In Rübezahls Reich. Teil 5

Die letzte Station meiner Schlesienreise war Breslau (pol. Wroclaw).

Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4

Mein  Hotel  (Qubus Hotel Wroclaw) lag direkt in der Innenstadt und bot eine spannende Aussicht auf die gotische Maria-Magdalena-Kirche. Überhaupt war es empfehlenswert. Es gab nichts auszusetzen.

Den ersten Abend verbrachte ich damit, die Aussicht aus meinem Zimmer zu skizzieren, was eine recht erholsame Beschäftigung war.

Vor dem Hotel  tobte das Leben, denn schließlich war der zentrale Rathausplatz nur drei Minuten entfernt.  Ich hatte wenig Freude, an dem lauten Trubel zu partizipieren.Vielleicht war der Grund dafür, dass ich  an den vorausgegangenen Tagen einfach schon zu viel erlebt hatte, also irgendwie “übersättigt” war. Touristenmassen schienen sich durch die pittoreske Altstadt zu schieben, von der die meisten Gebäude nicht “echt”, jedoch  nach historischem Vorbild kunstvoll rekonstruiert sind. Kneipe an Kneipe, dazwischen Touristenautos, die Stadtführungen offerieren, Straßenkünstler, die lautstark nach Aufmerksamkeit schreien, …. mir war das alles viel zu viel. Selbst die kleinen Zwerge, die lustig an den ungewöhnlichsten Stellen aufgestellt sind, konnten keine Behaglichkeit verbreiten. Breslau war wohl schon einst die Metropole der Krämer gewesen, wovon ja die groß angelegten Plätze und die alten Warenhäuser zeugen. Der Breslauer Ring ist gar einer der größten Marktplätze Europas.  In Zeiten des globalisierten Hedonismus ist nun kein Halten mehr und an der historischen Tradition des Kaufens und Verkaufens wird nun allzu gerne angeknüpft. Die Partymeile ist eröffnet! Jedoch ohne mich. “In Rübezahls Reich. Teil 5” weiterlesen

Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich

Ich bin ja nicht nur Bloggerin, sondern auch  Regionsabgeordnete. In dieser Funktion  durfte ich  gestern den Moorhenniespfad, der im Frühjahr 2016 eröffnet wurde,  kennenlernen. Der ist von Hannover aus mit der S-Bahn bequem zu erreichen und beginnt, ganz bequem, direkt an der Haltestelle Poggenhagen, die gleich nach Wunstorf gelegen ist und sich nicht weit entfernt vom Steinhuder Meer aus befindet.

Das Bahnhofsgebäude von 1907 ist dann auch schon eine erste Station.  Insgesamt gibt es 31, die an zwei Wanderwegen, der sogenannten Nord- und Südroute, aufgestellt sind. Beide lassen sich miteinander kombinieren. Die Nordroute legt ihren Schwerpunkt auf Naturerfahrung, wohingegen die Südroute die Ortsgeschichte und die Kultur in den Mittelpunkt stellt.

Wir begingen einige Stationen der Südroute.  Die aufgestellten Tafeln schildern, wie es in der Vergangenheit an den verschiedenen Plätzen ausgesehen hat oder weisen auf Besonderheiten hin,  an denen man andernfalls achtlos vorbeigegangen wäre.  Die Tafeln nehmen den Besucher quasi bei der Hand und geben ihm das Gefühl, eine persönliche Führung durch das Dorf und seine Umgebung zu erhalten. Da der Pfad im Kontext des Naturparks Steinhuder Meer zur Hörregion Hannover zählt, befinden sich auf den Schrifttafeln QR-Codes, mit denen sich Hörinformationen per Smartphone abrufen lassen. Diese sind selbstverständlich auch im Internet hörbar, doch sollte man die Sequenzen lieber vor Ort abspielen, um so ein ganzheitliches  Erlebnis zu genießen. “Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich” weiterlesen

In Rübezahls Reich. Teil 4

Die zweite  Nacht im Hotel Gwarna in Liegnitz gestaltete sich leider nicht ganz so erholsam, wie die erste, da die ganze Zeit das Wummern der Diskothek im Einkaufszentrum, in der das Hotel integriert ist, zu hören war. Gut jedoch, dass ich immer Lärmschutzkopfhörer dabei habe. So musste ich mich nicht  ärgern!

Nach dem Frühstücksbuffet machte ich mich auf in Richtung “Quadrat”. Das ist der Teil von Dornbusch der von der sowjetischen Armee mit einer Mauer abgesperrt und bewacht wurde. Für die Liegnitzer Bevölkerung war dieser Stadtteil  bis 1994 nicht begehbar.

Hier befinden sich die ehemaligen Villen der Fabrikbesitzer. Durch die jahrzehntelange Absperrung bildet das “Quadrat”

“eine unangetastet erhalten gebliebene Siedlung mit hochwertigen Bauten in ihrer vollständigen urbanen Umgebung”. (Sadunska, Iza:  Legnica und Umgebung. Reiseführer. Legnica/Görlitz o.J., S.48)

Am äußeren Ende der Holteistraße steht ein ehemaliges Wehrmachtsgebäude, später war hier die sowjetische Armee einquartiert. “In Rübezahls Reich. Teil 4” weiterlesen

In Rübezahls Reich. 3. Teil

Dies ist der dritte Teil meines Berichts über meine sommerliche Schlesien-Reise. Heute geht es von Hirschberg nach Liegnitz, einer schlesischen Stadt, die die meisten Touristen links liegen lassen und die dennoch einen Besuch lohnt.

Wer meinen Reisebericht chronologisch lesen möchte, findet hier Teil 1 und Teil 2.

Von Hirschberg (Jelenia Gora) ging es über die Gemeinde Königszelt (Jaworzyna Sl.) nach Liegnitz.
Das Ticket kostete 23.60 Zlothy, was umgerechnet ca. 5,50 € ist.

Der Liegnitzer Bahnhof

Der Bahnhof  wurde im Jahre 1927 pünktlich zur Gartenbauausstellung (GUGALI) in Betrieb genommen; die offizielle Einweihung erfolgte jedoch erst 1929. Der Bahnhof  ist im expressionistischen Stil gehalten und wirkt, besonders in der Eingangshallte, so, als ob die Zeit stehengeblieben wäre. “In Rübezahls Reich. 3. Teil” weiterlesen

Reiseblogger auf Street Art-Expedition in Hannover

Gestern fand das 13. Reisebloggertreffen in  Hannover statt, organisiert von Anja von travelontoast und Janet von teilzeitreisender.

Die Veranstaltung kam durch eine Kooperation mit Hannover Marketing und Tourismus und dem Hotel Crowne Plaza Hannover zustande. Die Hotel-Kooperation hatte ich nicht in Anspruch genommen, da ja – einigen wird es schon bekannt sein – Hannover meine Heimatstadt ist.  Wer also weitere Informationen über das Hotel und/oder Erlebnisberichte von den anderen Teilnehmer/innen lesen möchte, folge,  jedoch erst nach der Lektüre meines Beitrages (sic!),   den  Hashtags #rbhannover  und #visithannover.

Im Vorfeld zum Bloggertreffen war ich nicht nur gespannt auf den Austausch mit den anderen Reisebloggern, sondern auch darauf, wie neue Besucher meine Stadt erleben würden. Als Einheimischer hat man zumeist  schon eine festgelegte und jahrelang hart erarbeitete Sicht auf die alltäglichen Dinge, wohingegen Fremde im Erstkontakt einen unmittelbaren Eindruck gewinnen, der manchmal überraschend den “Nagel auf den Kopf” trifft, manchmal aber auch nur herrlich falsch ist und großes  Erstaunen  hervorruft. Auch fragte ich mich, ob auch ich heute noch etwas Neues kennenlernen würde? “Reiseblogger auf Street Art-Expedition in Hannover” weiterlesen

Malen nach Banksy

ArtNight lud mich und eine Begleitperson zu einer Veranstaltung meiner Wahl ein.

Auf deren Homepage heißt es:

ArtNight veranstaltet kreative Erlebnisse, die von einem lokalen Künstler angeleitet werden und als offenes Format in Bars und Restaurants stattfinden. Während die Gäste enthusiastisch z.B. die Pinsel schwingen, können sie zugleich neue Kontakte knüpfen.

So war ich also gespannt und konnte mich zwischen einer Reihe von Angeboten entscheiden. Ich schränkte jedoch meine Auswahl auf meine Heimatstadt Hannover ein und entschied mich schließlich für das “Malen nach Banksy”, auch und gerade deshalb, weil ich bisher weder großes Interesse an sogenannter Street-Art an den Tag gelegt, noch ich mich in der Vergangenheit sonderlich für Banksy interessiert hatte.

Es ging dann nach Isernhagen, was nicht wirklich Hannover ist, jedoch eine selbständige Gemeinde in der Region Hannover ist. Ich plante für die Anreise ausreichend Zeit ein, schließlich liegt Isernhagen genau meiner Wohnung diametral entgegengesetzt und so dachte ich mir, dass es vielleicht nett sei, einfach mal etwas Neues im eigenen unbekannten Nahbereich zu entdecken. “Malen nach Banksy” weiterlesen

In Rübezahls Reich, Teil 2

Am zweiten Tag in Hirschberg (pol. Jelinia Góra) fuhr ich mit dem Bus nach Agnetendorf (pol. Jagniatków). Da ich am zentralen Busbahnhof startete, musste ich erst den Bus Nr 3. bis nach Slaskie nehmen, um dann in den Bus Nr. 15 umzusteigen. Den hätte ich aber auch schon zentral in Hirschberg wählen können, beispielsweise am Jugendstil-Theater, nur eben nicht am Busbahnhof.

Alle Polen, die ich um Rat fragten, waren sehr hilfsbereit und bemüht mich irgendwie zu verstehen, was letztendlich dann auch klappte.

Bei der Planung meines Ausflugs hat mir übrigens folgende deutschsprachige Broschüre, die ich online fand, sehr geholfen: Jelinia Góra aktiv

Im malerisch gelegenen Agnetendorf ist die Endhaltestelle der Buslinie Nr. 15 direkt am Gerhart Hauptmann Haus gelegen. Von hier aus hätte ich auch noch zur mittelalterlichen Burg Kynast wandern können, aufgrund bestehender Gewitterwarnungen entschied ich mich jedoch dagegen.

Direkt gegenüber der Endhaltestelle liegt das ehemalige Anwesen Gerhart Hauptmanns. Da die sowjetischen Besatzungskräfte gewisse Sympathien für Gerhart Hauptmanns  sozialkritisches Drama “Die Weber” aufbrachten, wurde er nicht Opfer der Vertreibung der Deutschen und konnte bis zu   seinem Tod 1 sein Anwesen, was er selbst “Wiesenstein” nannte.  Schließlich setzte aber die polnische Regierung  196 seine Enteigung durch, woraufhin er kurz darauf verstarb.

Bis zu seinem Tode muss er hier glückliche Zeiten durchlebt haben. Er wohnte hier als Dichter des Naturalismus mit seiner zweiten Frau Margarete Marschalk. Das Haus galt als Treffpunkt für Künstler und Literaten.

Ich näherte mich dem auf einem Granitfelsen gebauten Haus langsam und beging erst einmal den Garten, in dem sich immer wieder wilde Steinhaufen fanden, in deren Schatten sich angenehme Rast einlegen lässt. Überall sind Bänke und Tische aufgestellt und laden zum Verweilen ein.

Ich könnte mir gut vorstellen, wie Gerhart Hauptmann hier mit Freunden, Künstlern und Literaten zusammengesessen hat und über den Realismus des Naturalismus im Gegensatz zum Klassizismus der Goethezeit debattiert hat.

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