A Clockwork Orange

Dies ist einer der verstörendsten Filme, den ich jemals gesehen habe.

In einer Zeit, wo der einstige Humanismus sich immer mehr in die Fratze des Neoliberalismus verwandelt und wo unter dem Deckmäntelchen des Guten konkrete, aber auch subliminale Gewaltexzesse vollzogen werden, empfehle ich einen gepflegten Filmabend, der keine Entspannung verspricht, dafür aber geeignet ist, gegenwärtige gesellschaftliche Zementierungen in Frage zu stellen. Schließlich markiert das um sich greifende Dogma der Political Correctness mittlerweile die Grenze zwischen dem, was sich im Einklang mit dem herrschenden und medial-propagierten Glaubenssystem befindet und was deshalb auch gedacht und gesagt werden darf und dem, was ein unumstößliches TABU darstellt, das nur mit dem Risiko des sozialen Todes verletzt werden darf. Unaussprechlich!

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

“Totale Stressauflösung” oder “Auf den Spuren eines Taugenichts”


070620151729

In  Peter Sloterdijks Aufsatz „Streß und Freiheit“ werden zwei Formen der Unfreiheit vorgestellt: „Die erste Form der Unfreiheit erfahren wir als politische Unterdrückung, die zweite als Bedrückung durch die Realität, die man zu Recht oder zu Unrecht die äußere nennt.“ (S. 29)

„Die beiden primären Unterdrückungen lassen sich als Varianten von Streß-Erleben beschreiben. Politische Repression bildet ein Streß-System, das so lange Erfolge vorweist, wie die Unterdrückten sich eher für Streßvermeidung – umgangssprachlich: Gehorsam, Ergebung, Dienstbereitschaft – entscheiden als für Auflehnung und Revolution. In technischer Sprache bedeutet eine antityrannische Revolte eine ,maximale Streß-Kooperation‘ (nach Heiner Mühlmann, Die Natur der Kulturen, 1996) seitens der Beherrschten zur Beseitigung einer unannehmbar gewordenen Belastung durch Herrschaft. Revolutionen brechen aus, wenn Kollektive in kritischen Momenten ihre Streß-Bilanz intuitiv neu berechnen und zu dem Schluss kommen, dass das Dasein in der Haltung unterwürfiger Streß-Vermeidung letztlich teurer kommt als der Auflehnungsstreß. Im äußersten Fall lautet die Rechnung: Besser tot als länger Sklave. Wo solches Bilanzziehen populär wird, ist es mit Herrschaftsduldung und Obrigkeitsgläubigkeit vorbei, momentan oder bleibend.“ (S. 29 f.)

Und weiter schreibt er über Jean Jacques Rousseau:

„ ,Der Mensch ist frei geboren und liegt doch überall in Ketten.‘ Jetzt war er zu einer Klarheit vorgestoßen, wie nur die tiefe Gelassenheit sie gewährt. Ohne Zweifel war diese ein Lohn der Angst, da die Gemütslage des Autors vom extremen Streß unter äußerer Feindschaftsnot in eine radikale Relaxation umgeschlagen war.“ ((Sloterdijk, S. 34)

Was Rousseau angeht, so darf man feststellen, dass er auf seine Weise den Endpunkt jeder möglichen Revolte gegen die Tyrannei des Realen erreicht hatte. Mit der wie auch immer flüchtigen doch zeitweilig vollkommenen Entlastung von Sorge, Streß und Wirklichkeit tritt subversiv und unwiderstehlich die reine Subjektivität ans Licht. In der Urszene des Subjekts offenbarte sich dieses als exemplarischer Taugenichts, weltfremd und unverwendbar – mehr glückliches Tier als Übermensch, mehr Träumer als Charakter, mehr Auswanderer als Weltverbesserer, mehr Urlauber als Unternehmer.

Und so wollen wir denn die Sorgengemeinschaft verlassen und zum Taugenichts werden, denn schließlich gelingt es uns nicht, sich   – für den Preis unserer Freiheit – dauerhaft anzupassen. Als Taugenichts werden wir insgeheim bewundert, aber auch belächelt.  Doch wenn wir uns vom anscheinend harmlosen Taugenichts zum Übermenschen entwickeln, wird die zum gegenwärtigen Zeitpunkt  manifestierte Welt beginnen, mit ihren unbewussten Kräften, was ich, wenn ich denn die nordische Mythologie als Bezugsrahmen nutze, als “Welt der Riesen” bezeichne, gegen uns anzukämpfen. In den Augen der Matrix  sind wir dann nicht mehr nur Weltflüchtige, sondern auch “eigenartig” in der Form, als dass wir unsere Subjektivität nutzen, um die zementierte Realität aufzuweichen und stellen somit eine Gefahr für das Belastungskollektiv dar.

Schließlich  kommt  das Bestreben, die Matrix im Sinne unseres subjektiven Willens zu verändern, einer Kündigung des unterschwelligen Vertrages mit der Sorgengemeinschaft gleich, die uns beständig vorschreibt, was man darf und was man soll.  Die Matrix und ihre  tumben Büttel wissen schließlich, wenn auch unbewusst,   dass ihr Konstrukt nur ein subtiles Gebilde darstellt, dass seine Form allein dadurch erringt, dass es beständig genährt wird, von denjenigen, die ihr –  ungefragt und von Repressionen bedrängt – Lebensenergie und Glauben zur Verfügung stellen. Dafür, dass sie diesen Pakt auf scheinbarer Gegenseitigkeiten eingehen, erhalten sie vielfältige Belobigungen und wertlosen Tand, der ihnen  ein Philister-Dasein in dem Rahmen dessen garantiert, der ihnen von der Matrix zugestanden wird. Derjenige jedoch, der an den Gitterstäben seines Käfigs rüttelt, stellt das Belastungskollektiv in Frage und damit auch diejenigen, die diesen dienen.  Er kann zwar – wenn er Glück hat –  als  unterhaltsamer Narr geduldet werden, ansonsten aber wird seine Vernichtung angestrebt.

Peter Sloterdijk  beschreibt diesen Vorgang eindringlich, wobei er allerdings den Bezug auf  die Literatur wart, was – da bin ich mir gewiss –   auch auf andere Manifestationen von “Lockerungen” zutrifft, die auf die Auflösung der Sorgengemeinschaft zielen.

„Sobald bei einem exemplarischen Einzelnen die völlige Stressauflösung eingetreten ist, wird dank deren infektiöser Bekundung durch Literatur bei vielen anderen die Frage evoziert, wie es in ihrem Fall mit der Auflösung steht. Modernität strebt immer letzten Lockerungen zu. Das ist der Grund, warum das Lesen von moderner Literatur nicht harmlos sein kann. Wo sie ihren Einfluss ungehindert entfaltet, wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die mit der Zeit die gesamte Gesellschaft verstrahlen könnte, sofern nicht rechtzeitig subjektivitätsdämpfende Maßnahmen ergriffen werden. Dies könnten nach Lage der Dinge nur freiheitsdämpfende und streßsichernde Maßnahmen sein. Wir verstehen, warum das Drama nur in dieser Folge ablaufen kann. Wenn das primäre Subjekt der neuen Freiheit das vom Sozialstress entbundene, mittelpunktlos in sich dahin driftende, von allen Meinungen emanzipierte, bis in die Tiefe seiner selbst sorglose rêverie-Subjekt ist, liegt auf der Hand, wieso die massenhafte Freisetzung von Subjektivität dieser Art auf eine Katastrophe des Sozialen hinauslaufen könnte. Sie bedroht die soziale Synthesis mit der individualistischen Kettenreaktion, an deren Ende die Massenflucht der sorglosen einzelnen aus dem Belastungskollektiv stünde. Diese würde die soziogenen Stressfelder zersetzen, die, wie gezeigt, den Zusammenhang zwischen den Gesellschaftern ausmachen. Tatsächlich ist der psychopolitische Großkörper, den wir Gesellschaft nennen, nichts anderes als eine von medial induzierten Stress-Themen in Schwingung versetzte Sorgengemeinschaft.“ (S. 37 f.)

Und so sind wir erst von der Dienerin des Belastungskollektivs  zum  “Taugenichts” geworden, haben dann  in der Freiheit  unsere eigene Subjektivität entdeckt und öffnen nun mit der Kraft unserer Utopien und Visionen die Welt jenseits des Spiegels.  Wir schaffen Kunst.  Wir sind “eigen”artig und …  glücklich.

Doch immer dann, wenn wir die Verbindung zwischen der inneren Welt, die immer auch mit den Numinosen kommuniziert, mit der Sorgengemeinschaft herstellen, wir also nicht in der geschützten Einsiedelei leben, dann stellen wir offensichtlich eine Gefahr für die objektive Welt dar, schließlich haben wir die geforderte Aufopferung unseres Selbst verweigert und könnten deshalb ein Vorbild für andere  darstellen. Und so werden wir von der Sorgengemeinschaft  moralisch abgewertet, als “krank” verurteilt und mit der Bedrohung unserer Existenz sanktioniert.

Wir werden in Teile zerlegt, was eine schamanische Initiation darstellt. Wir sind Odin, der am Baum hängt und sich selbst geopfert ist:  selber mir selbst.

Wenn wir diese Vorgänge jedoch  unbeschadet überleben, uns also selbst  wieder zusammensetzen, dann  WERDEN wir zum Übermenschen. Und so entscheiden wir uns jetzt für die rote Pille.

 

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Jenseits des Spiegels: DísCall

Jenseits des Spiegels befindet sich die Welt unserer Imagination, was auch nur eine Beschreibung dessen ist, was in der momentanen Wirklichkeit noch nicht verwirklicht ist.

Die Spiegel-Welt ist der Resonanz-Raum unserer Möglichkeiten, unserer (noch) nicht-gelebten Träume, unserer Wünsche und unserer Verfluchungen.

Als Künstlerin halte ich mich nur zu gerne in dieser Welt auf, muss dabei jedoch den Drang bezwingen, ganz darin versinken zu wollen und letztendlich mir dabei SELBST verloren zu gehen. Die Zaubermärchen des irisch-keltischen Raumes berichten von dieser Gefahr: Immer dann nämlich, wenn Sterbliche in das Elfenreich gelangen, wo ein Tag plötzlich sieben Jahre im menschlichen Leben zählt, haben sie die Spiegelscheibe zwar durchbrochen, jedoch versäumt, zeitnah den Rücktritt in ihre irdische Existenz anzutreten. Sie sind dann “zu spät” zurückgekommen, um noch vorzufinden, was sie verlassen haben und sind so letztendlich für das Diesseits verloren.

In den deutschen Sagen von der Bergentrückung ist das Höhlenkönigreich, das unendliche Schätze birgt, für immer verschlossen. Die Trennung der beiden Welten ist unabweisbar vollzogen und sie kann nur dauerhaft durch die Kraft der Imagination, die sich jedoch nicht in den unendlichen Fluss des phantastischen Gaukelspiels verliert, überwunden werden.

250520151638

Die blaue Blume öffnet zwar den Berg und lässt uns hinter dem Spiegel blicken, doch dann, wenn die Kraft unserer inneren Schau erlischt, stehen wir vor geschlossenen Felsenwänden und sind dazu verdammt, dumpf auf eine utopische Zukunft zu vertrauen, in der ein Retter-Kaiser sein Berg-Grab verlassen wird, um ein wunderbares Friedensreich zu errichten. Uns bleiben vorerst nur die Geschichten aus fernen Vergangenheiten. Verzweifelt suchen wir die blaue Blume.

Doch selbst wenn wir sie gefunden haben, benötigen wir die Kraft der Dísen, die uns helfen werden, die Trennung zwischen den Welten dauerhaft aufzuheben. Sie sind – vergleichbar den Walküren – kriegerische Schlachthelferinnen und Sturmreiterinnen. Als solche unterstützen sie uns in den zahlreichen Kämpfen mit den Zumutungen der objektiven Welt und können uns die Manifestation dessen ermöglichen, was sich noch verschlossen in unserem Traum-Bewusstsein befindet und was sich dennoch beständig seinen Weg in das Diesseits bahnen will.

Die Dísen sind auch die Verkünderinnen des nahenden Todes, der auch nur eine Umschreibung für den Zustand ist, der uns erwartet, wenn sich unser Bewusstsein vom Diesseits ins Jenseits verschiebt. Sich SELBST gesegnet ist derjenige, der die Nabelschnur zwischen den Welten niemals hat abreißen lassen und auch diejenige, die im jetzigen Leben ihr Bewusstsein schon mit dem des Jenseits-Bewusstseins verbunden hat und sich gerade deshalb dabei SELBST-bewusst bleibt.

Und so manifestiere ich mein Werk in der objektiven Welt, indem ich Zwiesprache halte zwischen den Welten “vor” und “hinter” dem Spiegel. Die Dísen werden so zur Geburtshelferinnen des kreativen Traumes. Die Rahmentrommel kann die Reise begleiten, während die Leinwand zum Ort der Synthese zwischen “hier” und “dort” wird und so begebe ich mich auf meine schamanisch-magische Reise. Immer wieder. Zweifelsfrei. Willst du mich begleiten?

250520151656

 

Filmempfehlung:

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Opfertanz

Thomas Altmann schreibt im „Manifest der Diloggún”:

„Durch die Vernichtung des körperlichen und formhaften Zustandes eines Gegenstandes, einer Pflanze oder eines Tieres wird geistige Energie freigesetzt, indem sie der Stofflichkeit entbunden, aus ihrer Bindung an Stoff befreit wir, und dies in überproportionalem Maße. Diese geistige Energie kann – und muss- sinnvollerweise auf ein geistiges Ziel gerichtet werden, um Resultate im Orun zu erzielen, die ihrerseits wieder in der diesseitigen Welt (Ayé) Realitäten bewegen. Ein Opfer ist ein magischer Akt.“
(Altmann, Thomas, 11/2009: Manifest der Diloggún, S.3)

In Afrika werden Hühner geopfert, um diese Kraft freizusetzen. In Deutschland ist es mittlerweile subtiler. Dort werden die Seelen von Menschen geopfert, um mit ihrer Lebensenergie die gesellschaftliche Trance, genährt aus Stasis und Angst, zu nähren. Wenn die Seele sich aber erst einmal vom Körper gelöst hat, dann bleibt der Mensch „seelenlos“ zurück. Er wird zum Zombie, zum blechernen Maschinenmenschen, der nur noch funktioniert.

Und der Maschinenmensch fragt sich, sofern er überhaupt noch dazu in der Lage ist, welchen Anteil er selbst am Schrecken der Welt, um ihn herum, hat?

Marko Pogacnik  schreibt:

„Lasst uns in Gedanken an den Anfang aller Existenz gehen. Die Welt, die um uns herum schwingt, stellt sich unseren Sinnen als eine fest in Form gegossene Welt dar. Die feste Form der Umwelt könnte sich jedoch eines Tages als Täuschung entpuppen, wenn sich die Vermutung bestätigen sollte, dass unsere fünf Sinne die Funktion haben, aus den Schwingungsfeldern unserer Umgebung diejenigen Elemente herauszupicken, die sich in einem festen, logisch nachvollziehbaren Weltbild zusammenfassen lassen. Würde das dann nicht bedeuten, das die Wirklichkeit, die wir beobachten, lieben oder sogar hassen, unsere eigene und eigenartige Schöpfung ist? Ich frage mich immer wieder, wie die Welt, durch die Augen einer Biene oder eines Bären gesehen, aussieht. (Pogacnik, Marko: Synchrone Welten. Geomantie des zwölfdimensionalen Lebensraums. Aarau und München 2011, S. 8?)

Doch NEIN: Ich widerspreche der Vorstellung einer 100% Konstruktion der Wirklichkeit durch das einzelne Individuum, wie es uns manche Esoteriker vermitteln wollen, schließlich würde dies auch bedeuten, dass ich mich selbst zum Opfer mache. Und obwohl ich – wie es uns Marko Pogacnik nahelegt – sicherlich meine Welt immer auch  konstruiere,  sie also durch verschiedene Gedanken-Filter betrachte, existiert  – da bin ich mir gewiss – eine objektive Welt, die wir mehr oder weniger vollständig, abhängig von der persönlichen Tagesform und von der uns zur Verfügung stehenden  Intelligenzleistung,  sowie der Synthese von intuitivem und intellektuellem Wissen,  … etc. erfassen, die wir aber nicht immer in unserem Sinne beeinflussen können.  So erkennt die Biene einen Teil der Wirklichkeit, wir aber einen anderen. Als Mensch, der  – um mit Nietzsche zu sprechen-  bestrebt sein sollte, sich zum Übermenschen zu entwickeln, obliegt es uns, auch die Wirklichkeitserfassung einer Biene in unser Weltbild zu integrieren, das eines Elefanten und jenes unser Mitmenschen. Und so werden wir, indem wir die terra mundi in all ihren Facetten erkennen, die objektive Wirklichkeit  also „paradimensional“ erfahren, zum Übermenschen, zum Magier und zur Zaunreiterin.

Mehr noch: Wir sind diejenigen, die Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe innehaben und dies häufig nicht wahrhaben wollen. Deshalb sei es LAUT verkündet: Wir sind die Hüterinnen der Erde.

Und wenn wir unsere Kraft nicht mehr verleugnen, dann ist der erste Schritt dafür getan, dass uns die äußere Welt keinerlei Leid mehr zuzufügen vermag. Schließlich, das wissen wir nun,  haben wir dieses Elend  teilweise (aber nicht vollständig!!!)  auch selbst erschaffen und dadurch haben wir  –  jetzt JA – das willfähige Opfer  der Zustände der objektiven Welt abgegeben. Unbewusst. Entfremdet von uns Selbst.

Rahel Jaeggi  schreibt dazu:

„Entfremdet (nämlich) sind wir immer von etwas, das uns zugleich eigen und fremd ist. In entfremdete Verhältnisse involviert, scheinen wir auf komplizierte Weise immer zugleich Opfer und Täter zu sein. Derjenige, der sich in seiner bzw. durch seine Rolle entfremdet, spielt diese gleichzeitig selbst; wer sich durch fremde Wünsche geleitet sieht, hat diese doch gleichzeitig  verursacht – und  es würde die Komplexität der Situation verkennen, wenn wir hier schlicht von internalisiertem Zwang oder von psychischer Manipulation sprächen. Soziale Institutionen, die uns erstarrt und fremd gegenüberstehen, sind gleichzeitig von uns geschaffen. Wir sind hier, das ist das Spezifische der Entfremdungsdiagnose, nicht Herr über das, was wir zusammen — tun.“ (Entfremdung: Zur Aktualität eines sozialphilosophischen Problems, 2005)

Erich Fromm bringt das im  o.g. Zitat ausgedrückte  Gefühl der Ohnmacht noch drastischer auf dem Punkt, u.a.  auch,  indem er, ganz zufällig, eine Referenz auf meine  Riesen-Thematik  gibt. Er nutzt nämlich den Begriff „Riesenmaschine“, um zu beschreiben, was den bürgerlichen Menschen in einem Indifferenz-Verhältnis beherrscht.

„Er (der bürgerliche Mensch) produziert eine Welt der großartigsten und wunderbarsten Dinge; aber diese seine eigenen Geschöpfe stehen ihm fremd und drohend gegenüber; sind sie geschaffen, so fühlt er sich nicht mehr als ihr Herr, sondern als ihr Diener. Die ganze materielle Welt wird zum Monstrum einer Riesenmaschine, die ihm Richtung und Tempo seines Lebens vorschreibt. Aus dem Werk seiner Hände, bestimmt, ihm zu dienen, und ihn zu beglücken, wird eine ihm entfremdete Welt, der er demütig und ohnmächtig gehorcht.“

Und nachdem wir nun die tödliche Mechanik der Riesenmaschine erkannt haben: endlich,  erinnern wir uns daran, dass wir nicht Sklavin, sondern gleichsam Erbauer und Zerstörerin sind: ganz wie es uns beliebt. Wenn wir das Leid der objektiven Wirklichkeit teilweise selbst zu verantworten haben, dann können wir auch dessen  dumpfen Staccato durchbrechen, indem wir den Weg der EIGENMACHT beschreiten.  BEWUSST! Er besteht im beständigen Wandel, im beständigen „Werden“, womit wir die Festlegung auf ein starres Weltbild ablehnen müssen, denn dies würde erneut die riesenhaften Kräfte herbeirufen, die immer dann erwachen, wenn sich ein unbewusster Schlaf, oder  – anders ausgedrückt – eine Gesellschaftshypnose, über die Menschen wie ein starres Leichentuch legt.

Insofern sollte es unser beständiges Trachten sein,  die objektive Wirklichkeit in all ihren Facetten zu erkennen  und  auch zu beherrschen, indem wir unser subjektives Wollen in die objektive Welt tragen: gleichsam dekonstruktivistisch wie auch konstruktivistisch.

Dies ist auch die Botschaft von Odin, dem männlichen Hauptgott des germanischen Pantheons, dem mit Loki eine spirituelle Bruderschaft verbindet, hinter der sich das tiefe Geheimnis verbirgt, dass es sich bei Loki um einen abgespaltenen Schattensaspekt  von Odin handelt.

Loki hat  in seiner göttlichen Triade, bestehend aus Odin und seinen Brüdern Vili und Vé, dem Riesen Ymir getötet. Dadurch sorgt er dafür, dass das menschliche Leben dazu dienen soll, sich aus der Abhängigkeit zu ihren riesenhaften Schöpfern, symbolisiert durch Ymir,  zu  befreien und stattdessen das eigene Bewusstsein und damit gleichsam  eine  freudvolle Ekstase  zu entwickeln, um letztendlich  von ihnen – den Thursen-Riesen – eine Erklärung für ihre  fehlerhafte Schöpfung einfordern zu können.  Dann – und nur dann –  begegnen sich Gleiche unter Gleichen, was zu einer  reinigenden Metamorphose führen wird, wie sie uns nach dem Ende dieser Welt in der Edda versprochen wird.

Und so tanzt das einstige  Opfer auf den Überresten einer Zivilisation, die aufgehört hat, diesen Namen zu verdienen.

Schluss nun – ein für allemal – mit Riesen. Fort mit euch! „Existenz existiert“, wir erinnern uns an das Paradigma von Ayn Rand und trachten danach in der Kraft dieses Augenblicks,  unser Bewusstsein zu leben. Totentanz. Opfertanz. Freudenzauber.

050620151718

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF   

Ein alter Tibetteppich

Dieses Gedicht von Elsa Lasker-Schüler hat mich schon mein Leben lang begleitet und fasziniert mich bis heute, vielleicht auch deshalb weil sich in der Poesie der schönen Worte eine Tür im Alltagsbewusstsein zu einer fantasievollen Exotik öffnet, die es nur in der Fiktion der subjektiven Eigen-Räume geben kann, die dann aber – durch die ästhetische Manifestation – hier in Form dieses wunderbaren Gedichtes – die Seelen von anderen Menschen berühren kann. Der Tristess des Post-Maschinenzeitalters der Cyborgs wird so ein buntes Angesicht gegeben. Dies sollte jedoch niemals bloße Camouflage sein, die danach trachtet, Unerträgliches erträglich zu machen, sondern stattdessen immer ein Aufruf zu einer kreativen Revolution sein. Magie soll schließlich die Welt infizieren.  Verzaubern:  So ist es.

Deine Seele, die die meine liebet,

Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.

Strahl in Strahl, verliebte Farben,

Sterne, die sich himmellang umwarben.

Unsere Füsse ruhen auf der Kostbarkeit,

Maschentausendabertausendweit.

Süsser Lamasohn auf Moschuspflanzenthron,

Wie lange küsst dein Mund den meinen wohl

Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon?

voodoo

www.pdf24.org    Sende Artikel als PDF