Auf Spurensuche

Wächterin
Welchen Spuren folgst du?
Was treibt dich an? Was begeistert dich?
Gibt es Themen, die dich so sehr reizen könnten, dass du zu ihnen materielle Dinge ansammeln, neu sortieren oder auch erst erschaffen könntest?

Wenn du hier mit Ja geantwortet hast, betreibst du SPURENSICHERUNG, was durchaus auch eine Kunstrichtung ist!

Ein paar Hintergrundinformationen gibt es nachfolgend.  Diese sollten dich aber keinesfalls davon abhalten, einfach anzufangen und den Spuren zu folgen, die du nur selbst sehen kannst.

Die Künstler/innen, die Spurensicherung betreiben, haben Zweifel am technischen Fortschrittsglauben und der eindimensionalen Sicht moderner Medien. Stattdessen setzen sie auf eine Introspektion: Sie beschäftigen sich mit alten, größtenteils in Vergessenheit geratenen Kulturen, versuchen künstlerisch Spuren festzuhalten und aus einzelnen Relikten realer oder erfundener Kulturen Aussagen über das Menschsein zu gewinnen. Einige Künstler betreiben auch Feldforschung: Sie untersuchen ihr persönliches näheres Umfeld und ihre eigenen Gefühle.

Insgesamt ähnelt das künstlerische Vorgehen den Methoden der Archäologie und Ethnologie. Spurensicherung befasst sich sowohl mit äußerlich wahrnehmbaren zeitlichen Ablagerungen als auch mit inneren Tiefenschichten. Dabei arbeitet sie meist mit fiktiven archäologischen Zeugnissen, mit Materialsammlungen, die nach scheinbar naturwissenschaftlichen Kriterien aufbereitet werden, tatsächlich aber nur mit einer Suggestion von Objektivität, von Recherche und von historischer Reflexion eine besondere Wirkung erzielen. Gesammelte Objekte werden zum Beispiel inventarisiert, sorgsam klassifiziert und in Schaukästen ausgestellt. Präsentiert werden unterschiedliche Fundstücke:

Steine, Blätter, Holzteile, Schneckengehäuse, Knochen;
Kleidungsstücke, Fassadenteile;
Fotografien, Textfragmente, Tagebücher.

Die Sammlung aller Objekte eines Künstlers einschließlich seiner Konzeptionen und Ideen können ein komplexes Gesamtkunstwerk ergeben.

Themen der Spurensicherung sind auch Individuelle Mythologien und die Auseinandersetzung mit anthropologisch-philosophischen Fragestellungen, wie sie der Anthropologe Claude Levi-Strauss als Vertreter des Strukturalismus thematisiert hatte.

Mein Garten der Zwergen-Kunst

 

 

Teil 1, Teil 2, Teil 3

Ein künstlerischer Reibungsversuch. Teil 4

Der Schamanismus öffnet unser alltägliches Erleben in metaphysische Bereiche. Auf einer rationalen Ebene bin ich dabei ihn nicht nur zu studieren, sondern auch umzuinterpretieren und so für mich funktionsfähig zu machen. Auf einer praktischen Ebene gehe ich in den ekstatischen Trancezustand, der mich mit meiner individuellen Mythologie konfrontiert und mich dort hineinzieht: erst bodenlos, was ich genieße, danach als Dirigentin der eigenen Welten. Ich bin die Schöpferin und gebe dabei niemals das Steuerruder aus der Hand, egal welche Ungeheuer mir auch begegnen mögen.

Hanno Rautenberg weist darauf hin, dass ich als Künstlerin dabei mein Publikum vergessen kann, was nur dann stimmig ist, wenn meine Kunst aus dem Prozess der ökonomischen Verwertbarkeit hinausgetreten ist. Doch weiter schreibt er: „Natürlich muss kein Künstler sich auf so ein Spiel des Zeichengebens und Geschichtenerzählens einlassen, er kann auch ganz versinken im Kosmos der eigenen Symbole und selbstgebrauten Mythen und sein Publikum vergessen. Allerdings ist es dann meistens nicht Kunst, was er betreibt, sondern Therapie. Er will sich selbst auf die Spur kommen, für andere bleiben die Spuren unleserlich.“ (Rauterberg, Hanno: Und das ist Kunst?!)

Beim Lesen dieses Zitates, empfinde ich meine individuellen Mythologien abgewertet; ich webe doch Magie. Und ich möchte unabhängig sein von den Determinationen eines kapitalistischen Marktes, der Klischees besser verkauft als Entgrenzungen. Warum soll Kunst bloße Therapie sein, wenn keine Bezogenheit auf ein Publikum besteht? Und besteht Bezogenheit nicht immer, weswegen ich mein künstlerisches Schaffen ja auch Coaching nenne?

Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder.

hundertwasser-haus

Ein künstlerischer Reibungsversuch. 2. Teil

Kunst die Klischees bedient ist kitschig. Hundertwassers Kunst ist kitschig, was nach meiner Definition nichts anderes meint, als dass es sich um eingängige Bilder handelt, die letztendlich nur bekannte Sehgewohnheiten bedienen, anstatt aufzurütteln.

Letzteres ist mein eigener Anspruch an Kunst, wobei ich jedoch von der gegenwärtigen Konzeptkunst, die eben dies verwirklichen will,  genervt bin, wird hier nämlich – zumindest in vielen Fällen- das eigene künstlerische Schaffen einer vorher ausschließlich verstandesmäßig erzeugten Idee untergeordnet.

Was dabei herauskommt wirkt auf irgendeine Art und Weise auf mich „seelenlos“ und Hundertwasser hätte mir in meiner Einschätzung sicherlich beigepflichtet, schließlich wandte er sich zeit seines Lebens wiederholt gegen eine „verintellektualisierte“ Kunst.

So lese ich mich also durch seine vielen (!!!) Texte und stelle überrascht fest, dass er durchaus einem ernstzunehmenden politisch-ökologischen Anspruch vertrat.

Insofern kann seine Kunst also doch kein Kitsch sein, resümiere ich.

Woher kam dann aber mein erster Eindruck?

Meine Vermutung ist diese: Vielleicht liegt dieses „Kitsch“-Gefühl in Bezug auf Hundertwasser, das ja nicht nur mich, sondern auch andere befällt, an einer gewissen Überreizung mit Hundertwasser-Motiven. Jeder Kindergarten führt schließlich unbarmherzig sein Hundertwasser-Mosaik-Projekt durch, wobei ich die gutgemeinte-pädagogische Legitimation dafür niemanden absprechen möchte; jedoch solltet Ihr wissen: Irgendwann reicht es!

Mit dem Überangebot an Hundertwasser-Spiralen ist diese Kunst „profan“ und zum Tassen- und Kalender-Aufdruck vorkommen. Wenn ich mich von diesem Vermarktungs-Müll befreien kann, der von Hundertwasser als Marketing-Profi in seiner Spätphase legitimiert worden ist (der Kapitalismus siegt anscheinend immer!), kann ich seine bunte Kunst  durchaus genießen. Manchmal braucht der Mensch eben auch Kitsch, womit ich hiermit den Gartenzwerg erneut hochleben lasse, um sich heimisch in einer Welt zu fühlen, die manchmal eben nur „schöngefärbt“ erträglich ist.

Doch ich verhake mich in Ambivalenzen. Immer wenn ich mich mit der Kunst von Hundertwasser konfrontiere, gewinnt ein Gefühl an Dominanz, was ich mit  dem Adjektiv „überzuckert“ beschreiben möchte und was einen unangenehmen Zustand meint, der bei Kindern auftritt, die zu viele Bonbons gegessen und danach über Magenschmerzen klagen müssen.

Was zuviel ist, ist zuviel: Bitte baut keine Hundertwasser-Epigonen-Häuser mehr. Nutzt doch eure eigene Kreativität, die durchaus kitschig sein darf. Lockert die Bauvorschriften und ihr werdet überrascht sein, wie bunt und vielfältig dieses Land sein kann. Kreiert eure eigenen Symbole und besprüht sie mit Glitzerpulver. Malt Gartenzwerge an die Wände!

Hundertwasser hat  selbst gesagt:  „So lange die Lebenswelt des Menschen und die Harmonie mit der Natur in erster Linie funktional unvollständig und ihrem Charakter nach prekär sind, dienen auch Romantik, Schönheit und Kitsch als stetige oder als vorläufige Ersatzmittel.“ (Hundertwasser: Schöne Wege. Gedanken über Kunst und Leben. Schriften 1943 – 1999. München 2004. S. xx)

So stimme ich Hundertwasser hiermit zu.

Mein „künstlerischer Reibungsversuch“  könnte für heute versöhnlich schließen, wenn nicht „Die Zeit“ über Kitsch in der gegenwärtigen Kunst folgendes geschrieben hätte:

  • Selbst ein angesehener Philosoph wie Konrad Paul Liessmann lässt keinen Zweifel mehr daran, dass die einstige Abscheu in allgemeines Wohlwollen umgeschlagen ist. »Nicht länger gilt mehr, dass Kitsch keine avancierte Kunst sein kann. Im Gegenteil: Spätestens seit Jeff Koons wissen wir: der Kitsch selbst ist nun die Avantgarde.“ // Gemeint ist damit, dass Künstler wie Jeff Koons oder auch der popbunte Comicmaler Takashi Murakami keinen naiven Gartenzwerg-Kitsch machen, auch wenn ihre Werke gelegentlich so aussehen. Nein, sie unterhalten ein hoch reflektiertes Verhältnis zu ihren massenkompatiblen Gegenständen. Und tun, was die Avantgarde immer schon tat: Sie erweitern den allgemeinen Kunstbegriff, sie hinterfragen die üblichen Geschmacksvorstellungen und im Zweifel auch das Bewusstsein. Anders gesagt: Ihr Kitsch ist eine Form von Kritik. So jedenfalls wird es von zahlreichen Galeristen, Museumskuratoren und auch Theoretikern gesehen. (http://www.zeit.de/2012/43/Koons-Richter-Hundertwasser-Kunst-Kitsch, besucht am 31.05.2013)

Das wiederum geht mir in der Tat zu weit, vermute ich hier einmal, dass die angeblich veranschlagte „Erweiterung des Kunstbegriffes“ eventuell nichts anderes sein kann, als das Hirngespinst eines hektischen Kunstmarktes und dessen eilfertigen Lakaien.

So bin ich hier an das bekannte Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ erinnert , in dem niemand genug Verstand aufweist, den nackten Kaiser als „nackt“ zu bezeichnen, was er in der Tat ist. Nur ein Kind traut sich auszurufen: „Aber er hat ja gar nichts an.“

Insofern plädiere ich dafür, den Kitsch ehrlich als solchen zu benennen und sich dabei in keinerlei  intellektuellen Ausflüchte zu ergehen. Habt einfach Spaß damit. Fertig.

Freiheit für den Gartenzwerg! Schon wieder!

Freiheit für den Gartenzwerg!

Ein künstlerischer Reibungsversuch. 1. Teil

Der Ausgangspunkt:  SCHOCKSTARRE

Wir sind von einer bildnerischen Reizüberflutung umgeben.  Gerade in den sozialen Netzwerkseiten werden wir von bunten Bildern überschüttet, die – so erscheint es mir zumindest  –   vom Publikum, umso mehr mit „Gefällt mir“ belegt werden, umso mehr Klischees bedient werden.

Was ist aber ein Klischee?

Es gibt keine eindeutige Definition.

Es erscheint abgedroschen und beliefert uns mit süßlichen Bildern, die wir schon viel zu häufig gesehen haben.

Ein  „Klischee“ bezeichnet nicht nur  die vielen vermenschlichten Tierbildchen bei Facebook und Co.  Vielmehr geht der Ausdruck  „Klischee“ über den reinen Bezug auf Bilder oder Einrichtungsgegenstände hinaus.  Es ist  ein eingefahrenes Denkschemata, eine schreckliche Schablone, die vom Rezipienten noch nicht einmal bewusst gewählt wird, die vielmehr das eigene Bewusstsein verklebt wie eine süßliche Fliegenfalle und uns kaum erkennen lässt, was sich hinter der gesellschaftlich vermittelten Abgedroschenheit noch an anderen,  fremden  (und befremdenden) Bildern in der Tiefe unseres Bewusstseins  verbergen mag.

Niemand ist vor dem Klischee sicher: auch ich nicht.  Selbst wenn wir intellektuell darüber reflektiert haben, können wir uns der Macht der Klischees nicht entziehen. Es lebe der Gartenzwerg!

In der Werbung wird gerne mit Klischees gearbeitet.  Das wissen wir alle: Die immer gleichen Bilder  werden bis zum Exzess wiederholt und hämmern sich so in unser Unterbewusstsein ein. Umso unbewusster wir sind, umso mehr erlangen diese Bilder Macht über uns, kommandieren uns und raunen uns zu, was wir zu mögen haben.

Absolute  „Mindcontrol“ wird da ausgeübt (doch von wem?). All das, was wir  nämlich immer wieder sehen, hören oder schmecken,  das gefällt uns auch.

Einfachste Psychologie ist dies, die da im medialen Öffentlichkeitsraum praktiziert wird,  um uns zu manipulieren und letztendlich Geld, was hier im Lande gleichbedeutend mit Einfluss ist,  zu akkumulieren.

Wir  selbst merken dabei kaum, dass wir die Photoshop-Menschen der Plakatwände schon längst  als Ideal übernommen haben und  dies der Grund  dafür ist, dass uns  unsere Mitmenschen so schrecklich unperfekt und häßlich  vorkommen: unvergleichlich!  Und damit wir selbst in den Reihen der  Poser der virtuellen Welt bestehen können, konsumieren wir,  was die Kreditkarte hergibt – kaufen Cremes, unterziehen uns Schönheits-OPs, kaufen levitiertes Wasser,  gehen  ins schicke Frauen-Fitnesscenter und  was dergleichen (Un)sinn noch mehr ist.

Frappierenderweise werden zum  Opfer dieser Manipulation nicht nur verstandesmäßig unterbemittelte Menschen, sondern letztendlich wir alle.  Und selbst dann, wenn wir behaupten, davon frei zu sein,   ist das eventuell nur eine Illusion, die von unserer nächsten  (gerne auch „alternativen“)  Konsumentscheidung widerlegt wird.

Dennoch sind wir uns unumstößlich  sicher: Wir sind in unseren Kaufentscheidungen autark und Achselhaare bei Frauen sind einfach unästhetisch!  Als Multiplikatorinnen geben wir nun die unterschwelligen und dreisten  Botschaften  der Werbeindustrie an unsere Mitmenschen weiter und tragen dazu bei, dass sie zu  unumstößlichen Klischees werden.  Unsere Welt kapitalisiert sich immer mehr.  Es ist kalt geworden in Deutschland.

Deshalb fordere ich: Freiheit für den Gartenzwerg!

Freiheit für den Gartenzwerg!

Die tanzende Göttin

Den folgenden  Artikel, in dem ich ein für mich wesentliches Buch, das u. a. den Zusammenhang zwischen Tanz und Spiritualität erarbeitet, vorstelle, schrieb ich im Jahre 2001 für die Mitgliederpost des Bundesverbandes für Orientalischen Tanz. Da er immer noch aktuell ist, möchte ich ihn euch – in einer leicht modifizierten Form – erneut präsentieren:

Heute möchte ich euch ein für mich wesentliches Buch vorstellen, das u.a. den Zusammenhang zwischen Tanz und Spiritualität erarbeitet. Es erschien bereits 1982 im Verlag Frauenoffensive unter dem Titel ‘Die tanzende Göttin’ und wurde immer wieder neu aufgelegt. Die Autorin Heide Göttner-Abendroth entwickelt darin auf der Grundlage einer matriarchalen Mythologie, deren Ursprünge bis ins Neolithikum zurückgreifen, einen Kunstbegriff, der mehr sein will als die ‘zum schönen Schein’ verblasste Kunst im patriarchalen Zeitalter.

Kunst meint – nach ihrer (und meiner) Definition – nicht nur Tanz, sondern auch Musik, Gesang, Dichtung, Bewegung, Ornamentik, Verbildlichung, Komödie und Tragödie. Allerdings hat der Tanz in der Kunst eine zentrale Bedeutung. Heide Göttner-Abendroth schreibt: ‘Ein Hauptmerkmal aller matriarchalen Kulte war der Tanz. Die Menschen glaubten einerseits, dass es die Mondgöttin sei, die sie tanzen mache, weil sie so großes Vergnügen daran habe. Andererseits glaubten sie, dass ihr Tanz für die Gesundheit der Mondgöttin unbedingt notwendig sei. Denn der Tanz war mehr als augenblicklicher Gefühlsüberschwang, er war auch mehr als ein sehr ausdrucksvolles Gebet: Er war die wichtigste magische Praktik überhaupt. Der Tanz ist die älteste und elementarste Form der religiösen Äußerung, er ist Magie als getanztes Ritual. Aus ihm entwickelte sich jede andere Ausdrucksform, die wir uns heute ,Kunst‘ zu nennen angewöhnt haben.’ (S.45)

Einst wurden zu den wichtigen, astronomischen Daten Feste gefeiert. Diese matriarchalen Mysterienfeste sind die Urform der großen Volksfeste.

Heide Göttner-Abendroth hat diese Feste unter dem Namen ‘matriarchale Mysterienfeste’ wiederbelebt. Sie heißen:Lichtmess (2. Februar), Ostara (20.-23. März), Walpurgis (30. April), Litha/Sommersonnenwende (20.-23. Juni), Lugnasad/Loki (1. August), Mabon/Freyr (20.-23.September), Halloween (31. Oktober) und Jule (20.-22. Dezember). Sie dienen ‘dem Zweck, die Göttin anzurufen, zu beschwören und zu preisen’ (S.65) und sind mittlerweile (2011) nicht nur in neuheidnischen Kreisen bekannt, sondern erfreuen sich – auch bedingt durch populäre Filme und Literatur – zunehmender Beliebtheit.

Im rituellen Tanzfest wird die strikte Trennung zwischen den Kunstgattungen aufgehoben. Auch gibt es keine strikte Trennung zwischen Zuschauerinnen und Künstlerinnen. Vielmehr ist Kunst Magie, denn es wird versucht ‘auf magische Weise die psychische und soziale menschliche Realität zu verändern.’ (S.63)

Heide Göttner Abendroth hat eine Reihe von Büchern zum Thema geschrieben, zum Beispiel:

Die Göttin und ihr Heros, Verlag Frauenoffensive, München 1997

Für die Musen. Neun kulturkritische Essays I. Zweitausendeins, Frankfurt 1996

Für Brigida, Göttin der Inspiration. Neun kulturkritische Essays II. Zweitausendeins, Frankfurt 1998

und natürlich:

Die tanzende Göttin, Verlag Frauenoffensive, München 1991

Sie hat die Akademie HAGIA e.V. gegründet, die nicht nur Seminare und Reisen, sondern auch „matriarchale Mysterienspiele“ anbietet. Letzteres hat sie rechtlich schützen lassen. Inwieweit sich ihre Mysterienspiele von den Jahreskreisfesten, wie sie beispielsweise in der ‘Hexen’literatur beschrieben werden, unterscheiden, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich ihre Akademie noch nicht besucht habe.

Mich hat jedenfalls das Wiederaufleben alter matriarchaler Feste stark angesprochen. Und da ich selbst den Bauchtanz als den matriarchalen Tanz überhaupt empfinde, fasziniert mich die Idee, ihn ‘rückzuversetzen’ in den Zusammenhang eines rituellen Tanzfestes, um so, quasi in einem magischen Prozess, eine utopische Zukunft zu gestalten.

Damals, 2001, als ich den Artikel geschrieben habe, schloss ich ihn mit den Worten:

Ich ahne, dass vielleicht der Tribal Style, wenn er nicht alleine zum Zweck der Aufführung getanzt wird, gerade durch seine Gemeinschaftlichkeit eine solche spirituelle Dimension eröffnen könnte.

Wie sich mittlerweile für mich zeigt, hat sich diese Hoffnung nicht erfüllt. Der Tanz erstickt im „schönen Schein“ von sexistisch aufgeladenen Zurschaustellungen, die die gleichen Wettbewerbskriterien erfüllen wollen, wie sie auch in der Mainstream-Kultur postuliert werden.

Die Szene versucht sich zu „professionalisieren“ und erkennt dabei nicht, dass sie dabei hierarchisch-patriarchale Konstrukte unreflektiert übernimmt und sich mit der Aufstellung von Nomenklaturen, Ausbildungsrichtlinien etc. die eigene tänzerische Lebendigkeit zementiert.

So suche ich selbst mittlerweile die spirituelle Dimension des Tanzes nicht mehr bei „orientalischen“ Tanzveranstaltungen, sondern ziehe es vor, Tanz in naturreligiöse Rituale einzubinden, also quasi, um mit einer Redewendung zu sprechen, „das Pferd von der anderen Seite her aufzuzäumen“, und bin recht zufrieden damit.