Auf nach Schottland

In den hohen Norden von Großbritannien sollte es diesmal gehen: Nach Schottland!

Reisevorbereitungen: Individual oder doch lieber pauschal?

Bei meiner Reiseplanung hatte ich mir verschiedene Varianten durchgerechnet , kam bei meinen individuellen Reisezusammenstellungen jedoch immer auf einen höheren Preis als den, den ich bei Pauschalanbietern vorfand.

Vielleicht wäre das Ergebnis anders ausgefallen, wenn ich beabsichtigt hätte, mit dem eigenen Auto nach Schottland zu reisen. Dies war aber nicht der Fall. Ohne Auto wäre ich jedoch darauf angewiesen zentrale Übernachtungen zu bevorzugen. Es ist jedoch naheliegend, dass eine Übernachtung im Zentrum von Glasgow hochpreisiger ausfällt als eine im Raum Glasgow. Die Pauschalanbieter weichen gerne auf die billigere Peripherie aus, ohne Auto wäre diese Möglichkeit bei meiner Reise nicht praktizierter gewesen.

Im Falle einer individuellen Reise  hätte ich mir dann über Get-your-Guide Ausflugsmodule hinzubuchen können und wäre auf diese Art und Weise dann auch in die Highland gekommen, im Gesamtpreis lag ich bei der individuellen Reisevariante aber weit über den veranschlagten Kosten der Pauschalreise, weshalb ich mich letztendlich dagegen entschied. 

Ich hatte diesmal über REWE gebucht. Hinter der Supermarktkette verbirgt sich Clevertours. Ich war gespannt darauf, ob das Reisepaket vom Supermarkt mit dem mithalten konnte, was ich ansonsten von Rund- und Studienreisen gewohnt war. Ich war skeptisch.

Probleme mit Eurowings beim Online-Check-In

Probleme gab es dann schon einmal beim Online-Check-In mit Eurowings. Es gab zwar auf der Eurowings-Homepage die Rubrik für „Veranstaltungskunden“, nach der Anmeldung auf der Homepage und mehreren Versuchen, in denen mir diverse Fehlercodes angezeigt wurden, landete ich immer auf der Seite, wo ich eine Sitzplatzreservierung hätte vornehmen sollte, doch irrsinngerweise erschien zeitlich der Schriftzug „Keine Sitzplatzreservierung möglich“. Mir blieb dann immer nur übrig, vollkommen entnervt, auf dem Button „Abbrechen“ zu klicken. 

Ein Anruf bei der Eurowings-Hotline kostete mich zwar zwanzig Cent, war aber ansonsten nicht hilfreich. Eine der deutschen Sprache nur mangelhaft mächtige Dame mit osteuropäischen Akzent, erzählte mir, dass sie mir nicht weiterhelfen könne und ich mich an den Veranstalter wenden sollte. 

Tat ich auch, wohlwissend, dass Clevertours das Reisepaket zwar geschnürt hatte,  die einzelnen Module aber in der Verantwortung der jeweiligen Partner liegen würde, was in diesem Fall Eurowings war. Der freundliche Clevertours-Mitarbeiter verwies mich darauf, dass  ich ja auf den Flughafen noch einchecken könnte, wobei auch keine extra Gebühren anfallen würde. 

Dies klappte dann auch erstaunlicherweise gut und so landete ich nach noch nicht einmal zwei Stunden Flugzeit am 08.07.2019 gut gelaunt in Edinburgh.. 

Unsere Reisegruppe bestand aus 27 Personen. Wir  wurden von einem deutschen Reiseleiter abgeholt, der uns zum Transferbus in Richtung Glasgow brachte.  Er erzählte uns sinngemäß, dass Eric, unser Busfahrer, ausnahmsweise noch etwas Zeit hätte, weswegen wir auch einen kleinen Halt bei den Brücken einlegen könnte. Es wäre ja schade, bei diesem ausgesprochen schönen Wetter dort nicht zu halten und außerdem würde sich der Reiseleiter über ein Trinkgeld freuen.

Es sei gestanden, dass er es nicht ganz so plump formuliert hat und einige Füllsätze zwischen dem Thema Trinkgeld und Extra-Aufmerksamkeit eingebaut hatte, der manipulative Trick war aber leicht zu erkennen und wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten erfolgreich im Einsatz.

Amüsiert machte ich es mir im Bus bequem, stellte fest, dass ich die einzige Alleinreisende der Gruppe war und genoss meine ersten Schottland-Eindrücke.

The Forth Rail Bridge

Die Forth Rail Bridge sieht aus wie das rötlich oxidierende Skelett eines Dinosauriers. So ist es jedenfalls im Bildband „Schottland. Die wahre Seele eines wilden Landes“ von Jackie Blackwood und Karl Johaentges zu lesen. „Stimmt“, muss ich sagen.

Sieben Jahre wurde nach Plänen der Ingenieure Fowler & Baker an dieser größten Stahlauslegerbrücke der damaligen Zeit gebaut. Fertiggestellt wurde sie 1890, kurz nachdem im Jahre 1879 ein Sturm ein Stück der Tay-Brücke bei Dundee herausriss und so einem Zug mit 75 Menschen in den Fjord abstürzen ließ.

Theodor Fontane, der Schottland bereiste und seinen Reisebericht „Jenseits des Tweeds“ 1860 veröffentlichte, schrieb auch eine Ballade, in der er 1880, also gleich nach dem verheerenden Unfall, die Naturgewalten in Gestalt von Hexen gegen die moderne Ingenieurkunst antreten lässt.

Die Brück‘ am Tay.
       
»Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?«
»Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.«
»Am Mittelpfeiler.«
»Ich lösch die Flamm‘.«
»Ich mit.«
»Ich komme vom Norden her.«
»Und ich vom Süden.«
»Und ich vom Meer.«»Hei, das gibt ein Ringelreihn,
und die Brücke muß in den Grund hinein.«
»Und der Zug, der in die Brücke tritt
um die siebente Stund‘?«
»Ei, der muß mit.«
»Muß mit.«
»Tand, Tand
ist das Gebild von Menschenhand.«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus –
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut‘, ohne Rast und Ruh
und in Bangen sehen nach Süden zu,
sehen und warten, ob nicht ein Licht
übers Wasser hin »ich komme“ spricht,
»ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
ich, der Edinburger Zug.«
Und der Brückner jetzt: »Ich seh einen Schein
am andern Ufer. Das muß er sein.
Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
unser Johnie kommt und will seinen Baum,
und was noch am Baume von Lichtern ist,
zünd alles an wie zum heiligen Christ,
der will heuer zweimal mit uns sein, –
und in elf Minuten ist er herein.«
Und es war der Zug. Am Süderturm
keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
und Johnie spricht: »Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
die bleiben Sieger in solchem Kampf,
und wie’s auch rast und ringt und rennt,
wir kriegen es unter: das Element.
Und unser Stolz ist unsre Brück‘;
ich lache, denk ich an früher zurück,
an all den Jammer und all die Not
mit dem elend alten Schifferboot;
wie manche liebe Christfestnacht
hab ich im Fährhaus zugebracht
und sah unsrer Fenster lichten Schein
und zählte und konnte nicht drüben sein.«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus –
alle Fenster sehen nach Süden aus,
und die Brücknersleut‘ ohne Rast und Ruh
und in Bangen sehen nach Süden zu;
denn wütender wurde der Winde Spiel,
und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel,
erglüht es in niederschießender Pracht
überm Wasser unten… Und wieder ist Nacht.
»Wann treffen wir drei wieder zusamm‘?«
»Um Mitternacht, am Bergeskamm.«
»Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.«
»Ich komme.«
»Ich mit.«
»Ich nenn euch die Zahl.«
»Und ich die Namen.«
»Und ich die Qual.«
»Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.«
»Tand, Tand
ist das Gebilde von Menschenhand«

Theodor Fontane: Die Brücke am Tay

Nach dem Fotostop bei der imposanten Brücke ging es direkt zum Hotel, was in Rosyth lag, einem Ort, wo, laut Reiseleiter, nichts los wäre und er, der Reiseleiter, deshalb auch nicht wisse, was man machen könne. Das einzige was ihm einfallen würde, wäre eine Tour nach Dunfermline. Er wisse aber nicht, wann und wo da überhaupt ein Bus hinfahren würde. 

Das Hillpark Hotel in Rosyth

Der abgewetzte Stuhl in der Eingangshalle sah nicht gerade einladend aus. Mein Zimmer war aber modernisiert und bot alle Annehmlichkeiten, die standardmäßig mittlerweile zu einem Hotelaufenthalt gehören. Das Willkommensessen am Abend war grandios und die Mitarbeiter allesamt ausgesprochen freundlich. 

Ich war erleichtert und hoffte, dass auch die weiteren Hotels der Rundreise keine traurigen „Absteigen“ sein werden. Vielleicht war es doch kein Fehler gewesen, eine Reise bei REWE zu buchen …

Dunfermline

Vor dem Abendessen wollte ich mir, trotz der wenig motivierten Ansprache des Reiseleiters, Dunfermline anschauen.

Google Maps half mir und ich stellt bei meiner Internet-Recherche fest, dass Rosyth gut in das öffentliche Bussystem integriert ist.

Wenn das überall in Schottland so sein sollte, dann hätte uns dieses Land etwas voraus, wird in Deutschland ja beständig der öffentliche Transport eingespart, dafür dann aber Ruftaxis oder – noch schlimmer – traurige Mitfahrerbänke installiert. 

Es war also kein Problem nach Dunfermline, der historischen Hauptstadt des Königreichs, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen und so schlenderte ich alsbald durch eine schottische Kleinstadt, die recht pittoresk, gleichzeitig aber auch ein wenig heruntergekommen-gemütlich wirkte. Die Läden standen nicht leer,  hielten  aber – mehr oder weniger – nur ein Billigangebot von chinesischen Importwaren feil. Dazwischen gab es dann eine Zahnklinik und ein großes Schild warb dafür, dass man sich hier Ohrenschmalz entfernen lassen könne.  Ein Nagelstudio offerierte Designs des schlechten Geschmacks und so ging ich, an einzelnen Pubs und einem Tattoo-Studio vorbei, in Richtung Kloster.

Die Bevölkerung schien mir, im Vergleich mit der bundesdeutschen Großstadt, recht homogen und von einer ausgesprochenen Ruhe geprägt zu sein, die ich im hektischen Hannover so schmerzlich vermisse. 

In seiner Blütezeit war Dunfermline durch den Handel mit Damastleinen und den philanthropisch gesinnten Stahlmagnaten Andrew Carnegie bekannt geworden. „Im ersten Drittel seines Lebens sollte man so viel wie möglich an Bildung und Erziehung in sich aufnehmen; im zweiten Drittel so viel Geld machen, wie man nur kann; und im dritten alles Geld für Gute Zwecke ausgeben – so etwa lautete das Motto von Andrew Carnegie“, schreibt der Baedeker.

In Dunfermline gibt eine Benedekiner-Abtei aus dem Jahre 1070. Unter der Kanzel befindet sich das Grab von Robert the Bruce, Schottlands Nationalheld, der mit seinem Sieg über die Engländer am 24. Juni 1314 den Schotten ihre Unabhängigkeit sicherte. An die Abtei schließt der Pittencrieff Park an, für den ich leider keine Zeit mehr fand. Das Abendessen im Hotel wartete schließlich.

Als der Bus mich dann zurück nach Rosyth fuhr, kam ich an einem Reihenhäuschen vorbei, wo eine ältere Dame sich in die Fensterfront positioniert hatte, von der sie die Nachbarschaft streng beobachtete. Wie lange hatte ich so ein Bild nicht mehr in Deutschland gesehen! Schottland schien mir erst einmal entspannt zu sein und ich freute mich schon auf den nächsten Tag.

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