Auf dem Heiligenberg in Heidelberg

Ich hatte es mir so entspannt vorgestellt: Mit dem ICE um halb Acht  nach Frankfurt fahren, um dann um  11 Uhr meine Stadtbegehung zu starten. Leider kam es anders. Der ICE war schon vor Hannover liegen belieben und fiel ersatzlos aus. Der IC, der mir als Ersatz angeboten wurde, fuhr später, brauchte länger und hatte schon  in Hannover eine Verspätung von 10 Minuten. Es wurde nicht besser. Außerplanmäßig musste er nach Darmstadt fahren, weil irgendetwas umrangiert werden musste, um dann eine andere Strecke nach Heidelberg zu fahren. Dank all dieser Umstände hatte ich nun zwar ausreichend Zeit, um mein Buch zu lesen, meine Aufenthaltsdauer in Heidelberg reduzierte sich so aber so auf magere vier Stunden.

Nun  hatte ich leider keine Zeit mehr  für die hübsche Altstadt, die aufgrund der Vorweihnachtssaison sowieso überfüllt war: Ich wollte zumindest den Thingplatz sehen. So überquerte ich also die Altstadt-Brücke und ging eine steile Straße (genannt Schlangenweg), die aus vielen, vielen Treppen bestand, hinauf und erreichte so den Philosophenweg.

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Park Bad Muskau, Teil 4

Das ist die Fortsetzung meines Reiseberichts der hier beginnt.

Wie verkehrsgünstig mein Hotel lag, merkte ich an diesem Tag. Der Bus Nr. 10 (Pücklerlinie) hält direkt am Hotel und brachte mich zur Haltestelle Vorpark. Von dort ging es mit zweimal Umsteigen, was sich vollkommen problemlos gestaltete, nach Bad Muskau, Haltestelle Kirchplatz.

Erstaunt war ich darüber, dass die Busfahrerin den Park, der seit 2004 zum Weltkulturerbe gehört, noch niemals besucht hatte, wo ich hingegen  extra wegen der Gartenträume des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau  angereist gekommen war.

Im alten Schloss besuchte ich erst einmal die Touristinformation und kaufte mir einen Plan des Parks. Ich entschied mich für die “braune Tour”, ließ mich dann aber auch von meinen inneren Impulsen steuern. Die landschaftliche Weite, die der Muskauer Park, den Besuchern präsentiert, ist beeindruckend.

Bebauungen, die von Fürst Pückler geplant wurden,  sind entweder zerstört oder wurden nicht verwirklicht, schließlich war H. Pückler ständig in Geldnöten und gab aus diesem Grund auch sein Anwesen in Muskau auf und zog nach Branitz. Über den Branitzer Park habe ich hier berichtet. “Park Bad Muskau, Teil 4” weiterlesen

Bescheidenheit ist eine Zier, oder?

Heutzutage ist sie aus der Mode gekommen – die Bescheidenheit. Stattdessen wird die Präsentation, besonders die Selbst-Präsentation, groß geschrieben und man übt sich beständig darin, möglichst viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

Mir selbst fällt das schwer, wurde ich doch als Kind zur Bescheidenheit erzogen und so lernte ich, wenn mir etwas halbherzig angeboten wurde, auch “Nein, danke” zu sagen und bei Umsonst-Angeboten für Kinder es unterhalb meiner Würde zu befinden, mich anzustellen, um irgendetwas zu bekommen, was ich doch niemals wirklich brauchen würde. Das kam mir damals schon  wie Bettelei vor und auch heute erzeugt ein solches Verhalten, wenn ich es denn bei anderen beobachte, mein Missfallen.

Bescheidenheit geht mit Genügsamkeit einher und die kann ein glückliches Leben ermöglichen, schließlich macht man sich dabei nicht abhängig von dem, was andere einen offerieren und was ja – wir wissen das alle –  immer auch eine Gegenleistung verlangt.

Wir leben jedoch in einer Aufmerksamkeits-Gesellschaft, in der diejenigen, die am meisten Selbstdarstellung betreiben, mittlerweile nicht nur im privaten, sondern gerade auch im beruflichen Bereich, den größten Erfolg verzeichnen können. Besonders schlimm finde ich es, dass die eitle Inszenierung seiner Selbst, die mit der Übertreibung einhergeht und damit auch die Lüge salonfähig macht, bei beruflichen “Performern” (sic!) und wohlfeilen Politikern schon für ein Qualitätsmerkmal gehalten wird und all diejenigen, die von Haus aus stiller und introvertierter sind,  keine Chance haben, überhaupt  in  Postionen zu gelangen, in denen sie einen positiven Effekt auf die Gesellschaft ausüben könnten.

Meiner bescheidenen Ansicht nach ist die Selfie-Fotografie dann auch nur ein visuelles Indiz dafür, wie diese Gesellschaft beständig in Degeneration begriffen ist.  Auch die fortlaufende  Präsentation  einer oberflächigen Glamour-Welt der Reichen und Schönen im Privatfernsehen, fördert nicht die Selbstbildung, die Genügsamkeit und damit die Zufriedenheit bei den Menschen, die sich das anschauen, sondern stattdessen eher eine beständige Unzufriedenheit, die mit der  sinnlosen Jagd nach immer neuen  blinkendem Tand einhergeht.  Glücklich derjenige, der sich davon nicht beindrucken lässt und der eine  freiwillige Selbstbeschränkung, die vielleicht auch noch mit einer ironischen Untertreibung einhergeht, pflegt!

Bei den Stoikern, wie beispielsweise Epikur und Marc Aurel, findet sich vielfältige Inspiration für eine solche Geisteshaltung. Dabei möchte ich jedoch nicht einer schicksalsverordneten Einschränkung das Wort geben, von der die Stoiker ausgehen. Die Annahme nämlich, dass das menschliche Leben vollständig von einer Schicksalsmacht determiniert ist, mag ich nicht bejahen, müsste ich dann nämlich den Menschen eine individuelle Handlungsfreiheit ganz oder zumindest zum größten Teil aberkennen.

Wenn ich die  Vorliebe der Stoiker für das kausale Denken bei meinen Überlegungen ausklammere, dann bleibt das Bemühen um Selbstformung, um durch Denken Anteil am Göttlichen zu erlangen, als  ein praktizierbarer Weg, der aufgezeigt wird, um Seelenruhe zu erlangen.

Weisheit, die die Voraussetzung für die Seelenruhe ist, setzt bei den Stoikern  folgendes voraus:

– Affektkontrolle: Sie führt zur Freiheit von Leidenschaften (Apatheia). Apathie meint hier aber nicht Teilnahmslosigkeit und Passivität, sie beinhaltet vielmehr Aktion, die sich auf die Gemeinschaft bezieht.

– Ataraxie (Unerschütterlichkeit): Das ist die Gelassenheit gegenüber Schicksalsschlägen.

– Selbstgenügsamkeit (Autarkie)

In der Selbstgenügsamkeit finden wir die Bescheidenheit wieder, mit der ich meine Ausführungen begann. Sie darf niemals mit der christlichen Demut verwechselt werden. Letztere setzt ein devotes Verhältnis vom Knecht oder Untergebenen zum Herrn und Meister voraus.

Die Selbstgenügsamkeit des Stoizismus wird auch Autarkie genannt. Im modernen Sprachgebrauch wird dies mit Unabhängigkeit übersetzt, womit wir uns der Bedeutung der stoischen Selbstgenügsamkeit annähern. Diese Art von Bescheidenheit braucht kein Außen mehr, was es zu beeindrucken gilt. Wenn ich also aufhöre, meine Umwelt durch vielfältige Bluffs von mir überzeugen zu wollen, mache ich mich gleichzeitig unabhängig von ihr. Unabhängigkeit wiederum ist ein anderes Wort für Isolation, die wiederum eine Grundvoraussetzung der Seelenruhe zu sein scheint.

Eine Gesellschaft jedoch, die die Großmäuligkeit gegenüber der Bescheidenheit präferiert, kann, im schrecklichen Umkehrschluss, niemals eine weise Gesellschaft sein. Zeit also für ein Umdenken!

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Über den Spaziergang

Spazieren gehen? Just a doodle. Digital bearbeitet, 2016
Spazieren gehen? Just a doodle. Digital bearbeitet, 2016

Das absichtlich Herumschlendern, das Flanieren, in dem man sich von einem visuellen Eindruck zum nächsten begeben kann, ohne dabei nur irgendein Ziel zu verfolgen, das ist der Seinszustand, der das eigentlich menschliche Schöpfertum erst ermöglicht. Hier wird die Voraussetzung für Kreativität geschaffen, die sich immer entzieht, wenn sie “muss”. Das ist der Zustand von Freiheit und ich würde mir einen Tagesablauf wünschen, indem alles treiben kann und die einzige Terminierung der Spaziergang ist, der nach dem Besuch eines Gasthauses beginnt. Arthur Schopenhauer hat es so gehalten und wahrscheinlich hätte er niemals so produktiv sein können, wenn er gefangen gewesen zwischen To do-Listen und einer ungeliebten Erwerbsarbeit, die doch nur Sklaverei unter den Regularien der Blödmaschinen bedeutet.

Der Spaziergang, das ist die “mythologischen Wanderung” über die ich hier auch schon wiederholt geschrieben habe im Kleinen und Überschaubaren und vielleicht findet er ja Platz in unserem Alltag. Vielleicht müssen wir uns, um uns Zeit für das Ziellos zu schaffen, erst einen Plan erstellen, der eine Verabredung mit uns selbst enthält. Und natürlich ist das ein absurder Widerspruch, der aber vielleicht notwendig ist, um denjenigen, der an die Sklaverei gebunden ist, langsam vom Korsett der Nützlichkeit befreit.

Momentan kann ich nicht spazieren gehen und so spaziere ich durch die imaginären Landschaften, die ich selbst auf Papier erschaffe.

Zum Weiterlesen:

http://www.zeit.de/2016/24/flanieren-kunst-kulturtechnik-spazieren-gehen

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Neue Romantik

Der “Welt am Sonntag” war die Forderung nach einer neuen Romantik durchaus heute eine Titelseite wert. Wiederholt habe ich dies hier ja auch schon im Blog postuliert, doch leider ist das, was da plakativ mit Gemälden von Caspar David Friedrich und modernen Adaptionen in der Zeitung referiert wird, nicht das, was ich selbst dabei im Sinne hatte.

Und so wird dann von einem Robert Macfarlane (Muss ich den kennen?) berichtet, der sich auf der Suche nach den “blinden Flecken” der Natur aufmacht, die Google Maps angeblich nicht aufzeigen soll. Der “Megatrend Natur” wird beschworen, der sich in der Vorliebe einer großstädtischen Hipster Szene für Biosupermärkte und dem Erfolg der Zeitschrift “Landlust” zeigen soll. Der Bestseller Rang des Buches “Das geheime Leben der Bäume” und das herbeigeredete Comeback der Schrebergärten soll als Indiz für ein “Enlivenment” herhalten, was nichts anderes bedeuten soll, als die Verlebendigung in der Natur, was meint, dass sich der Sklave des Maschinenzeitalters in der Natur lebendig fühlen darf, wo er sonst nur zu funktionieren hat.

Das, was hier beschrieben wird, ist Eskapismus und Kitsch, ein neues Lifestyle-Segment, das sich zwischen Yogakurs, Achtsamkeitstraining und Burnout-Klinik einreihen kann, mit all den Skills und Methoden, die ein “Human Enhancement” befördert, dass dem zunehmenden Staccato am Arbeitsplatz und in den urbanen Zombie-Wüsten erträglich machen soll und sich dabei selbst einreiht in den kapitalistischen Wirtschaftskreislauf des ewigen Wachstums, anstatt zu kritisieren und zu torpedieren.

Romantik ist das nicht, sondern pure Ablenkung, was auch den Autoren Wieland Freund und Richard Kämmerling zum Schluss des Artikels bewusst zu werden scheint, schließlich schreiben sie:

In einem jedoch unterscheiden sich die neuen Romantiker von den alten. Unter den Bedingungen des Anthropozäns, des Zeitalters der nicht länger bestreitbaren Herrschaft des Menschen über die Natur, suchen sie draußen nicht mehr sich selbst, sondern das Andere, die fremde, die ungleichförmige Erfahrung, vielleicht auch den Urlaub vom Ich.”

Das Anthropozän soll, wie ein Herr Weber im Interview verkündet, unser gegenwärtiges Zeitalter beschreiben, in dem der Dualismus Natur versus Kultur nicht mehr funktionieren soll und so heißt es dann:

“Alles Natürliche ist immer schon kulturell verstanden. Und gleichzeitig hat alles Kulturelle eine wilde Seite”

, eine Einsicht, die nicht wirklich neu ist und die erst in den letzten Jahrzehnten verleugnet wurde, in dem das Dogma der Wirtschaftlichkeit und des sezierenden Umgangs mit wissenschaftlichen Betrachtungen über eine Sichtweise gestellt wurde, die die Selbsterkenntnis und die Öffnung für mythologisch-spirituell-ästhetische Welten bei der Erfassung des Objektiven den Vorrang gab.

Doch warum, so frage ich mich, wird im Titelthema der Zeitung am falschen Begriff der “Romantik” festgehalten, wenn doch hier hauptsächlich nur tumber Eskapismus gemeint ist, der wiederum genau das unterstützt, was zur Alltagsflucht animiert hat? Der wirkliche Romantiker nämlich verachtet die Welt der Philister, der Spießer, Krämer und Ja-Sager und stellt ihnen das Wundersame und Bizarre entgegen. Er wird sich ihnen nicht zum Knecht machen.

Eine echte neue Romantik muss genau da anknüpfen, wo die alte aufgehört hat, gesellschaftlich wahrnehmbar zu sein und dabei in den parallelen Untergrund der Anthroposophen, Ästhetiker und Schöngeister abgetaucht ist. Doch dies birgt die Gefahr sich in den Innenwelten zu verlieren, ganz so, wie in den Tiefen des Rheins, wohin die Loreley die Fischer gelockt haben soll. Wer diesen süßen Sog aber widersteht, der kann die blaue Blume finden und mit Ironie die Welt der Krämer und Lakaien auf dem Kopf stellen. Meister Floh wird ihm den Weg weisen. Wirtschaftlich verwertbar ist dies alles jedoch nicht, sondern letztendlich eine Gefahr für das betonierte System der globalisierten Finanzlobbyisten, weswegen ein großes Medienimperium dafür wohl niemals Werbung machen wird.

Doch zurück zur Natur: Die ist in der echten Romantik niemals Fluchtpunkt, sondern immer ein Spiegel des eigenen Selbst, was es bewusst zu erkennen gilt. Innerer Vorgänge werden dabei in eine ästhetisch und phantastisch verwandelte Form transzendiert und öffnen den Raum für das Numinose. Es wird mythologisch gewandert. Es werden individuelle Mythologien erschaffen und die nüchterne Alltagswelt des Maschinenmenschens, der all das Wunderbare weder erkennen noch kreieren kann, wird zutiefst verachtet.

„mit goldenem Schlüssel die Kammern unseres Geistes eröffnen, und uns die Schätze zeigen, die wir selbst noch nicht kannten. So entsteht ein (…) wohltuender Umgang mit uns selbst.“ (Ludwieg Tieck in Franz Sternbalds Wanderung, zitiert nach: Thalmann, Hrsg., Bd. 1, München o. J., S.865 f.)

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Devotionalienhandel und Eventkultur

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Irmensul, Mixed Media, 29 x 40 cm, Juli 2016

Kunst entwickelt sich immer mehr zur materialisierten Devotionale eines Künstler-Events, sei es nun eine Ausstellungs-Veranstaltung, eine Performance oder was auch immer.

Die Kunstauktion ist ein “zweitrangiges” Event, dass dem primären Event, nämlich das der Kunsterstellung, weitere Wertigkeit (oder eben nicht) zuspricht. Die Kunst wird innerhalb der Auktion  als Energiekörper erneut aufgeladen und soll dem Käufer mit dem Anschein von Bildung, Besonderheit und finanzieller Weitsicht versehen. Kunst als hohle Performance eben. Fazit: Kunst kann nur jenseits des Marktes stattfinden und ich frage mich, ob man als Künstler angesichts dieser Verhältnisse überhaupt noch öffentlich präsentieren sollte? Macht man sich nicht schon mit einer Ausstellungseröffnung zum bloßen Event, zur schnöden Unterhaltung, in einer Zeit, wo Menschen solche Veranstaltungen vermehrt  nutzen, um sich abzulenken, vor dem, was bedrohlich erscheint?  Ist Kunst also auf diese Art und Weise systemunterstützend?

Das primäre Kunstereignis könnte ein sakraler Akt sein, ist jedoch zumeist nicht viel mehr als Leere. Es wird primär für den Markt produziert. Es wird geplant und konzipiert, was das Zeug hält und letztendlich soll damit nur käuflich  unterhalten werden.  Kunst ohne Seele, ist das. 

Doch wenn die Kunst ein sakraler Akt ist, dann tritt sie in dem Dialog mit dem Numinosen, und stellt sich erhaben über die Welt der Krämer. Sie entspricht dann dem Kunstverständnis  von Julius Evolas erstem Zeitalter. Dieses ist durch das Ideal der Fruchtbarkeit und der Potenz gekennzeichnet.

Ein kleiner Exkurs sei mir hier gegönnt: Herr Evola teilt die Geschichte in seinem Buch “Revolte gegen die moderne Welt” in vier Zeitalter ein, die in beständiger Degeneration begriffen sind. Im ersten Zeitalter wurde danach getrachtet, die Fesseln des Individuellen zu öffnen und sich dem Göttlichen  zu öffnen, was – so meine Anmerkung –  spätestens seit 1966 auch das Selbst sein kann, was dem gottgleichen Status erringen will.  

Wenn das Kunstwerk jedoch Ideale des Heroismus und des Sieges beschwört, entspricht es dem aristokratischen Zeitalter. Die ethischen  Ideale, die hier verfolgt werden, sind die der Treue, des Mutes und der Ritterlichkeit. Man denke dabei nur an die höfische Kunst, aber auch an die Kunstauffassung der faschistischen Diktaturen, die sich hier bedienten, um eine Stärkung ihrer Macht und eine mythologischen Aufladung zu erfahren. 

Das Zeitalter der Aristokratie wurde von dem uns nur zu bekannten gegenwärtigen   Zeitalter der Krämer abgelöst, wobei ich davon ausgehe, dass alle genannten verschiedenen Zeitalter in einer gewissen Ungleichzeitigkeit immer noch existent sind und Julius Evola immer nur jenes, welches für eine bestimmte Zeitepoche charakteristisch ist, in dem Vordergrund seiner Betrachtung gestellt hat.

Schon während des aristokratischen Zeitalters, nahm das Diktum der Ökonomie beständig zu.  Spätestens seit der beginnenden Industrialisierung sind die Ideale,   wenn man überhaupt noch von solchen sprechen mag, fast nur noch ausschließlich  ökonomischer Natur. Profitmaximierung und die Generierung von immer neuen Gewinnen,  in einer Gesellschaft von Konsumenten,  stehen nun im Fokus der Aufmerksamkeit.  Jede Aktion wird als Arbeit verstanden, die in erster Linie einen monetär fassbaren Nutzen erbringen muss.  Das ist der Duktus, dem auch die professionelle Kunst, wie sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, folgt, selbst  dann, wenn sie, in dem, was sie zelebriert, mehr dem Zeitalter der sakralen Herrschaft oder der Aristokratie entsprechen sollte, als dem der Ökonomie. Sobald aber ausschließlich oder auch nur partiell auf eine monetäre Verwertbarkeit oder auf eine Aufmerksamkeitsökonomie gezielt wird, die sich in den heutigen Zeiten ja auch wieder in Geld aufwiegen soll,  wird die Kunst verraten.

Sie wird zum schnöden Produkt und unterwirft sich dem Geist der Höker und Marketenderinnen.

Kunst als Event ist abzulehnen, wenn sie dabei auf das Geld fixiert bleibt, wenn sie sich aber darüber erhebt, ein Fest ist, dann ist sie eine Huldigung des Ästhetischen , des Nicht-Zweckmäßigen und des Göttlichen. Sie ist etwas Sinnstiftendes, was uns über uns Selbst, unser Selbst erkennen lässt.

Kunst kann nur noch jenseits des Marktes stattfinden. Die Seele kann nicht zum Produkt werden, ohne verloren zu gehen. 

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Verteidigung?

Wer eine Verleumdung in den Raum stellt oder Anklagepunkte konstruiert, zwingt andere sich zu verteidigen.

Jedoch:
“Wer sich verteidigt, hat sich schon in die Botmäßigkeit gegenüber dem Ankläger begeben. Er anerkennt dessen Maßstäbe und weicht vor ihm zurück, bevor er ihm entgegnet.” (Martin Heidegger)
Was stellt dann aber eine angemessene Reaktion auf einen Angriff dar?
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 (Mit besten Grüßen ….,  Pencil Drawing, 21 x 28,5 cm, February 2016)
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Wider dem Gehorsam!

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“Wider dem Gehorsam”, Din A3, Mixed Media, Februar 2016

Nicht nur ausgehend von der Lektüre des Buches Wider den Gehorsam von  Arno Grün, sondern auch aus einer direkten Betroffenheit heraus,  möchte ich mir an dieser Stelle meine Gedanken zum  Thema “Gehorsam” machen.

Zuerst sei betont, dass nicht nur ich betroffen bin. Letztendlich – bei genauer Betrachtung – sind wir es alle –   sei es als Täter-Tyrann, als Opfer oder  als Mittäter/ Mitläufer, was in einem historisch  als Obrigkeits-Staat angesehenen Deutschland auch nicht wirklich verwundern sollte. Die in der Vergangenheit geschaffenen Strukturen wirken schließlich nach, es sei denn, sie wären rekapituliert und damit  bewusst gemacht  worden, was – meiner Meinung nach –  in Deutschland bisher nicht  geschehen ist.

Und so wird auch heute noch unreflektiert “Gehorsam” eingefordert. Dies wird nicht direkt postuliert, sondern stattdessen hinter vielfältigen Euphemismen verborgen.

Das Wort  “Gehorsam”  erzeugt  – bei mir zumindest – eine unmittelbare  Abwehr.  Vielfältige negative Assoziationen werden geweckt, zu Recht, denn nach Arno Grün setzt ein gehorsames Verhalten immer die Aberkennung des eigenen Selbst zum Unwert voraus und das wünsche ich mir zumindest nicht. Die Werte des Unterdrückers (oder des Unterdrücker-Systems und ihrer Vertreter) werden bei den Unterwerfungs-Vorgängen  zum eigentlichen Wert erhoben.

Als Beispiel  für die Gehorsamkeits-Dressur, die hier gemeint ist, können wir uns ein kleines Kind vorstellen,  das “brav” sein will und  das deshalb tut, was Mami und Papi verlangen. Wenn sich nun aber auch das erwachsen gewordene Ich des Kindes  Verleugnungs-Prozeduren  unterwirft und sich auf diese  Art und Weise “gehorsam” zeigt, vielleicht auch  einfach deshalb, weil da kein ausgebildetes Selbst vorhanden ist und stattdessen nur ein verstörendes  Vakuum darauf wartet, gefüllt zu werden, dann ist eben ein solcher  Mensch besonders empfänglich dafür, “gehorsam” gegenüber den Werten von anderen oder verfestigten Strukturen zu sein. “Bitte, gebt mir einen Sinn!”, schreit die innere Leere und will gefüllt werden. “Wider dem Gehorsam!” weiterlesen

Die schwarze Sonne

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Marko Pogacnik schreibt über seine Erfahrung mit der schwarzen Sonne in “Synchrone Welten”. Ulm 2011, S. 54:

In diesem Augenblick packt mich eine furchtbare Kraft und hebt mich schwindelerregend hoch ins Universum. Ich erfahre mich als völlig isoliert in einem unendlich kalten und leblosen Raum. Es gibt nichts, womit ich eine Beziehung aufnehmen könnte. Die Welt, in der ich mich befinde, ist ganz und gar fremd und unfreundlich. Ein unbeschreibliches Gefühl von Unglück überflutet mich. Ich bin winzig einem riesigen Raum ausgeliefert und endgültig verloren. Zum Glück darf ich im nächsten Moment wieder in meinem warmen Körper zurückfinden.

Das was der Autor hier als negatives Trance-Erlebnis schildert, ist das, was der Anhänger des Pfades zur linken Hand sucht. Die Isolation vom natürlichen Universum muss vollzogen werden, um in die vollkommene Bewusstheit des Selbst zu gelangen. Das ist – dies hat Marko Pogacnik richtig erkannt – ein zutiefst beunruhigender Prozess, der einen danach schreien lässt, wieder in die Gemeinschaft der liebenden Mitmenschen, des mütterlichen Universums oder in den heimeligen Verein aufgenommen zu werden. Wir wünschen doch – im Innersten unseres Herzens – Verbindung und Vergesellschaftung, doch hier ist Ent-Gesellschaftung und Entfremdung geboten.   Erschwerend hinzu kommt – wenn  diese Schwelle erst einmal übertreten ist –  gibt es nur insofern einen Weg zurück, als dass man partiell und Kraft seines Willens entscheiden kann,  für eine gewisse Zeit im Paralleluniversum des  einlullenden All-Einheitsgefühls zu verbringen, quasi zur Erholung. Dies kann aber niemals mehr von Dauer sein, zu deutlich sticht  für uns dessen Scheinheiligkeit  aus der Matrix hervor und angeekelt müssen wir uns davon abwenden.

Marko Pogacnik, wenn ich ihn denn richtig verstanden habe,  geht davon aus, dass die Kraft der schwarzen Sonne, die er negativ interpretiert,  nachlassen wird und das jenes, was ich hier als Scheinheiligkeit beschrieben habe, in der Zukunft so  lichtvoll sein wird, dass keine Schatten mehr auftreten.  Im Schema der neun Welten wäre dieser  Zustand in Lichtalfheim erreicht,  der sich mir noch nicht erschlossen hat und den ich in der Zukunft schamanisch-künstlerich bereisen möchte.

Mein momentaner Erkentnisstand lässt sich vorläufig in der hypothetischen Aussage zusammenfassen, dass wir weder alleinige Kinder der lichten noch Kinder der schwarzen Sonne sind.

Zu dieser Erkenntnis brachte mich u.a. das Anschauen einer Dokumentation über den Künstler  James Turrell. Er versucht  in seinen beeindruckenden  Sky-Objekten den Himmel mit seinen unterschiedlichen Sonnen-Lichtqualitäten  für uns erfahrbar zu machen. Der Mensch nämlich  kann den  Blick in die Sonne und das grelle Licht nicht aushalten und muss seine Augen zukneifen. Er ist ein Geschöpf des Zwielichtes.

Ich fasse zusammen: Es ist uns nicht möglich, die Sonne unmittelbar zu erfahren.

Auf einer symbolischen Ebene stellt die helle Sonne die Welt  für Gott und für dessen Anbetung. Es  ist die Religion der Herde und – ganz aktuell – des scheinbaren Gutmenschentums, dass – ohne selbst nachzudenken – vorgegebenen Regeln und Werten blind folgt und devot um Hilfe bittet, wenn sich denn die verschiedenen Abgründe des Daseins auftun. Die Wirklichkeitsebene der bewusstlosen  Unterwerfung  müssen wir uns nicht mühsam aneignen; wir werden quasi in sie hinein”erzogen”  und  von ihr müssen wir uns  isolieren , um  so die falsche Moral zu durchbrechen.  Das ist eine wahrlich schwierige Aufgabe und dafür steht bildlich das Zeichen der schwarzen Sonne.

Die schwarze Sonne  fordert uns dazu auf,  mit ihr furchtlos zu arbeiten  und gerade dadurch ein eigenmächtiges ethisches Gewissen zu erlangen, was denen der Herde und ihrer Schafe  überlegen sein muss.

Die schwarze Sonne birgt jedoch immer die Gefahr,  sich in ihr  zu verlieren und zu dem zu werden, wovor man sich einst grauste und was eigentlich der Ausgangspunkt war,  um überhaupt die Lethargie Midgards zu verlassen und zu beschließen, dass da mehr sein muss, als nur blanke hedonistische Gefälligkeiten und vielfältige  Lakaien-Dienste.

Und so ist die Kraft der  schwarzen Sonne, die gleichermaßen tief im Innern der Erde brennt, wie auch in uns selbst,  kein Feuer was uns wärmt.  Es trennt uns. Wir starren in ihr kleineres Symbol – die schwarze Flamme – und gehen unseren einsamen Weg weiter und weiter. Wir blicken nicht zurück.

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Lost Places: Limmer, Hannover

Demnächst wird das alles nicht mehr wieder zu erkennen sein. Das Bürogebäude und der Turm bleiben sicherlich erhalten, ob die Fabrikhallen bestehen bleiben und/oder umgenutzt werden können, ist fraglich. Sicher ist jedoch, dass da, wo jetzt noch düstere Ruinen die Phantasie beflügeln, bald langweilige Häuser und Wohnungen für die Performer der neuen Zeit stehen.

Die alten Fabrikanlagen halte ich für architektonisch-ästhetisch hochgradig interessant, da sie eine Zone zwischen der Neuen Sachlichkeit und den Feudalbauten  der alten Zeit eröffnen. Wenn dann der Verfall noch hinzukommt, eröffnen sie für den Betrachter wilde Räume, die die Phantasie beflügeln und dringliche Fragen nach der Vergänglichkeit unseres Tuns stellen. Die Industrie-Ruinen zeigen an, dass das, was gerade eben noch modern für uns war und was das Leben der damaligen Menschen nachhaltig bestimmt hat, nun schon wieder im  Zeitstrom versunken ist. Der Referenz-Raum der Bauten der industriellen Ära ist ein für allemal abgelaufen. Die Brache wird nun zur Zwielicht-Zone zwischen dem, was war und dem, was kommen kann. Da, wo die Zukunft noch nicht verplant ist, entstehen kreative Zonen, die in die Gegenwart zaubern können, was jenseits der Welt der Krämer liegen mag. Insofern bieten solche Plätze uns immer auch HOFFNUNG an.

 

 

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