Mögt ihr Stuck?

Ich ja, was ja in meinem Blog immer wieder durch meine viele Fotografien von Stuckfassaden zum Ausdruck kommt.

Ich mag jede Art von Verzierung

Ornamente verzaubern nüchterne Hausfassaden.

Adolf Loos hat in seinem Vortrag „Ornament und Verbrechen“ 1910 dazu aufgerufen, das Ornament aus den Städten zu verbannen.

Der moderne Mensch, der Mensch mit den modernen Nerven, braucht das Ornament nicht, er verabscheut es.

In der Zeit, als er dies geschrieben hatte, wurden  Fassaden noch opulent ausgeschmückt. Die Gedankengänge von Adolf Loos  trafen jedoch auf den Zeitgeist einer nüchternen Gegenbewegung  und sie führten letztendlich dazu, dass die Innenstädte in Deutschland immer schlichter wurden. Einfaltsloser! Gründerzeitshäuser, die den Krieg überlebt hatten, wurde der Stuck sogar nachträglich abgeschlagen.

Für die Mehrheit der Menschen in den 50er Jahren war Stuck geschmacklose Pseudostilistik

Der Historizismus, den Adolf Loos verachtete, weil er ihn vorwarf sich beliebig an allerlei Zierart zu vergehen, wurde in den 1964 erschien Bildband von Wolf Jobst Siedler  „Die gemordete Stadt“  post mortem gelobt, schließlich trugen, so seine Meinung,  die Dekors der Gründerzeitfassaden zu einer Stadtlandschaft bei, in der man sich wohlfühlen konnte. Die Tristesse der  funktionalen Nachkriegsbebauung dagegen lässt keine Heimeligkeit aufkommen.  Leider dominiert diese fade Nüchternheit bis heute das Stadtbild.

Allerdings lässt sich glücklicherweise mittlerweile  ein leises  Umdenken feststellen und es kommt sogar zu Neuverstuckungen. Überhaupt sind Retrobauten wieder gefragt. Nach historischem Vorbild soll wieder neu erstehen, was uns mit dem verbindet, was längst vergangen ist.

In Hannover wird gerade diskutiert, die Markthalle abzureißen und durch einen Neubau mit historischen Anleihen zu ersetzen. Eine vollständige Rekonstruktion des einstigen Jugendstilbaus ist leider, aufgrund von Bebauungen, nicht mehr möglich. Spannend wird die Diskussion auch dadurch, dass auch die jetzige Markthalle unter Denkmalschutz steht.

Interessant fände ich es,  sich durchaus moderne Bauten zu erdenken, die Versatzstücke aus dem Historizismus, der sich  ja selbst wieder in der Antike, Gotik, Renaissance, … bedient, interagiert. Das Ornament könnte so mit der Funktionalität in den Dialog treten oder aber gerade im Kontrast eine neue ästhetische Dimension entfalten.

Ich glaube, dass mich eine solche Architektur begeistern könnte.

„Metropolitan“ im GOP-Varieté Hannover

Die Üstra wird 125 Jahre alt und feiert sich, genauso wie das GOP, das es in der aktuellen Version seit 25 Jahren gibt. Auch das „Feuerwerk der Turnkunst“ hat Grund zum Feiern, wird es nämlich 30 Jahre alt. Alle drei Jubiläen sind zusammengeführt in eine Show, in der die Üstra das Thema und das Bühnenbild liefert, das GOP den exklusiv-plüschigen Veranstaltungsort und den ein oder anderen Künstler beisteuert  und die „Turnkunst“ eben durch die Turner beteiligt ist.

„Metropolitan“ wird bis zum 29. Oktober  im GOP Hannover gezeigt. Darin fährt eine längs halbierter Straßenbahnwaggon der Baureihe TW 2000 („Silberpfeil“) durch Hannover und bildet die Kulisse für Akrobatik und andere sportliche Darbietungen.

Das ist nur insofern eine neue Idee, als dass hier ein  „echter“ Stadtbahnwagen auf der Bühne steht und vor den Fenstern der Bühnenbahn die Fahrkulisse von realen Silberpfeil-Fahrten abläuft, ansonsten handelt es sich hier um eine Anlehnung an „Linie 1“. Der “barrierefreie“  Rahmen wird nun als Hintergrund genutzt, um verschiedenartigste Darbietungen wie Breakdance, Poledance, Luftakrobatik und Clownerie zu zeigen.

Mehrheitlich hübsche junge Menschen vollführen dabei akrobatische Übungen, gerne auch mal mit nacktem Oberkörper, was manche der anwesenden Damen zu Schreiattacken animiert. So muss es auch zugehen, wenn die Chippendales auftreten. Etwas verlegen nippe ich am Bier, was mir ein freundlicher Kellner, der jedoch kaum deutsch spricht, gebracht hat. Egal. Es ist sowieso  laut hier und der imaginäre Zug rollt weiter durch hannoversche Landschaften. Im Bühnen-Waggon wird wohlgefällig getanzt und geturnt, zwischenzeitlich taucht ein skurriler älterer Herr auf der Bühne auf, der „Hilfe“ schreit und wohl für die Komik zuständig ist. Inhaltlich ist es das schon und ich ahne, dass ich für die Varieté Kunst nicht gemacht bin. Ich hätte mir doch mehr Anleihen an die Realität des öffentlichen Nahverkehrs gewünscht, als es die Songs, die kurzzeitig von Stress und vollen Bahnen trällern, mir ermöglichen. Selbst die muskelbepackten  Mitarbeiter des privaten Wachdienstes, die tagtäglich in der Stadtbahn zu erleben sind,  haben sich hier in fragile  Turner verwandelt, die zu sexy Musik ihre Schlagstöcke und ihre Hüften hüpfen lassen. Nichts ist zu sehen von kotzenden Teenagern auf der Fahrt in den „Funpark“, eingepissten oder wahlweise testesterongeladenen Männer in gespreizter Beinstellung, die einen kaum Platz lassen und schwer schaukelnden Zügen, die einen in Körperkontakt mit Menschen bringen,  mit denen man diesen niemals haben wollte. Nichts ist zu hören, von einer babylonischen Sprachvielfalt, die einem bei der Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr daran zweifeln lässt, noch in Deutschland zu sein und deren Lautstärke das nordeuropäisch konstituierte Gehör mit größten Herausforderungen konfrontiert.

Man hätte all diese Realitäten  ja durchaus ironisch-überspitzt und in homöopathischer Dosierung angehen können. Die Wohlfühlatmosphäre wäre so nicht gestört und die Gehirnzellen des Publikums wären dennoch ein wenig in Arbeit gekommen. Doch ich muss einsehen, dass es darum hier nicht geht, vielmehr steht die leichte Unterhaltung und der Körper und was Menschen fähig sind, damit anzustellen, im Fokus. Und das ist durchaus beeindruckend.

 

Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich

Ich bin ja nicht nur Bloggerin, sondern auch  Regionsabgeordnete. In dieser Funktion  durfte ich  gestern den Moorhenniespfad, der im Frühjahr 2016 eröffnet wurde,  kennenlernen. Der ist von Hannover aus mit der S-Bahn bequem zu erreichen und beginnt, ganz bequem, direkt an der Haltestelle Poggenhagen, die gleich nach Wunstorf gelegen ist und sich nicht weit entfernt vom Steinhuder Meer aus befindet.

Das Bahnhofsgebäude von 1907 ist dann auch schon eine erste Station.  Insgesamt gibt es 31, die an zwei Wanderwegen, der sogenannten Nord- und Südroute, aufgestellt sind. Beide lassen sich miteinander kombinieren. Die Nordroute legt ihren Schwerpunkt auf Naturerfahrung, wohingegen die Südroute die Ortsgeschichte und die Kultur in den Mittelpunkt stellt.

Wir begingen einige Stationen der Südroute.  Die aufgestellten Tafeln schildern, wie es in der Vergangenheit an den verschiedenen Plätzen ausgesehen hat oder weisen auf Besonderheiten hin,  an denen man andernfalls achtlos vorbeigegangen wäre.  Die Tafeln nehmen den Besucher quasi bei der Hand und geben ihm das Gefühl, eine persönliche Führung durch das Dorf und seine Umgebung zu erhalten. Da der Pfad im Kontext des Naturparks Steinhuder Meer zur Hörregion Hannover zählt, befinden sich auf den Schrifttafeln QR-Codes, mit denen sich Hörinformationen per Smartphone abrufen lassen. Diese sind selbstverständlich auch im Internet hörbar, doch sollte man die Sequenzen lieber vor Ort abspielen, um so ein ganzheitliches  Erlebnis zu genießen. „Moorhenniespfad: Erholung im Nahbereich“ weiterlesen

Gartenträume in Wörlitz

Gotisches Haus

Schon 1790, kurz nach seiner Vollendung, zählte der Landschaftsgarten in Wörlitz zu den wichtigsten  Sehenswürdigkeiten Europas.

Nicht jeden wird er bekannt sein. Er lohnt aber durchaus einen mehrtägigen Aufenthalt.

Ich war leider nur für vier Stunden dort. Gut die Hälfte davon verbrachte ich in der Gastronomie bei gehaltvollen Gesprächen. Danach nahm ich an einer kurzen Führung durch den Park, eine Schöpfung von Fürst Friedrich Franz von Anhalt-Dessau und seines Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff,  teil. „Gartenträume in Wörlitz“ weiterlesen