Eine Herbstwanderung zur Wewelsburg

Das schöne Herbstwetter nutzte die Wildfrauenhaus-Wandergruppe für einen Ausflug nach Büren zur Wewelsburg.

Mit der S-Bahn fuhren wir  vom Hauptbahnhof Hannover nach Paderborn und dann weiter mit dem Bus S61 ich Niedernturdorf, Abzweigung Bahnhof Salzkotten. 

Sind das noch Sturmschäden vom Orkan Xavier?

Im Dorf gibt es schon einmal eine Kirche und einen Findling zu bestaunen. Über das Flüsschen Alme hinweg ging es durch eine liebliche Wald-Wiesen- und Hügellandschaft bis hin nach Büren.

Vor dem Ortseingang  in Büren kamen wir an einem ehemaligen Schießstand der SS vorbei. Ein Schild informiert über das historische Geschehen. “Eine Herbstwanderung zur Wewelsburg” weiterlesen

Die Hoheprosterinnen bei den Externsteinen 

Was für ein Wochenende! Nicht nur, dass ich den wunderbaren Wörlitzer Park besucht habe (Bericht folgt noch), sondern dass ich meinen Geburtstag und die Walpurgisnacht/Beltane in angemessener Umgebung, nämlich bei den Externsteinen, zelebriert habe.

Freudig überrascht waren meine Freundin und ich darüber,  dass sich die Anreise von Hannover aus, auch ohne Automobil, mittlerweile recht komfortabel gestaltet. Es  verkehrt nämlich, vom Heil- und Kraftort Bad Pyrmont aus, der Bus 792. Er mäandert über die schmucken Dörfer und fährt an den Wochenenden des Sommerhalbjahres die touristischen Höhepunkte der Region, u. a. auch die Externsteine, an.

Auf diese Art und Weise entspannt angekommen, schauten wir uns das Besucherzentrum an den Externsteinen an.

Im kleinen Ausstellungsraum informiert es aus verschiedenen historischen, naturkundlichen und geologischen Perspektiven über die Steine, legt aber ganz klar seinen Schwerpunkt auf die christliche Überschreibung der heidnischen Kultstätte.  Insofern erhält man dort keinerlei Erklärung darüber,  was Neu- und Altheiden zu den Externsteinen zieht. Die Interviews, die man sich an der letzten Station, gleich nach dem Exkurs über die archäologischen Grabungen in der nationalsozialistischen Zeit,  anhören kann, hinterlassen den Eindruck, dass es sich um eine Art von exotischer Partyzone mit Met-Hörnchen  und anderen Skurilitätenhandelt, die, aufgrund eines erhöhten Müllaufkommens, besser zu unterbinden seien.

Und wirklich ist es so, dass an den großen naturreligiösen Feiertagen, insbesondere zur Walpurgisnacht und zur Sommersonnenwende, allerhand buntes Volk  zu den Externsteinen pilgert und auch wir folgten diesem Ruf.

In der Vergangenheit war dort auch das Zelten möglich und sicherlich hat auch die Detmolder Dorfjugend das inoffizielle Event zum kollektiven Besäufnis und “erster Liebe” zwischen Didgeridoo-Spielern und Avalon-Feen genutzt.  So erklärt sich dann vermutlich auch das Abfallproblem, von dem wir im Besucherzentrum hörten und was von den Anbetern von Thor, Einhorn und Großer Göttin sicherlich nicht verursacht wurde.

Das Zelten ist nun nicht mehr erlaubt und der Parkplatz wurde gestern ab 18 Uhr gesperrt. Am Spätnachmittags brachte sich ein Polizeiauto unterhalb der Externsteine zusätzlich in kontrollierende Position.

Wir saßen mittlerweile entspannt auf der Wiese und beobachteten das Geschehen, nachdem wir im Wald ein kleines Orakel vollzogen hatten, in dessen Verlauf wir die Trumph-Karte der Hohepriesterin in die der Hohe”prost”erin umbenannten und diesen Akt der Verwandlung mit Schierker Feuerstein und Rotwein besiegelten. Danach suchten wir die Steinkreise , die uns bei unserem letzten Besuch von einem katholischen Priester  (wirklich!!!) gezeigt worden waren, auf. Zwischenzeitlich hatte ich zwar in den sozialen Netzwerken gelesen, dass sie zerstört worden waren, mittlerweile sind  jedoch glücklicherweise neue entstanden. Ein religiöses Bedürfnis, so es denn da ist, lässt sich eben nicht einfach durch kommunale Beschlüsse eliminieren.

Die in einem Baumstamm eingeritzten Runen Othala und Tiwaz wiesen uns den Weg zu den religiösen Plätzen, so dass wir daraufhin in der Mitte eines Labyrinths unseren Pakt mit den Göttern und Göttinnen der Heimat  erneuern konnten.

 

Ein Bier am Kiosk, dessen Wirt mich merkwürdigerweise mit “Herzilein” anredete (die Kräfte der Walpurgisnacht mögen hier schon gewirkt haben), gestaltete das Warten auf dem Bus, der fast pünktlich um 17.50 ankam, lustig. Auf diese Art und Weise positiv gestärkt, sehen wir nun einer freudvollen Sommerzeit entgegen.

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Von Hagal zur schwarzen Sonne

hagal-adlerDie Isolation vom natürlichen Universum muss vollzogen werden, um in die vollkommene Bewusstheit des Selbst zu gelangen. Dafür steht die schwarze Sonne und  als kleineres Symbol die schwarze Flamme. Zweimal die Hagal-Rune übereinander gelegt, allerdings leicht verschoben, ergibt die schwarze Sonne.

Sie besteht also aus den Mutter-Korn. In dieser Illustration aus dem Buch von A. Kummer trägt ein Adler die Hagal-Rune, die in ein Rad eingelassen ist.  Das Rad, man denke nur an die Tradition der Osterräder, verweist, genauso wie der Adler auf die Sonne.

Im Fachwerk symbolisiert der Querbalken den Helsweg.  Der Querbalken bemüht sich, die schrägen Balken zu harmonisieren. Wenn dies nicht gelingt,  kommt es zur Katastrophe. Insofern finde ich die Entsprechung dieser Rune im Tarot-Trumpf des Turmes. Die Ecken der Rune verbunden ergeben die Bienenwabe oder das Mutterkorn. Dieses steht für die Menschheit, die sich aus sich selbst heraus gebiert. Das ist die All-Rune.

Heute habe ich mich, im Rahmen eines Seminars,  im Fototransfer auf Polyesterorganza versucht. Als Motive dienten mir u.a. das Titelbild “Runenmagie” von Karl Spiesberger und Illustrationen aus “Heilige Runenmacht” von Siegfried Adolf Kummer. Darüber hinaus lernte ich die Herstellung einer Druckplatte für Gelatinedruck und den Fototransfer auf dichten Baumwollstoff.  Auch gefilzt haben wir. Ob die “Mami Wata”, die ich auf den Nadelfilz gesetzt habe, etwas geworden ist, weiß ich noch nicht. Sie liegt noch eingeweicht im Wasser. Ich bin gespannt.

Dank an Gudrun Bialas für die engagierte Workshopleitung!

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Die Wewelsburg

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Gestern machte sich die Wildfrauenhaus-Wandergruppe zur Wewelsburg in das nördliche Westfalen auf. Von Paderborn aus brachte uns der Bus direkt zur Burg, die wir allerdings erst einmal links liegen ließen und eine kleine Rundwanderung startete. Diese führte uns zuerst durch dunkle Niederungen, in der wir all die Erschöpfungen der letzten Arbeitswoche ließen, bevor wir bei den “Sieben Eichen” unseren Umkehrpunkt  und nach einer kurzen Steigung die lichte Feldmark erreichten.

Unsere kleine Tour erinnert indirekt an die Freimaurer-Gärten, die ja auch den Gartenbesucher erst in den “dunklen Wald” und die Einsamkeit führen,  um Kontemplation und die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit zu befördern, bevor die freie Fläche mit den Obstbäumen erreicht wird (siehe  u.a. auch: Hinüberscher Garten). Und wirklich fanden auch wir am Wegesrand noch Apfelbäume mit Früchten vor.

Nach einer kleinen Stärkung ging es dann, entlang der Feldmark,  zur Burg zurück. Der Nordturm mit seiner Gruft und den Obergruppenführer-Saal zog uns magisch an. Die “schwarze Sonne” wollte von uns besucht werden, nachdem einer meiner Begleiterinnen noch ein Mistelzweig vor die Füße fiel, der in den kommenden Rauhnächten wohl ihre Wohnung zieren wird.

Marcello La Speranza schreibt zwar in seinem Buch Brisante Architektur, dass die Betreiber der Wewelsburg auf Information setzen und dass sie die Geschichte des Ortes nicht vertuschen wollen (vgl. S. 200), jedoch scheint mir die Platzierung des Ikea-Equipments  mit Sitzsäcken und Beistelltischchen auf der schwarzen Sonne  genau die gegenteilige Sprache zu sprechen. Es wird sozusagen nur so getan, als ob hier offen mit der eigenen Historie umgegangen wird und ein freier Diskurs befördert werden soll.  In Wirklichkeit  aber wird die staatlich vorgeschriebene Interpretationshohheit niemals aufgegeben und nur eine pädagogisierter Sichtung zugelassen, der den Besucher zum “dummen Kind” degradiert, dem nicht zugetraut wird, eigene Schlüsse zu ziehen.  Folgerichtig lässt sich der Nordturm auch nicht über den Burgplatz begehen (Die Tür ließ sich zwar noch öffnen, aber dann versperrte ein Gitter den Zugang!), stattdessen muss erst eine textlastige  Ausstellung über die Gräueltaten der Nationalsozialisten absolviert werden. Wenn dann endlich die kameraüberwachten (sic!)  “Kulträume” betreten werden können, wird alles dafür getan, um deren Raumwirkungen zu durchbrechen. Expressionistisch anmutende Gemälde hängen über den zwölf Säulenpodesten, in denen wohl einst Urnen mit der Wappenasche gestorbener SS-Männer gestanden haben sollen. Ein Dokumentarfilm erklärt “irgendetwas” und stört mit seiner Beschallung das Erlebnis der interessanten Klangerfahrung des Raumes, der die eigenen Worte, quasi in einem Energiekegel, spiralförmig nach oben treibt. Dort prangt an der Decke ein Hakenkreuz, was – wenn denn der “gedeckelten” und verzerrten Präsentation konsequent gefolgt werden würde, eigentlich mit rosafarbenen Pompons und Einhorn-Mobiles verziert werden müsste, würde dies doch das Ikea-Sitzplatz-Szenario im oberen Saal perfekt ergänzt!

Dort, im Obergruppenführersaal,  betätigten uns übrigens als Möbelrücker, woraufhin mit ca. zehn Minuten Zeitverzögerung, eine Mitarbeiterin des Museums erschien, die alles wieder zurück auf das Bodenornament platzierte und mir später auch misstrauisch folgte, nachdem ich mich zurück an die ehemaligen Feuerstelle des unteren Raumes begeben hatte. “Kann es eine paradoxere Tätigkeit geben?”, frage ich mich.

Hier soll also verdeckt werden, was offensichtlich vorhanden ist.  Ich würde dringend zur Konsequenz raten und deshalb entweder alles unter Verschluss halten oder einen wirklichen Zugang zum Nordturm erlauben? Alles andere ist einfach nur lächerlich und zeugt davon, wie wenig die politischen Eliten ihrer eigenen Bevölkerung vertrauen. Der Krieg ist schon lange vorbei.

Das Fotoalbum zum Ausflug ist hier zu betrachten.

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Eldaring-Treffen auf der Jugendburg Ludwigstein

 

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Am Samstag besuchten meine Freundin und ich die Jugendburg Ludwigstein, in der der Eldaring, ein neuheidnischer Verein, den ich mich freundschaftlich verbunden fühle,  sein jahreszeitlich doch etwas verspätetes Ostara-Treffen abhielt.

Der Tagungsort ist an sich schon interessiert, schließlich blickt die beherbergende Höhenburg im  Werra-Meißner-Kreis in Hessen auf eine bewegte Geschichte zurück, die ich hier mal in aller Kürze referieren will:

1415  wurde sie von Landgraf Ludwig I. von Hessen  erbaut.

Das ist der Blick in den schönen Burghof: 

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Burg nur noch eine Ruine; erlangte aber die Aufmerksamkeit der von der Romantik inspirierten Wandervogel-Bewegung, die diese neu aufbauten und zu einem Zentrum der Jugendbewegung machten.

Die Burg erlebte nun eine neue Blüte, bis sie in der Zeit des Nationalsozialismus zum Schullungslager der Hitlerjugend wurde.

Nach dem Krieg  gründeten sich die Jugendbände neu. Die  Burg wurde erneut zu einem Treffpunkt der bündischen Jugend, die sich immer noch dort trifft und die Burg mit ihren Bauhütten und Musikaktivitäten belebt.

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Fachwerk mit angebrachter Vogel-Plakette. Der “Zugvogel” war der erste Bund in der Tradition der deutschen Jugendbewegung, der sich – nach dem Zweiten Weltkrieg, zur Gewaltlosigkeit bekannte.
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Blick von der Burg Ludwigstein zur thüringischen Burgruine Hanstein im Eichsfeld

Als Tagesgäste genossen wir das schöne Ambiente  der Burg und  “putzen unsere Sig-Runen”, um einmal auf Delling-Kultist Hermann Ritters  satirischen Vortrag anzuspielen. Dieser trieb uns vor lauter Lachen die Tränen in die Augen, was – bei mir zumindest – in diesen doch eher als traurig zu bewertenden Zeiten nur alle Jahrzehnte einmal vorkommt.  Danke, Hermann Ritter.

Später fungierte Frigga Asraaf als Zeremonienmeisterin, mit der wir Runen tönten und die uns auf diese Art und Weise nach Asgard reisen ließ. Die Bifröst-Brücke tat sich für uns auf und wir traten unsere Rückreise in die alltägliche Welt an, die sich – man kennt es nicht anders – mal wieder abenteuerlich gestaltete. Aber sprechen wir nicht darüber!

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Bifröst

 

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Das “Reichsmusterdorf” Dötlingen

Gestern führte mich mein Weg nach Dötlingen,  in den Landkreis Oldenburg.

Das Püttenhus ist ein ehemaliger Speicher, der zum kleinen Landheim der Hitlerjugend umgebaut wurde. Jetzt kann man dort heiraten.

Das dort angebrachte Armanen-Futhark auf Fachwerk begeistert mich. Zu sehen sind die Runen Kaun, Rit, Gibor/Wolfsangel und Fa.

Von der nationalsozialistischen Vergangenheit Dötlingens als “Reichsmusterdorf” zeugt auch der ehemaliger Thingplatz (???) mit Resten vom diesjährigen Osterfeuer auf dem Gierenberg

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Zum umgestürzter Stein mit ausgefräster nationalsozialistischer Symbolik, die auf der Unterseite kreisförmig zu erahnen ist,  erklärt eine Tafel unterhalb des Gierenberges: “Der große eiszeitliche Geschiebeblock, er stammt aus der Umgebung des Dorfes, fand, aufgerichtet von 1933 – 1945 als  Denkmal Verwendung.” Kein Wort davon, dass es sich dabei um ein Denkmal der nationalsozialistischen Machtergreifung handelt. Immerhin ist erfreulich, dass es überhaupt ein Hinweisschild gibt, auch wenn dort die eigentliche Bedeutung nur angedeutet wird.

Ein solcher vermeidender Umgang mit “unbequemen Denkmälern” ist mir bereits aus Emmerthal bekannt. Dort findet sich auf dem Platz der Reichserntedankfeste nur ein Schild, was Fauna und Flora erklärt; kein Wort wird über die dort veranstalteten Großereignisse verloren!  In Hannover dagegen ist die nationalsozialistische Vergangenheit des Maschsees mit einer Reihe von Informationstafeln vorbildlich erklärt. Auch der Sachsenhain ist, wenn man davon absieht, dass er schwer zu finden ist, ausreichend aufgearbeitet.  So unterschiedlich kann mit der Vergangenheit umgegangen werden.

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Bevor jedoch Dötlingen zum “Reichsmusterdorf” wurde, hatten sich hier Künstler wie u.a.  Georg Bernhard Müller vom Siel, August Kaufhold und Otto Pankok niedergelassen, die hier eine Künstlerkolonie bildeten. Hier finde ich Anknüpfungspunkte zu den Künstlerkolonien, die in der Ausstellung  “Mythos Heimat” im Landesmuseum Hannover aktuell gezeigt werden und über die ich bereits hier berichtet habe.

Das ist die romanisch-gotische Feldsteinkirche St. Friminus: Es wird vermutet, dass auch sie mit Steinen von Großsteingräbern gebaut wurde. Ich hatte Glück, dass die Tür offen stand und ich so auch einem Blick in das Innere werfen konnte.P1000124
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Die vor der Kirche liegenden Fischteiche, die eine schöne Aussicht ermöglichen,  habe ich leider nicht fotografiert.

Die Tausendjährige Eiche und der Tabkenhof, das größte Niedersachsenhaus in Nordwestdeutschland, gleich neben der Kirche, sind hier zu sehen. P1000121

 

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Dieses architektonisch gelungene Haus wurde von August Kaufhold, einem Maler,  errichtet, nachdem sein erstes Wohnhaus abbrannte. Es diente als Künstlertreffpunkt, später als Sitz des nationalsozialistischen Lehrerverbands und noch später als “Inklusions”betrieb.  Eine mehr als wechselhafte Geschichte liegt also hinter diesem Gebäude.

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Unweit davon – man muss nur die Hunte überqueren – befindet sich die Glaner Braut mit drei Großsteingräbern. Wunderschön.

Zurück im Dorf gibt es noch ein restauriertes Großsteingrab “Am Schießstand”,ca. 3500 bis 3000 v. Chr,  direkt am Einfamilienhaus gelegen, zu sehen.  Hier wurden umfangreiche Grabbeilagen gefunden, z. B. eine Bernsteinkette.

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Die Reise in die Unterwelt: Helheim

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Helheim ist das Reich der Toten, die durch Altersschwäche und Krankheit gestorben sind. Die Überlieferung sagt, dass die Toten, die einmal in Helheim angekommen sind, diese Welt, die durch einen Zaun, genannt Helgrind, umschlossen ist, nicht mehr verlassen können.

Helheim entspricht unserem Unbewusstein im Sinne des noch Nicht-Manifestierten und Unbekannten.

Auf einer räumlich-menschliche Ebene bezogen kann dies bedeuten, dass das eigene Unbewusste, was durch Helheim repräsentiert ist, in diesem Zustand gefangen ist, es sei denn, es würde durch eine Reihe hilfreicher Methoden ins Bewusstsein transformiert werden. Diese Methoden stehen uns in Midgard, der Welt, die wir momentan bewohnen, offen. Hier können wir Asgard erreichen und so selbst zum Gott/zur Göttin werden. Voraussetzung dafür ist aber immer die Reise in die eigene Unterwelt, zur Göttin Hel, die die antagonistische Energie zu Odin darstellt.

Die Reise auf dem Helweg dauert neun Tage. Dabei muss der Fluss Gjöll, der von Modgunn und vom Hund Garm bewacht wird, überwunden werden. Die Zahl Neun entspricht auch den Monaten der Schwangerschaft oder aber auch den neun Tagen, die Odin am Baum hing, um Wissen zu erlangen und der auf diese Art und Weise eine weibliche Initiationserfahrung, die als mögliches Potential immer durch Schwangerschaft und Geburt gegeben ist, nacherlebte.

Der Heilige Gral, von dem uns u.a. in den Artus-Sagen berichtet wird, ist nichts anderes als die Gebärmutter, die wohlige Höhle, aus der wir gekommen sind und zu der wir zurückkehren werden,wenn unser menschliches Dasein beendet ist. Der Gral kann als ein ein mittelalterliches Symbol für Helheim verstanden werden, genauso wie die blutige Lanze oder das Schwert eines für Asgard sein kann.

Welche Methoden sind dies aber, die uns nach Helheim führen können? Zwei Ansätze der verstandesmäßigen Selbstreflexion möchte ich hier kurz vorstellen.

Voraussetzung für beide Methoden stellt dar, dass wir auf einer zeitlich-menschlichen Ebene Helheim als ein Synonym für das ansehen, was wir in unserem Leben (noch) nicht manifestiert haben oder aber – auch interessant – jenes, was wir während unserer Lebensgeschichte „verloren“ haben. Im schamanischen Kontext spricht man hier von Seelenanteilen. Es ist das, was wir nicht gelebt haben, weil vielleicht ein traumatisches Ereignis uns den Mut, das Vertrauen und die Lebenslust genommen hat. Allerdings – bevor man nun leichtfertig den Entschluss fasst, jenes, was man verloren hat, zurückholen zu wollen – muss man sich zuerst einmal die Frage stellen, ob man dies überhaupt will? Wenn man nämlich tief in sich selbst hinabtaucht, wird man eventuell feststellen, dass damit auch eine gewisse Naivität zurückholen würde, denn schließlich haben uns eben gerade die negativ-traumatischen Erfahrungen der Vergangenheit nicht nur geschädigt, sondern uns auch neue Erkenntnisse, die wir vielleicht nicht mehr missen wollen, ermöglicht. Deshalb stelle ich hier noch einmal eindringlich die Frage: Wollen wir also Seelenanteile, die im Grabesschoß Helheims verborgen sind, WIRKLICH ins aktive Leben zurückholen? Und wenn wir diese Frage jetzt immer noch mit Ja beantworten, dann – und erst dann – sollten wir uns überlegen, wie wir das, was wir zurückholen wollen, mit dem integrieren können, was seitdem in unserem Leben an Erfahrungsschatz, neuen Einsichten und daraus resultierenden Weisheiten hinzugekommen ist? Wenn ich den entsprechenden Seelenanteil nun zurückholen möchte, dann sollte ich mir vorab darüber Gedanken machen, welche neuen Energien mir damit zur Verfügung gestellt werden, die gegebenenfalls die Kraft haben, das gegenwärtig manifestierte Leben zu verändern. Welche Resultate sind zu erwarten? Will ich das überhaupt in dieser Form oder ist die Gefahr zu groß, sodass ich dies ablehnen muss?

Eine weitere Möglichkeit mit Helheim zu arbeiten, erschließt sich uns durch die Frage, ob die Vergangenheit, die wir vielleicht nicht aus traumatischen Gründen, sondern einfach aus einer inneren Entscheidung heraus, nicht gelebt haben, für uns bisher unerkannte Potentiale der Selbstwerdung enthält?

Die eigenen Lebensgeschichte spiegelt doch immer den Sieg einer Entscheidung über andere Potentiale wieder. Wenn du darüber nachdenken möchtest, gehe gedanklich zurück zu einer solchen Entscheidungssituation und spiele alternativ das Leben durch, dass dir wahrscheinlich gewesen wäre, wenn du dich an einem möglichen  Zäsur-Punkt, an dieser Wegkreuzung, anders entschieden hättest. Eine solche Meditation, wie ich sie eben beschrieben habe, kann uns zu Potentialen in uns führen, die darauf warten, manifestiert zu werden. Dieser Prozess, den ich hier vorschlage, ist durchaus anspruchsvoll und kann uns auch leicht an unsere Grenzen bringen. Wenn ich damals z.B. keine Kinder bekommen hätte/einen anderen Job angenommen/ein anderes Studienfach belegt hätte/… , wie wäre dann mein Leben verlaufen? Und wenn ich diese Möglichkeiten dann gedanklich-imaginär durchspiele, stellt sich mir als nächstes die Frage, ob hier Potentiale erkennbar sind, die in der Gegenwart verwirklicht werden können?  Möchte ich diese ungelebten Potentiale jetzt in mein Leben holen oder lieber nicht? Und wenn nein, warum nicht? Wenn ich hier jedoch positive Möglichkeiten sehe, bin ich dann überhaupt noch in der Lage diese in meine Gegenwart zu integrieren oder muss ich notwendige Abstriche machen? Was davon kann ich JETZT, in diesem Augenblick, verwirklichen und in welcher Form?

Die aufgezeigten Methoden entfalten ihre ganze Kraft wenn sie mit künstlerischen Dialogen, Traumarbeit, Orakel und Ritualen kombiniert werden. Die Reflexionen sind erst der Anfang! Zu der zeitlichen Dimension kommt so die notwendige räumliche dazu, die im eigenen Ich verwirklicht wird.

Diese Methoden führen dich und mich zu Hel, der Unterweltsgöttin, die als Tochter von Loki beschrieben ist, und die – davon bin ich tief, sehr tief überzeugt -, die Allmutter selbst ist, die sich hier in ihrem dunklen Aspekt zeigt. Sie erwartet uns im Untergrund. Hagalaz, die Rune der Verwandlung und Transformation, die in sich alle weiteren Runen enthält, führt uns dabei in diese Verborgenste aller Neun Welten. Dort spinnen auch die Nornen, die Schicksalsfrauen, ihre Fäden, die die Unterwelt mit dem Himmel verbindet, denn das, was unten ist, ist gleichbedeutend mit oben. Und so treibt der Faden der Nornen in einer zirkularen Endlosschleife unser Bewusstsein linear voran und verbindet so Helheim mit Asgard. Beständig. Auch für dich!

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Abgefahren – Ostern in Lügde.


In Lügde ist alljährlich ein alter germanischer Brauch zu bestaunen. Dabei werden brennende Räder in das Tal hinabgestoßen. Der Erfolg des Laufes dieser Räder soll darüber entscheiden, ob das neue landwirtschaftliche Jahr erfolgsverheißend (oder eben nicht) sein wird. Das Feuerrad kann als ein Symbol der Sonnenscheibe gedeutet werden, die, wenn sie denn in das Tal gestoßen wird,  die Frühlings-Kräfte der  Natur entfachen soll.

Letztendlich geht es also darum, die Vitalität der Gemeinschaft nach einem langen und dunklen Winter zu erneuern.  Dies spiegelt auch Goethes Äußerungen  über das christliche Osterfest wieder (siehe Faust. Erster Teil):

 „Aus dem hohlen finstern Tor / Dringt ein buntes Gewimmel hervor. / Jeder sonnt sich heute so gern. / Sie feiern die Auferstehung des Herrn, / Denn sie sind selber auferstanden: / Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern, / Aus Handwerks- und Gewerbesbanden, / Aus dem Druck von Giebeln und Dächern, / Aus der Straßen quetschender Enge, / Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht / Sind sie alle ans Licht gebracht.“

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Dies ist der Sonnenwagen von Trundholm, in dessen Tradition – so hat es zumindest dem Anschein –  die Lüdger Osterräder stehen.

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Ein kleiner Nachtrag sei noch erlaubt: Interessanterweise lassen sich nämlich gedankliche Brücken zwischen dem von mir unlängst vorgestellten Käfach-Kunstprojekt und dem Lüdger Osterräder-Brauchtum  herstellen Schließlich werden dort leere Fruchthülsen, sprich Heu, genutzt, um besagte Oster-Sonnen-Feuerräder zu stopfen, auf dass der jahreszeitliche  Transformationsprozess erneut beginnen kann.

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Virtueller Kunstworkshop, Teil 2

Das Ergebnis meines virtuellen Kunstworkshops der letzten Woche gibt einen Eindruck davon, wie ein kreativer Prozess bei mir abläuft. Dies kann euch vielleicht animieren, es ähnlich zu versuchen oder aber eure kreativen Techniken mit meiner zu vergleichen.

Konkret habe ich ausgehend von einem zufällig ausgelosten Begriffes des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm in einem durchaus als tranceartig-schamanistisch zu beschreibenden Zustand Kornähren gemalt, die sich immer mehr zur Rune Othala verformten. Die Deutung dieser Rune habe ich dann erneut mit dem Begriff des Wörterbuches verknüpft, was wiederum neue Assoziationsketten freisetzte, die mich – was aber in der Video-Präsentation nicht eingearbeitet ist – letztendlich bis zu den Walküren, den germanischen Totendämonen, führten.

Mittels dieses spielerischen Prozesses kreiere ich, indem ich Kontexte verschiebe und das Bewusstseinsfeld der Synchonitäten für mich nutze, individuelle Mythologien, die aber durchaus das Kraftfeld tradierter Mythen berühren und mit ihnen wiederum in Dialog treten. Dies schafft einen rational-intuitiven Wachstumsprozess (Xeper!), kann aber auch – das ist quasi der doppelseitige Nutzen – das angesprochene Kraftfeld im objektiven Universum mäandernd-ausweitend befördern.

Und wie sieht es bei denjenigen aus, die ein solchermaßen initiiertes Kunstprodukt konsumieren – vielleicht sogar unwissend? Wird der Betrachter durch seine Rezeptionen und Interpretationen nicht auch in das Kraftfeld befördert, geht in das Gespräch damit und wird so selbst zum Teil des Stromes des Werdens? Und wenn er dies nicht ignoriert oder negiert, kann es ihn dann nicht auch befördern, sein Selbst beständig zu transformieren? Ist nicht genau dies die heilende Wirkung von Kunst, die sich als erweiterter “Aura” -Begriff beschreiben lässt?

Zum Nachlesen: Vorstellung der Projektidee
Weitere Erklärungen zum Konzept der Individuellen Mythologien finden sich hier.

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Yggdrasil

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Das ist der Weltenbaum, den ich hier ins Bild gesetzt habe. Nicht jede der neun Welten habe ich beschriftet und so erkläre ich euch hier kurz meine künstlerische Interpretation der neun Welten.

In der germanischen Schöpfungsgeschichte waren  am Anfang waren Feuer und Eis. Und so steht die Farben Blau für Niflheim, wo die Kälte  und der Nebel herrschen. Das feurige Muspelheim dagegen ist rot. Jötunheim, das Reich der Riesen, ist durch den  düsteren Alien-Kopf vertreten. Der Arm des Riesen greift nach Midgard, dem Reich des Menschen, das ich in der Mitte des Bildes, zusammen mit einer Gebo-Rune, platziert habe. Der Baumstamm ähnelt  einer weiblichen Brust, die für den ewigen Zyklus von Geburt und Tod stehen soll, den wir als Menschen unterworfen sind.

Swartalfheim, das Reich der Zwerge, ist durch das Haus im grünen Bildteil symbolisiert. Die Zwerge sind Kunsthandwerker und Schatzhüter und so versorgen sie uns, wenn sie es denn wollen, mit kraftvollem magischen Hilfsmitteln, die unseren Lebensweg erleichtern können.

Der Baumwipfel, den ich als grünen Kopf gemalt habe, steht  sowohl für das Reich der Wanen als auch für das der Asen.

Die Wanen als Fruchtbarkeitsgöttinnen  und -götter   geben uns  das Bild einer nicht-hierarchischen  Welt vor, die von Sanftmut und Ruhe geprägt ist. Sie ist gekennzeichnet durch  friedlichen Ackerbau, eines Gefühles des Sich-Wohlfühlens,  eines natürlich-organischen Wachstums,  das  sich in den Zyklus des Jahres einreiht. Feste, die dies – zur Freude aller Beteiligten – zelebrieren, kennzeichnen den Jahreslauf.  In dieser Welt will  Kunst „schön“ und harmonisch sein und schert sich nicht um Perfektionsansprüche, hat selbst vor „Kitsch“ keine Angst. Schön ist, was uns gefällt. Eine Trennung zwischen professionellen Künstlerinnen und Konsumentinnen gibt es nicht, alles vereint sich im friedlichen Reigen eines immerwährenden Festes. Selbst der Tod ist hier niemals  ein endgültiger und schrecklicher Zustand, vielmehr nur wieder Voraussetzung für einen neuen Zyklus des Werden und Vergehens.  Alles löst sich auf, wird eins mit einer universellen Erd-Energie, die im unendlichen Kreislauf empfängt und gebärt.

Doch die Natur ist niemals nur unumschränkt gut, gehört es schließlich zu ihr, unser individuelles Sein für das Bestehen des Großen und Ganzen auszulöschen. Und deshalb benötigen wir auch den odinischen Einweihungsweg, der zur Welt der Wanen parallel besteht. Darüber hinaus steht Vanaheim  am Anfang und am Ende der Heldenreise.

Hier kann sich der Mensch – kraft seines eigenen Willens – vom natürlichen Kreislauf trennen und so selbst  zum Asen, zum Gott, werden.

Für mich stellt die Welt der Asen,  innerhalb des Systems der neun Welten, die männlich konnotierte heroische Welt dar, die kämpfend und erobernd bemüht ist, das eigene Bewusstsein zu entwickeln und so Unsterblichkeit erlangt. Campbell, ein Mythenforscher, hat die Stationen einer solchen Heldenreise eindrucksvoll herausgearbeitet.

Beide Wege, der der Asen und der der Wanen,  sind sowohl für Frauen als auch für Männer begehbar. Im Idealfall sollte der Mensch die parallelen Welten nach Belieben wechseln können und so letztendlich eine “Hochzeit” zwischen ihnen herbeiführen können.   Diese Synthese führt uns zu Lichtalfheim, das ich im Bild durch den Hohlspiegel angedeutet habe und was in der Mythengeschichte  im Gral seinen adäquaten Ausdruck gefunden hat. Hier findet sich die wahre Aristokratie, die durch Herzensgüte und der Fähigkeit zur Emphatie, wie sie uns im Parzival vermittelt wird, gekennzeichnet ist.

Im unteren Bildabschnitt herrscht die Göttin Hel, die Totengöttin, die uns im Märchen als Frau Holle überliefert ist. Die Rune Hagalaz steht hier für die Kraft der Transformation, die aus dem Tod Leben erschaffen und das Leben zum Tod führen kann.

Unterhalb der Esche, bei einer Quelle, sitzen die Nornen, die Schicksalsfrauen, die ihren Faden nicht nur in die menschliche Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft gleiten lassen, sondern uns auch anleiten können, einen Faden in das Kraftfeld des Bewusstseinsfeldes, einer Spinne gleich, zu werfen, dass das menschliche übersteigt und dass uns das Begehen der aufgezeigten Initiationswege erst ermöglicht.

Auch die Schlange, rechts im Bild,  verbindet die Welten miteinander und soll ausdrücken, dass als Magierin und Schamanin die Welten beliebig zu bereisen sind.

An einigen Stellen habe ich weiße Flächen stehengelassen, die mit ihren Verschmutzungen und Farbflecken  einen “Arbeitscharakter” vermitteln sollen. Dies ist künstlerische Absicht, denn schließlich sind die aufgezeigten Wege niemals abgeschlossen und immer individuell neu entdeckbar.

Die Aufschrift “Germanische Frühkunst” verweist auf Heinrich Mohrmann, der sich in der Bethlemhemkirche in Hannover von einer germanischen Frühkunst hat  inspirieren  lassen und dabei etwas Neues geschaffen hat, nämlich seine eigenen künstlerisch-individuellen Mythologien – genauso  wie ich.

Über mein Konzept der Individuellen Mythologien habe ich u.a. hier geschrieben: Artist Statement

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