Angemessene Aggressionen

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Die Moderatorin von WDR 5 im “Tischgespräch”  vom 23.12. ist erstaunt darüber, dass ihr Gast Hans-Joachim Maaz, der doch ein Institut für Beziehungskultur gegründet hat, Integration in dem Maße, wie sie uns momentan von Merkel & Co. zugemutet wird, für nicht möglich hält. Er spricht sich für Flüchtlingslager in den Herkunftsländern/Nachbarländern aus und verunsichert die Moderatorin dadurch, dass er davor warnt, dass die jetzige Gesellschaft in Parallelgesellschaften und Konflikten mündet. Er rät dazu, Aggression zu zeigen, da wo sie angemessen ist, um zu verhindern, dass die jetzigen gesellschaftlichen Verwerfungen in Gewalt umschlagen. Dies meint: Eigene Positionen vertreten, “Nein” zu sagen, sich zu distanzieren…. letztendlich das Gegenteil von dem, was sich nicht nur in  politischen, sondern auch  in beruflichen und semi-privaten Umfeldern  gegenwärtig erleben lässt.

Was passiert aber mit einem selbst, wenn man eben genau dies getan, nämlich “Nein” gesagt hätte?  Wenn andere billigste Manipulationen in Gesprächen anwenden (Ich nenne dies  “NLP für Dummies”) würden,  die sie wahrscheinlich in einer zweifelhaften Führungs-Fortbildung vermittelt bekommen hätten und die sie nun  – noch dazu dümmlich – rezipieren würden und die man, aufgrund von Hierarchieebenen zwar durchschauen, trotzdem aber lächelnd ertragen müsste, um sich dann doch von alldem innerlich zu distanzieren? Was würde man machen – mal ganz und gar fiktional angenommen – , wenn  von  den anderen Tatsachen gesetzt werden würden, die man schon aufgrund der eigenen Ethik und der eigenen Intelligenz ablehnen müsste, einfach deshalb, weil man den größeren Kontext und nicht nur den beschränkten Referenzrahmen sehen würde? Würde man dann nicht fast automatisch  in die Rolle der Rebellin gedrängt werden,  ohne dies jemals zuvor bewusst intendiert zu haben, einfach deshalb,  weil man noch die Moral hätte, die die anderen wohl niemals  besaßen? Und wenn man dann schlussendlich mit bösartigsten Mobbing-Attacken konfrontiert wäre, wie sie ja heutzutage an der Tagesordnung sind und wie sie gegen jeden erbarmungslos zur Anwendung kommen, der irgendwie “anders” ist, weil man durch sein bloßes Sosein  das scheinheilige “inklusive” Konsens-System gefährdet hätte, würde sich dann nicht die schlussendliche  Frage stellen, was dies, unabhängig vom Ausgang des Geschehens, mit der eigenen Persönlichkeit machen würde?

Erst einmal wäre man dann sicherlich gleichermaßen zum Rebellen wie auch zum Opfer geworden, dass nun – vielleicht auch mit Hilfe von Rechtsanwälten – gezwungen wäre, sich zu rechtfertigen, wo eigentlich die anderen Schuld auf sich geladen hätten. Darüber hinaus hätte man sicherlich sämtliche Naivität in Bezug auf die Bösartigkeit des Kollektivs ein für allemal verloren.  Man hätte, um hier einmal den Film “Matrix” zu referieren, die rote Pille genommen und nichts wäre wieder so wie zuvor. Systemimmanente  und faschistoide Vorgänge, die abliefen, würde man nun klar und deutlich als solche erkennen und letztendlich vor der schwerwiegenden Frage gestellt werden, eben die gleichen unlauteren  Mittel wie die Gegner  anzuwenden, um endlich in Ruhe gelassen zu werden und das Falsche nicht weiter  zu stärken oder aber zu entscheiden, dass dieses Niveau, was man eben erlebte, so abgrundtief in stinkendem Unrat und Fäkalien beheimatet wäre, als dass man sich auf diese Ebene der mitmenschlichen Kommunikation niemals begeben könne, wenn man denn auch in Zukunft sein eigenes Spiegelbild betrachten möchte. Das ist der Scheideweg, wo das Opfer zum Täter oder zur Walküre werden kann.  Die Natter hat einen gebissen. Ob das Gift wirkt und wie es wirkt,  entscheidet man selbst. Vorerst bleibt nur der Waldgang, wie uns Ernst Jünger empfiehlt.

Zur Vertiefung, lies auch hier: Stressauflösung

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Gedankenblasen

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(Saturnalien,  Din A4, Dezember 2015)

Was ich mal gesagt haben will: In meiner Gedankenblase ist es vollkommen normal, dass man die aktuelle Flüchtlingspolitik hinterfragt, nicht weil man etwas gegen Ausländer im Allgemeinen hat oder gar von der Vorherrschaft der weißen Rasse träumt, sondern einfach, weil man darum weiß, dass Integration eine so große Herausforderung darstellt, dass sie nur im Kleinen – wenn überhaupt – funktionieren kann und selbst dann noch vielfältige Fallstricke aufweist. In meiner Gedankenwelt habe ich andere Kulturen kennen und schätzen gelernt und konnte gerade deshalb meine Position als jemand, die in der deutschen Kultur aufgewachsen ist, erkennen und aus dieser sicheren Grundlage heraus, in spannende Dialoge mit Menschen aus aller Welt treten. Wenn nun aber meine Kultur, auf Grund von schnöden Wirtschaftsinteressen, durch massiven Zuzug von Menschen aus gänzlich anderen Kulturen, aufgelöst wird, stimmt mich das melancholisch, denn ich glaube nicht an das friedliche Leben in globalisierten Zusammenhängen und ich weine um das, was nun in den deutschen Nebeln zu versinken droht. Die nachfolgende Generation wird nicht mehr darum wissen und meine Verlusterfahrung belächeln. Schon jetzt bin ich in der Gedankenblase der Anderen ein “Nazi”, weil ich, wenn ich bei Pegida “marschiere” aus mir unterstellten wirtschaftlichen Eigeninteressen auf diejenigen herabblicke, die scheinbar unter mir stehen sollen. Auch werde ich mit kriminellen Menschen gleichgesetzt, die Flüchtlingsheime anzünden. Angst wird mir nun zugeschrieben, genauso wie Unzufriedenheit und pauschalisierende Denkfaulheit, obwohl meiner Anschauung nach, ja gerade diejenigen, die hier kritisieren, Allgemeinplätze bedienen, ohne überhaupt näher hingeschaut zu haben. Verwundert reibe ich mir die Augen und frage mich, wie sich in den letzten Jahren überhaupt diese beiden konträren Gedankenwelten aufbauen konnten und wie sich die Menschen hier im Lande haben spalten lassen? Wer hat hier gehetzt, damit scheinbare gedankliche Unvereinbarkeiten, die mit ein wenig klugen Menschenverstand in konstruktive Dialoge überführt werden könnten, zu monströsen Mauern wurden, die kaum noch überwunden werden können? Wer hat sich hier schuldig gemacht? Wer profitiert davon? Ich habe meine Antworten gefunden und sehe totalitäre Strukturen entstehen, da wo einmal Demokratie und soziale Marktwirtschaft war, während wir uns hier gegenseitig zerfleischen, derweil ein unermüdlicher Strom von Menschen, die von unseren Politikern protegiert werden, die festen Strukturen, die hier noch vorhanden, sind, auflöst. So werden Tatsachen gesetzt. Und das beängstigt mich in der Tat.

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Kollektives Denken

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Kollektivismus – das ist das, was passiert, wenn Menschen aufeinander treffen und dabei nicht anecken wollen, den Konsens suchen und dabei –  im besten Wunsch, dass alle einen mögen – vollkommen konturlos werden, fast dazu neigen sich in der sozialen Matrix aufzulösen und in dieser Auflösung keinerlei  Widerstand mehr leisten können:  gegen ein Unrecht, das beständig von dem gut gemeinten Kollektiv befördert wird und dass sich darin solange selbst bestätigt, bis dessen Handlung zwanghaft und für das Individuum, dass sich ihm nicht anpasst, bösartig wird.

Der Kollektivismus ist die größte Gefahr,  der wir ausgesetzt sind, weswegen  jeder Mensch – der über den tierhaften Status herausgewachsen ist -, wenn er sich denn in ein solches gemeinschaftliche Feld bewegen muss (was in unserer Gesellschaft ja leider nicht zu vermeiden ist!), ständig die sozialen Abläufe rekapitulieren sollte, um nicht zum konsenstragenden Zombie einer  Gemeinschaft zu werden, die sich vielleicht “das Gute” und “das Hehre” auf die Fahnen geschrieben hat, aber  – von ihm selbst nicht bemerkt – schon längst totalitären und faschistischen Strukturen dient. Und so sollte man sich beständig die Frage stellen, ob das, was man tut, weil es die Anderen verlangen, wirklich der eigenen Überzeugung entspringt oder aber, ob wir es uns nur “schönreden”, um  etwaige Probleme zu vermeiden? Vielleicht haben wir uns das eigenständige Denken sowieso schon abgewöhnt, einfach, weil es sich bequemer in der rosaroten Wolke des positiven Denkens lebt, als in der rüden Welt außerhalb der Konsens-Matrix?   Irgendwann wird die von uns generierte  Gedankenblase, die ständig größer wird,  platzen. Das wissen wir. Doch das – dies ist die Hoffnung – wird später sein – irgendwann-  und vielleicht werden wir selbst nicht mehr betroffen sein. Bis dahin  jedoch lässt es sich angenehm leben   – mit all den netten Ablenkungen, die die Gesellschaft so bietet  und die denen zuteil werden, die nichts und niemanden  in Frage stellen, die einfach mitmachen und im vorauseilendem Gehorsam ihre Bücklinge ableisten. Und wenn dann doch mal Zweifel erwachen – ganz still und leise – , sorgen die Medien mit ihrem Feuerwerk von bunten Unterhaltungsprogrammen dafür, uns darin beständig zu bestärken, dass wir auf der richtigen Seite stehen.  “Nein, das kann kein Gefängnis sein, wenn der Käfig doch so schön luxuriös mit Playstation und Fußballspielen ausgestattet ist”, flüstern wir uns selbst mantraartig ein und kolorieren fleißig das Ausmalbuch für Erwachsene.  Denn nur, wenn wir niemals  bis zu den Gitterstäben unseres Lebens  vorgestoßen sind,    können wir selbstbewusst verkünden:  Ich bin frei!  Und all die anderen, die das Gegenteil behaupten, müssen – nach dieser Logik –   Verschwörungsfanatiker sein, die uns mit ihrem  negativen und dunklen  Denken infizieren und vernichten  wollen.   “Ihre Meinungen müssen verboten werden! Das sind alles Nazis”, sagt der Biedermann und die Biederfrau.   Und alle nicken eifrig.

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