Annäherung an YouTube

Zu dem Thema „Mythologisches Wandern“ habe ich ja schon des öfteren geschrieben, z. B. hier und hier und hier. Auch im Kessel, Ausgabe 3 habe ich einen einführenden Artikel zum Thema veröffentlicht: hier.

Jetzt habe ich mich erstmalig darin versucht, einen älteren Blogbeitrag über das „Mythologische Wandern“ zum Youtube-Vlog umzuarbeiten und ich muss sagen, dass das gar nicht so einfach ist und zumindest für mich eine Herausforderung darstellt.

Ich bin keine Selbstdarstellerin, weshalb das Schreiben für mich, im Gegensatz zum Film, erst einmal das angenehmere und einfachere Medium darstellt. Als Bloggerin kann ich an den Wörtern beliebig herumfeilen und ich kann meine Texte dabei so „verdichten“, dass möglichst kein leeres Geschwafel entsteht. Dies entspricht auch meinem Anspruch an schriftliche Texte und, dies sei an dieser Stelle gestanden: Ich schätze – vor allem – mündliche Ausführungen, die Inhalte transportieren!

Beim mündlichen Erzählen jedoch ist die Gefahr immer groß, nur noch zu plappern, ohne wirklich etwas auszusagen. Wenn ich dabei nicht nur Texte vorlesen möchte, muss ich vorab genau wissen, was ich zu sagen habe. Nicht immer gelingt das, schließlich kommt man als Sprecherin gerne vom „Hölzchen auf’s Stöckchen“ und dies dann auch noch vollkommen ungeplant! So kommt es dann zu unschönen „Ähs“ im mündlichen Vortrag. Lieber würde man sie durch Schweigen ersetzen. Eine Sprechpause würde dem Redner Zeit zum Denken geben und auch der Zuhörer muss nicht fortlaufend beschallt werden. Sicherlich wäre er sogar dankbar für eine Unterbrechung des Redeflusses, generiert diese nämlich immer auch eine dramaturgische Entspannung. Doch eine solche Langsamkeit muss in Zeiten der modernen Non-Stop-Unterhaltung neu gelernt werden und ist dann irgendwie auch zeituntypisch: Ein Anachronismus eben!

Erschwerend kommt bei einer Videoaufnahme für mich hinzu, dass das Gegenüber nicht sichtbar ist. Dies stört mich bei der Videoproduktion mehr als beim Schreiben, was, wenn es denn für eine Veröffentlichung geschieht, sich ja auch immer an einem Unbekannten richtet, der mir (was ich leider auch schon feststellen musste) nicht immer wohlgesonnen sein muss. Einige Vlogger lösen das Problem, indem sie Videos mit Partnern aufnehmen.

Ich bin jedoch alleine und so schaue ich dann in eine Kamera und sehe mich, wie mich meine Mitmenschen vermutlich sehen und nicht unbedingt so, wie es meinem Ideal (oder auch den gesellschaftlich vermittelten Projektionen, die auf mich beständig einwirken) entsprechen würde. Ich empfinde dies als zutiefst irritierend und bin der festen Überzeugung, dass das Überwunden gehört. Ich beschließe also, mich von Zeit zu Zeit als Vloggerin zu versuchen und hörte heute von Oliver Geiselhaft (ganz passend) den folgenden Satz: „Lieber stolpernd starten, als perfekt stehen bleiben.“

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