Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel

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Anfang des Jahres war ich in der Fürstengruft in Wolfenbüttel, deren Sarkophage und deren  Inhalt gerade restauriert wurden. Über die Leichen-Restauration schrieb sogar die Welt

Im nächsten Leben werde ich Leichen-Restauratorin.  “Warum so viele Körper nicht verwesen …? ” : Vielleicht weil sie lebendige Tote sind: Zombies. Ich bin von ihnen umgeben. Uaaahhh!

“Aber da lässt sich bestimmt noch was transformieren”, denke ich und besuchte die Alchemie-Ausstellung in der Wolfenbüttler Bibliothek. Sie zeigte alte Alchemisten-Bücher, meist in Geheimschrift. “Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel” weiterlesen

Vom Opfertanz zum Walkürenritt

 

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Thor kämpft gegen die Riesen, Set tötet Apep und ich töte Monster. Mixed media, 29 x 40 cm.

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Isolation – Isolator – der Isolator – Set – Loki. Mixed media, 40 x 29 cm.

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Das Erwachen des Bewusstsein. Der Walkürenritt kann beginnen. Xeper. Mixed media, 40 x 29 cm.

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Von Langelsheim nach Goslar

Der gestrige Tag fing nicht gut an. Erst einmal  vergaß ich,  dass das Niedersachsenticket erst nach 9 Uhr gültig ist. Als mich dann eine Durchsage  im noch stehenden Zug auf mein Missgeschick aufmerksam machte, hatte ich die Wahl “zwischen den Zug verpassen” oder aber – wie ich meinte – den Fehlbetrag gemütlich beim netten Schaffner nachzulösen. Ich entschied mich für letzteres, was – wie sich später herausstellen sollte –  eine falsche Entscheidung war, die mich  schließlich 65,60 € kostete. Ich musste auf diese Art und Weise lernen, dass ich einem Bild von einem Zugschaffner nachgehangen hatte,  der schon längst in einer historischen Vergangenheit versunken war. Die sentimentale  und anheimelnde Welt meiner Erinnerungen hatte ich irrtümlicherweise noch in Restbeständen als existent angesehen und vergaß dabei, dass im Jahre  2015  der Gott der Funktionalität  alleinig herrscht und somit auch jeder Regelverstoß erbarmungslos sanktioniert wird.  Ich hätte es wissen müssen.

Sichtlich geschockt von diesem Erlebnis, verpasste ich meinen Umsteigepunkt Kreiensen und bemerkte erst in Göttingen, dass ich viel zu weit gefahren war.

Mit über einer Stunde Verspätung kam ich dann endlich in Langelsheim an, wo die Wanderung erst einmal damit begann, dass mich eine Wespe recht schmerzhaft in den Fuß stach.

Von da ab,  ging es aufwärts.

Mit dem Spruch “Steig aus und wandere!” war schon die Wanderkarte ermutigend überschrieben.

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Zwischen Wolfshagen und Granestausee, so ungefähr nach 6.6 km der Wanderung, passierten meine Freundin und ich, nach einer heftigen Steigung,  einen unendlich kraftvollen und friedlichen Ort, der uns mit neuer Energie versah.

Weiter ging es zur Granetalsperre, die uns mit schönen Ausblicken belohnte.

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Eine Möwenfeder, die  in meinem Rucksack noch von der letzten Wanderung übrig geblieben war, wurde  hier “ausgesetzt” und verhedderte sich im Gras. Auf einer symbolischen Ebene wurden so die Orte Wilhelmshaven und Granetalsperre miteinander verbunden. Warum das so sein wollte, weiß ich jedoch nicht.

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Angenehm erschöpft erreichten wir  schließlich die tausendjährige Kaiserstadt Goslar.

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Wer die Wanderung auch erleben möchte, findet sie hier.

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Was sind die Götter?

Dark Goddesses

Dark Goddesses, mixed media, 49 x 42 cm

Das sind meine Gedanken zu den Göttern:

Die Götter bestehen im objektiven wie auch im subjektiven Universum. Sie sind also gleichfalls von mir (oder dir) kreiert, wie sie auch im Außen, also unabhängig vom Individuum bestehen. Vielleicht sind alle Götter ursprünglich vom Menschen erschaffen worden, haben dann aber ihre Autonomie errungen. Die Riesen sind die Götter der Götter.

Die meisten Götter pflegen eine Wechselwirkung von unabhängiger Existenz und “sich von der Glaubensenergie der Menschen nähren”.

Die Götter werden also durch den Glauben der Menschen größer, wobei verschiedene Menschen immer auch verschiedenen Vorstellungen von den Göttern folgen. Der Gott nimmt diese Energien auf und gibt ihnen Form. Götter können auch in Vergessenheit geraten. Ihre Energieformen werden  dann kleiner, was aber nicht meint, dass sie nicht mehr existent wären.

Die herrschenden Glaubenssysteme üben ein Dogma aus, was die Glaubensausübung ihrer Anhänger jeweils in eine vorgeschriebene Richtung kanalisieren soll. Es wird den Menschen also vorgeschrieben, wie ihre Sicht auf einem beliebigen Gott zu sein hat, dessen Energiekörper dann im Objektiven sich immer mehr in genau diese Richtung verfestigen wird.

Zu Göttern unseres eigenen Kulturkreises finden wir leichter Zugang als zu denen anderer Völker, einfach deshalb, weil uns zu ersteren schon durch die Geburt und eine lange Ahnenreihe ein intuitiver Zugang vererbt ist. Nichtsdestotrotz ist es uns möglich auch zu Göttern anderer Völker eine Verbindung aufzubauen.

Als kulturübergreifender “Archetyp” existieren Götter, die in verschiedenen Ausprägungen, allen Kulturen gemein sind. Als Beispiele wären hier die große Muttergöttin oder der Trickster-Gott zu nennen.

Es gibt jedoch auch Götter, die von der Menschheit unabhängig sind.

Als Magier kann ich mich, um meinem Willen zu wirken, auf die Energien der Götter beziehen.

Als Künstler kann ich individuelle Mythologien erschaffen. Eine solche Kunst hat ihren Ursprung im Subjektiven, erschafft gänzlich neue Gott-Energien oder bezieht sich – was meistens der Fall ist – auf schon bestehende.  Nicht nur das Leben des Künstlers wird so verwandelt, sondern auch die Götter werden durch das künstlerische Tun bewegt, schließlich sind deren Energien amorph.  Kunst ist also ein Dialog zwischen subjektiver und objektiver Realität und schafft so für alle Beteiligten neue Möglichkeits-Räume.

Was ist ein Künstler also anderes als ein Magier und Schamane?

Wir sollten danach trachten, selbst zum Gott zu werden, was meint unser Selbst zu perfektionieren. Dazu muss man erst ein Monster töten. Manchmal sind es auch mehrere. Ich bin gerade dabei.

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Sprache denken

Die Geisteswissenschaften verflachen – dank Bildungsreformen – immer mehr. Forschungsschwerpunkte wagen keine Bezüge mehr zum Jetzt, sondern werden seziert in Klein-Kleiner- Am Kleinsten-Fragestellungen.  Anstatt mutige und leidenschaftliche Bekenntnisse zu liefern (allenfalls die französischen Essayisten sind dazu noch fähig), wird schon seit Jahrzehnten jedes Thema auf den minimalsten gemeinsamen Nenner seziert, bis es zwar irgendwelchen “wissenschaftlichen” Kriterien gerecht wird, andererseits aber so blutleer ist, dass Belanglosigkeit noch eine nette Umschreibung dafür wäre.

Dies alles geschieht vor dem Hintergrund einer universitären Bildung, die in den vergangenen Jahren immer mehr verschult ist.

Vorletztes Jahr besuchte ich als Gasthörerin einige Seminare und Vorlesungen in den Fachbereichen Religionswissenschaft und Philosophie.  Da, wo die Veranstaltungen ein Publikum von Senioren ansprachen, vielleicht sogar von einem emeritierten Professor gehalten wurden, fand ich den Spaß am sich Verlieren in Fragestellungen jenseits des Nützlichkeitsprinzipes wieder,  den ich auch in meinem Magister-Studium vor Jahrzehnten kennengelernt hatte. Da aber, wo junge Studenten angesprochen wurden, ging es vornehmlich um Credit-Points und abfragbares Multiple-Choice-Wissen.  Im aktivistischen Sammeln von Leistungsnachrichten in kürzester Zeit wird Bildung abgeleistet, genauso wie das Boot-Camp im Fitness-Center überlebt wird. Was dabei herauskommt ist ungefährliches, da oberflächiges und belangloses Wikipedia-Wissen. Fakten ersetzen Interpretationen. Der Pragmatismus herrscht. Die berufliche Verwertbarkeit scheint das hauptsächliche Ziel solcher Veranstaltungen zu sein, denen auch die Professoren mit universitären Zeitverträgen ausgeliefert zu sein scheinen.

Wenn jetzt noch das Dogma des englischen Sprachgebrauches an den deutschen Universitäten hinzu kommt, verschärft sich die ohnehin schon bescheidene Situation. Der globalisierte Geld-Adel und seine Vasallen indes müssen keine Befürchtungen hegen, dass von den Geisteswissenschaften in Zukunft Kritik am herrschenden Status Quo zu erwarten wäre, denn schließlich – das weiß jeder Linguist – beeinflusst die Sprache das Denken, was hier meint, dass es – bei der Dominanz nur einer Sprache – eingeengt wird. Der homo oeconomicus breitet sich auf diese Art und Weise immer weiter aus, obwohl alle Beteiligten eigentlich wissen müssten, dass die meisten von ihnen keine Nutznießer dieser Entwicklung sind, sondern nur ein wissenschaftlich-dummes Prekariat von Claqueuren bilden.

Befreit also das Denken!

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Auf den Spuren von Heinrich von Morungen

Da sah ich doch vor einigen Monaten ein günstiges Haus  im Internet. Eines meiner Lieblingsfreizeitbeschäftigungen ist es, den Immobilienmarkt zu durchstöbern und mir dann vorzustellen, wie sich ein alternatives Leben in der ein oder anderen Immobilien gestalten würde.   In diesem Fall fühlte ich mich nicht nur vom Foto des Hauses inspiriert, sondern auch vom Ortsnamen: Morungen.   Morungen:  Das Wort muss man sich wie ein geheimes Mantra laut aufsagen, langsam und dunkel. Der Vokallaut O in der ersten Silbe,  auch ganz lang gesprochen, kann  dann  in eine dunkle, neblige Moorlandschaften führen. Und ich sah mich mittendrin. Hier musste mein künstlerisches Exilort sein, fern ab von der lauten Großstadt und seinen globalisierten Verwerfungen. Aus der Zeit eben  gefallen: Kreis Sangerhausen, Sachsen Anhalt … Südharz, ganz in der Nähe des Kyffhäusers, den ich ja auch schon besucht hatte.  Auch Nebra, der Fundort der sagenumwobenen Himmelsscheibe ist nicht weit. Das Herz Deutschlands schlägt hier: langsam.

Nur einen Mausklick entfernt, verhieß mir dann Wikipedia in Morungen nicht nur eine altgermanische Sachsenschanze, sondern auch noch zwei Burgruinen und  zwei hermetisch abgeriegelte Schlösser des 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus ist Morungen der Geburtsort von Heinrich von Morungen, was die Germanistin und deutsche Literaturliebhaberin in mir erfreute.

Und so trat ich dann letztens die Reise nach Morungen an.  Aus der Zeit gefallen war es dort; idyllisch wirkte es. Das ist ein Rückzugsort. Die Sachsenschanze erwanderte ich. Ohne GPS wäre sie jedoch nicht auffindbar gewesen, zu wild und  zugewachsen ist der Wald hier.

Die verblichene Gebietswanderkarte stammt wohl noch aus sozialistischen Zeiten:

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Idyllische Dorfansichten:

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Die Rosen des nahe gelegenes Rosariums in Sangerhausen, was ich auch noch besuchte,  erinnerten mich  schließlich an die Dornenhecke, die das Schloss von Dornröschen zuwachsen ließ. Und inmitten all der Rosen liegt die Schlafende und wartet schon lange nicht mehr auf den Prinzen, der sie wach küssen wird. Lieber nicht.

Kleiner akustischer Nachtrag: Neu interpretierter Minnesang von Heinrich von Morungen.

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