Bei einer Reise nach Eisenach darf die Wartburg nicht fehlen!

Die Wartburg

(23.07.2018) Hoch oben thront sie über Eisenach. Der Weg hinauf  führte mich quer durch die Stadt und an der Fritz Reuter Villa vorbei. Diese war leider geschlossen, hätte mich aber durchaus interessiert, was nicht nur an der klassizistischen Architektur liegen mag, sondern wohl auch darin begründet liegt, dass sie die 1895 von der Stadt Eisenach erworbene Richard-Wagner-Sammlung  beherbergt.

Das Museum hat leider in der Woche erst ab Mittwoch (14 Uhr) geöffnet, sodass ich es auch am Folgetag nicht besuchen konnte. Am Mittwoch wollte ich mich ja schon in Richtung Eifel aufmachen.

Mehr Infos über das Reuter-Wagner-Museum gibt es hier.

Gegenüber der Villa liegt ein kleiner See an dem ich mich ein letztes Mal ausruhte, bevor ich den steilsten Abschnitt des Aufstiegs zur Warthburg auf mich nahm. Es ging durch den Wald. Vorbei ging es an der Eseslsstation und an einem Akkordeon spielenden Ukrainer, der – genauso wie im Hexenwald in Litauen – im Grünen musikalisch aufspielte, um die ein oder andere Spende zu ergattern.

Oben angekommen war ich erst einmal erschöpft, besorgte mir dann aber eine Karte für eine Führung, nebst Fotoerlaubnis, um dann festzustellen, dass meine Kamera noch im Hotel liegt. Nun gut … das Handy kann auch fotografieren und die kleinen Qualitätsunterschiede fallen vielleicht ja überhaupt nicht auf.

Tipp:  Man kann auch mit dem Auto oder dem Autobus hinauf zur Warthburg fahren. Selbst vom Parkplatz aus, ist der Anstieg noch sehr beschwerlich und für mobilitätseingeschränkte Personen keinesfalls zu empfehlen.  Der Parkplatz liegt auf der Höhe der Eselsstation. Wer zu Fuß geht, sollte keinesfalls  den Luther-Erlebnispfad nehmen. Der startet beim Predigerkloster und führt schnurgerade und steil (!!!) hinauf, was die Wanderung überaus anstrengend und monoton macht. Da helfen dann auch die aufgebauten Tafeln zu Luthers Leben nicht. Ich nutzte diesen Weg zum Abstieg und selbst dabei war er mir viel zu steil!!!

Warthburg

Die Führung war mehr als gut besucht und so ging es, in einer kleinen Menschenmasse, durch die Innenräume der Wartburg. Diese waren ab 1838 im Auftrag von Carl Alexander und in Regie von den Architekten Wilhelm Sälzer und Hugo von Ritgen “romantisierend” restauriert worden. Die geschichtlichen Grundlagen der Burg, deren erste Erwähnung 1080 datiert,  wurden dazu mythologisch überhöht und idealisiert. Genau dies macht die Burg als Zeugnis des vorigen Jahrhunderts (nicht des Mittelalters!)  für mich so besonders.

Rittersaal, Wartburg
Der Rittersaal

Der älteste erhaltene Bauteil ist  der Rittersal und die Elisabeth-Kemenate, in der die schwülstige Geschichte der Landgräfin Elisabeth, die dem religiösen Eifer verfallen war und daher zu Mildtätigkeiten, die der Hofgesellschaft fremd waren, neigte, in prächtigen Wandmosaiken dargestellt wurde.

Auch Klingsor, der Magier in Wolfram von Eschenbachs Parzival-Epos,  ist dort zu sehen.  Im Parzival steht er der Gralsgesellschaft feindlich gegenüber, von Richard Wagner wurde er in seiner gleichnamigen Oper dann sogar als Schwarzmagier gedeutet.

Doch die Oper war noch nicht geschrieben, als die Wartburg restauriert wurde. Die mittelhochdeutsche Sammlung mit Sangspruchgedichten und einem angeblichen Dichterwettstreit auf der Wartburg  war aber schon wiederentdeckt und wurde beständig rezipiert. Im “Fürstenlob”, den ersten Teil des Sängerkrieges, tritt Heinrich von Ofterdingen auf. Dieser huldigt anstatt seines Fürsten, die Größe des Leopold von Österreich, was einer Provokation gleich kommt. Schon wird nach dem Henker gerufen, doch die Fürstengattin stellt dem Provokateur unter ihren persönlichen Schutz. Der Streit soll von Klingsor, der hier Magier und Sänger zugleich ist, geschlichtet werdeb.  Heinrich von Ofterdingen erhält eine Galgenfrist, in dem er Klingsor von Ungarn abholen und zur Wartburg bringen soll.  Als Klingsor  dann endlich dort angekommen  ist, tritt er in den Sängerwettstreit mit ein und wird zum schärfsten Konkurrenten von Wolfram von Eschenbach.  Alle  wettkampfbedingen Spannungen vergehen jedoch, als Klingsor den Landgrafen  schließlich die Geburt  seiner Tochter Elisabeth prophezeit, eben jener, die mit ihrem barmherzigen Tun nach ihrem Tod die Heiligsprechung erlangen wird.

Viele Ausschmückungen auf der Wartburg beziehen sich auf diesem Mythos, der wohl im Keim historische Wahrheiten enthalten mag, ansonsten aber viel idealisierende Phantasie zum Besten gibt.

Mit diesem Hintergrundwissen erscheint es folgerichtig,  dass in der Elisabeth-Kemenate Klingsor, der im Sängerkrieg von Heinrich von Ofterdingen im Wettstreit gegen Wolfram von Eschenbach  als Mentor um Unterstützung  angerufen wird, zu sehen ist.

Das Beispiel macht deutlich, dass es interessant ist, sich bei Wartburg-Entdeckungen den Details zu widmen, was aber in einer flüchtigen Führung wohl kaum möglich sein wird. Spannend kann es auch sein,  sich bei einem Besuch auf die Suche nach einem bestimmten Motiv, wie beispielsweise Klingsor, zu machen. Doch selbst wenn man, ganz anachronistisch, Goethe und Schiller als Teilnehmer des Sängerstreites sehen will, wird man fündig werden.

Das Sängerstreitfresko von Moritz von Schwind, der mehrere Räume mit Fresken gestaltete, zeigt nämlich auch Personen, die zur Zeit des historischen Sängerkrieges nicht gelebt haben, befähigt durch ihren Ruhm aber vom Maler eine Teilnahme, zumindest auf seinen Bild, bescheinigt bekommen haben. Fake-Reality ist keine Erfindung der heutigen Zeit!

Sängerkrieg-Fresko
Sängerkrieg-Fresko

Martin Luther und Melanchthon sind auf dem Fresko übrigens auch als Teilnehmer des Sängerkrieges zu sehen.

Luther hielt sich auf der Warthburg ein Jahr als Junker Jörg versteckt und trieb von hier die Reformation voran.  Das Luther-Zimmer darf auf einer Besichtigungstour durch die Wartburg natürlich nicht fehlen.

Besonders beeindruckt hat mich auch die architektonische Gestaltung des Konzertsaals. Akustisch soll  der schmucke Raum ebenfalls überragend sein. Franz Liszt soll beim Ausbau des Palas zum Konzerthaus im Auftrag des Weimarer Herzoghauses beratend tätig gewesen sein.

Mehr Informationen zur Wartburg, insbesondere Öffnungszeiten und Eintrittspreise,  finden sich hier.

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