Auf der Rückreise

(Freitag, 13. Juli) Den Tag verbringe ich im Bus. Endlos geht es dabei über masurische Dörfer mit schlechten Straßen, dafür aber sehe ich sehr viele Storchennestern. 

Niemals hätte ich im Vorfeld gedacht, dass sich die Strecke so unerhört lange hinzieht.

 

Heiligelinde/Swieta Lipka

Den einzigen Lichtblick des Tages stellt der Stopp in Heiligelinde/Swieta Lipka dar. Ursprünglich soll hier einmal  in Kultplatz der Pruzzen, eines baltischen Volkes, gewesen sein. Die Linde war das Symbol von kleinen Erdmännchen (genannt Puschkait), die mit den uns bekannten Heinzelmännchen vergleichbar sind. Ich vermute jedoch, dass es sich hier vorrangig  um  einen rituellen Ort für eine Göttin gehandelt haben muss, schließlich wird hier immer noch Maria gehuldigt.

Heute ist Heiligelinde ein bekannter Marienwallfahrtsort. Die barocke Basilika wurde von Jesuiten gebaut. Sie ist reich verziert, u.a. ist dort eine Holzfiguren zu sehen, die Maria zusammen mit einem Lindenstab zeigt und damit auf eine Legende des 14. Jahrhunderts anspielt, in der ein geschnitztes Marienkind in dem Baum gehängt wurde, wonach sich in Folge viele Wunder zutrugen.  

Beeindruckend ist die Orgel aus dem frühen 18. Jahrhundert. Das Prospekt zeigt eine Vielzahl von beweglichen Engeln, die Maria ihre Hochachtung zeigen.

Unsere Reisegruppe wohnt einen kleinen Orgelspiel bei. Ich habe Glück und der Priester weist mir einen Platz auf den Stufen, direkt vor der Kanzel zu,  sodass ich einen hervorragenden Blick auf die wunderschöne Orgel habe.

Heiligelinde

E.T.A. Hoffmann, der übrigens in Königsberg lebte, erwähnt die Wallfallskirche in seiner Novelle “Die Elixiere des Teufels”. Die Wallenrodtsche Bibliothek, die ich in Königsberg besuchte, ist dort ebenfalls behandelt.

Weiter nach Danzig …

Aufgrund von Verkehrsstaus vor Danzig und der vorgeschriebenen Ruhezeit des Busfahrers legen wir noch eine halbe Stunde Rast am Parkplatz der Marienburg ein. Dies reicht gerade einmal, um einen Schaschlikspieß zu verspeisen.

Nach einem langen Fahrtag sind wir erst gegen 16 Uhr  zurück im Hotel in Danzig. Es ist das Novotel Gdansk, in dem ich schon zu Beginn meiner Reise genächtigt hatte. 

Mit Schrecken denke ich an die morgige Busfahrt zurück nach Berlin. Vom Busfahren habe ich für die nächste Zeit erst einmal genug!

… und zurück nach Berlin

(Samstag, 14. Juli) Die Busfahrt gestaltet sich anstrengend, aber unspektakulär. Ich verbringe meine Zeit damit, mir ein Hörbuch über Schopenhauer, der u.a. in Danzig gelebt hat,  anzuhören. Um ca. 17 Uhr  komme ich in meinem Hotel in Schönefeld/Berlin  an. Dort, im Holiday Inn Berlin Airport, verbringe ich noch eine Nacht, bevor ich die Rückreise nach Hannover antrete.

#heiligelinde #masuren

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Klaus Angermann

Hallo Frau Sosseh,

Ihren Reisebericht über die Ostpreußenreise haben wir mit großem Interesse gelesen und haben uns darüber gefreut, dass Sie so viele Details erwähnt und beschrieben haben. Auch wenn die Reisebeschreibung Ihre persönliche Sicht wieder gibt, deckt sie doch mit unseren Eindrücken. Wir wünschen Ihnen für die nächsten Reisen viel Erfolg und weiter solch gut gelunge Berichte. Wir erlauben uns, Ihren Blog weiter zu verfolgen.

Ihre Mitreisenden aus Dresden
Bärbel Krause und Klaus Angermann

PS:
Gestatten Sie uns ein Anmerkung zu einer Bildunterschrift im Artikel über die Wolfschanze. Das Attentat von Graf Stauffenberg auf Hitler wurde in der Lagebesprechungsbaracke ausgeführt nicht in einem Bunker.