Verteidigung?

Wer eine Verleumdung in den Raum stellt oder Anklagepunkte konstruiert, zwingt andere sich zu verteidigen.

Jedoch:
“Wer sich verteidigt, hat sich schon in die Botmäßigkeit gegenüber dem Ankläger begeben. Er anerkennt dessen Maßstäbe und weicht vor ihm zurück, bevor er ihm entgegnet.” (Martin Heidegger)
Was stellt dann aber eine angemessene Reaktion auf einen Angriff dar?
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 (Mit besten Grüßen ….,  Pencil Drawing, 21 x 28,5 cm, February 2016)
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Friedrichsruh

Gestern verschlug es die Wildfrauenhaus-Wandergruppe (bestehend aus immerhin zwei Personen!) nach Friedrichsruh, einem Ortsteil der Gemeinde Aumühle, schon in Schleswig Holstein gelegen, jedoch nicht allzuweit von Hamburg entfernt. Wie uns ein Spaziergänger stolz verkündete, der einzige Kreis in Deutschland der noch offiziell die Bezeichnung “Herzogtum” führen darf.

Wir wählten diesen Ort aus, weil meine Wander-Begleiterin sehr an Hünen- und Hügelgräber interessiert ist und sich diese vom Bahnhof Aumühle in einer recht anspruchslos-gemütlichen Wanderung erschließen ließen.

Nebenbei stießen wir dabei in das Epi-Zentrum des Bismarcks-Kultes und der noblen Lebensweise, jenseits von prekären Verstrickungen und Integrationsproblemen vor, die sich dort – alarmgesicht und videoüberwacht – ein wohlfeiles Leben in der Metropolenregion Hamburg leisten kann.

Und so klebte meine Freundin dann doch gleich an einem Bretterzaun, der den Blick auf ein eingeschlossenes Waldstück und – das kann man nur vermuten – ein standesgemäßes Häuschen verdeckte. Hier – das ergab dann meine kleine Recherche – wohnen die Nachkommen der Familie von Bismarck.

Eine der ihren hat dann auch – nicht ganz so stattlich – das folgende Schildchen in Laminierfolie  für den gemeinen Spazierbringer und potentiellen Spraykünster und Vandalen anbringen lassen, das uns eine Bahnunterführung versprach, die dem ästhetischen Ideal der “Schönheit” verpflichtet ist.

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Konfrontiert waren wir dann aber mit der Fortsetzung des Bretterzauns, der ja schon das Anwesen der Bismarck-Familie vor neugierigem und teilhabendem Blicken schützen sollte.

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Ich hoffe, dass das alles von Elisabeth von Bismarck nicht wirklich ernst gemeint war. Als ironisch-satirisches Statement jedoch war die Kombination aus der Ankündigung mit großem Namen auf kleinem Schildchen und der banalen Bretterzaun-Bemalung irgendwie lustig, wenn da nicht der schale Beigeschmack der Veräppelung bei mir geblieben wäre.

Auf der anderen Seite erwartete uns ein kleines Denkmal, das von gelebter Stein-Magie zeugte.

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Die Aufschrift verrät es. Hier hatte man eine Verbindung zwischen Grotenburg und dem Sachsenwald, der ja Friedrichsruh umgibt, hergestellt. Dies tat man,  indem man einen  Stein der Grotenburg, die ursprünglich vielleicht das kultische Zentrum der Externsteine schützen sollte (lies hier) und die seit 1875 mit dem Hermannsdenkmal bebaut ist,  nach  Friedrichsruh versetzte.  Solch eine magische Handlung stellt  eine Teilhabe an dem  in der Zeit um 1900 beliebten  Hermann-Arminus-Kult her und beschwört nationale Größe, denn so wie einst Hermann die Römer in die Flucht schlug, so soll nun Deutschland über Frankreich triumphieren.  In Form einer gelebten Mythenbildung wird nun die angenommene Tradition der Stärke und des Widerstandes auf dem Heilsbringer Bismarck übertragen , der so zur nationalen Größe stilisiert wurde.

Das diese Mythenbildung bis heute seine Nachwirkungen zeigt,  veranschaulicht die kleine Devotionalen-Ausstellung des Bismarck-Museums, das uns leider den Weg zum Bismarck-Mausoleum versperrte.

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Ein Jagddenkmal erinnert wohl daran, dass der Reichskanzler Otto von Bismarck  im Sachsenwald der Jagd nachgegangen ist.  Ich halte es übrigens für bildhauerisch sehr gelungen, schließlich erscheint es mir sehr lebendig, fast expressionistisch, zu sein.

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Und zum Kontrast zu solch brachialer Natürlichkeit, gibt es hier noch das Bild eines kleinen Fuchses, der am Bismarckmuseum Wache hält.

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Zwischen Jagddenkmal und Kletterpark befindet sich dann ein Hügelgrab, das wohl in der Zeit der Renaissance als Aussichtsplattform genutzt wurde.

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Von hieraus startete dann unsere eigentliche Wanderung bis zum Riesenbett in Dassendorf, gleich gegenüber dem örtlichen Golfclub. Dabei musste ich feststellen, dass mir der Winter noch fest in den Knochen saß und ich mich doch recht schwerfällig durch den Wald bewegte.

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Beim Riesenbett angekommen, wanderten wir zurück nach Aumühle, wo wir dann – nachdem wir unverschämt teure, und alarmgesicherte Villen bestaunen durften, die bei mir die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit aufkommen ließen,   einen überaus noblen Bismarckturm besuchten, der mittlerweile eine Bücherei beherbergt.

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Mehr über Bismarcktürme und meine Gedanken dazu, gibt es hier zu lesen.

Zum Bahnhof wurden wir dann von einer netten Ortskundigen gefahren. Überhaupt muss ich erwähnen, das wir während unserer Wanderung ausgesprochen freundliche Begegnungen hatten. Gerne wieder.

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Wider dem Gehorsam!

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“Wider dem Gehorsam”, Din A3, Mixed Media, Februar 2016

Nicht nur ausgehend von der Lektüre des Buches Wider den Gehorsam von  Arno Grün, sondern auch aus einer direkten Betroffenheit heraus,  möchte ich mir an dieser Stelle meine Gedanken zum  Thema “Gehorsam” machen.

Zuerst sei betont, dass nicht nur ich betroffen bin. Letztendlich – bei genauer Betrachtung – sind wir es alle –   sei es als Täter-Tyrann, als Opfer oder  als Mittäter/ Mitläufer, was in einem historisch  als Obrigkeits-Staat angesehenen Deutschland auch nicht wirklich verwundern sollte. Die in der Vergangenheit geschaffenen Strukturen wirken schließlich nach, es sei denn, sie wären rekapituliert und damit  bewusst gemacht  worden, was – meiner Meinung nach –  in Deutschland bisher nicht  geschehen ist.

Und so wird auch heute noch unreflektiert “Gehorsam” eingefordert. Dies wird nicht direkt postuliert, sondern stattdessen hinter vielfältigen Euphemismen verborgen.

Das Wort  “Gehorsam”  erzeugt  – bei mir zumindest – eine unmittelbare  Abwehr.  Vielfältige negative Assoziationen werden geweckt, zu Recht, denn nach Arno Grün setzt ein gehorsames Verhalten immer die Aberkennung des eigenen Selbst zum Unwert voraus und das wünsche ich mir zumindest nicht. Die Werte des Unterdrückers (oder des Unterdrücker-Systems und ihrer Vertreter) werden bei den Unterwerfungs-Vorgängen  zum eigentlichen Wert erhoben.

Als Beispiel  für die Gehorsamkeits-Dressur, die hier gemeint ist, können wir uns ein kleines Kind vorstellen,  das “brav” sein will und  das deshalb tut, was Mami und Papi verlangen. Wenn sich nun aber auch das erwachsen gewordene Ich des Kindes  Verleugnungs-Prozeduren  unterwirft und sich auf diese  Art und Weise “gehorsam” zeigt, vielleicht auch  einfach deshalb, weil da kein ausgebildetes Selbst vorhanden ist und stattdessen nur ein verstörendes  Vakuum darauf wartet, gefüllt zu werden, dann ist eben ein solcher  Mensch besonders empfänglich dafür, “gehorsam” gegenüber den Werten von anderen oder verfestigten Strukturen zu sein. “Bitte, gebt mir einen Sinn!”, schreit die innere Leere und will gefüllt werden. “Wider dem Gehorsam!” weiterlesen