Angemessene Aggressionen

020420112124 (Nicht-Orte, 2015)

Die Moderatorin von WDR 5 im „Tischgespräch“  vom 23.12. ist erstaunt darüber, dass ihr Gast Hans-Joachim Maaz, der doch ein Institut für Beziehungskultur gegründet hat, Integration in dem Maße, wie sie uns momentan von Merkel & Co. zugemutet wird, für nicht möglich hält. Er spricht sich für Flüchtlingslager in den Herkunftsländern/Nachbarländern aus und verunsichert die Moderatorin dadurch, dass er davor warnt, dass die jetzige Gesellschaft in Parallelgesellschaften und Konflikten mündet. Er rät dazu, Aggression zu zeigen, da wo sie angemessen ist, um zu verhindern, dass die jetzigen gesellschaftlichen Verwerfungen in Gewalt umschlagen. Dies meint: Eigene Positionen vertreten, „Nein“ zu sagen, sich zu distanzieren…. letztendlich das Gegenteil von dem, was sich nicht nur in  politischen, sondern auch  in beruflichen und semi-privaten Umfeldern  gegenwärtig erleben lässt.

Was passiert aber mit einem selbst, wenn man eben genau dies getan, nämlich „Nein“ gesagt hätte?  Wenn andere billigste Manipulationen in Gesprächen anwenden (Ich nenne dies  „NLP für Dummies“) würden,  die sie wahrscheinlich in einer zweifelhaften Führungs-Fortbildung vermittelt bekommen hätten und die sie nun  – noch dazu dümmlich – rezipieren würden und die man, aufgrund von Hierarchieebenen zwar durchschauen, trotzdem aber lächelnd ertragen müsste, um sich dann doch von alldem innerlich zu distanzieren? Was würde man machen – mal ganz und gar fiktional angenommen – , wenn  von  den anderen Tatsachen gesetzt werden würden, die man schon aufgrund der eigenen Ethik und der eigenen Intelligenz ablehnen müsste, einfach deshalb, weil man den größeren Kontext und nicht nur den beschränkten Referenzrahmen sehen würde? Würde man dann nicht fast automatisch  in die Rolle der Rebellin gedrängt werden,  ohne dies jemals zuvor bewusst intendiert zu haben, einfach deshalb,  weil man noch die Moral hätte, die die anderen wohl niemals  besaßen? Und wenn man dann schlussendlich mit bösartigsten Mobbing-Attacken konfrontiert wäre, wie sie ja heutzutage an der Tagesordnung sind und wie sie gegen jeden erbarmungslos zur Anwendung kommen, der irgendwie „anders“ ist, weil man durch sein bloßes Sosein  das scheinheilige „inklusive“ Konsens-System gefährdet hätte, würde sich dann nicht die schlussendliche  Frage stellen, was dies, unabhängig vom Ausgang des Geschehens, mit der eigenen Persönlichkeit machen würde?

Erst einmal wäre man dann sicherlich gleichermaßen zum Rebellen wie auch zum Opfer geworden, dass nun – vielleicht auch mit Hilfe von Rechtsanwälten – gezwungen wäre, sich zu rechtfertigen, wo eigentlich die anderen Schuld auf sich geladen hätten. Darüber hinaus hätte man sicherlich sämtliche Naivität in Bezug auf die Bösartigkeit des Kollektivs ein für allemal verloren.  Man hätte, um hier einmal den Film „Matrix“ zu referieren, die rote Pille genommen und nichts wäre wieder so wie zuvor. Systemimmanente  und faschistoide Vorgänge, die abliefen, würde man nun klar und deutlich als solche erkennen und letztendlich vor der schwerwiegenden Frage gestellt werden, eben die gleichen unlauteren  Mittel wie die Gegner  anzuwenden, um endlich in Ruhe gelassen zu werden und das Falsche nicht weiter  zu stärken oder aber zu entscheiden, dass dieses Niveau, was man eben erlebte, so abgrundtief in stinkendem Unrat und Fäkalien beheimatet wäre, als dass man sich auf diese Ebene der mitmenschlichen Kommunikation niemals begeben könne, wenn man denn auch in Zukunft sein eigenes Spiegelbild betrachten möchte. Das ist der Scheideweg, wo das Opfer zum Täter oder zur Walküre werden kann.  Die Natter hat einen gebissen. Ob das Gift wirkt und wie es wirkt,  entscheidet man selbst. Vorerst bleibt nur der Waldgang, wie uns Ernst Jünger empfiehlt.

Zur Vertiefung, lies auch hier: Stressauflösung

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