So viele Chinesen: Ein Ausflug nach Hallstatt im Salzkammergut

Jetzt – in den Zeiten der Pandemie und des beschränkten Tourismus – wird es auch in Hallstatt ruhiger geworden sein, letzten Herbst, am 12.10.2019, als ich dort war, schien mir der Ort der materialisierte Alptraum eines Tourismuskritikers zu sein.

Massentourismus

Seit nämlich der gesamte Ort im Jahre 2012 als Kopie in China neu errichtet worden ist, treibt es die chinesischen Touristen auf Europaerkundung in Massen dazu, sich das pittoreske Original anzuschauen und es per Kamera abzulichten.

Die freie Wirtschaft reagiert auf die erhöhte Nachfrage und so werden in Salzburg eine Reihe von organisierten Touren angeboten, die das schnelle Abhaken der wichtigsten Sehenswürdigkeiten garantiert.

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Corona-Tagebuch

Das gesellschaftliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Lock-Down wird es genannt und ich suche, wie so häufig in den Zeiten der globalisierten Hast und Eile nach einer angemessenen deutschen Bezeichnung dafür. Der Duden schlägt mir „Ausgangssperre“ vor und entlarvt den englischsprachigen Begriff als das, was er in Wirklichkeit ist: ein Euphemismus. 

Anstatt die Grenzen zu schließen, hat die Politik, die jetzt eifrig darum bemüht ist, freiheitlich-demokratische Grundkräfte außer Kraft zu setzen, die Bürger dieses Landes in ihren Wohnungen eingesperrt und ihnen Kontaktverbote aufgelegt. Ist nun „der gräßliche Höhepunkt unserer Höhepunktkultur“, wie es Fritz Leiber in seinem Corona-Roman „Herrin der Dunkelheit“ so passend beschreibt, erreicht?

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Kleine Wendland-Rundfahrt

Alljährlich wird im Wendland zwischen Himmelfahrt und Pfingsten die kulturelle Landpartie veranstaltet (siehe hier). Die Region glänzt dann mit diversen Veranstaltungen, die an unterschiedlichsten Plätzen stattfinden. Ich nehme an, dass die optimistischen Veranstalter davon ausgehen, dass die Besucher mit Fahrrädern von Rundlingsdorf zu Rundlingsdorf fahren und dort, beim selbstgemachten Kuchen und Heilkräutertee, „vielfältigste“ Musikveranstaltungen genießen, Kunstausstellungen besuchen oder sich über den Widerstand gegen die Atomkraft und das bäuerlich-ökologische Leben im Selbstversorgergarten informieren lassen. In der Tat wird es genau dieses Besucher-Klientel auch geben, doch hatte ich den Eindruck, dass ein nicht unerheblicher Anteil von Wendland-Wochenendtouristen mit Wohnmobil anreist, sich mit ihren luxuriösen Fahrzeugen auf die extra für die kulturelle Landpartie als Parkplätze freigegebenen Wiesen stellt und dann erst die mitgebrachten Fahrräder von der Befestigung löst, um hernach „ökologisch“ loszuradeln.

Lifestyle Ökologie

„Wasser predigen und Wein saufen“, fällt mir dazu ein. Dieser Slogan spiegelt sowieso meinen Gesamteindruck wieder, schließlich misstraue ich auch den mir präsentierten Öko-Idyllen auf das Schärfste.

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Meinungsfreiheit in Gefahr!

Über Geld spricht man nicht, genauso wenig wie über Politik und  Religion. Das ist eine Alltagsweisheit, die immer dann eingehalten wird, wenn man in Begegnungen mit anderen Menschen im konfliktlosen, aber auch seichten Fahrwasser, bleiben möchte.

Das Themengebiet der Politik lässt sich in einem Deutschland, dessen soziales Gefüge  sich „zwischen den Kräften des Hergebrachten und denen des ständigen Fortbringens, Abservierens und Auslöschens“ schon im Krieg befindet, nicht mehr vermeiden, wie ich auch unlängst in Weimar feststellen musste. Wohingegen im oben ausschnittsweise angeführten  Zitat  von Botho Strauß  noch einen Krieg prophezeit (siehe sein wortgewaltiges Spiegel-Essay „Anschwellender Bockgesang von 1993, online), sind wir jetzt, im Jahre 2018,  schon mittendrin und  eine diskursive Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Meinungsvertretern ist kaum noch möglich, wird doch der jeweilige politische Gegner von der Mainstream-Gesellschaft gerne als „Nazi“ und damit für vogelfrei erklärt. Und fast alle machen mit! „Meinungsfreiheit in Gefahr!“ weiterlesen

Die letzte Woche im Zeichen von Aida und 70 Jahre Israel

Aida im Opernhaus Hannover

Ach, die letzte Woche war anstrengend. Nicht nur, dass mein Koffer von der Gardaseefahrt noch nicht ausgepackt ist und die bleierne Müdigkeit der Langstrecken-Busfahrten nicht bei mir überwunden zu sein scheint, zu allem Überfluss versprach auch die aktuelle Aida-Inszenierung ( hier! ) im hannoverschen Opernhaus am Dienstagabend keine Entspannung.

Die Eintrittskarte waren  günstig, die Plätze verhießen eine gute Sicht und so machte ich mich mit einer Freundin in das hannoversche Opernhaus auf. Das hat mich ja schon wiederholt enttäuscht , was ich wohl verdrängt haben musste, denn schließlich informierte ich mich, schrecklich naiv war das, vorab nicht darüber, wer da in der Regie, steuergeldfinanziert und in Watte gebettet, seine pubertären und politisch-korrekten Alpträume ausleben durfte. Es ist der gleiche Regisseur, der auch schon die unsägliche und aktuell wieder aufgenommene hannoversche  Freischütz-Aufführung zu verantworten hat und der anscheinend in Hannover protegiert wird.

Und so machten alle bei der großen Propagandashow  mit:  die Sänger, der Chor, die Bühnenbildner, … usw. Oper auf LSD:  Auf einem Bühnenraum, der an Proben-Situationen angelehnt ist,  stürzte eine mediale Reizüberflutung auf mich ein. Ich hielt aus und ertrug sowohl das Frauen-Schlammcatchen als  auch die SM-Priesterin vor Fackelträgern: STOISCH!  Was blieb mir auch anderes übrig, schließlich saß ich mittig in einer  Zuschauerreihe:  GEFANGEN!  Als dann aber auf schwarzer Leinwand Fragen eingeblendet wurden, die mich zum „richtigen“ Denken im Sinne des Regisseurs erziehen  wollten, war meine emotionale Verfassung  kurz vor lautstarken Buh-Rufen angekommen. Dass ich davon Abstand nahm, ist einzig und allein den musikalischen Leistungen  der Sänger und des Orchesters geschuldet.

Als der Vorhang zur Pause fiel, war ich in erster Linie ERLEICHTERT, konnte ich so  endlich meinem Unmut in Gesprächen Luft verschaffen und auch das Opernhaus VERLASSEN. Zuvor empfahl mir eine Besucherin die Augen zu schließen und einfach die Musik zu genießen. Sie mache dies auch so.

70 Jahre Israel

Am Donnerstag feierte  der Staat Israel sein 70jähriges Bestehen. Die Feierstunde im Alten Rathaus erstaunte mich insofern, als fast alle Redner kein optimistisches zukunftsweisendes Bild zeichneten, sondern stattdessen immer wieder auf die Shoah verwiesen, sodass bei mir fast der Eindruck entstehen konnte, als dass diese quasi als negativer Gründungsmythos für den jungen Staat  herhalten soll. In einer der vielen Reden wurde gar betont, dass Israel immer eine Zufluchtsstätte darstellt, falls denn antisemitische Übergriffe in Deutschland zunehmen würden. Dabei wurde  u.a. auf dem jüngsten Überfall  auf dem Kippa tragenden Israeli durch einen Syrer  in Berlin Bezug genommen.

Nach all den schwermütigen und „politisch korrekten“ Reden  (mit Bashing der üblichen Verdächtigen, inkl. einem Seitenhieb auf Martin Luther) gab es dann ein Konzert vom Grinberg Quartett mit Klezmer-Musik.  Auch eingängige Schlagern waren zu hören. Diese heiterten – gegen Ende der Veranstaltung – die Stimmung freudvoll auf. Das Buffet tat sein übriges und so fand ich mich bald in kurzweilige Gespräche mit Israelreisenden verwickelt. Meine Neugierde wurde jedenfalls geweckt: Sollte ich Israel auch einmal besuchen?

Warum es hier keinen offensichtlichen Mehrwert für dich gibt! Reflexionen über das Bloggen

Meine knappe Antwort lautet: … Weil ich gegen ökonomische Kategorien verwehre und ich eher das Konzept des inspirierenden Müßiggangs verfolge. Da wird dann Tagebuch geschrieben, um sich selbst weiterzuentwickeln.

Dazu passt ganz schön das folgende Zitat von Rudolf von Laban.

„Der Mensch bewegt sich, um ein Bedürfnis zu befriedigen. Mit seiner Bewegung zielt er auf etwas hin, das für ihn von Bedeutung ist. Das Ziel seiner Bewegung ist leicht zu erkennen, wenn diese sich auf ein konkretes Objekt richtet; es können aber auch immaterielle Dinge sein, die eine Bewegung auslösen.“ (Laban, Rudolf von: Die Kunst der Bewegung. Wilhelmshaven 2003, S. 9)

Blogs, nicht nur Reiseblogs, sind ja ebenfalls Bewegungen, die irgendwohin führen. Vor dem virtuellen Zeitalter haben wir beim Schreiben die Feder geschwungen und sie über ein Blatt Papier tanzen lassen. „Warum es hier keinen offensichtlichen Mehrwert für dich gibt! Reflexionen über das Bloggen“ weiterlesen

Alles erledigt und offen für das Neue! 

EH, Mischmaterialien, 29 x 39.5 cm, Rauhnächt 2017/18

Die Weihnachtstage habe ich im Kreis meiner Familie verbracht. Endlich war Zeit, um die Serie meiner Blogbeiträge über meine Rumänien-Rundreise fertigzustellen. Die Zeit der Dunkelheit gab auch genug Gelegenheiten, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Bücher konnten gesichtet werden und ich stellte fest, dass, selbst wenn für ein halbes Jahr der Kontakt zur Außenwelt abreißen würde, ich genug zu lesen und zu bedenken hätte.

Die Neujahrskartenlegung bestätigte mir das, was ich ohnehin schon wusste, führte es mir aber noch einmal eindringlich vor Augen. Diesmal nutzte ich das an das Crowley-Tarot  angelehnte „Black Flame Tarot„.

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In Draculas Reich. Teil 7

Ich setze meinen Bericht meiner Rumänien-Rundreise fort.  Die vorhergehenden Teile findet ihr hier: Teil 1  Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6

Nach dem Frühstück im Hotel Piemonte in Predeal fuhren wir heute (6.10) in das nahegelegene Kronstadt (rum. Brasov).

Einst hatte der ungarische König Andreas II dem Deutschen Ritterorden das Burgenland zur Sicherung der Karpatengrenze überlassen. Die Siebenbürger Sachsen entwickelten den königlichen Burgflecken hin zu einer Freistadt, die seit 1251 den Namen Kronstadt trägt. Im 16. Jahrhundert war Kronstadt religiöses und kulturelles Zentrum des Butzenlandes (südlicher Teil von Siebenbürgen), wozu die den Siebenbürger Sachsen ausgesprochenen Privilegien wie Gerichtsbarkeit und freies Marktrecht  u.a. wesentlich  beigetragen haben.

Auf dem Bild ist der Marktplatz zu sehen mit dem Berg Tampa und seiner Seilbahn im Hintergrund.  Der Berg scheint aus dem Marktplatz herauszuwachsen, weswegen auch schon der ein oder andere Bär auf Nahrungssuche in Kronstadt gesichtet worden sein soll.

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Münchhausen in Agfacolor

Kürzlich lief auf Arte der UFA Klassiker Münchhausen.  Was für ein fantastisch-abgedrehter Film!

Interessanterweise kann ich mir, trotz seines Alters, noch immer ansehen und dabei im Filmgenuss schwelgen. Nicht bei allen Filmen funktioniert das. So wollte ich mir letztens mal wieder „Momo“  anschauen, musste  dann aber bereits nach den ersten 10 Minuten ausschalten, weil mir das alles doch viel zu albern vorkam.

Ganz anders beim Münchhausen-Film. Während des Schauens stiegen bei mir ganz langsam wieder Erinnerungen auf, hatte ich diesen Film ja in meiner Kindheit schon  gesehen, aber alles vergessen, vor allem war mir überhaupt nicht mehr bewusst, wie  kreativ dieser Film ist, der sich nur grob an die Münchhausen-Vorlage hält, ansonsten aber einen wilden Plot aufbaut, der zwischen der Gegenwart und der märchenhaften Vergangenheit hin und her springt und so die lineare Zeiterfassung außer Kraft setzt.

Erich Kästner hat übrigens Regie geführt. In Dresden, wo er aufgewachsen ist, gibt es  im Haus seines Onkels ein Museum, was seinen literarischen Schaffen gewidmet ist. Eine Figur, die Erich Kästner Kindheits-Ich darstellt, sitzt frech auf der Grundstücksmauer. Als ich vergangenen Samstag in Dresden war, ist der rote Doppeldeckerbus der Stadtrundfahrt daran vorbeigefahren.

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„Metropolitan“ im GOP-Varieté Hannover

Die Üstra wird 125 Jahre alt und feiert sich, genauso wie das GOP, das es in der aktuellen Version seit 25 Jahren gibt. Auch das „Feuerwerk der Turnkunst“ hat Grund zum Feiern, wird es nämlich 30 Jahre alt. Alle drei Jubiläen sind zusammengeführt in eine Show, in der die Üstra das Thema und das Bühnenbild liefert, das GOP den exklusiv-plüschigen Veranstaltungsort und den ein oder anderen Künstler beisteuert  und die „Turnkunst“ eben durch die Turner beteiligt ist.

„Metropolitan“ wird bis zum 29. Oktober  im GOP Hannover gezeigt. Darin fährt eine längs halbierter Straßenbahnwaggon der Baureihe TW 2000 („Silberpfeil“) durch Hannover und bildet die Kulisse für Akrobatik und andere sportliche Darbietungen.

Das ist nur insofern eine neue Idee, als dass hier ein  „echter“ Stadtbahnwagen auf der Bühne steht und vor den Fenstern der Bühnenbahn die Fahrkulisse von realen Silberpfeil-Fahrten abläuft, ansonsten handelt es sich hier um eine Anlehnung an „Linie 1“. Der “barrierefreie“  Rahmen wird nun als Hintergrund genutzt, um verschiedenartigste Darbietungen wie Breakdance, Poledance, Luftakrobatik und Clownerie zu zeigen.

Mehrheitlich hübsche junge Menschen vollführen dabei akrobatische Übungen, gerne auch mal mit nacktem Oberkörper, was manche der anwesenden Damen zu Schreiattacken animiert. So muss es auch zugehen, wenn die Chippendales auftreten. Etwas verlegen nippe ich am Bier, was mir ein freundlicher Kellner, der jedoch kaum deutsch spricht, gebracht hat. Egal. Es ist sowieso  laut hier und der imaginäre Zug rollt weiter durch hannoversche Landschaften. Im Bühnen-Waggon wird wohlgefällig getanzt und geturnt, zwischenzeitlich taucht ein skurriler älterer Herr auf der Bühne auf, der „Hilfe“ schreit und wohl für die Komik zuständig ist. Inhaltlich ist es das schon und ich ahne, dass ich für die Varieté Kunst nicht gemacht bin. Ich hätte mir doch mehr Anleihen an die Realität des öffentlichen Nahverkehrs gewünscht, als es die Songs, die kurzzeitig von Stress und vollen Bahnen trällern, mir ermöglichen. Selbst die muskelbepackten  Mitarbeiter des privaten Wachdienstes, die tagtäglich in der Stadtbahn zu erleben sind,  haben sich hier in fragile  Turner verwandelt, die zu sexy Musik ihre Schlagstöcke und ihre Hüften hüpfen lassen. Nichts ist zu sehen von kotzenden Teenagern auf der Fahrt in den „Funpark“, eingepissten oder wahlweise testesterongeladenen Männer in gespreizter Beinstellung, die einen kaum Platz lassen und schwer schaukelnden Zügen, die einen in Körperkontakt mit Menschen bringen,  mit denen man diesen niemals haben wollte. Nichts ist zu hören, von einer babylonischen Sprachvielfalt, die einem bei der Fahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr daran zweifeln lässt, noch in Deutschland zu sein und deren Lautstärke das nordeuropäisch konstituierte Gehör mit größten Herausforderungen konfrontiert.

Man hätte all diese Realitäten  ja durchaus ironisch-überspitzt und in homöopathischer Dosierung angehen können. Die Wohlfühlatmosphäre wäre so nicht gestört und die Gehirnzellen des Publikums wären dennoch ein wenig in Arbeit gekommen. Doch ich muss einsehen, dass es darum hier nicht geht, vielmehr steht die leichte Unterhaltung und der Körper und was Menschen fähig sind, damit anzustellen, im Fokus. Und das ist durchaus beeindruckend.