Kleine Wendland-Rundfahrt

Alljährlich wird im Wendland zwischen Himmelfahrt und Pfingsten die kulturelle Landpartie veranstaltet (siehe hier). Die Region glänzt dann mit diversen Veranstaltungen, die an unterschiedlichsten Plätzen stattfinden. Ich nehme an, dass die optimistischen Veranstalter davon ausgehen, dass die Besucher mit Fahrrädern von Rundlingsdorf zu Rundlingsdorf fahren und dort, beim selbstgemachten Kuchen und Heilkräutertee, „vielfältigste“ Musikveranstaltungen genießen, Kunstausstellungen besuchen oder sich über den Widerstand gegen die Atomkraft und das bäuerlich-ökologische Leben im Selbstversorgergarten informieren lassen. In der Tat wird es genau dieses Besucher-Klientel auch geben, doch hatte ich den Eindruck, dass ein nicht unerheblicher Anteil von Wendland-Wochenendtouristen mit Wohnmobil anreist, sich mit ihren luxuriösen Fahrzeugen auf die extra für die kulturelle Landpartie als Parkplätze freigegebenen Wiesen stellt und dann erst die mitgebrachten Fahrräder von der Befestigung löst, um hernach „ökologisch“ loszuradeln.

Lifestyle Ökologie

„Wasser predigen und Wein saufen“, fällt mir dazu ein. Dieser Slogan spiegelt sowieso meinen Gesamteindruck wieder, schließlich misstraue ich auch den mir präsentierten Öko-Idyllen auf das Schärfste.

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Innere und äußere Reisen

oder: Warum das Reisen zu meinem künstlerischen Selbstverständnis gehört!

Und die Sonne machte den weiten Ritt

Und die Sonne machte den weiten Ritt
um die Welt
Und die Sternlein sprachen: "Wir reisen mit
um die Welt!"
Und die Sonne, sie schalt sie: "Ihr bleibt zu Haus!
Denn ich brenn' euch die goldnen Äuglein aus
bei dem feurigen Ritt um die Welt."
Und die Sternlein gingen zum lieben Mond
in der Nacht,
und sprachen: "Du, der auf Wolken thront
in der Nacht,
laß uns wandeln mit dir, denn dein milder Schein,
er verbrennet uns nimmer die Äugelein!"
Und er nahm sie, Gesellen der Nacht.
Nun willkommen, Sternlein und lieber Mond,
In der Nacht!
Ihr verstehet, was still in den Herzen wohnt
In der Nacht.
Kommt und zündet die himmlischen Lichter an,
Daß ich lustig mitschwärmen und spielen kann
In den freundlichen Spielen der Nacht.
(Ernst Moritz Arndt)

Reisen ist nichts anderes als „mythologisch Wandern“ im großen. Ausgangspunkt ist, zumindest bei mir, immer die Neugier auf das Fremde und Andere. Der eigene Referenzraum soll erweitert werden, ein Spielraum geöffnet, um neue Erfahrungen und auch Menschen, in unser Leben treten zu lassen.

Innere Reisen

Es gibt innere und äußere Reisen. Für die inneren Reisen muss der Ort nicht unbedingt körperlich verlassen werden. Ausgangsbuch kann ein Buch, was man liest, eine neue Erfahrung, die eingegangen wird oder ein Tanz, der mit der eigenen Seele korrespondiert, sein. Auch das Lesen meiner Blogartikel kann dir innere Reisen ermöglichen, ganz besonders dann, wenn sie dich animieren, selbst aktiv-kreativ zu werden.

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Diesdorf, Salzwedel und der Arendsee

Als ich letztes Jahr mit einem Freund in Hankensbüttel war (hier!), entstand die Idee, beim nächsten gemeinsamen Ausflug über die ehemalige deutsche Zonengrenze bis nach Salzwedel zu fahren.

Jetzt ist ja die Südheide bei Hankensbüttel schon eine recht verlassene Gegend, wo sich durch etliche Straßendörfer fahren lässt, ohne dabei überhaupt einen einzigen Menschen auf der Straße zu begegnen; der Altmarkkreis steigert diese Erfahrung jedoch noch.

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Regeneration

Auf dem Nil

Am Morgen des 01.01.2019 befand sich unser Nilkreuzfahrtschiff bereits wieder in Edfu. Nach dem Frühstück stiegen die Passagiere aus, die in Assuan zugestiegen waren und die jetzt die Tempelanlage besichtigen wollten, die unsere Reisegruppe schon auf der Hinfahrt besucht hatte (hier!). Da es sich hierbei in der Mehrzahl um leider doch recht laute Gäste handelte, genoss ich in der Folge die Zeit auf dem Sonnendeck mit kurzweiligen Spielen und Unterhaltungen. Andere Reiseteilnehmer machten sich auf, die kleine Stadt Edfu auf eigene Faust zu entdecken, mich zog allerdings absolut nichts in die staubigen Gassen.

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Auf nach Mandawa! Der Vlog

Jetzt habe ich mich mal als Vloggerin versucht, was eine ungewohnte Erfahrung für mich war. Ich habe so meine Schwierigkeiten vor der Kamera zu agieren, bin nämlich per se keine Selbstdarstellerin.

Während der Reisen lenkt mich schon  das Fotografieren vom unmittelbaren Erleben ab, weshalb auch das direkte Videofilmen  so seine Tücken für mich hat.

Aus all diesen Gründen  habe ich mich entschlossen, den Video-Blog  wie einen  altmodischen Diaabend anzulegen, mit dem Unterschied jedoch, dass man ungestraft die Vorführung verlassen kann,  also nicht gezwungen ist, sich die ganzen 20 Minuten anzuschauen.

Allerdings, so meine Idee,  kann so ein virtueller Diaabend sicherlich zur Entschleunigung in dieser schnelllebigen Zeit beitragen, weswegen mir eine diesbezügliche Renaissance  durchaus angeraten zu sein scheint.

Ich kommentiere also ausgewählte Bilder.  Dies habe ich weitgehend „ohne Schnitt“ praktiziert, weshalb  es sicherlich „authentisch“ ist,  jedoch auch das ein oder andere Füllwort bei der Aufnahme  begünstigte. Wahrscheinlich muss ich in Zukunft  auch noch Mut zu Pausen aufbringen.  Fehler habe ich mit Sprechblasen korrigiert.

Das Ergebnis ist nicht perfekt, aber ein erster Schritt in eine Richtung, die mich interessiert und Übung macht sicherlich die Meisterin.

Mein  schriftlicher Reisebericht zum Aufenthalt in Mandawa findet sich hier.

Naturschönheiten und historische Entdeckungen in Gerolstein

Was sich in Gerolstein alles erleben lässt!

Erst einmal Wasser trinken!

In Gerolstein gibt es viele Quellen. Direkt am Wasserspielplatz beim Rathaus  befindet sich  eine Abfüllstelle, wo sich das Wasser der Helenenquelle  in mitgebrachte Trinkgefäße oder Flaschen füllen lässt.  Das ist überaus lecker und schmeckte mir besser als das Wasser des Gerolsteiner  Mineralwasseranbieters, der netterweise öffentliche Führungen,  jeweils um 15 Uhr auf seinen Betriebsgelände,  anbietet.

Im  Sidinger Drees, direkt am Ufer des Flüsschen Kyll, und im Gerolsteiner Zentrum sprudelt keine Quelle mehr.  Seit der Zeit der Kelten war dies aber ein Heil-, Bade- und Trinkheiligtum, worüber eine Informationstafel berichtet. Im Brunnen fand man römische Münzen, die überwiegend aus der Zeit des Kaisers Maximinius (3. Jahrhundert nach Christus) stammten.  Ein solches Opfer sollte wohl Glück bringen. „Naturschönheiten und historische Entdeckungen in Gerolstein“ weiterlesen

Bardolino und Sirmione

Bardolino

In Bardolino ist  am Donnerstagmorgen bis 13 Uhr Markttag.  Die Lage am Ufer des Gardasees ist spektakulär, die Stände jedoch bieten zumeist  dieselbe Chinaimportware an, die sich auch andernorts kaufen lässt, vermischt mit einigen lokalen Angeboten. Da der Markt sehr groß ist, habe ich aber nicht alles gesehen. Das gemütliche Schlendern am Ufer des Gardasees und der ein oder andere Blick auf das feilgebotene Sortiment hat aber Spaß gemacht und immerhin habe ich dann doch zwei Ledergürtel gekauft. Der ein oder andere dekorative Keramikartikel gefiel mir auch, wohlwissend aber, dass ich dafür zu Hause keinen Platz haben würde, ließ ich mich  nicht zum Kauf verführen.

Überall an der Uferpromenade sind hübsche Blumenbeete angelegt. So macht das Flanieren Freude!

Eine Übersicht über alle Märkte am Gardasee findet sich hier.

Sirmione

Die historische Altstadt erstreckt sich auf einer Halbinsel, in der sich eine Eisdiele an die nächste reiht. Selbst ich, die normalerweise keine große Eisliebhaberin bin, kam hier auf dem Geschmack.

Seit der Jungsteinzeit ist dieser durch seine perfekte Lage gesegnete Ort bewohnt. Die Römer siedelten hier, genauso wie die Langobarden, von deren  Klöstern und Kirchen auf Sirmione  fast nichts  mehr erhalten geblieben ist.

Nach der Inquisition in den 1250er Jahren  in Südfrankeich wurde die Festung Sirmione  der letzte Rückzugsort für die überlebenden Katharer und Patariner.

Man betritt die Altstadt durch das mit Wappen geschmückte Tor der Westmauer eines imposanten Kastells.

Das Castello Scaligero ist eine Hinterlassenschaft der Skaliger, eines Geschlechts, das seit 1262 seinen  Hauptsitz in Verona hatte. Auch in Sirmione übernahmen sie die Macht. Sie bauten die ursprünglich römische  Festung  für ihre Zwecke aus. Nach der Flucht vom Skaliger  Antonio aus Verona fand ihre Herrschaft 387 ihr Ende. Die Nachkommen der Skaliger, deren Hinterlassenschaften überall am Gardasee zu bestaunen sind,  gingen in den bayrischen Adel, wo sie Zuflucht fanden, über.

Sirmione fiel unter die Herrschaft von Venedig, bis es mit der Einigung Italiens im 19. Jahrhundert der Provinz Brescia zugeordnet wurde.

Hinter der Burg  mit ihren für die Skaliger typischen Schwalbenschwanzzinnen tut sich ein fantastastisches Panorama auf den See auf, was mich wirklich in seiner Grandiosität überrascht hat.  Wenn man nun  den Uferweg folgt, kommt man zu dem „Strand der Blondinen“, der Kirche San Pietro in Mavino  und zu den Grotten des römischen Dichters  Catullus. Da ich leider an Abfahrtzeiten gebunden war, konnte ich  mir  all dies nicht mehr ansehen, stattdessen verweilte ich am See und genoss die absolut beeindruckende Naturschönheit. Ich bin mir sicher: Ich komme wieder!

Dichterhäuser in Weimar: Schiller- und Goethehaus (3. Tag)

Das Schillerhaus

Am dritten Tag besuchten wir das Schillerhaus, wo Herr Dr. Paul Kahl einen Vortrag  über „Wilhelm Tell und die Weimarer Klassik“ hielt.

Das Konzept der Weimar-Jena-Akademie literarische Betrachtungen  mit Ortsbegehungen zu verknüpfen, spricht mich ausgesprochen an, schließlich korrespondiert es mit meinem Ansatz des mythologischen Wandern, spart jedoch, das ist wohl dem herrschenden Zeitgeist geschuldet, eine sinnlich-empfindsame Durchdringung aus und  kapriziert sich stattdessen ganz auf eine verstandesmäßige Herangehensweise.

Im Schiller-Wohnhaus schrieb der Dichter seinen „Wilhelm Tell“ und verbrachte hier auch die letzten drei Jahre seines Lebens. 1847 gelangte das ehemalige Wohnhaus in städtischen Besitz, woraufhin  die Räume in Kulträume umfunktioniert wurden. Den Ist-Zustand beschreibt Dr. Kahl wie folgt:

Was man hier sieht ist eine „bildungsbürlich-biedermeierliche Innenrauminszenierung des 19. Jahrhunderts in der Mansarde, erweitert um eine stilgeleitete Innenrauminszenierung der späten DDR im ersten Stockwerk. (Kahl, P.: Der Geschichtsort Schillerhaus in Weimar)

Schon vor Goethe wurde Schiller als eine bürgerliche Identifkationsfigur angesehen, an dessen Person sich eine Verehrung inszenierte. Auf dem Original-Bett des Dichters häuften die Besucher im 19. Jahrhunderts Rosen an und auch A. Hitler soll dies bei seinem Besuch im Schiller-Haus getan haben, was ihn später jedoch nicht davon abhielt, den „Wilhelm Tell“ verbieten zu lassen.

Da das Seminar nun beendet war, zog ich, samt Gepäck vom  Wielandsgut Oßmannstedt und seiner doch recht einfachen Übernachtungsmöglichkeit, in Form eines Bettgestelles, was auf dem Boden lag,  in das Hotel Best Western Premier Hotel Russischer Hof um. Das luxuriöse Zimmer, was mich nun willkommen hieß, war schon eher nach meinem Geschmack und meine Laune stieg bei der Aussicht auf eine entspannte  Nacht, die dann allerdings ein wenig durch die Geräusche der Lüftungsanlage (oder was auch immer?) gestört wurden. Vielleicht hätte ich diese aber auch einfach abstellen können. „Dichterhäuser in Weimar: Schiller- und Goethehaus (3. Tag)“ weiterlesen

Zu Besuch bei Wieland: Der 1. Tag im Weimarer Land

Von Hannover ging es heute über Göttingen und Erfurt nach Oßmannstedt. Jetzt bin ich im ehemaligen Wohnhaus von Christoph Martin Wieland, der 1797 dem Gutshof nördöstlich von Weimar erwarb, um dort mit seiner Familie nach Art eines römischen Landjunkers zu leben.

Das ruhige Landleben inspirierte ihm zum Scheiben und Dichten. Auch heute noch ist es ganz still im ehemaligen „Osmantium“,  das jetzt zur Klassik Stiftung Weimar gehört und in desen Bildungsstätte (Weimar-Jena-Akademie) ich mich gerade aufhalte.

Für mich ist es ganz ungewohnt, einmal nicht ein ständiges urbanes Rauschen, wie ich es aus Hannover gewohnt bin, zu hören. Das Gästezimmer ist spartanisch und das Wieland-Museum lässt sich leider nicht besuchen, da noch  bis zum  25.03 Winterpause ist

Dafür kann ich mich an das Fenster setzen und auf dem barocken Delphin-Brunnen im Schnee-Ambiente schauen und ganz langsam all die Hektik hinter mir lassen, die in den letzten Monaten mein ständiger Begleiter war. Durchatmen – zu sich kommen …. Das Leben kann so schön sein, wenn es denn nicht das ewige Ticktack des Existenzkampfes im Fokus hat.

Ich horche einem Vortrag über die Beziehung von Goethe zu Schiller und der Referent jongliert so wortgewaltig mit der Sprache, dass es mir, die ständig dem einfallslosen Verwaltungs-Journalisten-Wirtschaftsdeutsch in den politischen Ausschüssen ausgesetzt ist, eine kontrastierende Freude ist.

Umrahmt wird das Gut von einem kleinen Landschaftspark, der vom Reichsgrafen von Bünau angelegt wurde. Irgendwo hier, an der Ilm, sind Anna Dorothea Wieland, Christopf Martin Wieland und Sophie Brentano begraben. Ein Obelisk kennzeichnet diesem Platz. Morgen werde ich mich auf die Suche nach ihm begeben.

Liebe und Freundschaft / umschlang die verwandten / Seelen im Leben, / und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein. (Grabspruch)