Barocke Obsezzionen in Wolfenbüttel

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Anfang des Jahres war ich in der Fürstengruft in Wolfenbüttel, deren Sarkophage und deren  Inhalt gerade restauriert wurden. Über die Leichen-Restauration schrieb sogar die Welt

Im nächsten Leben werde ich Leichen-Restauratorin.  „Warum so viele Körper nicht verwesen …? “ : Vielleicht weil sie lebendige Tote sind: Zombies. Ich bin von ihnen umgeben. Uaaahhh!

„Aber da lässt sich bestimmt noch was transformieren“, denke ich und besuchte die Alchemie-Ausstellung in der Wolfenbüttler Bibliothek. Sie zeigte alte Alchemisten-Bücher, meist in Geheimschrift.

„Gut so, nicht jedes Wissen ist für jeden geeignet“, sagte ich mir.

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Mittlerweile ist die Ausstellung beendet.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Bibliothek begrüßt mich dann die Epoche der Aufklärung. Hier wohnte einst Gottfried Ephraim Lessing und hier  schrieb er auch  „Emilia Galotti“ und „Nathan, der Weise“. Gerade letzteres Drama sollte in Zeiten, wo ich mich von dumpfen Islamisten und ebensolchen „Gutmenschen“ umgeben wähne, zur Pflichtlektüre jedes in Deutschland ansässigen Individuums werden. Ich befehle es!

Das Wolfenbüttler Schloss schließlich ist ein Versaille in Miniatur und erlaubt Einblicke in ein  fürstliches Wohn-Interieur. Solchermaßen animiert fragte ich mich, was wir eigentlich vom Barock lernen könnten?

Um mich dieser Frage anzunähern, kaufte ich mir das gleichnamige Buch Gelassenheit und Lebensfreude: Was wir vom Barock lernen können und war zumindest vom Anfangsteil begeistert, der in Essayform die Vorzüge des Barock-Zeitalters im Kontrast zu unserem Automaten-Zeitgeist erörtert. Im hinteren Teil des Buches wurde es dann leider immer „kirchenlastiger“ und verhedderte sich in einer Detailverliebtheit, die den epochenübergreifenden  und großen Zusammenhang verlor.

Barock, das lernte ich, ist Obsession, ist Verschwendung. Der Kaufmann, der Krämer, der Dienstleister war verachtet. Wer Reichtum errang, vielleicht auch durch dubiose Handelsgeschäfte, tat ein Gutes daran, diese zweifelhafte Vergangenheit schnell hinter sich zu lassen und in schöner Kunst und schönen Festen zu investieren.  Das Bürgertum freilich war in dieser Lebenslustigkeit, diese verdammte protestantische Ethik war wohl Schuld, nicht allzu bewandert. Der Adel jedoch und auch – jetzt sind wir erstaunt – das Bauerntum – frönte gerne den Müßiggang und vielfältigen Festen. Vergehen wurden großzügig von der katholischen Kirche nicht geahndet und so war es letztendlich damals – im Vergleich zu heute – wohl ein lustigeres und „volleres“  Leben.

Barock heißt ja auch Perle und ich bin mir sicher, dass wir diesen Schatz wieder neu für uns entdecken sollten. Ansonsten werde ich mich ganz schnell zur Leichen-Restauratorin umschulen lassen. … Oder  doch zur Geister-Jägerin und zur Exorzistin?

 

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