Branitzer Park, Teil 3

Der Tag begann mit einem fantastischen Frühstück im Radisson Blue Hotel. Hier blieben in der Tat keine Wünsche offen. Selbst an Spreewaldgurken war gedacht worden.

Das Hotel liegt sehr verkehrsgünstig am Hauptbahnhof, sodass nicht nur die Bahnverbindungen, sondern auch die öffentlichen Verkehrsmittel leicht zu erreichen sind. Vom Hotel war ich mit einer Fahrkarte für die Zonen A und B ausgestattet worden, die für die Dauer meines Aufenthalts Gültigkeit hatten.

So fuhr ich dann mit der Straßenbahn zur Endhaltestelle Sandow, wo es Anschluss zur Parkeisenbahn gab. Mit dieser wollte ich, eine Empfehlung eines anderen Reisebloggers folgend (siehe hier), den Branitzer Park erreichen, für den ich einen ganzen Tag eingeplant hatte.

Leider war die ehemalige Pionierbahn gerade weggefahren, doch die nette Dame am kleinen Bahnhof, versorgte mich mit Kaffee. Die Sonne schien und so verging die Wartezeit wie im Fluge.

Vorbei am Stadion und dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau sowie dem Zoo ging es zum Park. Ich fuhr bis zur Endhaltestelle, dann aber wieder bis zum Zoo zurück, hatte mir die nette Dame  doch noch zum Schluss den Rat mitgegeben, meine Begehung des Branitzer Parks am Zoo zu starten. Das wäre schöner, lautete der Tipp.

Dieser war goldrichtig, stand ich so nämlich innerhalb kürzester Zeit zwei Graspyramiden gegenüber. Im sogenannten Tumulus, das ist die größere Pyramide,  hat sich Fürst Pückler beerdigen lassen. Die kleinere Pyramide war vermutlich als  Grabmal seiner Ex-Frau Lucie, die sich von ihm trennte, damit er mit Hilfe einer guten Partie seine Schulden begleichen konnte,  angedacht.  Als sie aber 1854 starb, war die Pyramide noch in Planung gewesen,  weshalb sich Lucie, auf ihren eigenen Wunsch hin, auf dem  alten Friedhof im Vorpark beerdigen ließ. Im Jahre 1884 wurde sie  allerdings umgebettet. So  fand sie schließlich ihre letzte Ruhe im Tumulus.

Auf dem Plateau der kleinen Landpyramide steht:

Gräber sind die Bergspitzen einer fernen neuen Welt.

Vor der Landpyramide  pausierte ich und fing an zu zeichnen. Lange blieb ich nicht allein. Drei Pokémon-Spieler setzten sich zu mir und klärten mich darüber auf, dass sich genau hinter mir eine virtuelle Arena befinden sollte.

Weiter schlenderte ich durch den Park und war von mir selbst verwundert. Woher kam diese Begeisterung für Landschaftsarchitektur, die mich erst seit wenigen Jahren immer wieder Landschaftsgärten aufsuchen ließ? Früher hatte ich in solchen Gärten nichts weiter gesehen, als Picknick-Plätze, nun aber bin ich fasziniert davon, wie Natur in den jeweiligen Parklandschaften unterschiedlich inszeniert wurde, um beim Spaziergänger ein Höchstmaß vom ästhetischen Genuss zu erzeugen. Auch welche Mythologien  der jeweilige Fürst im Landschaftspark abbildet und welchen Moden gefolgt wurden, finde ich spannend.

Im Branitzer Park ist die Orientvorliebe des Fürsten sichtbar. Der Exotismus war eine Modeerscheinung des Adels und wurde noch durch das mit der Aufklärung einhergehende Interesse an Welterfahrungen, die es zu erforschen galt, verstärkt.

Meine Lesetipps:

Diesen Führer gibt es direkt vor Ort zu kaufen:

 

Die „Grande Tour“ des Fürsten führte ihn zweimal nach England.Eine weitere lange Reise folgte  in den Jahren von  1834 – 40.  Von Wien aus  ging es dabei  über die Türkei  und  Ägypten  bis nach Syrien. Die Reiseerfahrungen beeindruckten den Fürsten sehr. So findet sich auf einem Hügel dann ein islamischer Halbmond, der wiederum eine Achse bildet mit dem „Heiligen Berg“. Unterhalb von diesem tut sich dann eine romantische Wolfsschlucht auf. Der „Freischütz“ wurde schließlich im Jahre 1821 uraufgeführt und war dem Fürsten sicherlich bekannt. Die Schauerromantik, wie sie von E.T.A. Hoffmann vertreten wird, inspirierte, so ist es überliefert, Fürst Pückler zu merkwürdigen Streichen, die ihn sicherlich bei einigen Zeitgenossen unbeliebt gemacht haben wird.

Auch verwundert es mich, wie Fürst Pückler 1837 in Ägypten Sklavinnen hat kaufen können und zumindest eine davon, im Kindesalter, zu seiner Geliebten machte, die dann 1840 in Muskau an Tuberkulose starb.

Nein, ein Ehemann und Partner, wie ihn sich Frauen wünschen, war dieser Fürst sicherlich nicht, eher ein Egozentriker und Egoist!

Blick vom Kugelberg auf den Schilfsee

Von all diesen Anekdoten erfuhr ich im Schloss, dass in aufwändiger Restaurierung und Rekonstruktion den Besucher in die Wohnwelten des Fürsten, die von orientalischen Artefakten überzuquellen scheint, entführt. Das ist absolut sehenswert und sollte bei einem Besuch des Branitzer Parkes keinesfalls ausgelassen werden.

Branitzer Schloss, Rückansicht
Kugelberg mit Blick auf dem Schilfsee

Nachdem ich mich im Restaurant des Cavaliershauses mit einem eher durchschnittlich zubereiteten Essen (Rotkohl, Klopse und Schnitzel) gestärkt hatte, schlenderte ich genussvoll durch den Park zurück zur Haltestelle Zoo, wo gerade punktgenau die Parkeisenbahn hielt, die mich zur Endhaltestelle zurückbrachte.

Mit der Straßenbahn fuhr ich in die Innenstadt, stieg dort aus und machte mich noch auf dem Weg zum Staatstheater.

Dieses ist im Jahre 1908 vom Architekten Bernhard Sehring im Jugendstil errichtet worden. Ich könnte mich an der Architektur überhaupt nicht satt sehen, riss mich dann aber irgendwann los, und ging zu Fuß, was auch nur 20 Minuten dauerte, zurück zum Hotel.

Vom 1. und 2. Tag meiner Reise lässt sich hier nachlesen:

Verlassen in Prieros, Teil 1

Ein Zwischentag, Teil 2

Am nächsten Tag reiste ich nach Muskau, wo der Fürst seinen Landschaftsgarten aus Geldknappheit aufgegeben hatte, um mit 60 Jahren nach Branitz überzusiedeln und den eben beschriebenen Garten, sozusagen als Altersvermächtnis,  anzulegen.  Hier lässt sich weiterlesen.

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[…] beim Fürsten Hermann von Pückler-Muskau gewesen, dessen Gärten ich ja schon unlängst in Branitz und Muskau besucht hatte. Später fand hier die Gartenausstellung […]

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[…] Grund auch sein Anwesen in Muskau auf und zog nach Branitz. Über den Branitzer Park habe ich hier […]

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[…] Doch bevor es zur Rückreise kam, nutzte ich noch die Gelegenheit, zwei großartige Landschaftsgärten zu entdecken. Hier geht es weiter: http://www.no-mads.de/branitzer-park-teil-3/ […]