Vom Rosengarten zum Opferberg!

In Bad Frankenhausen befindet sich das Rosarium Sangershausen, wo ich letztes Jahr eine fast schwarze Rose bewundern durfte.

Rosen sind in Deutschland erst um 800 n. Chr.. eingeführt wurden.

Ein Friedhof wurde auch als Rosengarten bezeichnet, handelte es sich dabei schließlich häufig um eine mit Dornen umrankte Begräbnisstätte und so schläft auch das Dornröschen ihren hundertjährigen Schlaf inmitten von Heckenrosen, die beständig wachsen und wachsen und alles, was lebendig ist,  einbetten in ein Grab von Blüten und Dornen, bis dann endlich der Prinz auftaucht, der nicht halten wird, was er verspricht.

In Hildesheim gibt es den tausendjährigen Rosenstrauch.

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Die Kreuzgänge von Kirchen und Klöstern wurden mit Rosen bepflanzt, auf dass die Toten, die hier bestattet wurden, inmitten von Rosen lagen.  Der Hildesheim Dom ist meiner Meinung nach durch die Restaurierung und Modernisierung entsakrilisiert , ursprünglich aber auf einem Platz der Göttin angelegt worden, der im Zuge der Christianisierung mit Rosen in Verbindung gebracht wurde.

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Bernwardstür
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Radleuchter

Diametral entgegengesetzt zum Dom befindet sich die Michaeliskirche, die  Irminsul-Darstellungen auf den Säulen aufweist. Die Michaeliskirche stellt sozusagen das dem weiblichen entgegengesetzte männlich konnotierte Heiligtum, das sich bis auf den Zierenberg  hinauf erstreckt. Der heilige Michael im Namen von Kirchen und Orten verweist  auf Thor und Thyr, den Göttern  des Kampfes und des Sieges also.

Und so folge ich dann der Zierenbergstraße nach oben. Ein kleines Schild aus alten Zeiten weist auf eine “Opferstätte für den germanischen Kriegsgott” hin und wirklich handelt es sich bei der barocken St. Mauritiuskirche, die  auf dem einstmaligen germanischen Heiligtum errichtet wurde, um einen beeindruckenden Kraftort.

 

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Barocke Innenansichten laden zum Verweilen ein.  Grabungen legten hier eine kleine Taufkapelle frei, die aus der Frühzeit der Christianisierung der Franken stammen soll.

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Ein herbstlicher Blick vom Zierenberg hinab auf Hildesheim, lässt mich darüber nachdenken, wie das, was in Vergessenheit zu fallen scheint, wieder zur neuer Blüte erwachen könnte? Rosenblüte eben.110120111004

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Kapitalistische Logik

“Die Waren müssen ihre Käufer kaufen”, was beispielsweise in Deutschland durch die zweifelhafte Abwrackprämie geschah und momentan durch die wachsende “Flüchtlings”-Industrie ermöglicht wird, die eine künstliche – da steuerfinanzierte – Konjunktur erschafft, die jedoch nicht einhergehen wird, mit einer Steigerung unserer Lebensqualität, es sei denn, wir würden diese, durch einen masturbatorischen Akt sozusagen, durch das wohlige Gefühl, etwas Gutes zu leisten, generieren können und dabei vergessen, dass der Zusammenprall der Kulturen unser Land in schrecklichste Verwerfungen führen wird und dass z.B. die Konkurrenz, um die prekärsten Arbeitsplätze und den knappsten Wohnraum dadurch härter wird, derweil sich die Kapitalisten – am Genfer See oder wo ihre abgeschotteten Villen auch immer stehen mögen – sich überheblich über die “besorgten Bürger” echauffieren und ihre Medien-Clowns und Politik-Marionetten zum Denunzieren und Verurteilen abbestellen, deren zweifelhaftes Tun wiederum justiziable Einschüchterungsapparate in Gang setzt, die uns – ganz langsam, fast unmerklich – in einem totalitär-faschistischen Kapitalismus abgleiten lässt, der jeden mit der Existenz bedroht, der ein offenes NEIN ausspricht.

Einen Tag bevor Barack Obama und Angela Merkel in Hannover zusammentreffen, herrscht in der Stadt schon Ausnahmezustand.   Ganze Straßenzüge sind gesperrt und nur noch mit Genehmigung begehbar. Zudem sind allein  acht Demonstrationen gegen TTIP und CETA  angemeldet. Doch anstatt die Kräfte des berechtigten Protestes zu bündeln, wird auch hier separiert.  So heißt es auf der Seite des Veranstalterbündnisses der heutigen Demonstration auf dem Opernplatz:

Wir treten ein für eine solidarische Welt, in der Vielfalt eine Stärke ist. Die Freihandels-Kritik von rechts stützt sich auf völkisch-nationalistische Motive und damit auf Ausgrenzung und Abwertung von anderen, anstatt Solidarität zwischen Menschen. Uns geht es dagegen um die Verteidigung sozialer Rechte für alle, den Schutz der Umwelt und die Förderung der Demokratie. Rassistische, rechtspopulistische und antiamerikanische Positionen lehnen wir ab. Mitglieder von AfD, NPD oder anderen Gruppen, die unser Prinzip der Solidarität nicht teilen, sind auf der Demonstration ausdrücklich unerwünscht!

Wenn dennoch Gruppen oder Einzelpersonen mit oben genannten Motivationen die Demonstration für sich und ihre menschenfeindliche Ideologie zu vereinnahmen suchen, werden wir sie nachdrücklich auffordern, die Demonstration zu verlassen.

Was leider dabei von den Veranstaltern nicht verstanden wird, ist die Tatsache, dass Nationalismus nicht gleichbedeutend mit Abwertung und Ausgrenzung sein muss, sondern vielmehr auch meinen kann, die eigene Nation zu schützen und gleichzeitig andere Identitäten zu tolerieren und mit ihnen in einem freundlichen Austausch zu treten, einfach weil man gesehen hat, dass der sozialistische Internationalismus in der Praxis nicht funktioniert und vom Kapitalismus insofern missbraucht wird, als dass diese Ideologie den Rahmen bilden kann, um die  zweifelhaften Interessen der Großkonzerne durchzusetzen. Ein internationalisiertes Sklaven-Prekariat kann  schließlich keinerlei Widerstand leisten,  ist es in erster Linie doch damit beschäftigt, eine gemeinsame Referenzkultur aufzubauen, was aber – wenn wir uns denn die Regenbogennation Südafrika, die multikulturelle USA anschauen oder einfach nur einen Blick auf die Parallelkulturen  deutscher Großstädte werfen  – zum Scheitern verurteilt zu sein scheint.

Eine nationalistisch ausgerichtete Position will genau dies verhindern und ist deshalb nicht menschenfeindlich, sondern menschenfreundlich.

Statt hier eine Querfront zu bilden und diesen unsäglichen Rechts-Links-Dualismus zu überwinden, um sich gemeinsam gegen TTIP und CETA aufzustellen, wird  von Seiten der Blockpartei-Linken und deren Nutznießer separiert, während die Trommelrhythmen des Demonstrationszuges eine  tolerante Einstellung vorgaukeln, die in Wirklichkeit nicht gegeben ist, derweil sich das Großkapital freudig die Hände reibt, um eine solidarische Welt durchzusetzen, die in Wirklichkeit nur Entsolidarisierung und Entfremdung meint.

Und so ist statt Großdemo heute Putztag angesagt.

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Eldaring-Treffen auf der Jugendburg Ludwigstein

 

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Am Samstag besuchten meine Freundin und ich die Jugendburg Ludwigstein, in der der Eldaring, ein neuheidnischer Verein, den ich mich freundschaftlich verbunden fühle,  sein jahreszeitlich doch etwas verspätetes Ostara-Treffen abhielt.

Der Tagungsort ist an sich schon interessiert, schließlich blickt die beherbergende Höhenburg im  Werra-Meißner-Kreis in Hessen auf eine bewegte Geschichte zurück, die ich hier mal in aller Kürze referieren will:

1415  wurde sie von Landgraf Ludwig I. von Hessen  erbaut.

Das ist der Blick in den schönen Burghof: 

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Burg nur noch eine Ruine; erlangte aber die Aufmerksamkeit der von der Romantik inspirierten Wandervogel-Bewegung, die diese neu aufbauten und zu einem Zentrum der Jugendbewegung machten.

Die Burg erlebte nun eine neue Blüte, bis sie in der Zeit des Nationalsozialismus zum Schullungslager der Hitlerjugend wurde.

Nach dem Krieg  gründeten sich die Jugendbände neu. Die  Burg wurde erneut zu einem Treffpunkt der bündischen Jugend, die sich immer noch dort trifft und die Burg mit ihren Bauhütten und Musikaktivitäten belebt.

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Fachwerk mit angebrachter Vogel-Plakette. Der “Zugvogel” war der erste Bund in der Tradition der deutschen Jugendbewegung, der sich – nach dem Zweiten Weltkrieg, zur Gewaltlosigkeit bekannte.
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Blick von der Burg Ludwigstein zur thüringischen Burgruine Hanstein im Eichsfeld

Als Tagesgäste genossen wir das schöne Ambiente  der Burg und  “putzen unsere Sig-Runen”, um einmal auf Delling-Kultist Hermann Ritters  satirischen Vortrag anzuspielen. Dieser trieb uns vor lauter Lachen die Tränen in die Augen, was – bei mir zumindest – in diesen doch eher als traurig zu bewertenden Zeiten nur alle Jahrzehnte einmal vorkommt.  Danke, Hermann Ritter.

Später fungierte Frigga Asraaf als Zeremonienmeisterin, mit der wir Runen tönten und die uns auf diese Art und Weise nach Asgard reisen ließ. Die Bifröst-Brücke tat sich für uns auf und wir traten unsere Rückreise in die alltägliche Welt an, die sich – man kennt es nicht anders – mal wieder abenteuerlich gestaltete. Aber sprechen wir nicht darüber!

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Bifröst

 

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In der Hand der Psychoklinik!

Gestern war die Wildfrauenhaus-Wandergruppe im Elm.  Wir orientierten uns dabei an folgender Wanderbeschreibung, deren Trackingdaten ich auf mein GPS-Gerät aufspielte.

Von Königslutter aus ging es los.

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Vom geomantischen Gesichtspunkt aus gesehen, kam es uns vor, als ob sich die  ganze Stadt  unter einer Art Käseglocke befinden würde, die verhindert, dass sie in ihre eigentliche Energie (zurück)finden könnte. Eine ähnliche Beobachtung – wenn auch nicht ganz so dramatisch – wie in Königslutter, hatte ich bereits früher  in Rehburg machen dürfen.  Beide Orte haben die Gemeinsamkeit, dass sie große psychiatrische Kliniken aufweisen  und ich fragte mich, ob die “dunklen Wolken”, die die Patienten mitbringen und die Überforderungen, die sich dadurch für die behandelnden Menschen ergeben,  sich wie ein grauer Schleier über einem Ort legen könnten? Und wenn dies so ist, dann würde es dafür sprechen, solche Kliniken  im überschaubaren Rahmen zu belassen und nur an Orten zu platzieren, deren “Seele” noch so heil ist, um diese Energien  transformieren zu können, ohne selbst dabei “gedeckelt” zu werden bzw. dringend geomantisch-inspirierte Ausgleiche zu erschaffen.

Mich würde an dieser Stelle auch interessieren, wie andere geomantisch fühlende Menschen dies sehen. Habt ihr Erfahrung mit ähnlichen Orten gemacht? Teilt ihr meine Einschätzung oder würdet ihr widersprechen?

Der Dom jedenfalls ist von den “sedierten” und um sich greifenden Energien Königslutters  (noch) nicht betroffen und überwältigt mit seiner Innenbemalung der vorletzten Jahrhundertwende.

Außenansicht
Außenansicht

Dieses Tor an der Nordseite befindet sich auch auf dem 10-Euro Schein.

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Betreten haben wir den Dom jedoch durch das Löwenportal. Ein Blick auf das Jagdfries der Ostfront, wo zwei Hasen einen Jäger malträtieren,  versäumten wir leider. Dafür spielte gerade die Orgel und lud zur Kontemplation ein.

Lothar III von Süpplingenburg, Großvater von Heinrich. d. Löwen, wandelte das seit dem 11. Jahrhundert bestehende Augustinerinnenstift in ein Benedektinerklosters und baute  auch das bestehende Kirchengebäude um.

Der als “Friedenskaiser” betrauerte Herrscher  wurde im Dom begraben.

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Nachdem wir den Dom verließen, hielten wir uns links, passierten diverse Gewässer, darunter auch den “Anstaltsteich”, und erreichten so das Waldgebiet des Elm.

Leider führte uns der verschlungene Waldweg direkt an der Straße entlang, die darüber hinaus von Motorradfahrern stark frequentiert war. Waldesruhe kam so nicht auf. Darüber hinaus zeigte das GPS-Gerät irgendwann an, dass wir von der vorgesehenen Route abwichen und lieber den höher gelegenen Parallelweg nehmen sollten, der auch Ruhe vor der Straße entsprach.

Nachdem wir uns dann durch einen wenig einladenden Wirtschaftsweg mit tiefen Schlammfurchen gequält hatten, erreichten wir den vorgesehen Weg, der als solcher nur noch mit großer Fantasie zu erkennen war. Anscheinend war er “außer Betrieb” genommen, um Kosten zu sparen und den Wald ganz der Holz-Wirtschaft zuzuführen. Wir wissen es nicht. Ärgerlich war es schon, denn letztendlich war der einstige Weg so mit Gestrüpp künstlich “verwildert” worden, wohl, um jegliche Erinnerung der einheimischen Bevölkerung an ihm auszumerzen und so  eine weitere Benutzung und Haftung zu verhindern, sodass wir wieder zum ungeliebten Straßenpfad zurückkehren musste. Irgendwann kam dann ein Schild mit Grüßen vom Forstamt und der Telefonnummer des Ansprechspartners H. Strauch (Nomen ist Omen), bei dem man sich beschweren könne. Wir sahen davon ab und gingen weiter durch diesen unwirtlichen Wald, der ganz und gar in die forstwirtschaftlichen Hände der Gewinnmaximierung gefallen zu sein scheint.

Vielleicht – so denke ich mir –  ist das ja die Zukunft unsere Wälder!  Einige wenige werden zum Naturschutzgebiet erklärt und völlig für den Wanderer gesperrt sein; die meisten jedoch werden nur noch ökonomisch genutzt und deshalb – mit ihren furchtbaren Wirtschaftswegen – unpassierbar werden. Monokulturen erfreuen das Wandererherz  nicht. Der “schöne” Rest wird  zur touristischen Nutzung  mit High-Speed-Event-Sport freigegeben und privatisiert. Wahrscheinlich müssen wir dann dafür Eintritt bezahlen, dass wir die Mountain-Bike-Rennstrecke befahren dürfen. Und hinter jedem Baum steht eine Devotionalien-Bude mit Plastik-Rehkitzen “Made in China”, derweil das Eventteam zum “Filzen im Wald” aufruft.

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Doch soweit ist es glücklicherweise noch nicht und vielleicht irre ich mich ja auch mit meiner düsteren Zukunftsschau.

Wir jedenfalls erreichten schließlich  das neugotische Denkmal des Tetzelsteins und hielten es irrtümlich für den eigentlichen Tetzelstein, der sich allerdings 100 Meter entfernt von ihm befinden soll. Leider  informierte uns kein Hinweisschild darüber,  sodass “im Nachgang”   erst heute angemerkt werden muss, dass wir ihn auf diese Art und Weise verpasst haben. Überhaupt war die Beschilderung  – euphemistisch gesprochen – auf der Wanderung verbesserungswürdig.  Eindeutig scheint der Trend zu Plaketten zu gehen, die irgendwelche “Rundwege” und “Zielwanderungen mit Buchstaben- und Zahlenkombinationen  kennzeichen, nützlicher wären aber in der Tat diese altmodischen Pfeilschilder, die noch Ortsangaben aufweisen und die wahrscheinlich finanziell  als “zu teuer” von der Finanzverwaltung  eingeschätzt werden.

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Beim Denkmal gab es einen kleinen Waldgasthof, der zum Weizenbier einlud, zumal die Sonne gerade lachte.  Der eigentlich historische Teil wurde dabei nicht bewirtschaftet, stattdessen standen die Bänke sozusagen “auf der Straße”.

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Aufgrund der Beschwerlichkeiten der Wegführung wanderten wir vom Tetzelstein nicht mehr – wie ursprünglich von uns geplant – zur Schuunterquelle und dann  nach Königslutter, sondern über einen kleinen Umweg direkt zum Dom zurück.

Dabei erfreuten wir uns eines Bärlauchfeldes.

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In Königslutter begegnete uns noch Till  Eulenspiegel, der ja bekanntlich in Schöppenstedt, einem Nachbarort von Königslutter, beheimatet war und der uns noch heute zum wachsamen Protest aufruft.

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Eine Schlusseinkehr dauerte, aufgrund des reichhaltigen chinesischen Buffets, länger als geplant. Die Rückfahrt wurde durch einige angetrunkene Rückkehrer der Magedeburger  Demonstation “Gemeinsam Stark-Deutschland” unterhaltsam, derweil die DB in Braunschweig ihre Kunden ausschließlich (sic!) mit Informationen in arabischer Mundart versorgte.

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Die siebte Etappe des Weserberglandweges

Gestern war die Wildfrauenhaus-Wandergruppe auf dem Weserberglandweg unterwegs. Allerdings haben wir die siebente Etappe, aufgrund der Anschlussmöglichkeiten an den öffentlichen Nahverkehr, umgekehrt. Gestartet sind wir also im schönen Münchhausen-Städtchen Bodenwerden, wo gerade ein Hamburger Fischmarkt aufgebaut wurde.

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Fußgängerzone
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Fachwerk
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Rathaus
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Baron von Münchhausen

Bodenwerder hat auch einen Bismarckturm. Obwohl ich im Regelfall jeden Bismarckturm, der sich zeigt, besuche, haben wir gestern davon Abstand genommen, was rückblickend eine weise Entscheidung, angesichts dessen, was uns an sportlichen Herausforderungen erwarten sollte, darstellte.

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Weserufer mit Bismackturm im Hintergrund und Marktaufbau im Vordergrund!

Nachdem wir die Weserbrücke in der Innenstadt Bodenwerders überquert hatten, führte uns mein GPS-Gerät  steil hinauf, bis wir schließlich – schon jetzt ziemlich erschöpft – den eigentlichen Weserberglandweg erreichten.  “Königszinne” verpassten wir leider durch unsere anstrengende Abkürzung.

Die Hoffnung, dass es nun entspannt auf einem Kammweg weitergehen würde, wurde enttäuscht. Bevor wir den Ebersnackenturm erreichten, mussten wir einen erneuten Aufstieg bewerkstelligen. Und auch danach ging es abwechselnd immer steil hinab und dann wieder – länger – steil bergauf, sodass uns diese Wanderung an unsere körperlichen Grenzen führte.

Immerhin ergaben sich schöne Aussichten, das Wetter war frühlingshaft und das frische Grün erfreute unsere Gemüter.

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Den Wald verließen wir in Holenberg. Von dort ging es bis zum Zisterzienserkloster Amelungsborn kurz an der tristen Straße entlang.

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Das mittelalterliche Ambiente des Klosters entschädigte uns für die Straßenstrecke. Nach dem Kloster Walkenried stellt es die älteste Gründung des Zisterzienserordens in Niedersachsen dar, datiert auf das Jahr 1124. Gerne hätten wir uns dort länger aufgehalten. Jedoch wollten wir die Bahn um 18 Uhr erreichen, sodass leide keine Zeit zum müßigen Beschau blieb.

Am Klostergarten  und am Fischteich vorbei,  folgten wir einem idyllischen Weg nach Stadtoldendorf, wo wir – ziemlich knapp – unseren Zug nach Hannover erreichten.

Rückblickend würde ich mehr Zeit (und damit mehr Pausen) einplanen, da dieser Streckenabschnitt doch recht anstrengend ist. Auch würde ich empfehlen lieber von Stadtoldendorf nach Bodenwerder zu laufen, als umgekehrt, wie wir es gemacht haben.  Einige unerfreuliche Aufstiege hätten sich so vermeiden lassen und der anschließende Muskelkater wäre erträglicher ausgefallen, als er es heute ist.

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Das “Reichsmusterdorf” Dötlingen

Gestern führte mich mein Weg nach Dötlingen,  in den Landkreis Oldenburg.

Das Püttenhus ist ein ehemaliger Speicher, der zum kleinen Landheim der Hitlerjugend umgebaut wurde. Jetzt kann man dort heiraten.

Das dort angebrachte Armanen-Futhark auf Fachwerk begeistert mich. Zu sehen sind die Runen Kaun, Rit, Gibor/Wolfsangel und Fa.

Von der nationalsozialistischen Vergangenheit Dötlingens als “Reichsmusterdorf” zeugt auch der ehemaliger Thingplatz (???) mit Resten vom diesjährigen Osterfeuer auf dem Gierenberg

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Zum umgestürzter Stein mit ausgefräster nationalsozialistischer Symbolik, die auf der Unterseite kreisförmig zu erahnen ist,  erklärt eine Tafel unterhalb des Gierenberges: “Der große eiszeitliche Geschiebeblock, er stammt aus der Umgebung des Dorfes, fand, aufgerichtet von 1933 – 1945 als  Denkmal Verwendung.” Kein Wort davon, dass es sich dabei um ein Denkmal der nationalsozialistischen Machtergreifung handelt. Immerhin ist erfreulich, dass es überhaupt ein Hinweisschild gibt, auch wenn dort die eigentliche Bedeutung nur angedeutet wird.

Ein solcher vermeidender Umgang mit “unbequemen Denkmälern” ist mir bereits aus Emmerthal bekannt. Dort findet sich auf dem Platz der Reichserntedankfeste nur ein Schild, was Fauna und Flora erklärt; kein Wort wird über die dort veranstalteten Großereignisse verloren!  In Hannover dagegen ist die nationalsozialistische Vergangenheit des Maschsees mit einer Reihe von Informationstafeln vorbildlich erklärt. Auch der Sachsenhain ist, wenn man davon absieht, dass er schwer zu finden ist, ausreichend aufgearbeitet.  So unterschiedlich kann mit der Vergangenheit umgegangen werden.

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Bevor jedoch Dötlingen zum “Reichsmusterdorf” wurde, hatten sich hier Künstler wie u.a.  Georg Bernhard Müller vom Siel, August Kaufhold und Otto Pankok niedergelassen, die hier eine Künstlerkolonie bildeten. Hier finde ich Anknüpfungspunkte zu den Künstlerkolonien, die in der Ausstellung  “Mythos Heimat” im Landesmuseum Hannover aktuell gezeigt werden und über die ich bereits hier berichtet habe.

Das ist die romanisch-gotische Feldsteinkirche St. Friminus: Es wird vermutet, dass auch sie mit Steinen von Großsteingräbern gebaut wurde. Ich hatte Glück, dass die Tür offen stand und ich so auch einem Blick in das Innere werfen konnte.P1000124
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Die vor der Kirche liegenden Fischteiche, die eine schöne Aussicht ermöglichen,  habe ich leider nicht fotografiert.

Die Tausendjährige Eiche und der Tabkenhof, das größte Niedersachsenhaus in Nordwestdeutschland, gleich neben der Kirche, sind hier zu sehen. P1000121

 

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Dieses architektonisch gelungene Haus wurde von August Kaufhold, einem Maler,  errichtet, nachdem sein erstes Wohnhaus abbrannte. Es diente als Künstlertreffpunkt, später als Sitz des nationalsozialistischen Lehrerverbands und noch später als “Inklusions”betrieb.  Eine mehr als wechselhafte Geschichte liegt also hinter diesem Gebäude.

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Unweit davon – man muss nur die Hunte überqueren – befindet sich die Glaner Braut mit drei Großsteingräbern. Wunderschön.

Zurück im Dorf gibt es noch ein restauriertes Großsteingrab “Am Schießstand”,ca. 3500 bis 3000 v. Chr,  direkt am Einfamilienhaus gelegen, zu sehen.  Hier wurden umfangreiche Grabbeilagen gefunden, z. B. eine Bernsteinkette.

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