Sehnsuchtsziel: Das Junkerhaus in Lemgo

Manchmal möchte man sich zu Hause einschließen und sich überhaupt nicht mehr konfrontieren mit einer Außenwelt, die man nicht selbst erfunden hat. Ähnlich muss es dem Holzbildhauer, Maler und Tischler Karl Junker einst gegangen sein, der sein Leben der Verzierung seines Hauses in Lemgo gewidmet hat. Herausgekommen ist dabei ein düster anmutendes Netz aus figürlichen und ornamentalen Holzreliefs, Schnitzereien, die  afrikanischen Fetischen gleichen und ein  bedrohliches Eigenleben zu führen scheinen, Möbel mit überbordenden Verzierungen … , aber schaut selbst: Hier trifft Expressionismus auf Jugendstil und Historismus.

2010 besuchte ich das Haus in Lemgo und stellte diese kleine Diashow zusammen. Meinen ausführlicheren Bericht dazu findet ihr hier. Warum sich dieses Haus momentan wieder in mein  Bewusstsein drängt? Vielleicht einfach deshalb, weil die soziale Kommunikation, die ständigen Interaktionen  ERSCHÖPFTEN! Und so wird das Junkerhaus zum Sehnsuchtsziel.

 

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Hoffnungsvoll am Mainstream vorbei!

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Im kleinen Büchlein “Schreiben. Bloggen.Präsentieren”, was meiner Meinung nach absolut nicht zu empfehlen ist, stellen die Autoren Sonnabend & Weiss zwei fiktive Twitter-Profile vor und geben ihre Kommentare dazu ab:

“Glücklich leben, Selbsterfahrung, Urbilder, Ausbildung, Märchen erzählen, Märchen, Märchentherapie, Feste feiern, Kunstschule, Bergwandern, erfülltes Leben.
Ein schöner esoterischer Mischmasch. Da weiß man doch gleich, dass man nicht folgen will. Zum Glück gibt es immer wieder Leute, die ihre Biografie so schlecht schreiben, dass man direkt Bescheid weiß. Dann doch besser so:

German biologist, IT-Guy, Lover of books, booze & b-movies. Plus something like a blogger! Tweets in a different languages.”

Jetzt muss ich ja gestehen, dass mir das erste,  hier so vollkommen zerrissene Profil sehr viel besser gefällt als das des Biologen mit einer Vorliebe für Computer. Das eine – mit Kunst und Wandervorlieben – wird als “esoterischer Mischmasch” abgetan.  Das trifft mich, schließlich scheint es ein ganz und gar weibliches Portrait, in dem ich mich durchaus wiedererkennen kann, zu sein. Auch ich liebe  die Kunst und das Wandern. Und auch Festen bin ich nicht abgeneigt. Das zweite Profil soll dagegen anscheinend  exponiert männlich wirken, weltmännisch, uaaahhh: und Computer kann er auch. Und wer denkt, dass er jetzt uncool, irgendwie autistisch-nerdmäßig wäre, für den werden die b-movies ins Spiel gebracht. Lover of books– ein Tausendsassa, ein Chamäleon, so wunderbar professionell-international!

Frauen passt euch also an. Männlichkeit ist gut! Professionell eben!  Und Kerle: Werdet so wie er! Das  ist die unterschwellige Botschaft dieser Anleitung zur Profilerstellung für Benutzer von sozialen Netzwerken.

Und weiter geht es mit den versteckten Inhalten im schnöden Text. Bloggen und twittern…: Das kann man  nicht einfach zum Spaß machen, zum nichtsnutzigen Müßiggang, als Spaziergang in der Virtualität  sozusagen…  nein, das muss sich auszahlen und dafür muss man sich wohlfeil zu Markte tragen.

Ach, ich mag das nicht.

“Und welches Urbild berührt jetzt dieser Beitrag in dir?”, fragt die Esoterikerin in mir.

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Abgefahren – Ostern in Lügde.


In Lügde ist alljährlich ein alter germanischer Brauch zu bestaunen. Dabei werden brennende Räder in das Tal hinabgestoßen. Der Erfolg des Laufes dieser Räder soll darüber entscheiden, ob das neue landwirtschaftliche Jahr erfolgsverheißend (oder eben nicht) sein wird. Das Feuerrad kann als ein Symbol der Sonnenscheibe gedeutet werden, die, wenn sie denn in das Tal gestoßen wird,  die Frühlings-Kräfte der  Natur entfachen soll.

Letztendlich geht es also darum, die Vitalität der Gemeinschaft nach einem langen und dunklen Winter zu erneuern.  Dies spiegelt auch Goethes Äußerungen  über das christliche Osterfest wieder (siehe Faust. Erster Teil):

 „Aus dem hohlen finstern Tor / Dringt ein buntes Gewimmel hervor. / Jeder sonnt sich heute so gern. / Sie feiern die Auferstehung des Herrn, / Denn sie sind selber auferstanden: / Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, / Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, / Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, / Aus der Straßen quetschender Enge, / Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht / Sind sie alle ans Licht gebracht.“

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Dies ist der Sonnenwagen von Trundholm, in dessen Tradition – so hat es zumindest dem Anschein –  die Lüdger Osterräder stehen.

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Ein kleiner Nachtrag sei noch erlaubt: Interessanterweise lassen sich nämlich gedankliche Brücken zwischen dem von mir unlängst vorgestellten Käfach-Kunstprojekt und dem Lüdger Osterräder-Brauchtum  herstellen Schließlich werden dort leere Fruchthülsen, sprich Heu, genutzt, um besagte Oster-Sonnen-Feuerräder zu stopfen, auf dass der jahreszeitliche  Transformationsprozess erneut beginnen kann.

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Virtueller Kunstworkshop, Teil 2

Das Ergebnis meines virtuellen Kunstworkshops der letzten Woche gibt einen Eindruck davon, wie ein kreativer Prozess bei mir abläuft. Dies kann euch vielleicht animieren, es ähnlich zu versuchen oder aber eure kreativen Techniken mit meiner zu vergleichen.

Konkret habe ich ausgehend von einem zufällig ausgelosten Begriffes des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm in einem durchaus als tranceartig-schamanistisch zu beschreibenden Zustand Kornähren gemalt, die sich immer mehr zur Rune Othala verformten. Die Deutung dieser Rune habe ich dann erneut mit dem Begriff des Wörterbuches verknüpft, was wiederum neue Assoziationsketten freisetzte, die mich – was aber in der Video-Präsentation nicht eingearbeitet ist – letztendlich bis zu den Walküren, den germanischen Totendämonen, führten.

Mittels dieses spielerischen Prozesses kreiere ich, indem ich Kontexte verschiebe und das Bewusstseinsfeld der Synchonitäten für mich nutze, individuelle Mythologien, die aber durchaus das Kraftfeld tradierter Mythen berühren und mit ihnen wiederum in Dialog treten. Dies schafft einen rational-intuitiven Wachstumsprozess (Xeper!), kann aber auch – das ist quasi der doppelseitige Nutzen – das angesprochene Kraftfeld im objektiven Universum mäandernd-ausweitend befördern.

Und wie sieht es bei denjenigen aus, die ein solchermaßen initiiertes Kunstprodukt konsumieren – vielleicht sogar unwissend? Wird der Betrachter durch seine Rezeptionen und Interpretationen nicht auch in das Kraftfeld befördert, geht in das Gespräch damit und wird so selbst zum Teil des Stromes des Werdens? Und wenn er dies nicht ignoriert oder negiert, kann es ihn dann nicht auch befördern, sein Selbst beständig zu transformieren? Ist nicht genau dies die heilende Wirkung von Kunst, die sich als erweiterter “Aura” -Begriff beschreiben lässt?

Zum Nachlesen: Vorstellung der Projektidee
Weitere Erklärungen zum Konzept der Individuellen Mythologien finden sich hier.

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