. Irmin soll ein Beinahme des Gottes Tyr/Tiwaz/Tius/Saxnot gewesen sein und vom Irminglauben zeugt die Irminsul als größtes Heiligtum der Sachsen.

Bildet euch am besten selbst eine Meinung darüber und besucht den Klusfelsen.

Hier noch eine Nachbildung der Irminsul im fast gleich lautenden Ort Irmenseul im Landkreis Hildesheim.

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Warum man heutzutage (keine) Türme (mehr) baut!

Ursprünglich stand der hannoversche Bismarckturm in der Ägidienmarsch. 1935 wurde er abgerissen, weil an seiner Stelle der Maschsee  angelegt wurde.  Momentan erinnert an Hannovers Bismarckturm (bzw. an die Bücherverbrennung, die dort stattgefunden hat) nur noch ein winziger Stolperstein (auf der Höhe Geibelstraße).

Bismarcksäulen  wurden in den Jahren zwischen 1869 und 1934 überall im Deutschen Reich angelegt, um Otto von Bismarck zu ehren.

Der Aufruf der deutschen Studentenschaft vom 3. Dezember 1898 gibt uns Auskunft über die Motivation der Erbauer:

“Wie vor Zeiten die alten Sachsen und Normannen über den Leibern ihrer gefallenen Recken schmucklose Felsensäulen auftürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen wir unserm Bismarck zu Ehren auf allen Höhen unserer Heimat, von wo der Blick über die herrlichen deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuerträger errichten. Überall soll, ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das gleiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massivem Unterbau eine schlichte Säule, nur mit dem Wappen und Wahlspruch des eisernen Kanzlers geschmückt. Keinen Namen soll der gewaltige Stein tragen, aber jedes Kind wird ihn dem Fremden deuten können: Eine Bismarcksäule!“(Dreißig Entwürfe der engeren Wahl aus den Wettbewerben zu den Bismarcksäulen einschließlich der zehn preisgekrönten Entwürfe. Bonn 1899. Zitiert nach: Kloss, Günter und Seele, Sieglinde: Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen. Imhof 1997, S. 24)

Die hannoversche Variante muss imposant gewesen sein, schließlich zierte ihn nicht nur eine allegorische Figur, die die Studentenschaft symbolisieren sollte, sondern auch vier Wappen, die da wären: Reichsadler, Stadt Hannover, Landeswappen (das Niedersachsenross und Bismarckwappen; “an der Aussichtsplattform in 16 m H. acht kupferne Schilde; das Feuerbecken (acht eiserne Becken) mit kupferner Umwallung bildet den oberen Abschluss, es ruht auf einem Betonsockel (der zweiten Aussichtsplattform) und läuft in vier Drachenköpfen aus”. Zitiert nach: Kloss, S. 90)

“Wenn ich mir selbst einen Turm errichten würde, um meine Großartigkeit und Eigenartigkeit zu feiern, wie würde er aussehen?”, frage ich mich und beginne Konzeptkunst zu erdenken.

Wenn euch,  liebe Leser/innen, diese Frage zu selbstbewusst und zu eitel erscheint, so verweise ich gerne auf Crowley – Jeder Mensch ein Stern.  “Ich, natürlich”, sage ich, ” aber auch DU.”

Wie würde dein Turm aussehen?

Und zum Abschluss stelle ich die Frage: Wer baut heute noch Türme und setzt eindrucksvolle Zeichen in die Landschaft?

…… Die Banken …. Doch die sind weder “Stern”, noch gründen sie ein “Reich”, stattdessen treiben sie die Globalisierung voran. Studenten werden ihnen wohl  kaum Denkmal-Türme  bauen, weshalb sie es selbst – eitel wie sie sind –  in Gestalt von hohen, dekonstruktivistischen  Glasgebilden tun.

So lasst uns denn das Feuer entzünden!

 

Ergänzung,  7. Mai 2015: Meine Sammlung von Bismarcktürmen, die hoffentlich ständig erweitert wird. /29. Mai 2015: Bad Pyrmont zugefügt!/14. Februar 2016: Dassendorf/09.12.2017: Heidelberg

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Chancengleichheit?

Wenn ich so einen kleinen Blick zurück im Zorn wage, auf die vergangenen Jahre, muss ich  leider feststellen, dass ich keine berühmte Künstlerin, Schriftstellerin und Philosophin geworden bin, der die Menschen huldvoll zur Füßen liegen oder die zumindest nach ihrer Sicht der Dinge gefragt wird.

Noch nicht einmal ein  klein wenig Ruhm war mir vergönnt und ich gehe eigentlich davon aus – pessimistisch wie ich nun einmal bin -, dass dies auch so bleiben wird.

Jetzt neige ich ja weniger dazu, Fehler bei mir selbst zu suchen, vielmehr sehe ich – ganz zeituntypisch – das Problem im Großen gesellschaftlichen Gefüge verankert.

Dort werde ich dann auch schnell  fündig und stelle fest, dass,  wenn man nicht aus einer begüterten Familie stammt, die mit Geldmanipulationen so manche Veränderung im objektiven Universum zugunsten des eigenen Nachwuchses vornehmen kann und wenn man auch nicht – wie vielleicht 1% der Menschen – einfach das unverschämte Glück hat, “zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort” zu sein,  dann ist man nach wie vor  darauf angewiesen, eine unbarmherzige Tretmühle zu durchlaufen und dabei einen langen Atem zu demonstrieren. In der Praxis heißt dies:   unbezahlte Praktikas zu machen, sich auf schlecht honorierte Stipendien zu bewerben,  Arbeiten nur für die persönliche Reputation “umsonst” einzureichen, hier einmal einen Zeitvertrag zu übernehmen und sich dort “lieb Kind” zu machen, dabei immer “lachend” und “positiv denkend” zu sein … etc.

Genau an dieser Stelle muss ich dann ganz realistisch feststellen, dass mir bestimmte Opfer, die Erfolg immer verlangt (noch nie zuvor war mir bisher dieses kleine männliche Pronomen in ERfolg aufgefallen – bis heute!), als Frau und Mutter, die sich eben immer verantwortlich für ihre Kinder gezeigt hat,  nur für den Preis der Verantwortungslosigkeit möglich gewesen wären. Und so wurde dann der Kompromiss-Beruf angenommen (immerhin ethisch korrekt, was nicht jede/r behaupten kann!), der die Familie regelmäßig mit Einkommen versorgt.

Viel Zeit für die eigentliche Passion blieb – gerade als die Kinder klein waren – nicht. Langsam werden sie erwachsen und die Last (und Freude) der Verantwortung wird weniger. Es entstehen neue Freiräume, die  mit kreativem und künstlerischem Tun gefüllt werden.

Für “voll genommen” indes werde ich dabei nicht. Es ist ja nicht “professionell” und  diejenigen, die darüber zu befinden haben, sind Männer, denen jegliches Verständnis für weibliche Lebenswege fehlt  und die – mit Vorliebe – ihresgleichen protegieren. Fatalerweise hört der Rest der Menschheit auf die Botschaften solcher  Leithammel,  nimmt sie für “bare Münze” und lädt so deren Fetische mit ihrer Lebensenergie auf.

Als Frau hingegen versinkt man im mittleren Lebensalter in die gesellschaftliche Unsichtbarkeit. Nicht wahr genommen, von wem auch immer! Die eigene “Lebensleistung” zählt nichts im großen Wettrennen der Aufmerksamkeiten.

Einige meiner Leser/innen, besonders die jungen,  werden nun den Kopf schütteln und meinen, dass das nicht stimmt und dass Frauen heute alle Möglichkeiten der Welt hätten.

Ein schöner Glaube ist das.

Lasst euch gesagt sein: So wie mir geht es vielen Frauen. Doch die meisten schweigen, denn schließlich gilt  “Zorn” nicht als schick.

Die Unsichtbarkeit der Frauen findet sich auch in den  Geschichtsbücher, die voller wichtiger Männer sind . Die Frauen, die ihnen ihr Leben erst ermöglicht haben,  sind der Vergessenheit anheim gefallen sind.

Muss das nicht verwandelt werden?

Jedoch nicht so, dass sich die Frauen zwischen ihrer althergebrachten Rolle und der zusätzlich zu erfüllenden beruflichen Rolle aufreiben, und dies in einer medialen Umwelt, die sie als Sexualobjekte oder “nicht existent” diskreditiert. und auch nicht in einer Gesellschaft, die Geschlechterrollen zur Beliebigkeit erklärt und die Mutterschaft staatlichen Stellen überantwortet. Stattdessen wünsche ich mir eine Infragestellung des männlich-besetzten Referenzrahmens, der uns als GOTTgegeben verkauft wird.

Meine Vision ist die Schaffung einer wertschätzenden, mütterlichen Welt, die Raum bietet zur Entfaltung des einzelnen Individuums, ohne die testesterongeladenen Konkurrenzspiele und ohne die ständige Suggestion von Mangel und Begrenztheit, und stattdessen Fülle lebt.

Und wer weiß? Vielleicht kommt dies dann auch den Männern zugute, denn schließlich sind sie alle Söhne einer liebenden Mutter.

Und so erteile ich nun einem Sohn das letzte Wort. Bei Goethe schließlich findet sich meist das passende Zitat:

Faust
Die Mütter! Mütter! – ‘s klingt so wunderlich!

Mephistopheles
Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt
Euch Sterblichen, von uns nicht gern genannt.
Nach ihrer Wohnung magst ins Tiefste schürfen;
Du selbst bist schuld, daß ihrer wir bedürfen.
(http://gutenberg.spiegel.de/buch/3645/14)

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