Aus meinem E-Mail Postfach: Eine Hunde-Geschichte

Anfang des Monats bekam ich eine E-Mail, die sich wohltuend von all den Werbenachrichten, Rechnungen und Newsletter-Benachrichtungen abhob, die ich sonst so bekomme.

Einer Dame hatte meinen Blogbeitrag zu Tilsit gelesen und mir daraufhin geschrieben.

Hintergrund für Ihre Nachricht war der, dass ich im letzten Sommer von Swinemünde über Kolberg nach Danzig gereist bin, um mich dort einer Busrundreise durch das ehemalige Ostpreußen anzuschließen.

Dabei hatte unsere Gruppe eine Begegnung mit einem Hund, der so auffällig auf sich aufmerksam machte, dass er in meinem Artikel Erwähnung fand. Ich schrieb:

An der Hauptpromenade, die als Fußgängerzone durch die Stadt führt, lassen sich noch einige alte Häuser bewundern. Dabei wird unsere Gruppe von einem streunenden Hund, die es hier wohl häufiger geben soll, verfolgt. Sämtliche Radfahrer werden aggressiv angebellt, zu uns ist er aber lieb.   Das Tier trägt ein Kennzeichen, dass es sterilisiert ist. Auf diese Art und Weise versucht die Verwaltung das Problem „Straßenhunde“ in den Griff zu bekommen.

(Der ganze Artikel lässt sich hier nachlesen.)

In eben dieser Schilderung erkannte meine Leserin Frau Hedy Steinmetz Ihren Hund wieder. Dieser lebt mittlerweile bei ihr in Deutschland und er ist wohlauf.

Ich bat sie, mir Ihre ganze Geschichte zu erzählen, die so herzergreifend ist, dass ich sie hier – mit Ihrer Erlaubnis – veröffentliche:

„Es muss sich auf jeden Fall um meinen Hund handeln, denn der ist ja schwarz, trug bis zu seiner Abreise nach Deutschland eine gelbe Marke im Ohr und rannte permanent jedem Radfahrer bellend nach. Ich habe auch beobachtet, dass er fahrenden Autos in die Reifen beißen wollte und auf Motorradfahrer losging. Meistens hielt er sich im Bereich des Supermarktes Hohe Straße auf. 

Ich hatte im September 2018 eine Busreise „Königsberg und Tilsit“ (Ost-Reisen) gebucht, zuerst war ich 3 ½ Tage in Tilsit (Sowjetsk) in dem großen Hotel hinter der Lenin-Statue, danach ging es weiter nach Königsberg. 

Als ich in Tilsit ankam, habe ich sofort diesen Hund gesehen, der mir dann die gesamte Zeit meines Aufenthaltes nicht mehr von der Seite wich. Bei meiner Bus-Abreise am letzten Tag in Sowjetsk stand er beim Kofferverladen beim Bus und schaute mich sehr traurig an. Er wusste wohl, dass es ein Abschied für immer ist. Ich war extrem traurig, konnte die weitere Rundreise gar nicht mehr genießen und weinte ständig. 

Zuhause in Köln ging das Tier mir auch nicht mehr aus den Kopf. Da ich keinen Ansprechpartner in Sowjetsk hatte, fiel mir ein, dass ich an einem Vormittag das Museum für Stadtgeschichte besucht hatte und die Dame dort sehr gut deutsch sprach. Diese hatte auch mitbekommen, dass der schwarze Hund vor dem Museum auf mich wartete. Wir haben uns dann kurz über den Hund unterhalten und sie erzählte mir, dass es sein Hobby sei, Touristen zu begleiten, das würde er immer machen. 

So kam ich dann auf die Idee, diesem Museum eine Mail zu schreiben. Und siehe da: ich bekam Antwort und die Dame bemühte sich in der Folgezeit, Kontakt mit Tierschützern in Kaliningrad aufzunehmen, die für die Straßenhunde zuständig sind. Der Verein „Recht auf Leben“ meldete sich dann bei mir und so nahm alles seinen Lauf. Der Hund wurde eingefangen, kam in eine Pflegefamilie, es wurden die ganzen erforderlichen Impfungen gemacht, er erhielt Unterricht in Stubenreinheit und Leinenlauf, wurde gechipt und erhielt einen Internationalen Impfpass incl. Reiseunterlagen für die EU. Man wollte wissen, wie ich ihn nennen wollte und ich antwortete spontan mit TILSIT. 

Am 09. November 2018 wurde er dann mit einem PKW nach Köln gebracht und ist seitdem bei meinem Mann und mir. Er hat sich wunderbar eingelebt, hat viel gelernt, kläfft keine Radfahrer mehr an (nur noch Motorradfahrer) und will auch keine Autos mehr anfallen. Er besucht regelmäßig die Hundeschule und ist eine richtige Schmusebacke geworden. 

Das Ganze ist in Sowjetsk wie eine Bombe eingeschlagen. Auch der Rundfunk und die Presse hat davon berichtet und die Dame vom Museum musste vielen Leuten Rede und Antwort stehen. Nun schicke ich regelmäßig Fotos von Hund Tilsit und mir dorthin, damit die Leute sehen, dass es ihn gut geht.    

Vor kurzem meldete sich auch eine Landsmannschaft  von Ostpreussen bei mir, die einen Artikel im Mitgliedsheft herausgebracht hat.“

Das hier ist die Dame mit dem großen Herzen, der ich auch weiterhin viel Freude mit ihrem Hund Tilsit wünsche und deren Geschichte eindrucksvoll beweist, dass Reisen uns nicht nur neue Eindrücke und Erfahrungen ermöglichen, sondern durchaus auch zu positiven Begegnungen und Lebensveränderungen führen können.

Sie schrieb mir heute noch: „Ich bin aus Sowjetsk darüber informiert worden, dass Tilsits Freundin (ebenfalls ein Mischlingshund, aber etwas größer als Tilsit) ebenfalls eine neue Heimat sucht. Es ist eine Hündin namens Mucha. Vielleicht hat ja jemand der Leser Interesse. Bilder von ihr habe ich auch, da ich Tilsit und Mucha einmal zusammen fotografiert habe. Sie ist jetzt sicherlich sehr alleine.“

Falls jemand hier helfen möchte, stelle ich gerne den Kontakt her.

Read Offline:

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei