Warum es hier keinen offensichtlichen Mehrwert für dich gibt! Reflexionen über das Bloggen

Meine knappe Antwort lautet: … Weil ich gegen ökonomische Kategorien verwehre und ich eher das Konzept des inspirierenden Müßiggangs verfolge. Da wird dann Tagebuch geschrieben, um sich selbst weiterzuentwickeln.

Dazu passt ganz schön das folgende Zitat von Rudolf von Laban.

“Der Mensch bewegt sich, um ein Bedürfnis zu befriedigen. Mit seiner Bewegung zielt er auf etwas hin, das für ihn von Bedeutung ist. Das Ziel seiner Bewegung ist leicht zu erkennen, wenn diese sich auf ein konkretes Objekt richtet; es können aber auch immaterielle Dinge sein, die eine Bewegung auslösen.” (Laban, Rudolf von: Die Kunst der Bewegung. Wilhelmshaven 2003, S. 9)

Blogs, nicht nur Reiseblogs, sind ja ebenfalls Bewegungen, die irgendwohin führen. Vor dem virtuellen Zeitalter haben wir beim Schreiben die Feder geschwungen und sie über ein Blatt Papier tanzen lassen. “Warum es hier keinen offensichtlichen Mehrwert für dich gibt! Reflexionen über das Bloggen” weiterlesen

Alles erledigt und offen für das Neue! 

EH, Mischmaterialien, 29 x 39.5 cm, Rauhnächt 2017/18

Die Weihnachtstage habe ich im Kreis meiner Familie verbracht. Endlich war Zeit, um die Serie meiner Blogbeiträge über meine Rumänien-Rundreise fertigzustellen. Die Zeit der Dunkelheit gab auch genug Gelegenheiten, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen. Bücher konnten gesichtet werden und ich stellte fest, dass, selbst wenn für ein halbes Jahr der Kontakt zur Außenwelt abreißen würde, ich genug zu lesen und zu bedenken hätte.

Die Neujahrskartenlegung bestätigte mir das, was ich ohnehin schon wusste, führte es mir aber noch einmal eindringlich vor Augen. Diesmal nutzte ich das an das Crowley-Tarot  angelehnte “Black Flame Tarot“.

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Der zweite Tag in Venedig und meine Gedanken zur aktuellen Kunst-Biennale. Teil 2

Der Samstag begann mit einer zweistündigen Stadtführung durch Venedig.

Wir bekamen dabei ein Audiogerät und Kopfhörer ausgehändigt, sodass wir die Führung, trotz der Besuchermassen in Venedig, gut verfolgen konnten.

Wir hielten uns dabei lange Zeit auf dem Marktplatz auf und bekamen nähere Informationen zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten präsentiert. Danach schlenderten wir durch das Gewirr der kleinen Straßen von Venedig, begleitet von  durchaus unterhaltsamen Erklärungen unserer Führerin Elisabeth.

Die Figur auf der Säule soll den Sieg über das Heidentum darstellen.

Mir hat die Stadtführung sehr viel Freude bereitet  und ich kann sie unumschränkt empfehlen. Man sieht schließlich nur, was man weiß und eine professionelle Führung kann den  ersten Zugang  erleichtern. Danach sollte man sich dann die Zeit nehmen, um seinen eigenen Vorlieben nachzugehen oder sich einfach treiben zu lassen, um sich von dem überraschen zu lassen, was einen begegnet.  So ähnlich halte ich es auf all meinen Reisen. “Der zweite Tag in Venedig und meine Gedanken zur aktuellen Kunst-Biennale. Teil 2” weiterlesen

Einblicke in die Kunst- und Tanztherapie 

Jetzt bin ich ja vielseitig interessiert und immer da, wo Kunst nicht für einen angenommenen Markt produziert wird, was ich Kunsthandwerk nenne, selbst wenn ein selbsternannten Malerfürst Kunst produzieren lässt, da ist es der Selbsterfahrungsprozess eines Künstlers, ausgenommen seien hier nur diejenigen, die dies aus Kalkül vorgeben, in Wirklichkeit aber Projekt- und Event-Management betreiben, was dann einen kreativen Mischmasch aus Kunsthandwerk und Wirtschafts-Blablabla ergibt.

Zurück aber zum Selbsterfahrungsprozess, denn da sind wir schnell bei den der Kunst innewohnenden heilenden Charakter, den jeder der sich längere Zeit in künstlerische Prozesse begibt, erfährt, angekommen. Von hier aus ist es dann nur noch ein kleiner Schritt zu der Überlegung, wie auch andere angeleitet werden können, die wohltuende und selbsttransformierende Kraft der Kunst, die dann, wenn sie erschüttert und verändert,  manchmal auch nicht mehr ganz so vordergründig wohltuend sein kann, zu erfahren. Das, was wirklich verändert, ist schließlich selten “Wellness”.

In die therapeutische Arbeit,  die mit den mir hinreichend bekannten  pädagogischen Ansatz gewisse Überschneidungen aufweist, habe ich mich dieses Wochenende einführen lassen.

Drei Workshops habe ich mitgemacht. Im ersten haben wir, ausgehend vom Grimmschen Märchen Jorindel und Joringel die Szene gemalt, die von uns am prägnantesten erlebt wurde und anschließend besprochen. Im zweiten haben wir uns vom Rhythmus der Musik zum künstlerischen Ausdruck beschwingen lassen und im dritten erfuhren wir tänzerische Bewegungsmeditationen.

Insgesamt war das ein inspirierend-großartiges Wochenende mit angenehmen Menschen.

 

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Spielend. Tanzend. Verändernd?

Im Rückblick auf das letzte Wochenende gibt  es neben der Prekarität des besuchten Stadtviertels und den Verwerfungen des hannoverschen Nahverkehrs natürlich auch einiges über den Tanz zu berichten.

An drei Tagen erlebte ich  im TuT ein Wechselspiel zwischen Bewegung und Innehalten. Langsam bin ich dabei durch die Zeiten getanzt, habe mich in extrem Emotionen hineingesteigert, um dann in einer grotesken Pantomime innezuhalten. Erstaunt hat mich dabei, was im Zusammenspiel mit den Mittänzern entstehen kann und dies, obwohl ich doch selbst lieber  alleine  tanze und den allzu nahen  menschlichen Kontakt scheue: Contemporary Dance – damit habe ich so meine Schwierigkeiten. 
Erfreut hat mich nicht nur das selber tanzen und das Erproben eines eigenen Ausdrucks, sondern  auch das Zuschauen bei den Tänzen der anderen Kursteilnehmern.

Anstrengend war das vergangene Wochenende zweifelsohne, auch weil es dabei tänzerisch-schauspielerische Aufgaben gab, die mir, beim Versuch der Überschreitung, meine Grenzen deutlich machten. Möchte ich diese überhaupt überwinden? Kann es mein Leben flexibler gestalten, hier neue Ausdrucksmöglichkeiten zu praktizieren, denn schließlich führt eine Veränderung im körperlichen Ausdruck immer auch zu  persönlichen Wandlungen. Da aber, wo sich die eigene Persönlichkeit verändert,  gerät auch das Gefüge der eigenen Realität ins Wanken.  Oder möchte  ich auf dem, was sich für mich als wirksam erwiesen hat, beharren und dieses notfalls auch verteidigen?

Die vielen Regieanweisungen störten mich, bin ich es doch gewohnt, die Macherin zu sein. Andererseits führte mich die Steuerung durch die  Lehrerin zu Bewegungen, die ich sonst wohl nicht  für mich entdeckt hätte. Grenzen erweitern sich. Den Kontakt scheue ich weiterhin.

Tanz ist eine fließende Kunst, die durchaus magische Wirkung entfalten kann. Die Bilder entstehen und vergehen gleichfalls im Meer der Zeiten. Ich möchte das Gesehene festhalten, doch schon sind die vielfältigen Bilder, innere wie äußere, verschwunden. Nur der Raum bleibt, erweitert  sich aber gleichsam in der eigenen Imagination immer wieder zum beschwingten Spielplatz. Spielend. Tanzend. Verändernd!

Innehalten und reflektierend: Möchte ich das Projekt in der Gruppe weiterführen? Ich weiß es (noch) nicht.

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Improvisiert aus der Realität tanzen! 

So ein stressiger Morgen.

Die U-Bahn fährt mir mal wieder vor der Nase weg. Dann sitze ich in der überfüllten Bahn neben einem ca. fünfjährigen. Kopftuchmädchen, das sich, so die gern von den Medien rezipierte Version,  selbstverständlich eigenverantwortlich für Ihre Bedeckung entschieden hat. Der Großvater,  der daneben sitzt, sieht aus, als ob er gerade aus einem abgelegenen anatolischen Dorf gekommen wäre, wahrscheinlich lebt er aber seit ca. 40 Jahren in Deutschland und hat sich erfolgreich nicht integriert. Warum auch? Die Mama trägt ebenfalls Kopftuch und redet türkisch mit Tochter und Sohn.

Ich mag diese neue Welt nicht. Ab der Stadtmitte höre ich ausschließlich nur noch ein Gemisch aus arabisch und türkischer Sprache: “Salem aleikum” und ich bin fremd im eigenen Land. Schwarze Kopftuchmädchen, die aussehen, wie den Bilder der entführten Mädchen von Boko Haram entsprungen, steigen ein. In der Nordstadt gibt es ja viele Moscheen.

Mich dagegen zieht es zum TuT, wo es, gleich gegenüber der städtisch geförderten Antifa Hochburg UJZ Kornstrasse und der alevitischen Glaubensgemeinschaft und neben der Gesellschaft “Islam verstehen e. V.” Improvisationstanz für Menschen ab 50 Jahren gibt. Die Zeit scheint hier erst einmal stehen geblieben zu sein und ich bin erinnert an Zeiten, wo auch ich noch an eine freudige multikulturelle Gesellschaft, die von toleranter Vielfalt geprägt ist, geglaubt habe. Und so tanze ich dann hier all meine Frustration, untermalt von Klangschale und Thunder Drum, einfach weg. Realitätsverweigerung hilft: zumindest kurzzeitig.

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Georg Kolbe, der Tanz und andere Entdeckungen

Der Georg-Kolbe-Hain ist ein magisch anmutender Platz. Dionysos ist hier zu Hause und sicherlich noch viele andere magische Gestalten.

Ursprünglich war er als ein kleiner Landschaftspark angelegt worden, der die niedersächsische Landschaft nach Berlin holen sollte, ähnlich wie wir in Hannover den Hermann-Löns-Park kennen, der die Weite Norddeutschlands in die Landesshauptstadt holt. In Berlin jedoch wurde das Konzept aufgegeben und der kleine Park in den 50ziger Jahren Georg-Kolbe umgewidmet. Das Eingangsportal mit seinen Pferde-Giebeln zeugt jedoch noch von der ursprünglichen Intention des Gartengestalters.

Mir selbst war, auch schon vor meinem Besuch, Georg Kolbes Geschwisterpaar am hannoverschen Maschsee  bekannt, wo Mann und Frau gleichermaßen stark wie auch ansprechend dargestellt werden, was auch in der heutigen Zeit, wo Frauenbilder mehrheitlich die Ikonographie der Verführung und dümmlichen Unterordnung bedienen, selten ist.

Georg Kolbe hat sich mit der inneren Stärke des Menschen, egal ob Mann oder Frau,  auseinandergesetzt. Wie manifestiert sich das in der Körperlichkeit und wie lässt sich dies  künstlerisch darstellen, waren wohl Fragen, die ihm bewegt haben. Während sich im  Skulpturengarten seines ehemaligen Wohnhauses die Tänzerin  noch leichtfüßig über die Wasserdämonen erhebt, ringt Zarathustra schon kraftvoll mit sich selbst, um zum Übermenschen zu werden. Auch die Frau, die sich über die Natürlichkeit erhebt, erscheint gleichermaßen schön wie auch stark. All dies zeugt u.a. auch von Georg Kolbes intensiver Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsche, was nicht nur ein Zeitphänomen war, sondern ihm, auf einer persönlichen Ebene, half, sich über den Verlust seiner geliebten Frau hinwegzutrösten.

Auseinandersetzung mit Körperlichkeit, ganz und gar anders, fand ich später dann auch in der Pina-Bausch-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau. Die Ausstellungshalle war für mich eine architektonische Entdeckung; die Ausstellung an sich ging jedoch nicht in Resonanz mit mir. Vielleicht liegt es daran, dass für mich Tanz ein Ritual ist und deshalb Tanz niemals Theater sein kann, der Darsteller und Zuschauer voneinander abtrennt und immer unterhaltend sein will? Darüber hinaus, so meine Überzeugung,  lässt sich Tanz niemals in eine Ausstellung bannen, auch wenn durch Videoaufzeichnungen und Trainingssequenzen, denen ich jedoch nicht beiwohnte, von den Ausstellungsmachern versucht wurde, dieses Problem zu beheben. Der Tanz aber entzieht sich dem. Beschwingt.

In der Pina-Bauch-Ausstellung sah ich eine filmische Aufzeichnung, in der ein Tänzer das mythische Fabelwesen eines Zentaur eindrucksvoll darstellte. Dieses magische Wesen fand ich dann, unweit des Checkpoint Charly’s, vor der LBB,  als Skulptur wieder vor.  Der Zentaur streckt dort die Hände aus, um Erlösung zu finden. Mit diesem Bild schließt sich dann der Kreis dieses erlebnisreichen Tages in Berlin für mich, der mir  gezeigt hat dass alles mit allem zu tun haben kann,  vorausgesetzt nur, dass man offen für die Zeichen ist, die einem im Alltag begegnen.

 

Hier sind meine fotografischen Souvenirs vom Georg-Kolbe-Hain.

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Zur Hölle noch einmal! Kali

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Das ist das Haindl- Tarot, was ich momentan gerne benutze. Die mittlere Karte zeigt Kali – umgekehrt.

Kali – das ist die Vama Magna, die große Mutter, in ihren drei Aspekten – weiße Jungfrau,  rote und gebärende Mutter und  schwarze Todesgöttin.  Auf der Karte ist sie in ihrem dunklen Aspekt zu sehen, wie sie sich mit dem toten Shiva vereinigt, der einst  – genauso wie Brahma und Vishnu  – aus ihr geboren wurde.

Die Göttin ist hier in ihrem dritten und dunklen Aspekt zu sehen: als Zerstörerin. Sie ist Mutter und Grab zugleich. Eine Kinderfresserin, die nicht nach einer falschen Harmonie strebt, die doch nur Täuschung wäre.

Um ihren Hals hängt eine Kette mit Totenköpfe.

Sie ist die Göttin der Vampire, die am Abgrund  zwischen Eros und Thanatos tanzt. Sie trinkt das Leben und wird so selbst zum Abyss. Bodenlos!

Sie hat viele Namen. Sie lässt uns in unsere Tiefe blicken. Kali zerstört ihre Gegner und trinkt das Blut ihrer Feinde. Ich möchte es ihr gleichtun.

Sie ist Feuer, das gleichsam zerstörerisch wie auch schöpferisch wirkt.

Ihre Antipodin  ist die Eiskönigin, deren Gefühle zu Eis erstarrt sind, einfach deshalb, weil sie entweder niemals in ihre Kraft  gekommen ist oder weil sie  im Laufe ihres Lebens zu viele Enttäuschungen hat erdulden müssen, die ihr Feuer haben erlöschen lassen.  Eine schier endlose Stagnation ist die Folge.

Mutterschaft – zum Beispiel –  kann die Kräfte der weiblichen Energie binden und sie in den gesellschaftlich Rahmen pressen, der die Frauen domestiziert. Vereist. Dann erstarrt alles und die Frauen werden zu Eisköniginnen, immer kontrolliert und immer bedacht, nicht anzuecken, nicht aufzufallen, nicht aus den ihnen zugedachten Rahmen zu fallen.

Als kaltherzige und unbarmherzige Eisköniginnen kennen wir sie aus dem Märchen, aber auch im Film begegnen sie uns,  beispielsweise in “Die Chroniken von Narnia”. Sie sind böse und tyrannisch. Selbst wenn sie nicht die Maske der Eiskönigin tragen, können wir sie erkennen: als 13. Fee im Dornröschen-Märchen, genauso wie als Archetyp der bösen Stiefmutter oder als die “Ausnahme”-Frau in einer Führungsposition, die ihre Weiblichkeit der falschen Karriere hat opfern müssen und nun all das, was noch Leben in sich trägt, vernichten muss. Zwanghaft.

Die umgedrehte Kali bezeichnet eine solche Frau und weist gleichsam den Weg aus der erstarrten Maske heraus. Eine Frau (oder auch der weibliche Anteil eines Mannes) ist hier gemeint, die das Potential der Verwandlerin besitzt, dieses aber nicht ausleben will oder kann. Opfertanz eben. Und so ist das Feuer gedrosselt, die Flamme erlischt und das kalte Eis breitet sich aus.

Dem ist beizukommen mit Eismagie.  Wir drehen die Karte um. Kalis Feuer lässt das Eis schmelzen und alles gerät  in freudige Eruptionen. Die weiblichen Energien werden freigesetzt und der veränderte Bewusstseinszustand der Ekstase erschafft – sozusagen als inversen Prozess –  den Doppelgänger, der – wie C. G. Jung schon richtig erkannt hat – bei der Frau ein Mann (animus) und beim Mann eine Frau (anima) ist. Crowley nannte diese seine “scarlet woman” und ich habe ihn noch keinen Namen gegeben.

Kalis rote Zunge hängt heraus.  Ich rufe den Hexen-Sabbat aus,  male Kali mit breitem Pinselstrich auf die Leinwand, werde eins mit ihr. Und im Feuer des kreativen Flusses öffne ich die Acrylfarben-Tube mit meinem Mund und blaue Farbe ergießt sich auf meine Zunge. Rot wird zu blau und ist nun doch kein Eis mehr.

Und ich tanze auf dem, was tot ist in meinem Leben, nähre mich davon und transformiere es. Feuersturm. Opfertanz.  Und so bin ich zu einer neuen Kali geworden, die einen Dämon gebiert, den sie aussendet in die objektive Welt, um zu zerstören, was danach verlangt. Eine neue Schöpfung eben.

 

Work in progress:

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Opfertanz

Thomas Altmann schreibt im „Manifest der Diloggún”:

„Durch die Vernichtung des körperlichen und formhaften Zustandes eines Gegenstandes, einer Pflanze oder eines Tieres wird geistige Energie freigesetzt, indem sie der Stofflichkeit entbunden, aus ihrer Bindung an Stoff befreit wir, und dies in überproportionalem Maße. Diese geistige Energie kann – und muss- sinnvollerweise auf ein geistiges Ziel gerichtet werden, um Resultate im Orun zu erzielen, die ihrerseits wieder in der diesseitigen Welt (Ayé) Realitäten bewegen. Ein Opfer ist ein magischer Akt.“
(Altmann, Thomas, 11/2009: Manifest der Diloggún, S.3)

In Afrika werden Hühner geopfert, um diese Kraft freizusetzen. In Deutschland ist es mittlerweile subtiler. Dort werden die Seelen von Menschen geopfert, um mit ihrer Lebensenergie die gesellschaftliche Trance, genährt aus Stasis und Angst, zu nähren. Wenn die Seele sich aber erst einmal vom Körper gelöst hat, dann bleibt der Mensch „seelenlos“ zurück. Er wird zum Zombie, zum blechernen Maschinenmenschen, der nur noch funktioniert.

Und der Maschinenmensch fragt sich, sofern er überhaupt noch dazu in der Lage ist, welchen Anteil er selbst am Schrecken der Welt, um ihn herum, hat?

Marko Pogacnik  schreibt:

„Lasst uns in Gedanken an den Anfang aller Existenz gehen. Die Welt, die um uns herum schwingt, stellt sich unseren Sinnen als eine fest in Form gegossene Welt dar. Die feste Form der Umwelt könnte sich jedoch eines Tages als Täuschung entpuppen, wenn sich die Vermutung bestätigen sollte, dass unsere fünf Sinne die Funktion haben, aus den Schwingungsfeldern unserer Umgebung diejenigen Elemente herauszupicken, die sich in einem festen, logisch nachvollziehbaren Weltbild zusammenfassen lassen. Würde das dann nicht bedeuten, das die Wirklichkeit, die wir beobachten, lieben oder sogar hassen, unsere eigene und eigenartige Schöpfung ist? Ich frage mich immer wieder, wie die Welt, durch die Augen einer Biene oder eines Bären gesehen, aussieht. (Pogacnik, Marko: Synchrone Welten. Geomantie des zwölfdimensionalen Lebensraums. Aarau und München 2011, S. 8?)

Doch NEIN: Ich widerspreche der Vorstellung einer 100% Konstruktion der Wirklichkeit durch das einzelne Individuum, wie es uns manche Esoteriker vermitteln wollen, schließlich würde dies auch bedeuten, dass ich mich selbst zum Opfer mache. Und obwohl ich – wie es uns Marko Pogacnik nahelegt – sicherlich meine Welt immer auch  konstruiere,  sie also durch verschiedene Gedanken-Filter betrachte, existiert  – da bin ich mir gewiss – eine objektive Welt, die wir mehr oder weniger vollständig, abhängig von der persönlichen Tagesform und von der uns zur Verfügung stehenden  Intelligenzleistung,  sowie der Synthese von intuitivem und intellektuellem Wissen,  … etc. erfassen, die wir aber nicht immer in unserem Sinne beeinflussen können.  So erkennt die Biene einen Teil der Wirklichkeit, wir aber einen anderen. Als Mensch, der  – um mit Nietzsche zu sprechen-  bestrebt sein sollte, sich zum Übermenschen zu entwickeln, obliegt es uns, auch die Wirklichkeitserfassung einer Biene in unser Weltbild zu integrieren, das eines Elefanten und jenes unser Mitmenschen. Und so werden wir, indem wir die terra mundi in all ihren Facetten erkennen, die objektive Wirklichkeit  also „paradimensional“ erfahren, zum Übermenschen, zum Magier und zur Zaunreiterin.

Mehr noch: Wir sind diejenigen, die Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe innehaben und dies häufig nicht wahrhaben wollen. Deshalb sei es LAUT verkündet: Wir sind die Hüterinnen der Erde.

Und wenn wir unsere Kraft nicht mehr verleugnen, dann ist der erste Schritt dafür getan, dass uns die äußere Welt keinerlei Leid mehr zuzufügen vermag. Schließlich, das wissen wir nun,  haben wir dieses Elend  teilweise (aber nicht vollständig!!!)  auch selbst erschaffen und dadurch haben wir  –  jetzt JA – das willfähige Opfer  der Zustände der objektiven Welt abgegeben. Unbewusst. Entfremdet von uns Selbst.

Rahel Jaeggi  schreibt dazu:

„Entfremdet (nämlich) sind wir immer von etwas, das uns zugleich eigen und fremd ist. In entfremdete Verhältnisse involviert, scheinen wir auf komplizierte Weise immer zugleich Opfer und Täter zu sein. Derjenige, der sich in seiner bzw. durch seine Rolle entfremdet, spielt diese gleichzeitig selbst; wer sich durch fremde Wünsche geleitet sieht, hat diese doch gleichzeitig  verursacht – und  es würde die Komplexität der Situation verkennen, wenn wir hier schlicht von internalisiertem Zwang oder von psychischer Manipulation sprächen. Soziale Institutionen, die uns erstarrt und fremd gegenüberstehen, sind gleichzeitig von uns geschaffen. Wir sind hier, das ist das Spezifische der Entfremdungsdiagnose, nicht Herr über das, was wir zusammen — tun.“ (Entfremdung: Zur Aktualität eines sozialphilosophischen Problems, 2005)

Erich Fromm bringt das im  o.g. Zitat ausgedrückte  Gefühl der Ohnmacht noch drastischer auf dem Punkt, u.a.  auch,  indem er, ganz zufällig, eine Referenz auf meine  Riesen-Thematik  gibt. Er nutzt nämlich den Begriff „Riesenmaschine“, um zu beschreiben, was den bürgerlichen Menschen in einem Indifferenz-Verhältnis beherrscht.

„Er (der bürgerliche Mensch) produziert eine Welt der großartigsten und wunderbarsten Dinge; aber diese seine eigenen Geschöpfe stehen ihm fremd und drohend gegenüber; sind sie geschaffen, so fühlt er sich nicht mehr als ihr Herr, sondern als ihr Diener. Die ganze materielle Welt wird zum Monstrum einer Riesenmaschine, die ihm Richtung und Tempo seines Lebens vorschreibt. Aus dem Werk seiner Hände, bestimmt, ihm zu dienen, und ihn zu beglücken, wird eine ihm entfremdete Welt, der er demütig und ohnmächtig gehorcht.“

Und nachdem wir nun die tödliche Mechanik der Riesenmaschine erkannt haben: endlich,  erinnern wir uns daran, dass wir nicht Sklavin, sondern gleichsam Erbauer und Zerstörerin sind: ganz wie es uns beliebt. Wenn wir das Leid der objektiven Wirklichkeit teilweise selbst zu verantworten haben, dann können wir auch dessen  dumpfen Staccato durchbrechen, indem wir den Weg der EIGENMACHT beschreiten.  BEWUSST! Er besteht im beständigen Wandel, im beständigen „Werden“, womit wir die Festlegung auf ein starres Weltbild ablehnen müssen, denn dies würde erneut die riesenhaften Kräfte herbeirufen, die immer dann erwachen, wenn sich ein unbewusster Schlaf, oder  – anders ausgedrückt – eine Gesellschaftshypnose, über die Menschen wie ein starres Leichentuch legt.

Insofern sollte es unser beständiges Trachten sein,  die objektive Wirklichkeit in all ihren Facetten zu erkennen  und  auch zu beherrschen, indem wir unser subjektives Wollen in die objektive Welt tragen: gleichsam dekonstruktivistisch wie auch konstruktivistisch.

Dies ist auch die Botschaft von Odin, dem männlichen Hauptgott des germanischen Pantheons, dem mit Loki eine spirituelle Bruderschaft verbindet, hinter der sich das tiefe Geheimnis verbirgt, dass es sich bei Loki um einen abgespaltenen Schattensaspekt  von Odin handelt.

Loki hat  in seiner göttlichen Triade, bestehend aus Odin und seinen Brüdern Vili und Vé, dem Riesen Ymir getötet. Dadurch sorgt er dafür, dass das menschliche Leben dazu dienen soll, sich aus der Abhängigkeit zu ihren riesenhaften Schöpfern, symbolisiert durch Ymir,  zu  befreien und stattdessen das eigene Bewusstsein und damit gleichsam  eine  freudvolle Ekstase  zu entwickeln, um letztendlich  von ihnen – den Thursen-Riesen – eine Erklärung für ihre  fehlerhafte Schöpfung einfordern zu können.  Dann – und nur dann –  begegnen sich Gleiche unter Gleichen, was zu einer  reinigenden Metamorphose führen wird, wie sie uns nach dem Ende dieser Welt in der Edda versprochen wird.

Und so tanzt das einstige  Opfer auf den Überresten einer Zivilisation, die aufgehört hat, diesen Namen zu verdienen.

Schluss nun – ein für allemal – mit Riesen. Fort mit euch! „Existenz existiert“, wir erinnern uns an das Paradigma von Ayn Rand und trachten danach in der Kraft dieses Augenblicks,  unser Bewusstsein zu leben. Totentanz. Opfertanz. Freudenzauber.

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Im Tanz die Unendlichkeit berühren

Dieser Text ist in meinem Buch “Mami Watas Tanz” 2008 erschienen. Mittlerweile ist es nur noch in Restbeständen käuflich zu erwerben.

Tanz ist eine wichtige Form der religiösen Äußerung, machtvoll und wild. Bauchtanz ist der Weiblichste aller Tänze, was liegt also näher, als den Bauchtanz als ein Tor zu erkennen, durch das wir treten können, um uns eine weibliche Spiritualität zurückzugewinnen, die längst verloren geglaubt schien.

Nicht länger wollen wir mit unseren stinkenden Autos der dicht befahrenen, breiten Straße folgen, die uns direkt zur Hölle des Plagiats führen würde. Ein Unfall wirft uns aus der Bahn und lässt uns einen kleinen steinigen Pfad entdecken, der unscheinbar von der großen Straße abzweigt.

“Da müsst’ ich ein Narr sein, wenn ich den engen und rauen Weg gehen sollte”, verkündet Bruder Lustig im alten Märchen. Doch wir, wagemutig geworden, werden zur Närrin und verlassen unser sicheres Auto.

Unser eigenes Lebensprofil wollen wir entwickeln, sei es nun im Tanz oder in anderen Lebens-Künsten. Und so folgen wir unserer eigenen Bestimmung, unserem ureigensten Talent, das wir einst von einer gutmütigen Fee in die Wiege gelegt bekommen und danach – in der Phase der Imitation – vervollkommend haben.

Wir wandern den kleinen Pfad entlang. Bald schon finden wir uns in einem dunklen unüberschaubaren Tannenwald wieder. Die Bäume stehen eng beieinander. Immer dichter drängelt sich ein Baumstamm an den nächsten, schließlich sickert das Tageslicht nur noch als ein spärlicher Schimmer von oben herein. Die ungewohnten Geräusche des Waldes, das Knacken und Rascheln im Unterholz, mahnen uns zur Umkehr. Doch wir lassen uns nicht beirren und singen ein fröhliches Lied gegen die Angst: “Ich wandere meinen Weg, über Brücke und Steg.” Und während wir noch selbstvergessen “bald da, bald dort, immer fort und fort” summen, haben wir längst den kleinen Pfad im wild wuchernden Gestrüpp verloren.

Nur Kleingeister versinken nun im Selbstmitleid und trauern der stinkenden Schnellstraße hinterher, die Sicherheit versprach und doch nur Tod meinte. Voller Panik irren sie, auf der Suche nach ihren leicht demolierten, dennoch startklaren Autos, durch den Wald. Wir dagegen verlassen uns lieber auf unsere Intuition. Unabwendbar wird sie uns zurück zum kleinen Pfad führen, der uns schließlich zu unserer wahren Bestimmung, dem Himmel, bringen wird.

Schon auf unserer Wanderschaft werden wir belohnt durch ungeahnte Perspektiven, die sich uns auftun. Und langsam, ganz langsam, werden wir dabei selbst zu dieser starken Tänzerin, deren Arme – ganz ohne orientalische Choreografien – in den Himmel weisen. Die Füße stehen dabei fest auf der Erde. Ihre Hüften zeichnen unsichtbare Achten. Achten nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten. Sie versinkt selbst in ihren Achten, wird eins mit der Figur, dem Symbol für die Unendlichkeit.

Auch der Kreis des Jahres wiederholt sich unendlich. Anschaulich führt uns der Jahreskreis vor Augen, dass auf die Dunkelheit das Licht folgt. Nach einem langen  kalten Winter, wenn sich die ersten Frühlingsblumen noch mühsam durch den Schnee kämpfen, trägt unsere Hoffnung farbenfrohe Knospen. Und wir feiern ein fröhliches Frühlingsfest, feiern uns und die wiedererwachende Natur.

Unentwegt zelebriert die Frau weiterhin Achterschleifen, die wie Räder hinweg rollen auf der Straße des Lebens. Es wird Sommer, Herbst und Winter. Im Frühling kehrt sie zurück, zum Ausgangspunkt, an dem alles begann. Acht mal Acht ergibt dann auch 64 und schon im I-Ging, dem chinesischen Orakelspiel, folgt dieser Zahl nur noch die Vollkommenheit.

Wer ist die Frau, die da unermüdlich tanzt? Du bist es; ich bin es; wir sind es. Es ist die Allmutter, die Göttin selbst, die alles Leben aus ihrem großen dicken Bauch hinaus presst, immer wieder.

Und so tanzen wir mit ihr zusammen im Reigen der alten Jahreskreisfeste. Acht Feste gibt es. Acht Feste zum Tanzen, Singen und Fröhlichsein.

Die Jahreskreisfeste geben uns einen Rahmen vor, eine Struktur, die wir jeweils mit zauberhaften Festen füllen können. In deren schützendem Rahmen können wir uns rückbesinnen auf längst vergessen geglaubte weibliche Lebenskraft. Weibliche Kreativität, die sich bisher nicht in gesellschaftlich anerkannte Bahnen lenken ließ, die schließlich negiert, dann vergessen wurde, bahnt sich wieder einen Platz: frei, wild, entschlossen, vielleicht auch beunruhigend hässlich! Wir dürfen es wieder sein. Hysterisch! Warum eigentlich nicht? Kreischend! Das sind wir. Ein Haufen von fettwanstigen Weibern mit Hängebusen, die den “Arsch” wackeln lassen und dabei die Wünsche und Träume, die vor Jahren die Mutter in die Spielzeugkiste gepackt hat, wieder Gestalt werden lassen.

Tanzende Frauen treffen auf Geschichten erzählende, schreibende, malende und musizierende, acht Mal im Jahr. Es gibt keine starre Trennung mehr zwischen den Kunstgattungen. Und was wird daraus?

Magie. Zauberei. Die I-Magie-nation der eigenen Wünsche und Träume mit Hilfe von Symbolen bewirkt Wundersames: erst bei dir und dann auch in der Außenwelt. Du beginnst vielleicht  zu fordern, was dir zusteht, mehr Raum, nicht nur Frauenraum. Du machst dich auf, beginnst die Expedition, folgst der eigenen inneren Landkarte, beginnst das Territorium für dich abzustecken, zu erobern. Leichtfüßig tanzt du durch die Stadt, durch das Land. Du bist das Mädchen mit den tanzenden Schuhen, kannst gar nicht mehr aufhören. Aber was ist daran noch schlimm? Im Märchen von Andersen ist das alles vom Teufel, aber wenn doch die ganze Welt mittanzt, eine tanzende, feiernde Welt von fröhlichen Frauen und Kindern, sogar die Männer lassen schließlich Schlips und Aktentasche fallen, tanzen mit dir, gleichberechtigt, dann gerät alles in einen beschwingten Fluss. Und plötzlich findet ihr euch wieder in der märchenhaften Zeit, wo das Wünschen noch geholfen hat. Doch es ist Gegenwart: wo das Wünschen noch hilft. Und ehe ihr euch verseht, ist der Teufel längst ein für allemal in die Hölle gefahren und mit ihm all die hässlichen Fabriken und öden Büro-Kasernen.

Dahin kann es führen, wenn du der tanzenden Urmutter, Athene, Frau Holle, Maria oder wie du sie auch nennen magst, in dir Raum gibst. Die Göttin hat die Kraft zur Veränderung. Sie verspricht keinen Fortschritt mehr, der immer nur ein Mehr an Lebensfeindlichkeit bedeutet. Sie schenkt Lebensqualität und ist in  dem, was sie bewirkt, genauso real wie der Gott, der grüne Mann, der immer wieder am Ende eines Jahres geopfert werden muss, um ein neues Wachstum der Natur zu ermöglichen.

Und so kehrt die Göttin langsam, auch mit deiner Hilfe – zum Beginn eines neuen Zeitalters – zurück, um die Menschen auszusöhnen mit ihrem Planeten: der Mutter Erde.

ColorSplashsigille

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