Impressionen aus Berlin

 

“Dem Deutschen Volke” …
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In der Nachbarschaft kann man sehen, was von der Machtzentrale des Dritten Reiches augenscheinlich nicht übrig geblieben ist. Die unsichtbaren Strukturen jedoch, die mir gefährlicher als Beton zu sein scheinen und die vielleicht noch immer Bestand haben, sind indes mit der Kamera nicht so leicht einzufangen, allenfalls eine künstlerisch-symbolische Sichtbarmachung könnte ich mir vorstellen. )

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Topographie des Terrors: Mauerreste vor dem “Hausgefängnis”-Gestapo-Ruinen.

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Im Hintergrund ist das ehemalige  Reichsluftfahrtministerium zu sehen. Heute ist im Detlev-Rohwedder-Haus das Bundes-Finanzministerium untergebracht.

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Stadt der Mahnmale und der in Beton gegossenen Schuld:  Schaut auch hier.

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Bei so viel Schwere bietet dann der Anblick der bunten Sittiche in der Pyramiden-Voliere im Innenhof des Kranzler-Ecks am Kurfürstendamm einen farbenfrohen und kurzweiligen Kontrast.

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Sapere audere!

Das ist ein großartiger Vortrag, der geeignet ist, unsere Illusion von Informiertheit, Freiheit und Demokratie zu durchbrechen und so die von einer Minderheit aus Oligarchen induzierte Moral-Apathie, die unsere globalisierte Welt in einer starken Hypnose gefangen hält,  zu hinterfragen und sich ihr gegebenenfalls mutig entgegenzustellen. Wie sagte schon Immanuel Kant:

Sapere audere! Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

Obwohl die inhaltliche Hauptaussage des Vortrags von mir schon seit langer Zeit geteilt wird, waren dennoch einige der von Prof. Rainer Mausfeld vorgebrachten Fakten und aufgestellten Zusammenhänge bestürzend neu für mich. Gewiss wird es Ihnen  ähnlich gehen. Auch die  anschließende Fragerunde verdient Ihre Aufmerksamkeit.

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Über die Macht und Ohnmacht der Frauen

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Als Frau nimmt man sich zurück. Als Frau ist man nicht ganz in seiner Kraft.

Das fällt normalerweise nicht auf, das geht fast unmerklich vonstatten. Es fällt nur auf, wenn man einem Mann sieht, der das tut, was man selbst alltäglich macht, dies aber in einem Selbstbewusstsein, das nur dadurch Kraft schöpfen kann, nicht ständigen klammheimlichen Restriktionen unterworfen zu sein. Das tut man nicht … Das darf man nicht … Das kann dir aber falsch ausgelegt werden … Und so nehme ich mich also zurück – in meinem Bedürfnissen, in meinem Sein, nehme Rücksicht, doch niemals gibt es Dank dafür. Meine Stimme findet kein Gehör, verhallt in den Weiten des realen und auch des virtuellen Lebens. Wenn aber ein Mann ähnliche Gedanken äußert, dann geht ein Raunen durch den Saal. Das ist ja großartig. Und wenn der männliche Guru Heilung verspricht, dann fallen die ungehörten Weiber auf die Knie. Devot.

In Irmtraud Morgners Roman Amanda  schreibt die Autorin  über den Machtverlust der Frauen in mythologischen Worten, indem sie auf die Zauberberge Bezug nimmt.

Gewisse Frauen pflegten dort Geselligkeit, sammelten Kräuter und Mineralien, kochten Arzeneien und versuchten etwas zu brauen, das die Ordnung verwünschen konnte.

Den gewissen Männern, die den Bergsteigerinnen folgten, war Geselligkeit nicht verwehrt. Deshalb konzentrierte sich das Interesse dieser Männer auf die anderen Tätigkeiten der Frauen. Und Männer und Frauen erkannten erfreut, dass ihre Ordnungsträume einander ähnelten.

Diese Erkenntnis und ordentliche Gewohnheit führte die Männer zu dem Entschluss, Brauen in Regie zu nehmen. Während der Regiearbeit wurde die Brauarbeit zur Facharbeit spezialisiert. Und die Facharbeiter  brauchten viel Platz, viel und immer mehr.

Also, dass für die Frauen – seit Regiebeginn von den Männern als Zuschauer spezialisiert – nun kein Platz mehr auf dem Brocken war.

Die Frauen wurden beurlaubt.

Und zwei Stimmen lachten auf sie ein. Von oben eine und von unten eine. (S. 148/149)

Dieser weibliche Machtverlust nimmt momentan an Fahrt auf. Die um sich greifende Islamisierung mit ihrem rückständigen Frauenbild in unheiliger Allianz mit einer weiterhin ungebrochenen Werbeästhetik, die Frauen (mittlerweile aber auch Männer) auf ihre Körperlichkeit reduziert, wird ihr übrigens tun, um  die zukünftige Generation in das Korsett von Botox, Magersucht und Fitnessoptimierung und gleichzeitig auch noch unter das Kopftuch einer patriarchalen Männlichkeit von  “Respekt” und Ehrverletzungen zu pressen. Parallel dazu werden sich die Menschen, die darauf angewiesen sind,  sich den Geld-Eignern “verdienbar” zu machen,   immer mehr zu Arbeits-Zombies und Konsumentinnen degeneriert, wobei die Frauen, um dies zu bewerkstelligen,   willfähig  auch noch ihrem jahrtausendealten Einfluss auf die zukünftige Generation an eine Rundum-Versorgung in Kitas und Ganztags-Erziehungsanstalten übertragen. Kritiklos und scheinbar zu ihrem Vorteil: so wird es zumindest verkauft und leider auch geglaubt.

Tragisch  nur, dass das  hier aufgezeigte im allgemeinen Meinungsbild  so vehement bestritten wird, obwohl – dies ist mittlerweile leider meine Überzeugung –  die  emanzipatorische Rezension, die Frauen  erfahren,  Ausmaße erreicht hat, die kaum noch erträglich sind. Allah und all den Ignoranten,  Medien-Krämerinnen und -Gläubigen sei Dank. Michael Houellebeq nennt es, allerdings auf die ganze westliche Gesellschaft bezogen,   – ganz richtig – Unterwerfung.

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken brauchen wir große, ganz starke Frauen als Symbolfiguren, gerne aus der Mythologie, damit sich unsere Projektionen nicht an schnöden Realien stören und wir so ungebremst  Utopien erdenken können, die uns die Kraft geben, die destruktiven Entwicklungen aufzuhalten. “Es ist fast schon zu spät dafür”, spricht Kassandra.

Lies auch hier weiter: Chancengleichheit?

… oder mehr lösungsorientiert über die dunkle Göttin Kali.

 

 

 

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Zur Hölle noch einmal! Kali

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Das ist das Haindl- Tarot, was ich momentan gerne benutze. Die mittlere Karte zeigt Kali – umgekehrt.

Kali – das ist die Vama Magna, die große Mutter, in ihren drei Aspekten – weiße Jungfrau,  rote und gebärende Mutter und  schwarze Todesgöttin.  Auf der Karte ist sie in ihrem dunklen Aspekt zu sehen, wie sie sich mit dem toten Shiva vereinigt, der einst  – genauso wie Brahma und Vishnu  – aus ihr geboren wurde.

Die Göttin ist hier in ihrem dritten und dunklen Aspekt zu sehen: als Zerstörerin. Sie ist Mutter und Grab zugleich. Eine Kinderfresserin, die nicht nach einer falschen Harmonie strebt, die doch nur Täuschung wäre.

Um ihren Hals hängt eine Kette mit Totenköpfe.

Sie ist die Göttin der Vampire, die am Abgrund  zwischen Eros und Thanatos tanzt. Sie trinkt das Leben und wird so selbst zum Abyss. Bodenlos!

Sie hat viele Namen. Sie lässt uns in unsere Tiefe blicken. Kali zerstört ihre Gegner und trinkt das Blut ihrer Feinde. Ich möchte es ihr gleichtun.

Sie ist Feuer, das gleichsam zerstörerisch wie auch schöpferisch wirkt.

Ihre Antipodin  ist die Eiskönigin, deren Gefühle zu Eis erstarrt sind, einfach deshalb, weil sie entweder niemals in ihre Kraft  gekommen ist oder weil sie  im Laufe ihres Lebens zu viele Enttäuschungen hat erdulden müssen, die ihr Feuer haben erlöschen lassen.  Eine schier endlose Stagnation ist die Folge.

Mutterschaft – zum Beispiel –  kann die Kräfte der weiblichen Energie binden und sie in den gesellschaftlich Rahmen pressen, der die Frauen domestiziert. Vereist. Dann erstarrt alles und die Frauen werden zu Eisköniginnen, immer kontrolliert und immer bedacht, nicht anzuecken, nicht aufzufallen, nicht aus den ihnen zugedachten Rahmen zu fallen.

Als kaltherzige und unbarmherzige Eisköniginnen kennen wir sie aus dem Märchen, aber auch im Film begegnen sie uns,  beispielsweise in “Die Chroniken von Narnia”. Sie sind böse und tyrannisch. Selbst wenn sie nicht die Maske der Eiskönigin tragen, können wir sie erkennen: als 13. Fee im Dornröschen-Märchen, genauso wie als Archetyp der bösen Stiefmutter oder als die “Ausnahme”-Frau in einer Führungsposition, die ihre Weiblichkeit der falschen Karriere hat opfern müssen und nun all das, was noch Leben in sich trägt, vernichten muss. Zwanghaft.

Die umgedrehte Kali bezeichnet eine solche Frau und weist gleichsam den Weg aus der erstarrten Maske heraus. Eine Frau (oder auch der weibliche Anteil eines Mannes) ist hier gemeint, die das Potential der Verwandlerin besitzt, dieses aber nicht ausleben will oder kann. Opfertanz eben. Und so ist das Feuer gedrosselt, die Flamme erlischt und das kalte Eis breitet sich aus.

Dem ist beizukommen mit Eismagie.  Wir drehen die Karte um. Kalis Feuer lässt das Eis schmelzen und alles gerät  in freudige Eruptionen. Die weiblichen Energien werden freigesetzt und der veränderte Bewusstseinszustand der Ekstase erschafft – sozusagen als inversen Prozess –  den Doppelgänger, der – wie C. G. Jung schon richtig erkannt hat – bei der Frau ein Mann (animus) und beim Mann eine Frau (anima) ist. Crowley nannte diese seine “scarlet woman” und ich habe ihn noch keinen Namen gegeben.

Kalis rote Zunge hängt heraus.  Ich rufe den Hexen-Sabbat aus,  male Kali mit breitem Pinselstrich auf die Leinwand, werde eins mit ihr. Und im Feuer des kreativen Flusses öffne ich die Acrylfarben-Tube mit meinem Mund und blaue Farbe ergießt sich auf meine Zunge. Rot wird zu blau und ist nun doch kein Eis mehr.

Und ich tanze auf dem, was tot ist in meinem Leben, nähre mich davon und transformiere es. Feuersturm. Opfertanz.  Und so bin ich zu einer neuen Kali geworden, die einen Dämon gebiert, den sie aussendet in die objektive Welt, um zu zerstören, was danach verlangt. Eine neue Schöpfung eben.

 

Work in progress:

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Sommerliche Impressionen aus Hannover

Friedrich Wilhelm Engelhard schuf ein Wotan-Denkmal, was sich – etwas versteckt – an der Rückseite des Niedersächsischen Landesmuseums befindet.

Als ich heute dort vorbeispazierte, musste ich leider feststellen, dass der  Göttervater  eingezäunt und – man könnte fast sagen – gefangen ist, was sich vielleicht – ganz pragmatisch – mit irgendwelchen notwendigen Restaurierungsarbeiten erklären lässt, was aber auch sinnbildlich stehen kann für eine Zeit, in der die eigenen Wurzeln beschnitten werden, zugunsten eines Neoliberalismus, der nur noch Beliebigkeit kennt.

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Weiter ging es zum  Sprengel-Museum. Dieses  versprach heute nicht nur freien Eintritt, sondern auch eine wohlklimatisierte Zone, in der sich eine Videoinstallation  – mit virtuellem Meer  und mit einem kraulenden Mann im Schwimmbecken davor – in der Ausstellung “Vom Faulenzen und Nichtstun” genießen ließ.

Die Ausstellung gliedert sich in vier Freizeitverwendungen, die da wären “Ruhe und Wiederherstellung der Kräfte (Schlafen, Liegen, Genesen), Unterhaltung, Zerstreuung und Vergnügen (geselliges Beisammensein, Urlaub machen), Selbstverwirklichung (etwas durch das künstlerische Tun) und Erbauung, womit dann der Müßiggang, das Schlendern und das Spazieren gemeint ist).

Ich meine ja, dass die letzen beiden Punkte zusammengehören. Ohne Müßiggang kann kein künstlerisches Tun mit Substanz entstehen. Wenn die Freizeit ge”taktet” ist, zwischen Fitness-Optimierung, Shopping und  Event-Besuch,  dann freut dies die Konsum-Industrie.  Wir wiegen uns in der Harmonie der vielfältigen Freizeitvergnügen und bewahren uns so davor, aufzuwachen und hinter  die Schatten der Wirklichkeit zu blicken, die nur eine bunte Illusion aus Warenwelt-Attrappen ist.  Kunst aber durchbricht die Camouflage. Sie  braucht die Freiheit, die sich nur in der Zwecklosigkeit findet.  Muße eben, die sich auch der Schwimmer in besagter Film-Sequenz nicht gönnt. Die Freiheit ist so nahe, aber er schwimmt nur stupide Bahnen: immer das Trainingsziel vor Augen.  Wir aber legen uns auf die Liegesäcke und betrachten die Szenerie, die sich in endloser Sequenz wiederholt. Absichtslos.

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Und dann entdecke ich noch – kurz vor dem Heimweg – in der zweiten aktuellen Sonderstellung des Museums, eine kleine Grafik von Bernhard Hoetger, der mir ja schon durch die Böttcherstraße in Bremen bekannt ist.  Ein DRACHENKAMPF ist darauf zu sehen.

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